Was macht Merz eigentlich beruflich?

Reminder: „Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet.“ (Karl Marx, Kommunistisches Manifest)

Hierzu passt ein Bericht des Deutschlandfunks: „Der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz könnte nach der Hessenwahl den Weg wieder zurück in die Politik finden. Als Nachfolger Angela Merkels auf dem Chefsessel der CDU. Im Moment ist er Aufsichtsratsvorsitzender beim deutschen Ableger des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock.“

Na also. Merz ist eine eng anliegende und gut sitzende Charaktermaske des Kapitals.

Kommentare

4 Kommentare zu “Was macht Merz eigentlich beruflich?”

  1. Roman Bardet am November 3rd, 2018 10:55 am

    Das schreibt die BILD-Zeitung (keine paywall, aber AdBlocker Blocker aktiv) heute zum Thema Merz:

    Millionär und Multi-Funktionär Wie viele Jobs hat Merz?

    Merz-Mania in der CDU!

    Seit […] Friedrich Merz (62) die Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt hat, ist bei vielen Christdemokraten plötzlich der Frust weg.

    […]

    Allerdings gibt es einen Punkt in der Biografie von Merz, der die Euphorie bremsen könnte: seine vielen Tätigkeiten in der Wirtschaft. […]

    In der Privatwirtschaft hat Merz in den vergangenen Jahren eine beachtenswerte Karriere hingelegt. Das wirft auch Fragen auf.

    5000 Euro am Tag. Das war das Honorar von Friedrich Merz, als er „Veräußerungsbevollmächtigter“ für die mit massiven Staatshilfen gestützte Landesbank WestLB war. Es war einer von vielen Top-Jobs in der Privatwirtschaft, die Merz in den vergangenen Jahren innehatte – und innehat.

    Merz, der Multi-Funktionär und Netzwerker: Welche Jobs hatte und hat „Friedrich der Große“ („Welt“) in der Privatwirtschaft?

    Nach Schätzungen aus Merz’ Bekanntenkreis müsste er pro Jahr auf insgesamt eine Million Euro Einkünfte verzichten, wenn er CDU-Chef würde.

    Der heute 62 Jahre alte Jurist arbeitet bereits seit 2005 im Düsseldorfer Büro der international tätigen Kanzlei Mayer Brown. Merz berät dort nach Angaben der Kanzlei Unternehmen bei Fusionen, zu seinen Mandanten zählen „zahlreiche Dax-Unternehmen und internationale Konzerne“.

    Merz hat daneben zahlreiche Posten inne: Er ist Chef des Aufsichtsrats beim Vermögensverwalter Blackrock Deutschland und führt auch den Aufsichtsrat des Arnsberger Unternehmens Wepa, das etwa Toilettenpapier herstellt.

    Außerdem leitet Merz das Kontrollgremium des Flughafens Köln-Bonn und ist Aufsichtsratsmitglied bei der Privatbank HSBC Deutschland. Er sitzt zudem im Verwaltungsrat des Schweizer Zugbauers und Siemens-Konkurrenten Stadler Rail.

    […]

    Was macht Merz bei Blackrock – und was macht Blackrock?

    Einer der Posten von Merz, die nun vor allem in die Schlagzeilen kommen, ist der als Aufsichtsratschef beim deutschen Ableger von Blackrock. Die weltgrößte Fondsgesellschaft hat eine enorme Macht an den Finanzmärkten. Kritiker wie die Journalistin Heike Buchter („Die Zeit“), die 2015 das Buch „Blackrock – Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld“ veröffentlichte, betrachten das Unternehmen mit Sitz in New York als Gefahr für die Weltwirtschaft.

    ► Blackrock-Gründer Larry Fink startete die Firma 1988 als kleines Nebengeschäft der Beteiligungsgesellschaft Blackstone. Er machte sie durch den Kauf des Fondsanbieters iShares nach der Finanzkrise endgültig zum Branchenriesen.

    ▶︎ Blackrock verwaltete zuletzt rund 6,4 Billionen Dollar (5,7 Billionen Euro) an Kundengeldern – mehr als jeder andere Finanzkonzern. Zudem verdient die Firma gut an ihrer Analyseabteilung – dass diese auch Regierungen und Notenbanken berät, sorgt immer wieder für Argwohn.

    Auch in Deutschland hat Blackrock durch viele Firmenbeteiligungen großen Einfluss. Laut Daten der Finanzaufsicht Bafin sind die Amerikaner an mindestens 67 Aktiengesellschaften hierzulande beteiligt. Der Aktionärsvereinigung DSW zufolge, ist der Finanzkonzern bei 20 der 30 Dax-Unternehmen größter Einzelaktionär, bei 19 Dax-Konzernen hält er mehr als fünf Prozent der Anteile.

    Welche Rolle spielte Merz bei der WestLB?

