Die pöhsen Trojaner lassen uns wieder wohlig erschauern

CIPAV

Gerade habe ich mich wieder über einen schlampig formulierten, ja dämlichen Artikel bei Heise geärgert und meinem Ärger Luft gemacht. „Trojaner klaut Passwortspeicher“? Die Trojaner, die in Wahrheit die Griechen waren, spielen in den heutigen Medien die Rolle wie vor einem Jahrzehnt die Virenwarnungen, die man von gutmeinenden Bekannten per E-Mail zugeschickt bekam.

Ich vergleiche die Funktion dieser „Warnungen“ mit der für eine soziale Gruppe wichtigen magischen Handlungen und Ritualen, die das „Böse“ draußen erst beschwört und dann bannt – aus rein psychologischen Gründen, um die Zusammenhalt der Bezugsgruppe zu stärken. Bestimmte Mitglieder einer Gruppe besitzen ein esoterisches Wissen (die „Eingeweihten“ – im Sinne des Wortes“), weil die Gruppe sie als solche anerkennt. Das Wissen kann also auch auf einem Bluff beruhen. Es kommt nur drauf an, was man über sie denkt. Ihre Aufgabe ist es, das jeweils Böse zu benennen.

Jugendschutzwarte warnen vor […]. Verfassungsschützer warnen vor [x] immer mehr Nazis, die immer öfter das Internet benutzen, [x] vor sich selbst. Die Polizei warnte vor [x] Kriminellen. Bauernverbände warnen vor dem Abbau von Subventionen für Bauern. Journalistenverbände warnen, es dürften keine Zeitungen geschlossen werden. Jüdische Verbände warnen vor Antisemitismus. Kapitalisten (iNeusprech auch bekannt als „Arbeitgeber“) warnen vor Lohnerhöhungen. Christliche Pfaffen warnen vor Atheisten und dem Teufel. Burks warnt vor Pappnasen.

Für den Gefühlshaushalt der Gruppe, die das Böse identifiziert, weil die Eingeweihten vor ihm warnten, bedeutet es: Man darf wohlig erschauern, wie furchtbar böse das Böse doch ist (deswegen schaut man „Grusel“filme), und kann sich gleichzeitig entspannt zurücklehnen, weil man weiß, wie man – oder die von der Gruppe Beauftragten (etwa Pfaffen oder „Sicherheitsexperten“) – das Böse daran hindern kann, die Gruppe zu zerstören.

beethovem

Im Heise-Forum habe ich geschrieben:

1. (…) schützt (…) nicht aber davor, dass ein Angreifer mit einer anderen Malware zunächst die verschlüsselte Passwort-Datenbank und anschließend mit einem Keylogger auch noch das dazugehörige
Master-Passwort abgreift.

Und wie will der Angreifer das tun – ohne meine Erlaubnis? Attachment angreifer.exe is an unknown application – install anyway?

2. Da man sich die Malware, die den Rechner befällt, nicht aussuchen kann“. Doch, kann man – eine Malware ist kein Naturereignis.
Ich erlaube sie einfach nicht.

3. Alles gilt nur für Windows.

4. Der Artikel ist Bullshit, weil er das Wesentliche weglässt – die Gefahr gilt nur für DAUs.

5. BTY Die Trojaner saßen IN Troja, nicht im Pferd. Die Griechen waren es, die sich hineinschmuggelten.

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Kommentare

5 Kommentare zu “Die pöhsen Trojaner lassen uns wieder wohlig erschauern”

  1. ninjaturkey am November 23rd, 2012 12:31 p.m.

    »…Die Trojaner saßen IN Troja, nicht im Pferd. Die Griechen waren es…«

    Jaja, bekannt, aber versuch mal, Dich gegen Halbwissen und Umgangssprache zu stemmen (Dein Kampf gegen Schadsoftware-Mythen verdampft in der Hitze des Mainstreams bevor der Tropfen der Erkenntnis irgendeinen Boden erreicht). Den Augiasstall der Medien (um im klassischen Bild zu bleiben) kriegste nicht mehr sauber – in der Größe gibts keine Flüsse. ;-)

  2. wiewarnochmalmeinnick am November 23rd, 2012 1:47 p.m.

    Könnte interessant sein:

    Smartphone-Spionage Das Abhörgerät in der Hosentasche

    http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/iq-wissenschaft-und-forschung/technik/smartphone-spionage100.html

  3. admin am November 23rd, 2012 1:56 p.m.

    Das ist doch wieder grober Unfug: „Doch wie kommt die Überwachungssoftware auf das Handy? Da gibt es viele Möglichkeiten. Manchmal kommt die Software als Update des Netzbetreibers daher – wie zum Beispiel beim ersten bekannt gewordenen Fall in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Oder die Überwacher nutzen Sicherheitslücken, so dass sich der Nutzer beim mobilen Surfen eine Art Überwachungs-Virus holen kann.“ Faktenfrei also.

  4. elvis am November 24th, 2012 10:05 a.m.

    In den Kommentaren wird Dir zu Punkt 3 widersprochen. Es gibt Trojaner für Linux behauptet jemand in einer Antwort zu Deinem Kommentar. Du hast diesem Kommentar nicht widersprochen.

  5. wiewarnochmalmeinnick am November 24th, 2012 10:54 p.m.

    „die Überwacher nutzen Sicherheitslücken, so dass sich der Nutzer beim mobilen Surfen eine Art Überwachungs-Virus holen kann.”

    „Faktenfrei also.“

    Offensichtlich nicht völlig:

    Clickjacking-Rootkit Forscher zeigen ausgeklügelten Angriff auf Android

    http://www.golem.de/news/clickjacking-rootkit-forscher-zeigen-ausgekluegelten-angriff-auf-android-1207-92923.html

    Das hilft (beim mobilen Firefox) schon mehr:
    NoScript Mobile Multiprocessing Android Porting Project
    http://noscript.net/nsa/

    Am meisten werden demzufolge Android 4.0.x (ca. 91%)angegriffen mit Trojan(Griechen;P)-SMS (57%)

    http://www.securelist.com/en/analysis/204792250/IT_Threat_Evolution_Q3_2012

    Bei einem CustomROM für Android ist dann auch kein CarrierIQ mehr auf dem Androidgerät. (Cyanogenmod etc.)
    War ein Thema ca. vor einem Jahr.

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