Quipu superstructure oder: Nichtlineare Dynamik

quipu superstructure
This image shows five newly discovered superstructures. Quipu (red) is the largest structure ever found in the universe. The others are Shapley (blue), Serpens-Corona Borealis (green), Hercules (purple) and Sculptor-Pegasus (beige). Credit: arXiv (2025). DOI: 10.48550/arxiv.2501.19236

Wir haben nicht nur Einstein-Ringe, sondern – ganz woanders – eine Quipu Superstruktur, „the largest superstructure in the universe“.

Ich habe da mal eine philosophische Frage. „Die Struktur des Kosmos ist durch die großräumige Anordnung und Verteilung der beobachtbaren Materie im Universum charakterisiert. Astronomie und Kosmologie beobachten das Weltall, um dessen Strukturen im großen Maßstab zu verstehen.“ Wenn ich das richtig verstehe, ist „Struktur“ etwas, was man dem, was man sieht, nachträglich überstülpt. Ich kann stundenlang auf Kieselsteine am Strand glotzen und dennoch kein Muster erkennen. Ich gehe davon aus, dass es im Universum ähnlich ist, da überall dieselben Naturgesetze gelten und das Große dem Kleinen ähnelt und umkehrt.

Im Kosmos erkennt man leichter bestimmte Muster, weil der eben nicht so mit Sternen voll ist wie ein Strand mit Sand oder Steinen. Aber sind diese Strukturen nicht reine Willkür, weil wir das Universum analog zu unserer Erde sehen und „verstehen“? Ist eine Superstruktur nicht vielmehr das reine Chaos, dem wir versuchen, einen Sinn – also eine „Struktur“ – zu geben, indem wir es zum Beispiel „nichtlineare Dynamik“ nennen?

Im Wesentlichen beschäftigt sie [die Chaostheorie] sich mit Ordnungen in speziellen dynamischen Systemen, deren zeitliche Entwicklung unvorhersagbar erscheint, obwohl die zugrundeliegenden Gleichungen eigentlich deterministisch sind. Dieses Verhalten wird als deterministisches Chaos bezeichnet und entsteht, wenn Systeme empfindlich von den Anfangsbedingungen abhängen: Wiederholungen eines Experimentes können dabei aufgrund minimaler, kaum unterscheidbarer Ausgangsbedingungen im Langzeitverhalten zu höchst unterschiedlichen Messergebnissen führen (die Chaostheorie besagt also nicht, dass tatsächlich identische Anfangsbedingungen zu verschiedenen Ergebnissen führen würden). Chaotische dynamische Systeme sind nichtlinear.

Das erinnert mich wieder an die metallischen „Fliegen“ in Stanislaw Lems Der Unbesiegbare. Auch deren „Struktur“ unterlag keinerlei vom Homo sapiens erkennbaren Gesetzmäßigkeit, aber sie waren in der Lage, das, was sie „sahen“, temporär zu imitieren, was man philosophisch als „verstehen“ deuten könnte.

Wir suchen nicht nach einem „Sinn“, sondern nach Gesetzen, die man in mathematische Formeln pressen kann. Ist also eine Superstruktur nichtlinear oder nicht?

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Kommentare

6 Kommentare zu “Quipu superstructure oder: Nichtlineare Dynamik”

  1. Godwin am Februar 10th, 2025 9:14 p.m.

    was sagt Marx?

    gibt es etwas keinen tendenziellen Fall der Strukturrate?

  2. blu_frisbee am Februar 10th, 2025 10:16 p.m.

    1) Das beobachtbare Universum ist viel voller.

    2) Bereits Sterne und ihre Bilder haben Namen und Geschichten die sich Affen am Feuer erfinden.
    https://www.youtube.com/watch?v=Ac5WVZ9M9Z8
    https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_L%C3%A9vi-Strauss Das Rohe und das Gekochte
    Der hellste Stern im Wassermann ist der Sandalmelek.
    Sein Aufgang indiziert im arabischen Raum die Regenzeit.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelpendel

    3) Die Muster sind im Hirn des Beobachters.
    Hypothese vom Urknall sind irgenwelche Wellen die Materie so strukturiert hätten. Deshalb wird durchsucht.
    Die Qualität von Theorie ist Prognose der Realität.

  3. ... der trittbrettschreiber am Februar 11th, 2025 4:21 a.m.

