Seilzieher, baumlange Neger, Strohgeklebtes und Zusammengewürfeltes

Havelberg

Einen habe ich noch. Wir bleiben noch kurz in der hier schon mehrfach erwähnten beschaulichen Kleinstadt und schauen uns eine Modelleisenbahn an, wie früher Schiffe den Fluss hinaufgezogen wurden, wenn der Wind nicht günstig war oder sie zu schwer zum Rudern.

ChatGPT: Früher nannte man die Personen, die Schiffe mit Seilen flussaufwärts zogen, „Seilzieher“ oder „Schiffszugleute“. In manchen Regionen wurden sie auch als „Zugleute“ bezeichnet. Diese Tätigkeit war besonders an Strömungsgewässern verbreitet, wo Schiffe nicht allein mit Segeln oder Motoren gegen die Strömung fahren konnten.

Havelberg

Nach dem Element Wasser kommt naturgemäß das Feuer als sein Gegenteil. Wir müssen Ludwig Scabell lobend erwähnen, der die Berliner Feuerwehr gegründet hat. Im Februar überheizten Soldaten den Ofen in einem Wohnhaus Havelbergs dergestalt, dass das Heu auf dem Dachboden Feuer fing.

Die Bürger hackten Löcher in das Eise der gefrorenen Havel, in die die Spritzschläuche der Feuerwehr gesteckt wurden. Aber die Schläuche froren bei minus 16 Grad ein! Ein eisiger Nordwind fachte die Flammen weiter an. Schon sehr bald standen mehrere Straßen in Flammen. Nach vier Stunden gaben die Bürger auf und versuchten nur noch, ihre Haben zu retten.

Havelberg

Wir lesen im Museum Havelbergs: „Der Bürgermeister telegraphierte nach Berlin um Hilfe und König Wilhelm entsandte eine Abteilung von 150 Mann der Berliner Feuerwehr per Extrazug nach Glöwen. Sie erreichten unter Führung des Branddirektors Scabell gegen 3 Uhr in der Nacht das brennende Havelberg und hatten das Feuer am Nachmittag des 7. Februar unter Kontrolle.“

Was für ein Drama! Was für ein Filmstoff! Besser kann es sich Hollywood gar nicht ausdenken, nur dass man heute mühsam erklären müsste, was telegrafieren ist.

Havelberg

Havelberg bekam erst 1901 die ersten 21 Telefonanschlüsse. Jetzt, da wir eh schon im Museum sind, wenden wir uns kurz alten Scharteken zu. Das Museum in Havelberg war früher ein Kloster und sieht natürlich auch so aus. Die Mönche gehörten zu den
Praemonstratensern
, von denen – ich gebe es zu! – noch nie wirklich etwas gehört hatte. „Eine Besonderheit – in dieser Zeit allerdings nicht einzigartig – der ersten prämonstratensischen Gemeinschaften war, dass es sich bei ihnen um Doppelklöster handelte, in denen also Frauen und Männer lebten, wenn auch in zwei voneinander organisatorisch getrennten Konventen.“

Da fanden sich doch bestimmt Geheimgänge oder Stelldicheins im Gebüsch! Überdies arbeiten die Praemonstratensern nicht, sondern widmen sich dem Schreiben. Das Essen ist daher bestimmt nicht so gur wie bei den Benediktinern.

HavelbergHavelberg

In einem ehemaligen Kloster findet man natürlich Gesangbücher und das, was man in Klöstern so las.

museum Havelbergmuesum Havelberg

Fragmente der Klosterbibliothek, Pergament, Ende des 13. Jahrhundert. (oben)

Die von einem Bucheinband abgelösten Pergament enthalten Texte des Jacobus von Voragine. Sie gehörten zu einem Buch der Klosterbibliothek über das Leben der Heiligen des Kirchenjahres.

Die Bibliothek in diesen Mauern war bedeutend für die Region. Es sind rund 300 Werke überliefert, darunter 48 Handschriften aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Sie umfassten grundlegende Werke der Theologie, des rechts, der Medizin und der Geschichte. Ein großer Teil ging im Dreißigjährigen Krieg verloren.

Bei der Auflösung des Domstifts 1819 wurden die erhaltenen Bücher und Handschriften der Staatsbibliothek in Berlin übergeben.

Was für ein Jammer. Theologische Bücher brauchte ich nicht, aber ich besäße gern ein großes gekühltes Lagerhaus mit den Werken der Bibliothek von Alexandria. Dann hätte ich ausgesorgt.

Havelberg

Die Leser werden schon ungeduldig auf ihren Gamer-Sesseln herumruckeln und fragen: Und was ist mit den baumlangen Negern? Es geht um die Kriegsinternierten, auch bekannt als prisoners of war und auch Zivilpersonen, 1914-1921 (wieso nicht 1918?). Julian Marchlewski wurde auch im Lager gefangengehalten.

