Germanische Esskultur oder: Abyssus abyssum invocat

sonnenblumen

Distinktion über Immobilienbesitz ist riskant, aber Distinktion über das moralisch richtige Essen ist noch möglich, und erlaubt Herabblicken auf Dumme, Ungebildete und Unzivilisierte: Da geht dann wirklich alles durch. Auch in den Medien für gebildete Stände. (Don Alphonso, hinter der Welt Paywall)

(Ja, ich habe die Welt abonniert, weil ich die Artikel von Deniz Yücel lesen will und habe also Don Alphonso, Alan Posener und Henryk Marcin Broder gleich dabei. Das Stammpublikum weiß es schon und den Nachgeborenen und Herumschweifern, die eine Laune des Schicksals hierher getrieben hat, sei es gesagt: Ich lese gern Meinungen, die der meinen nicht entsprechen, was in jedweder Medienblase die Ausnahme zu sein scheint, aber diese müssen elegant, vergnüglich und in gutem Deutsch geschrieben sein, wobei jegliches Abgesondertes von der Nominalstil-Facharbeiterin Katja Kipping von vorn herein ausscheidet).

Zur Kolumne des Don Alphonso wäre einiges anzumerken, zumal auch Tacitus und Latein vorkommen, welchselbiges mich schmunzeln lies – obwohl diese bilderungsbürgerliche Attitude, in meinem Fall die des gefühlten sozialen Aufsteigers, genau in dem Klassismus-Verdacht steht, den ich auch dem obigen Zitat des Don unterschieben kann. (Wer das nicht glaubt, muss Norbert Elias von vorn bis hinten durchlesen.)

deutsches Brotdeutsches Brot
Zwischenfrage: Mein Teller mit Goldrand ist laut Unterseite von der schlesischen Porzellanmanufaktur Carl Tielsch. Darf man aus der Porzellanmarke schließen, dass er aus der Zeit zwischen 1888 und 1908 stammt?

Anlass für die Kolumne über Esskultur war ein offenbar recht dämliches Interview im “Zeit”-Magazin mit dem Ernährungspsychologen Johann Christoph Klotter Der sagt: “Die Deutschen haben keine Esskultur. Schon der römische Historiker Tacitus hat sinngemäß geschrieben: Die Germanen ernähren sich sehr einfach. Wenn man sie nicht mit Waffen besiegen könne, müsse man ihnen nur Bier geben, bis sie umfallen. Die vergleichsweise geringe Wertschätzung für gutes Essen hat sich bis heute gehalten. Süddeutschland ist traditionell noch ein bisschen besser aufgestellt, Norddeutschland ist wirklich zappenduster.”

Langer Schreibe kurzer Sinn: Der Don Alphonso haut dem Klotter die linkgestützten Argumente um die Ohren dergestalt, dass man kopfschüttelnd meint, die “Zeit” bzw. die veranwortlichen Redakteure für das Interview hätten einen an der intellektuellen Waffel, da alles kompletter Unsinn ist, was der gute Mann da verzapft.

Aber Tacitus (kann man alles samt Übersetzung in diesem “Internet” nachlesen) ist natürlich lustig. Der hat auch sinngemäß das nicht geschrieben, was Kotter behauptet. Das hindert schlichte identitäre Gemüter, die zudem noch Mohamed heißen und “Biodeutsche” und “PoC” sagen, nicht daran, den – obzwar der Vertreter der damals herrschenden Klasse – armen Römer ebenso zu verhackstücken. (“Eure Heimat ist unser Albtraum” echoet er auf Hengameh Yaghoobifarah.)

