Flug zum Mond, gescriptet
Ich wollte gestern den Weltläuften entfliehen (für die des anspruchsvollen Deutschen Kundigen: Ich wollte die Weltläufte fliehen) und kaufte mir einen wiederverwendbaren Mondflug (gut vier Euro) in Secondlife. Ich hatte schon vor mehr als zehn Jahren vom „Hersteller“ etwas Ähnliches erworben; es funktioniert immer noch und ist immer noch außergewöhnlich. Die verkaufen cooles Zeug.
Für diejenigen, die kleinen blassen Schimmer haben, wie das funktioniert: Das virtuelle Objekt erscheint nach dem Kauf als Symbol im Inventar des Avatars (das sich durchsuchen lässt). Hier also LAUNCHER_LACUS-MORTIS_MOON-BASE. Das Objekt kann aus nur einem Prim (Polygon) sein oder aus Dutzenden oder gar Tausenden. Man rezzt es, das heißt: Es erscheint in der virtuellen Welt, vorausgesetzt, man hat die Rechte, das zu tun. (Ich habe eine eigene Sim und darf das natürlich.)
Hier erscheint eine Rakete aus ca. 30 Prims. Der Avatar kann sich auf einen der Sitze platzieren und dann auf Buttons drücken, etwa „launch“ oder „start engine“. Das funktioniert über Scripte, der der Schöpfer der virtuellen Objekts vorher eingebaut hat. (Mittlerweile beherrscht sogar ChatGPT die Secondlife-interne Scriptsprache.) Ein Script kann sehr einfach sein wie ein „Giver“-Script, etwa nur einen Text ausgeben, wenn der Avatar auf das Objekt klickt.
In diesem Fall verhält sich der „Mondflug“ zu einem „Giver“-Script wie ein hypermoderner Panzer zu einem Holzauto. Wenn die Rakete auf eine vom User/Avatar per Menu definierte Höhe geflogen ist, sieht man plötzlich ziemlich realistisch den Weltraum, Erde und Mond. Das zu scripten, muss höllisch aufwändig gewesen sein und wird durch eine kugelförmige Projektion im Inneren eine riesigen Prims erzeugt. Nicht nur das: Das Raumschiff, in dem der Avatar sogar herumlaufen kann, fliegt in Richtung „Mond“ und braucht dazu eine knappe Viertelstunde, während die Oberfläche des virtuellen Erdtrabanten immer näher kommt.
In der Mondumlaufbahn wird ein Teil des „Raumschiffs“ weggesprengt und verschwindet (die Kugel ist der „Ereignishorizont“ – man sieht nichts außerhalb des Riesenprims). Der Rest landet auf der Mondoberfläche, wo man eine kleine Raumstation vorfindet, die man betreten kann. Es gibt sogar einen Mondrover, mit dem der Avatar durch die Gegend düst, wenn er will. Und natürlich eine Reminiszenz an „Odyssee im Weltraum“ und „Stargate“ und noch ein paar Überraschungen. Man kann sogar zurückfliegen und landet dann dort, wo man herkam.
Ich habe keine Ahnung, wie man so etwas hinbekommt – das müssen unzählige und höchst komplexe Scripte sein. Das ganze Szenario verbirgt sich in dem einen Prim im Inventar. Chapeau! kann ich nur sagen. Ganz großes Kino und große Scriptkunst.

Ausschnitt aus dem Inventar – also das, was mein Avatar mit sich herumschleppt und was immer verfügbar ist.
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