Über die Shoah

Buchenwald

Foto: Konzentrationslager Buchenwald

Das darf doch nicht wahr sein?! „Viele junge Deutsche wissen laut einer CNN-Umfrage kaum etwas über den Holocaust. Von den Befragten in der Altersklasse von 18 bis 34 gaben rund 40 Prozent an, „wenig“ oder „gar nichts“ darüber zu wissen. Insgesamt schätzte ein Drittel (33 Prozent) der befragten Europäerinnen und Europäer seinen Kenntnisstand entsprechend gering ein. Etwa jeder 20. Europäer hat der Studie zufolge sogar noch nie etwas über die systematische Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten gehört.“ (Quelle: Zeit online).

Fällt der Geschichtsunterricht überall aus? Oder sind die Lehrer unfähig?

Kommentare

14 Kommentare zu “Über die Shoah”

  1. ... der Trittbrettschreiber am November 29th, 2018 5:01 am

    Es ist einfach uninteressant geworden in einer Welt, die einem schon vor dem Frühstück Leichen über Leichen, Blut und Schrecken auf die Bettkante liefert. Heute wird nur noch systemisch unterdrückt, ausgebeutet, manchmal Bräutigame von einem Expertenteam zerstückelt und in Säure aufgelöst und tausende im Meer ersäuft durch systemisches unterlassen. Der Holocaust ist (war) furchtbar. Ausschwitz ist nun zur Touristenattraktion geworden, die aber auf jeden Fall vom Bildungsbürgertum besucht werden sollte, allein schon um sich noch glaubhafter empören zu können, wenn alte Omas oder Durchgeknallte diesen Schrecken öffentlich leugnen. Ich selbst habe die Leichenberge, Bulldozer und KZ-Kleider bereits als kleines Kind in Alben gewehen, später in Filmen und auch im Geschichtsunterricht und weiß: Die Jugend hat wirklich andere Probleme, als einmal wöchentlich das Versmaß des Schreckens zu murmeln. Der Holocaust ist bereits auf dem Weg in die Gewaltspiele mit einer verklärten Faszination, wie sie uns z.B. mit dem Bestaunen und Nachspielen der Verhältnisse auf den Galeeren und Sklavenplantagen bekannt sind. Das Relativieren dieser Zeit zu einem Mantra ist ebenso frevelhaft, wie der billige Vergleich, wenn man sich wichtig machen will oder ein Ereignis in unserer Zeit rechtfertigen möchte.

  2. Doktor Hut am November 29th, 2018 8:18 am

    Wenn es die Leute nicht interessiert, vergessen sie, dass sie davon gehört haben. ¯\_(ツ)_/¯

  3. Stephan Fleischhauer am November 29th, 2018 9:02 am

    Danke für den Wikipedia-Link. Wieder was gelernt.

  4. Publicviewer am November 29th, 2018 1:03 pm

    Ich persönlich finde es viel schlimmer, das die Jugend keine Schimmer hat was 68 abgelaufen ist.
    Wen interessiert dann noch so Dinge wie den Holocaust?
    Die hatten ja nicht einmal gescheite Musik damals… ;-)

  5. Nichtauchdasnoch am November 29th, 2018 1:34 pm

    Vielleicht folgt der Geschichtsunterricht bloß der Staatsraison?
    Noch immer an die Judenvernichtung erinnert zu werden, gilt vielen als Zumutung. Sie möchten mit dem Finger auf andere zeigen. Willy Wimmer etwa fragt, „ob wir nicht die gesamte geschichtliche Entwicklung seit 1871 völlig falsch interpretiert haben und die amerikanischen Möglichkeiten vielleicht in einer solchen Weise glorifiziert haben, dass sie heute von der praktischen Wirklichkeit aus nicht mehr gedeckt sind und wir uns Gedanken darüber machen müssen, was eigentlich seitens der Vereinigten Staaten alles gemacht worden ist seit 1871, uns in Europa so gegeneinander zu treiben, dass es zu diesen endlosen Auseinandersetzungen und den Verheerungen auf dem Kontinent gekommen ist.“
    Drei Jahre später ist aus den Fragen Gewissheit geworden: „Die Vernichtung Deutschlands war das Ziel von Versailles und mittels Hitler und dem Zweiten Weltkrieg sollte es gelingen.“
    Quelle: https://www.psiram.com/de/index.php/NachDenkSeiten#Verbreitung_geschichtsrevisionistischer_Positionen

  6. LordPiccolo am November 29th, 2018 2:44 pm

    Abitur habe ich 2006 absolviert.

    Während der 9. und 10. Klasse hatte ich einen Geschichtslehrer, der seinen Unterricht gerne nur über Dokumentationsfilmchen zeigte und da war die Klasse eben nicht aufmerksam.
    Es würde mich daher nicht wundern, wenn es solche ähnlichen Lehrer geben dürfte.

