Computerisierte Legebänke

Meedia.de rezensiert ein Buch Matthias Matusseks (den ich als Journalist eh nie ernst genommen habe, weil er an höhere Wesen glaubt). Politisch fraternisiert er Salonfaschisten und Leuten, die ich ideologisch nur mit Gummihandschuhen anfassen würde.

Interessant fand ich diese Passage, unter welchen Umständen Journalisten heute arbeiten:
Den Redaktionsbetrieb in der Welt beschreibt er folgendermaßen: „Das hier war Akkord an computerisierten Legebänken. Internet first. Hier mussten Geschichten oft für drei verschiedene Produkte auf- und umgeschrieben werden. Harte Zeiten. An der Längswand ein großes Display, auf dem in einem ständigen Zittern die Klickzahlen im Netz gemessen und in Kurven abgebildet wurden, und am Kopfende des Raums Glaskubikel, in denen die Chefredakteure saßen wie Filialleiter bei Aldi, wenn sie nicht in ihren höheretagigen Büros saßen, sondern unten im Maschinenraum Dienst taten.“

Kommentare

2 Kommentare zu “Computerisierte Legebänke”

  1. ... der Trittbrettschreiber am März 18th, 2018 7:17 am

    Es bleibt also wie immer anders. Eine masochistisch verkommene Gesellschaft wird mit Abo-Peitschenhieben versorgt, die sie in Angst und Schrecken versetzen sollen. Das Display stellt sozusagen das Diagramm der Schmerzens- und „Mehr, ja mehr“-laute dar. Die kapitalisitisch orientierte Kurventendenz muss aber nach rechts oben gehen. Intelligente und deshalb gelangweilte Chefredakteure würden, hätten sie künstlerische Ambitionen, mit den Informaitonshieben den Graphen so manipulieren, dass er zwischen einer Normalparabel und einer Sinuskurve hin und her oszilieren müsste.
    In Töne umgesetzt, wäre es Musik:

    https://www.youtube.com/watch?v=wmk879xGSOQ

  2. bartleby am März 20th, 2018 1:09 pm

    Ich habe Ihn als Redaktionsleiter absolut als Befürworter dieser Tendenzen kennengelernt.

    Mehr Arbeit in kürzerer Zeit mit weniger/oder keinem Lohn, bei verminderter Qualität.

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