Havelberg

Bald kamen vom Bahnhof her wieder eine große Anzahl von gefangenen Belgiern und Franzosengenossen, darunter ein baumlanger Neger,… außerdem waren die Franzosen eine bunte Weltkarte, Europäer, Afrikaner, Fremdenlegionäre, Neger, Zuaven, Spahis, kurzum, eine zusammengewürfelte Menschheit.

Havelberg

Zum Schluss noch etwas für die Leser aus dem Beitrittsgebiet und DDR-Nostalgiker.

Havelberg

Pontonregiment 5 (PoR-5) Kurt Römling ist klar, aber über Kurt Römling habe ich kaum etwas herausgefunden (es hat doch bestimmt jemand hier ein ND-Abo?) „Kurt Römling wuchs in einer klassenbewußten Arbeiterfamilie auf. Sein Vater, ein Funktionär der KPD in Braunschwelg, wurde am 4. Juli 1933 von den Faschisten ermordet.“

Fragen wir also die künstliche Intelligenz, ob sie auch Antifaschstisches kann: Was weißt du über den Kommunisten Kurt Römling, dessen Vater in Braunschweig ermordet wurde und dessen Schwester Helene Schimens hieß und nach dem ein Pontonregiment der NVA benannt wurde?

ChatGPT: Kurt Römling (1911–1944) war ein deutscher Kommunist und antifaschistischer Widerstandskämpfer, der sich aktiv gegen das NS-Regime engagierte. Er stammte aus Braunschweig, und sein Vater wurde von den Nationalsozialisten ermordet. Seine Schwester Helene Schimens war ebenfalls in der antifaschistischen Widerstandsarbeit involviert.

Kurt Römling selbst wurde nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verhaftet und 1944 in Brandenburg hingerichtet. Er wird in der DDR als Held des antifaschistischen Widerstands gewürdigt und ist Namensgeber eines Pontonregiments der Nationalen Volksarmee (NVA). Dies war ein Zeichen der Anerkennung und Erinnerung an seinen Einsatz gegen den Nationalsozialismus und seine Verbundenheit zur kommunistischen Bewegung.

In der DDR spielte das Gedenken an Römling und andere antifaschistische Kämpfer eine wichtige Rolle, um den Widerstand gegen den Nationalsozialismus als Teil des staatlichen Erbes darzustellen.

Gut zu wissen! (Ich weiß nicht, ob die KI den Rest dazuhalluziniert hat…)

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Kommentare

6 Kommentare zu “Seilzieher, baumlange Neger, Strohgeklebtes und Zusammengewürfeltes”

  1. Godwin am Oktober 28th, 2024 8:54 p.m.

    tja ja – das traurige Schicksal aller ernsthaften Widerständler:
    man richtet(e) sie hin,
    während die Scharlatane und Poser weiterleben und Karriere machen durften…

    mittelalterliche Literatur
    auf arte kam ja letztens eine Serie zur nordischen Mythologie
    Snorri Sturluson lebte und schrieb im 13. Jahrhundert.
    Es gibt inhaltliche parallelen zum Nibelungenstoff.
    (wieso ist da immer von Liedern die Rede – wurde die Texte damals echt gesungen?? – wie muss man sich das damals vorstellen??)
    Gleichzeitig war da ja das Christentum schon allgegenwärtig (oder doch nicht?)
    aber haben sich diese Mythen erst im Mittelalter herausgebildet, also im Kontakt zu den Römern und wohl auch Griechen
    oder existierte das seit der Antike und wurde eher zufällig kurz vor dem Verschwinden noch von ein paar Leuten aufgeschrieben??

  2. admin am Oktober 28th, 2024 9:21 p.m.

    Die meisten alten „germanischen“ Legenden und Heldenepen sind eine Mixtur aus Mythen und realen Geschehnissen, wie zB das Nibelungenlied. Die mussten ja ihren Stoff irgendwo herhaben.

  3. Die Anmerkung am Oktober 28th, 2024 9:30 p.m.

    Diese Schiffszieher hießen früher auch mal Treidler.

  4. André Dreilich am Oktober 29th, 2024 9:51 a.m.

    Als DDR-Gewüchs hatte ich vor allem von kommunistischen Widerständlern gehört. Schon ein Sozialdemokrat oder gar ein bürgerlich angehauchter Antifaschist war allenfalls ein Opfer zweiter Klasse. Pfui Deibel, wenn er gar aus einer christlichen Ecke kam. Von den Scholls erfuhr ich im Geschichtsunterricht nichts, der 20. Juli war eher eine Randnotiz, im Gegensatz zum NKFD (das in der medialen Darstellung allerdings ausschließlich aus tapferen Kommunisten bestand).

  5. blu_frisbee am Oktober 29th, 2024 11:49 a.m.

    In der BRD besetzten Nazis höchste Staatsämter.
    Die Geschichten drüber waren verlogen.
    Das gute deutsche Volk wär von bösen Mächten verführt worden. Etc.
    Im Osten wurde nur anders gelogen. Nicht besser.

  6. ... der Trittbrettschreiber am Oktober 29th, 2024 6:59 p.m.

    Das Telefon ist sicher der Großvater von den Simpsons – also rein vom Gesichtsausdruck her…hx.

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