    Erkenntnistheoetisch spricht Kant nicht vom Ueberstuelpen, das ist ja eine Aktion. Kant verortet Strukturen a priori in unserer (begrenzten) Faehigkeit, die Realitaet wahrzunehmen.
    Stuelpen ist auch nicht schlecht, wenn mans denn koennte, perspektivisch etwas egozentristischer ware, sich eine gerasterte Brille aufzusetzen. Leider haben wir eine, die uns wie eine Linse bereits aufgewachsen ist. Stuelpen ist irgendwie das festhalten Wollen am freien Willen, der angeblich allen Handlungen zugrunde liegen soll – aber hat irgendwer JEVERmocht mit reiner Willenskraft ein Zischen zu ueberhoeren….hx?

  4. nOby am Februar 12th, 2025 3:35 p.m.

    Sorry, ich habe mir nur den ersten Absatz durchgelesen. Habe also nix gelernt von Dir. Trotzdem habe ich anderswo was gelernt.

    Ich weiß jetzt was ein Quadrell ist.

    Ich weiß jetzt was Farhud bedeutet.

    Ich weiß jetzt jemanden einen Hofnarr zu nennen ist Rassismus.

  5. ... der trittbrettschreiber am Februar 12th, 2025 8:13 p.m.

    @nOby

    … darf man Herrn Scholz denn noch „Kanzler“ nennen – ohne als Sexist zu gelten…hx?

  6. Joachim am Februar 13th, 2025 3:16 p.m.

    Mit allem Respekt nur meine leider zu lang gewordenen 2 Cent:

    „die Chaostheorie besagt also nicht, dass tatsächlich identische Anfangsbedingungen zu verschiedenen Ergebnissen führen würden“

    Mathematisch betrachtet ist das korrekt. Nur manchmal können wir das Ergebnis gar nicht (klassisch analytisch geschlossen) berechnen. Etwa beim Drei Körperproblem oder beim Doppelpendel. Dazu kommt, dass in der Realität die Brownsche Molekularbewegung, die Heisenbergsche Unschärferelation, Rechengenauigkeit und etwa die Regeln der Quantenphysik verhindern, dass sich die Ausgangsbedingungen wieder herstellen oder auch nur erkennen lassen. Das relativiert diese und jede Aussage. Von Gödels Satz über Widersprüchlichkeit oder Unvollständigkeit der Mathematik brauche ich da noch gar nicht anzufangen.

    Ist die Welt deterministisch? Ja, sobald wir die Kiste öffnen, wissen wir, die Katze ist tot oder auch nicht. Vorher nicht. Wissen und Wahrheit sind der Zusammenbruch der Wellenfunktion. Wissen und Wahrheit sind also nicht der Anfang. Sie sind (im diesem Sinn) das Ende!

    Selbst ein LLM reiht nur die wahrscheinlichsten Worte ohne jegliche reale Bedeutung rein statistisch aneinander. Es lassen sich keine absoluten Aussagen treffen. Bedeutung erschafft nur unser Pragmatismus. Und klar, manche Präsidenten übertreiben hier maßlos und unverantwortlich. „Get your share“ ist reichlich naiv oder egozentrisch, IMHO dumm, je nach Prämissen.

    Was die Muster und Strukturen im Universum angeht, die „Entdeckungen“ sind kein Selbstzweck. Es geht um die Frage: „warum ist es so (wenn es denn überhaupt so ist)?“. Wir suchen Erklärungen und greifen ab und an auch daneben. In der Welt von Schrödingers Katze greifen wir verzweifelt nach jedem Strohhalm.

    Das ist nicht so negativ, wie es klingt. Ein positiv-Beispiel mit Steinen am Strand lass ich hier mal weg. Vielleicht später.

    Die Superstruktur ist natürlich „nichtlinear“. Auf unterster Ebene ist alles „gequantelt“ und damit nichtlinear.

    Die Frage nach Determinismus mündet in der Erkenntnis, dass der Ausgangszustand der Status des Universums ist. Um den darzustellen braucht es etwas von der Größe des Universums. Hab aber gerade kein Universum in der Tasche ;-) Lassen wir da jedoch etwas weg, so können wir niemals sicher sein. Keine Simulation ist perfekt.

    Die Antwort auf alle Fragen ist also „ja, aber“. Kannst auch 42 sagen. Sie ist folglich irrelevant.

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