    Die NRW-Landesbank war im Zuge der Finanzmarktkrise in eine Schieflage geraten, der Staat musste das Institut stützen. Geplant war der Verkauf an einen privaten Investor. Merz wurde 2010 vom staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin zum „Veräußerungsbevollmächtigten“ bestellt – er sollte die Anteile der Landesbank verkaufen, die damals beim Bund, Nordrhein-Westfalen und den dortigen Sparkassen lagen. Ein Komplettverkauf des Instituts scheiterte am Ende, die Landesbank wurde zerschlagen, und der Job von Merz endete nach einem Jahr.

    Die mit Merz vereinbarte Höhe des Honorars lag bei 5000 Euro pro Kalendertag, außerdem wurden zusätzliche Kosten für weitere Berater wie etwa Investmentbanker und Unternehmensbartungen übernommen, wie aus dem Bericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des NRW-Landtags zu den Vorgängen rund um die WestLB hervorgeht. Das sei „nicht gerade ein billiges Angebot“ gewesen, sagte der frühere NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans als Zeuge vor dem Ausschuss. Merz selbst sagte als Zeuge aus, das Honorar habe „Standardstundensätzen“ entsprochen.

    Was macht Merz als NRW-„Brexit-Beauftragter“?

    Seit Angang Januar 2018 ist Merz Brexit-Beauftragter der CDU-geführten NRW-Landesregierung. Er soll außerdem die Beziehungen zum schwierigen Partner USA unter Präsident Donald Trump stärken. Der Jurist und überzeugte „Transatlantiker“ ist auch hier bestens vernetzt, seit 2009 ist er Vorsitzender der „Atlantik-Brücke“. Die Opposition in Nordrhein-Westfalen hatte kritisiert, mit Merz erhalte ein „Top-Lobbyist“ des privaten Finanzsektors direkten, ungehinderten Zugang zur Staatskanzlei.

    Warum gibt es Kritik an Merz?

    Die vielen Rollen und die Art seiner Aufgaben haben Kritiker auf den Plan gerufen. Timo Lange von LobbyControl, einem gemeinnützigen Verein, der sich für mehr Transparenz in politischen Entscheidungsprozessen einsetzt, sagte: „Angesichts der Vita von Friedrich Merz und seinen vielen Jobs und Lobbytätigkeiten in der Wirtschaft sind Interessenkonflikte fast schon vorprogrammiert.“

    Die Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency Deutschland, Edda Müller, sagte: „Friedrich Merz wird den Mitgliedern der CDU erklären müssen, wie er sich in seinen diversen Funktionen in der Finanzwirtschaft für ein gesellschaftlich verantwortliches Handeln seiner Auftraggeber eingesetzt hat – etwa als Aufsichtsrat der Privatbank HSBC Deutschland, die in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt war.“ Merz müsse zeigen, wie er diese Erfahrungen für eine „gemeinwohlorientierte Politik“ einsetzen wolle.

    Was sagt Merz selbst?

    Der CDU-Politiker wies am Mittwoch Vorwürfe zurück, Blackrock sei eine „Heuschrecke“. Den Begriff hatte unter anderem 2004 der damalige SPD-Chef Franz Müntefering geprägt – für Finanzinvestoren, die übernommene Unternehmen rücksichtslos unter Druck setzen und ausschlachten. Blackrock verwalte treuhänderisch Einlagen von Hunderttausenden privaten Kunden, er sehe „keinerlei Konfliktlage“, sagte Merz. „Ich beaufsichtige diese Firma in Deutschland, aber ich führe sie nicht.“

    Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ bestritt Merz jetzt Interessen-Konflikte. Zugleich verurteilte er Steuertricks zulasten der Staatskasse. „Aktiengeschäfte wie Cum-Ex und Cum-Cum dienen letztlich dazu, Steuerzahler auszunehmen“, sagte er. Derartige Geschäfte seien vollkommen unmoralisch.

    Für das „ZDF heute“ vom Montag ist Merz übrigens „der als Wirtschaftsjurist tätige Merz“. (Quelle Mediathek)

  2. Martin Däniken am November 3rd, 2018 11:24 am

    Für die Heute-Show ist Merz übrigens in mehr Vorständen als es Firmen gibt…

  3. ... der Trittbrettschreiber am November 3rd, 2018 11:28 am

    Mittlerweile sind mir Masken ganz angenehm, solange sie sie nicht abnehmen.

  4. Roland B. am November 3rd, 2018 11:38 am

    Wird die Vorsitzendenwahl in der CDU bei Merzens Kandidatur eigentlich nicht mit Stimmzetteln sondern mit Bierdeckeln durchgeführt?

    Was juckt den Merz, wenn er nach zig Jahren mit Millioneneinkommen jetzt mal etwas weniger verdient? Er wird das ja nicht alles ausgegeben haben für Alkohol, schnelle Autos und Frauen ausgeben haben und den Rest sinnlos verprasst (wie es einmal ein bekannter nordirischer Fußballer formulierte‘), sondern angelegt. Da mach ich mir keine Sorgen, daß er nun verarmt und am Ende Konfektionskleidung tragen muß.

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