Sarrazin zum Dritten

Ich empfehle ef-online („Volksverhetzung: Das hat Sarrazin wirklich gesagt“):mit der Original-Passage des umstrittenen Interviews:

„Man muss aufhören, von ‚den‘ Migranten zu reden. Wir müssen uns einmal die unterschiedlichen Migrantengruppen anschauen. Die Vietnamesen: Die Eltern können kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk. Die Vietnamesen der zweiten Generation haben dann durchweg bessere Schulnoten und höhere Abiturientenquoten als die Deutschen. Die Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen weisen tendenziell dasselbe Ergebnis auf. Sie sind integrationswillig, passen sich schnell an und haben überdurchschnittliche akademische Erfolge. Die Deutschrussen haben große Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation, danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben. Sobald die Sprachhindernisse weg sind, haben sie höhere Abiturienten- und Studentenanteile usw. als andere. Bei den Ostasiaten, Chinesen und Indern ist es dasselbe. Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher ‚türkische’ Probleme; absolut abfallend sind die türkische Gruppe und die Araber. Auch in der dritten Generation haben sehr viele keine vernünftigen Deutschkenntnisse, viele gar keinen Schulabschluss, und nur ein kleiner Teil schafft es bis zum Abitur. […] Je niedriger die Schicht, um so höher die Geburtenrate. Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig.“

Sehr lesenswert Gerda-Marie Schönfeld auf stern.de: „Sarrazin hat recht“:

„Seither ist Sarrazin der Muslim-Fresser schlechthin. Aber warum eigentlich? Der Mann hat – böse, aber zutreffend – nichts anderes formuliert als das, was im letzten Integrationsbericht der Bundesregierung und in einer Berliner Migrantenstudie steht: Von allen Einwanderern sind die Muslime am wenigsten integriert. 30 Prozent haben keinen Bildungsabschluss, das Abitur schaffen nur 14 Prozent. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Schon vor Jahren beklagte der deutsche Politologe Bassam Tibi, als Muslim in Syrien geboren, dass die islamische Integration in Europa komplett gescheitert sein. Die „europäische Leitkultur“, so Tibi, habe sich bei den eingewanderten Muslimen nicht durchsetzen können.“

image_pdfimage_print

Kommentare

13 Kommentare zu “Sarrazin zum Dritten”

  1. Fluxkompensator am Oktober 10th, 2009 7:17 a.m.
  2. bombjack am Oktober 10th, 2009 9:11 a.m.

    Aus dem ef-online Link:
    […]Wir sind näher an den Holländern und Dänen als an den USA. Dass diese kleinen Völker ihre Ausländer heute mit viel radikaleren Programmen als wir forciert integrieren, hat einen guten Grund. Heute muss man Sprachtests in den Botschaften machen, davor darf man gar nicht einreisen. Sie haben spät angefangen, aber sie haben wenigstens angefangen. […]

    Da ich mich gerade u.a. für eine Auswanderung nach Neuseeland interessiere und da ein Englisch-Test (Reden, Schreiben, Verstehen) Vorraussetzung für die Aufnahme ist, stellt sich mir die Frage ob bzw. wie das in De. abläuft? Wird von Einwanderungswilligen ein Sprachtest verlangt? Desweiteren wie schaut es bei der Zuheirat aus, auch hier die Frage ob ein Sprachtest verbindlich ist?
    Btw. ich habe 3.5 Jahre in den USA mit einem H1B-Visa gearbeitet und es war sehr heftig was meine US-Universität da an Argumentation leisten musste, um zu begründen warum ich als Deutscher eine Arbeitserlaubnis bekommen sollte.

    bombjack

  3. Serdar Günes am Oktober 10th, 2009 4:12 p.m.

    Oh je auch Burks gibt Sarrazin recht, das Ende der Welt ist nahe :-(

  4. admin am Oktober 10th, 2009 4:14 p.m.

    Ich gebe ihm nicht recht. Ganz im Gegenteil. Ich gebe ihm nur Recht, insofern er Probleme polemisch, aber zutreffend beschreibt. Sein Fazit ist bescheuert.

  5. Serdar Günes am Oktober 10th, 2009 10:28 p.m.

    Ok das verstehe ich, aber ein Rassist gibt ihm Recht.

  6. Serdar Günes am Oktober 10th, 2009 10:45 p.m.
  7. admin am Oktober 10th, 2009 11:26 p.m.

    Ja, Sarrazin argumentiert wie ein Salonfaschist. Menschen werden danach bewertet, ob sie für das Verwertungsinteresse des Kapitals nützlich sind, um es „marxistisch“ auszudrücken. Sarrazin ist erzrechts, aber kein Faschist.