mohamned amjahid

Don Alphonso kann auch den Tacitus besser:
…die Frage, ob das Zitat von Tacitus überhaupt stimmt. Die Antwort ist: Nein. Tacitus schreibt in Kapitel 23: “cibi simplices, agrestia poma, recens fera aut lac concretum: sine apparatu, sine blandimentis expellunt famem.” – Die Speisen sind einfach: wilde Baumfrüchte, frisches Wildbret oder Käse aus Milch. Ohne besondere Zubereitung, ohne Gaumenkitzel vertreiben sie ihren Hunger.“ Hier ist aber der Kontext wichtig: Tacitus schreibt für seinesgleichen, die 0,1-Prozent-Oberschicht im Römischen Reich, und in Bezug auf deren Lebensstandard. Dass mit “simplices – einfach” aber nicht ein Mangel an Kultur gemeint ist, erschließt sich aus dem ebenfalls falsch zitierten zweiten Teil des Satzes: “adversus sitim non eadem temperantia. si indulseris ebrietati suggerendo, quantum concupiscunt, haud minus facile vitiis quam armis vincentur.” (…)

Sinngemäß sagt Tacitus also, dass die Germanen auf Gaumenschmeichelei und Delikatessen verzichten und lobt das als Tugend der Temperantia, der Mäßigung. Wer sich ein wenig mehr mit Tacitus beschäftigt, erfährt auch, dass er den Entwicklungen im römischen Kaiserreich kritisch gegenüberstand und sich die strenge Moral der früheren Republik zurückwünschte: Das Kapitel über die Sittenstrenge der germanischen Frau und Familie liest sich streckenweise wie eine harsche Kritik an den verlotterten Zuständen im Rom seiner Zeit. An keiner Stelle behauptet Tacitus, es gäbe keine Esskultur…

Das musste mal gesagt werden. Abyssus abyssum invocat, Mohamed Amjahid!

kirschmarmelade
Von mir selbst gemachte Kirschmarmelade!

Betr.: Y.

körpersprache
Foto Marianne Wex: “Weibliche” und “männliche” Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse.

Zugegeben, Hengameh Yaghoobifarah macht es einem leicht, sie nicht zu mögen. Ich war versucht, ihren Text, der in der Medienblase (und nur dort) zur Zeit diskutiert wird, umzuschreiben:
Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man die “queere” und gendernde Sprachpolizei dann überhaupt noch reinlassen? Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.

Aber das wäre gehässigt und geht gar nicht. Dennis Graemer schrieb auf Fratzenbuch: “Die Texte von Yaghoobifarah sind, das kann man durchaus so sagen, für gewöhnlich eine Zumutung. Es schmerzt, sie zu lesen. Inhaltlich handelt es sich um identitätspolitischen Unsinn, um postmoderne Propaganda. Der Schreibstil muss als aktiv verdummend beschrieben werden, man fühlt sich erinnert an peinliche Tumblrblogs und weinerliche Rants woker College Kids. Das ist kein Journalismus, keine Theorie, das ist Gonzo im schlechtesten Sinne.”

Schon klar. Stefan Reinecke hat in der taz mit kühlem Kopf nachgelegt: “Warum die Polizei-Müll-Kolumne aus der taz mehr als grenzwertig ist und radikale Identitätspolitik in bleiernes Schweigen führt.”

Das ist auch mein Vorwurf: Der Text wäre als Kunstprojekt denkbar, so ist er keine Satire, sondern nur Gepöbel, kostümiert als Satire.

Hengameh Yaghoobifarah
Screenshot: Facebook-Profil Hengameh Yaghoobifaras

Mir fiel aber spontan etwas zu ihren Gunsten ein. Wenn die üblichen Verdächtigen aufheulen, ist das zuerst einmal gut und nicht schlecht. Das macht Spaß, wenn es sich um einen eleganten Degen der Sprache handelt, wie bei Deniz Yücel. Wenn aber jemand mit Dachlatten um sich haut, um möglichst viele zu treffen, ist das langweilig.

Die kackbraunen Kameraden haben aber Schaum vor dem Mund, weil Yaghoobifarah alles in Frage stellt, woran sie meinen glauben zu müssen. Auch entsprichen ihr Aussehen und ihre Attitude nicht dem Klischee von dem, was der Normalotto vielleicht denkt. Die Beine breit und nicht rasieren? Es ist zum Totlachen, dass die sich darüber aufregen.

