Bürgerliche Mitte und mitreissende Kader [Update]

comrade lenin

Wie die neueste Forsa-Umfrage zeigt, sind CDU, Grüne und FDP die neue und alte bürgerliche Mitte, die Linke bleibt marginalisiert. IMHO wieder ein Argument für Wagenknecht & Lafontaine.

Zum Vergleich: Die spanische Podemos ist mit der Izquierda Unida verbündet, das wird die „Linke“ vermutlich nur schwer über’s Herz bringen. Wie hier schon von kundigen Lesern erwähnt wurde, müsste eine linke Sammlungsbewegung „von unten“ kommen, also auf zahlreichen Initiativen usw. fußen. Podemos ist reformistisch und stellt das System nicht in Frage. Der europaweite Trend geht aber zu Bündnissen wie Syriza in Griechenland, nur dass die Deutschen wie gehabt unfähig sein werden, sich aus ihrer rechthaberischen linken Sektenmentalität herauszubuddeln. Allerdings begann auch Podemos mit einem Manifest von Intellektuellen oder denen, die sich dafür hielten.

Trotzdem müsste eine echte linke Partei (die es in Deutschland nicht gibt) einen Plan B haben, falls man wider Erwarten die Macht zugeworfen bekommt (wie in Griechenland, wo eben dieser Plan fehlte.) Aber da sind wir schon wieder bei Lenin:

Und nur das gröbste Missverstehen des Marxismus (…) konnte zu der Ansicht führen, dass die Entstehung einer spontanen proletarischen Massenbewegung uns der Pflicht enthebe, eine ebenso gute, ja noch unvergleichlich bessere Organisation von Revolutionären zu schaffen, als die Semlja i Wolja sie hatte. Im Gegenteil, diese Pflicht wird uns gerade durch diese Bewegung auferlegt, denn der spontane Kampf des Proletariats wird nicht zu einem wirklichen »Klassenkampf« werden, solange dieser Kampf nicht von einer starken Organisation der Revolutionäre geleitet wird. (…)
Nun behaupte ich: 1. Keine einzige revolutionäre Bewegung kann ohne eine stabile und die Kontinuität wahrende Führerorganisation Bestand haben; 2. je breiter die Masse ist, die spontan in den Kampf hineingezogen wird, die die Grundlage der Bewegung bildet und an ihr teilnimmt, um so dringender ist die Notwendigkeit einer solchen Organisation und um so fester muss diese Organisation sein (denn um so leichter wird es für allerhand Demagogen sein, die unentwickelten Schichten der Masse mitzureißen; 3. eine solche Organisation muss hauptsächlich aus Leuten bestehen, die sich berufsmäßig mit revolutionärer Tätigkeit befassen; 4. je mehr wir die Mitgliedschaft einer solchen Organisation einengen, und zwar so weit, dass sich an der Organisation nur diejenigen Mitglieder beteiligen, die sich berufsmäßig mit revolutionärer Tätigkeit befassen und in der Kunst des Kampfes gegen die politische Polizei berufsmäßig geschult sind, um so schwieriger wird es in einem autokratischen Lande sein, eine solche Organisation »zu schnappen«, und 5. um so breiter wird der Kreis der Personen aus der Arbeiterklasse wie aus den übrigen Gesellschaftsklassen sein, die die Möglichkeit haben werden, an der Bewegung teilzunehmen und sich in ihr aktiv zu betätigen.

Aus dem Jahr 1902, klingt irgendwie trotzdem aktuell. Nur fehlt hierzulande eine organisierte Arbeiterklasse. By the way: Was machen eigentlich die Kader der ehemaligen WASG?

Ich schrob schrieb 2004:
Auch heute könnte eine neue linke Partei nicht jenseits ihres angestammten Milieus wildern und etwa die „Kulturschranke“ zwischen den Arbeitern und den „Neuen Mittelschichten“ oder zwischen sozialdemokratischem Milieu und der PDS niederzureißen. Deshalb würde eine weitere linke Partei kaum Erfolg haben – Umfragen über den Anteil der Unzufriedenen innerhalb des eigenen Lagers sagen kaum etwas über deren Wahlverhalten aus.

[Update] By the way: Don Alphonso sehr lustig über Wagenknecht: „In die Richtung weg vom Dogmatismus wird es immer Wähler geben, die ihre noch kommenden Wandlungen als klug und durchdacht begrüßen werden, und insgeheim wünscht sich doch jeder echte Reaktionär für seinen laschen Bubi eine tatkräftige Frau, die genau weiß, was sie will. Sahra Wagenknecht ist anschlussfähig, und vermutlich sammelt sie die Herde nicht hinter sich, um sich von der Herde bestimmen zu lassen. Sie ist im besten Sinne des Wortes gesellschaftsfähig. Man möchte ihr vorgestellt werden. Eigentlich ist sie ja fast eine verwunschene Prinzessin, versklavt in der Stasinachfolgepartei. Der gepflegte Reaktionär kennt das als ‚Die wäre schon was, wenn die Familie nicht wäre‘.“

Kommentare

4 Kommentare zu “Bürgerliche Mitte und mitreissende Kader [Update]”

  1. Martin Däniken am August 12th, 2018 11:28 pm

    Eine feste geschulte Organisation,hmmm
    https://www.youtube.com/watch?v=NpiDADw5Omw
    ok,wir sind keine Ameisen und interessanterweise ist das Video von den Ingenieuren…?!
    Wir ,
    die Menschen,
    müssten unsere Wahrnehmung so ändern,das wir nur noch etwas für was höheres Grosses unser Leben einsetzen würden/könnten,
    aber über kurtz oder lang würde ein menschenverachtender Dogmatismus grausame Ernten einfahren

    und wir sind Deutsche und brauchen Baahnsteigkarten-gibts nicht mehr also keine Revolution ;-)!

  2. Godwin am August 13th, 2018 8:16 am

    Pierre Vergniaud kurz vor seiner Hinrichtung am 31. Oktober 1793:

    „Bürger, es steht zu befürchten, daß die Revolution wie Saturn nach und nach all ihre Kinder verschlingt und am Ende den Despotismus mit allem seinem Unheil gebiert.“

  3. RuePoe am August 13th, 2018 7:59 pm

    Sollte noch einmal ein Film mit/über W.I.Lenin gedreht werden, dann wünsche ich mir John Malkovich als Lenin Darsteller.

  4. Martin Däniken am August 15th, 2018 12:09 am

    Wer Churchill kann,kann auch Lenin:
    Gary Oldman
    oder
    Joe Pesci,hihi

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