  8. chewbacca am Oktober 11th, 2009 12:10 a.m.

    @ Burks

    „Ja, Sarrazin argumentiert wie ein Salonfaschist“

    „Ich gebe ihm nicht recht. Ganz im Gegenteil. Ich gebe ihm nur Recht, insofern er Probleme polemisch, aber zutreffend beschreibt. Sein Fazit ist bescheuert.“

    verstehe ich richtig: Du gibts ihm Recht auf der Sachebene, aber sein Fazit,

    „Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig“

    kann nun doch nicht richtig sein, weil er ebene ein „Salonfaschist“ sei.

    hahahahahahahahaha Ihr linken seit schon ein lustiges schizophrenes völkchen hahahaha

  9. chewbacca am Oktober 11th, 2009 12:39 a.m.

    @ Burks

    Deine Kollegen von der TAZ scheinen schlauer zu sein als du. Die wissen das der Zeitgeist sich gerade dreht und das es keine Argumente gegen das was Sarazin sagt gibt, so begnügen sie sich mit Satire die gegen den Mann geht, für die es vielleicht noch den einen oder anderen dümmlichen Lacher, doch schon bald keine dem Argument aufgeschlossene Leser mehr geben wird.

  10. blu_frisbee am Oktober 11th, 2009 8:55 a.m.

    Der Kummer mit Sarrazin ist, daß er das Problem als eines der Kapitalverwertung beschreibt, aber in Ursachenzuordnung und daraus folgenden Lösungen nur die biologistische Nazisicht reproduziert. Die CDU hat sich 30 Jahre geweigert das Problem zur Kenntnis zu nehmen und die „Linken“ wollten es durch einfache Paßvergabe lösen. Sarrazin hat insofern recht, daß das Problem garnicht existierte, hätten wir Vollbeschäftigung. Als Lösung preist er die amerikanische Abwesenheit eines Sozialsystems, das Problemtürken und -araber zur Integration zwingt (ohne zu erwähnen, daß die am. Verfassung sehr weitgehende Mitbestimmungsrechte auf kommunaler Ebene vorsieht). Sich um die Menschen selber bemühen will er nicht weil Integrationsangebote (mit zugehörigem Druck) Geld kosten und er unterstellt, daß die nutzlos wären. Das einzige Rezept das ihm einfällt ist die Menschen selbst weghaben zu wollen, damit die Deutschen unter sich bleiben können.

    Die ganze Diskussion läuft falsch und das Versagen der Linken dokumentiert sich in ihren Beißreflexen. Wie überhaupt ein humanistisches Weltbild (Goethe, Schiller, Humboldt!) im Diskurs garnicht mehr vorkommt und Bildung nur noch als Ausbildung (statt Menschenbildung) verstanden wird.

    Integrationsangebote wären zB eine verbindliche Kindergartenpflicht mit flächendeckender Kita-Versorgung, Ganztagsschulen etc. Das kostet. Für den Retroteil der CDU gehört aber die Frau an den Herd und die Kinder zur Mutter; für den Klassenkampf von oben ist Bildung (teure) Privatsache und man will unter sich bleiben.

  11. hfi am Oktober 11th, 2009 11:02 a.m.

    @ burks, scheint, dass wir zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Übrigens: Es stimmt schon, dass sarrazin in diesem nterview immer mal wieder auch rassistische Klischees bedient – aber das ist nicht der Kern seines „Anliegens“. Der Kern kommt in folgendem Satz zum Ausdruck: „Wenn die Türken sich so integrieren würden, daß sie im Sc huölsystem einen anderen Gruppen vergleichbaren Erfolg haben, würde sich das Thema auswachsen.“ (lettre 86, p.199) Darum geht es ihm eigentlich. Gegen Demirkan, Akim oder Özil hat er nix, ganz im gegenteil, weil die ja „was leisten“. Deswegen nenne ich Sarrazin – trotz mancher bornierter Sätze – im wesentlichen einen post-rassistischen Sozialdarwinisten. Resp. seine „Rasse“ definiert er betriebswirtschaftlich.

  12. admin am Oktober 11th, 2009 12:00 p.m.

    @hfi und blu-frisbee: ja, ich stimme euch zu. Komisch nur, dass das kaum so diskutiert wird…

  13. Serdar Günes am Oktober 11th, 2009 9:38 p.m.

    Klingt gut.

Schreibe einen Kommentar