    Ich meine mich aber auch erinnern zu können, dass einige Schüler (nach meiner Zeit) sich darüber aufgeregt haben, dass sie in der Zeit nur den Nationalsozialismus behandelt hätten, sodass sie des Themas überdrüssig wurden. Gab es nicht einmal so etwas darüber? Stichwort: sekundärer Antisemitismus (http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37962/sekundaerer-antisemitimus?p=all)

    Würde mich auch nicht wundern, wenn die CDUler, die ja schon seit einigen Jahren in den Kultusministerien ihr Süppchen kochen (Stichwort: Intelligent Design (https://www.focus.de/wissen/kultusministerium_aid_118375.html)) den Lehrplan wegen des „aus Hitlers Schatten springen“ dementsprechend dahin gehend modifiziert haben um das pöhse SED-Regime enger zu betrachten. Sind aber nur Mutmaßungen und Unterstellungen.

  7. andreas am November 29th, 2018 2:51 pm

    Hier der Lehrplan von Rheinland-Pfalz
    https://lehrplaene.bildung-rp.de/

    Ansonsten kann ich dem wie immer eloquent formulierendem @Trittbrettschreiber, außer der Bestätigung ebenfalls als Kind sämtliche Reliquien der Zeit allüberall serviert bekam und verinnerlichte wenig hinzufügen. Sogar während des Studiums war der Holocaust dank George Rodger
    https://www.magnumphotos.com/photographer/george-rodger/ Thema.

    Berichte über Massenvernichtung jedweder Art sind zu lästigen Jahrestagen geworden, bei denen die üblichen Verdächtigen trainierte Platitüden in Mikrophone quaken um am Folgetag Waffengeschäfte mit aktuellen Dreckschweinen abzuschließen. Oft unter begeistertem Händschütteln und herzen, dekoriert mit Jubelberichten in Nachrichtensendungen zum Börsenwert des produzierenden Gewerbes.

    Dokumentationen zum Thema füllen Sendezeit, die nicht durch neue Produktionen abgedeckt werden muss.

    Zu der Zeit als ich mich für die Umfrage qualifiziert hätte, hatten sechs Millionen eine andere Bedeutung. Sie stand einerseits für unvorstellbar grauenhaftes Leid und Tod, andererseits war sie, was Geld betrifft ein unerreichbarer Traum. Heute erzeugen Ziffern mit 50% mehr Nullen ein gelangweiltes Schulterzucken.

  8. tom am November 29th, 2018 3:32 pm

    Nach vorn blicken, auf zu neuen Ufern, nicht immer sich von negativen Aspekten der Vergangenheit aufhalten lassen……
    Wer braucht eine Vergangenheit, dem eine rosige Zukunft winkt- oder dem zumindest vorgegaukelt wird, dass sie das tut.
    Der Esel, der der Möhre nachläuft, guckt auch nicht nach hinten.
    Also keine Aufregung bitte, alles im Rahmen.

  9. Martin Däniken am November 29th, 2018 3:52 pm

    Es gab ein Mädchen-und ein Männerorchester in Auschwitz!

    https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/3101/file/Fackler_Musik_KZ.pdf

    Und wer ‚“The Good,the Bad und the Ugly“ kennt kann eine bestimmte Sequenz aus dem Kontext nehmen und in einen anderen transportieren!!
    https://www.youtube.com/watch?v=IK94ch0hfcc

    Es ist natürlich so,das sehr viel Zeit vergangen ist…
    und die „Mechaniken der Geschichte“ schon sehr viele Menschen,ganze Völker zermalmt hat.
    Mal bemerkt mans,nimmt es zur Kenntnis/denkt zuviel nach/grübelt kommt zu keinen Ergebnis und geht weiter in seinem eigenen Lebenslauf.
    Und manchmal kann man einen Beitrag leisten,das etwas verhindert wird im günstigsten Fall,mal kann man nur ein Steinchen in Weg legen.
    Das wichtigste ist man versucht es und
    vorallem
    sollte man die nachfolgenden Generationen aufklären!
    Wie relativ Venunft zu Hoffnungsglaube ,Fanatismus und Denkfaulheit ist…

  10. andreas am November 29th, 2018 7:42 pm
  11. postgeschichtler am November 29th, 2018 8:17 pm

    Mein Weg für das persönliche Erinnern: Die Katastrophe auf faßbare Ereignisse herunterbrechen. Wer kann sich schon in die Opfer der Gaskammern hineinversetzen, wer die schiere Zahl begreifen?

    Ich sammle antisemitische Postgeschichte, z.B. Schmähgedichte & -karikaturen auf Ansichtskarten, Briefe von Juden mit den Zwangsnamen Sara und Israel, Briefumschläge jüdischer und dann arisierter Firmen, Briefe an bekannte Juden (z.B. den Anwalt Dr Siegel (siehe Wiki), Briefe jüdischer Hilfsorganisationen der Zeit, usw..

    Die Ermordung war nur der letzte Schritt, die Vernichtung der sozialen Existenz begann viel früher…

  12. Godwin am November 29th, 2018 9:49 pm

    Es gab mal eine Meme „n-TV hat schon zwei Wochen nichts mehr über Hitler gebracht. Dem wird doch nichts passiert sein?“

    Die Lehrpläne sind arg gestrafft. Das Dritte Reich und alles drumherum wird mehr und mehr zum historischen Fakt wie Napoléon, der 30jährige Krieg oder die Gründung Roms.
    Mit der KompetenzOrientierung wird eh immer weniger Fachwissen vermittelt.

    Aber wozu braucht man das heute auch noch. Jede Generation hat das Recht ihre eigenen Fehler zu machen.

  13. Nichtauchdasnoch am November 30th, 2018 7:03 am

    Dass junge Männer mit Migrationshintergrund, denen das Testosteron aus den Ohren herausläuft, den Holocaust zur zionistischen Lüge erklären und dabei sehr bestimmt auftreten, mag auch eine Rolle spielen. Es wird nicht jedem Lehrer und jeder Lehrerin gegeben sein, sich dagegen durchzusetzen.

  14. waldheinz am Dezember 2nd, 2018 7:43 am

    Babij Jar
    Jewgeni Jewtuschenko 1961 (Übersetzt von Paul Celan)

    Über Babij Jar, da steht keinerlei Denkmal.
    Ein schroffer Hang – der eine, unbehauene Grabstein.
    Mir ist angst.
    Ich bin alt heute,
    so alt wie das jüdische Volk.
    Ich glaube, ich bin jetzt
    ein Jude.
    Wir ziehn aus Ägyptenland aus, ich zieh mit.
    Man schlägt mich ans Kreuz, ich komm um,
    und da, da seht ihr sie noch: die Spuren der Nägel.
    Dreyfus, auch er,
    das bin ich.
    Der Spießer
    denunziert mich,
    der Philister
    spricht mir das Urteil.
    Hinter Gittern bin ich.
    Umstellt.
    Müdgehetzt.
    Und bespien.
    Und verleumdet.
    Und es kommen Dämchen daher, mit Brüsseler Spitzen,
    und kreischen
    und stechen mir ins Gesicht
    mit Sonnenschirmchen.
    Ich glaube, ich bin jetzt,
    ein kleiner Junge in Bialystok.
    Das Blut fließt über die Diele, in Bächen.
    Gestank von Zwiebel und Wodka, die Herren
    Stammtisch-Häuptlinge lassen sich gehn.
    Ein Tritt mit dem Stiefel, ich lieg in der Ecke.
    Ich fleh die Pogrombrüder an, ich flehe – umsonst.
    «Hau den Juden, rette Rußland!» -:
    der
    Mehlhändler hat meine Mutter erschlagen.
    Mein
    russisches
    Volk!
    Internationalistisch
    bist du, zuinnerst, ich weiß.
    Dein Name ist fleckenlos, aber
    oft in Hände geraten, die waren nicht rein;
    ein Rasselwort in diesen Händen, das war er.
    Meine Erde – ich kenne sie, sie ist gut, sie ist gütig.
    Und sie, die Antisemiten, die nieder-
    trächtigen, daß
    sie großtun mit diesem Namen:
    «Bund des russischen Volks»!
    Und nicht beben und zittern!
    Ich glaube, ich bin jetzt sie:
    Anne Frank.
    Licht-
    durchwoben, ein Zweig
    im April.
    Ich liebe.
    Und brauche nicht Worte und Phrasen.
    Und brauche:
    daß du mich anschaust, daß ich dich anschau.
    Wenig Sichtbares noch,
    wenig Greifbares!
    Die Blätter – verboten.
    Der Himmel – verboten.
    Aber einander umarmen, leise,
    das dürfen, das können wir noch.
    Sie kommen?
    Fürchte dich nicht, was da kommt, ist der Frühling.
    Er ist so laut, er ist unterwegs, hierher.
    Rück näher.
    Mit deinen Lippen. Wart nicht.
    Sie rennen die Tür ein?
    Nicht sie. Was du hörst, ist der Eisgang,
    die Schneeschmelze draußen.
    Über Babij Jar, da redet der Wildwuchs, das Gras.
    Streng, so sieht dich der Baum am,
    mit Richter-Augen.
    Das Schweigen rings schreit.
    Ich nehme die Mütze vom Kopf, ich fühle,
    ich werde grau.
    Und bin – bin selbst
    ein einziger Schrei ohne Stimme
    über tausend und aber
    tausend Begrabene hin.
    Jeder hier erschossene Greis -:
    ich.
    Jedes hier erschossene Kind -:
    ich.
    Nichts, keine Faser in mir,
    vergißt das je!
    Die Internationale —
    ertönen, erdröhnen soll sie,
    wenn der letzte Antisemit, den sie trägt, diese Erde,
    im Grab ist, für immer.
    Ich habe kein jüdisches Blut in den Adern.
    Aber verhaßt bin ich allen Antisemiten.
    Mit wütigem, schwieligem Haß,
    so hassen sie mich –
    wie einen Juden.
    Und deshalb bin ich
    ein wirklicher Russe.

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