Yaghoobifara zeigt denen, dass “Kultur”, also auch die Rollen von Frauen und Männern, historisch gewachsen ist und jeweils neu definiert wird und mitnichten eine anthropologische Konstante ist, wie unsere braun gebrannten Schlichtdenker meinen.

körpersprache
Foto Marianne Wex: “Weibliche” und “männliche” Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse.

Die taz ist weitaus weniger souverän wie sie sich gibt. Einen Text von Eva C. Schweitzer in ihrem Blog hat jemand von der medialen Sittenpolizei gelöscht, deswegen dokumentiere ich ihn hier zum gefälligen Beachten. Schweitzer hat ihren Text auf Facebook rekonstruiert:

“Jetzt habe ich wahrhaftig doch noch ein PoC, ein people of color auf der Leipziger Buchmesse entdeckt, glaube ich zumindest, nämlich Hengameh Yaghoobifarah, die (oder das) ein Buch herausgegeben hat, Eure Heimat ist unser Albtraum. Bei der Lesung war ich allerdings nicht, weil ich erst mal die Frage klären wollte, was ist ein Yaghoobifarah?

>Wie ich recherchierte, ist das ein nicht-binäres Wesen, dessen Familie aus dem Iran stammt. Iraner sind bei uns — und damit meine ich Amerika — weiß, so ähnlich wie Israelis, ich habe aber keine Ahnung, welche Farbe die in Deutschland haben. Auf Fotos sieht Yabba — wir Amerikaner verwestlichen gerne komplizierte ausländische Namen — allerdings ziemlich käsekuchenfarben aus und definitiv weißer als Attila Hildmann oder Xavier Naidoo. Aber wer bin ich, jemanden zu verwehren, sich als PoC selbstzudefinieren, das wäre ja transfeindlich.

Yabba ist auch mit einem Zitat am taz-Stand vertreten, nämlich; das Einzige, was Almans mehr Angst bereitet als linksradikale, queere, trans, feministische, antirassistische, dicke Kanax seien antideutsche, linksradikale, queere, trans, feministische, antirassistische, dicke Kanax.

>Also, wenn du Angst hat, dick zu werden, liebes Yabba, da ist die Buchmesse definitiv der falsche Ort. Hier wird man an allen Ecken und Enden vollgestopft mit Keksen, Gummibärchen, Schokoriegeln und Sektgläschen. Ich selber sehe schon aus wie BB-8. Was hingegen die Angst der Almans angeht, Yabba, da bist du auf dem Holzweg. Almans haben die meiste Angst vor jungen, schlanken, cis-männliche und gänzlich unqueeren Kanax, und inbesondere davor, Sven-Sebastian und Sophie-Emily auf die gleiche Schule wie diese Kanax schicken zu müssen.

An zweiter Stelle kommt die Angst vor Sachsen, die „Merkel muss weg“ rufen, dann die Angst vor dem Klimawandel, dem Waldsterben, dem sauren Regen, dem Ozonloch, den Chemtrails, den Feinstaub und Dieselabgasen. Habe ich irgendwas vergessen? Dann erst Yabba.

Natürlich ist es fies, Yabba, wenn man als antideutsches Binärwesen in Deutschland festsitzt und Albträume hat, weil man nicht in den Iran zurückkann, weil die dort queere, trans-feministische Kanax gerne an Baukränen aufhängen und andererseits die traditionellen Einwanderungsländer wie Amerika ungerne Berufsmotzer ohne formale Qualifikationen aufnehmen. Gerade in den angelsächischen Ländern kommt man mit deutsch nicht sehr weit.

Aber wie wäre es mit Österreich? Da kannst du deutschsprachlich brillieren, Antideutsche mögen die dort auch sehr gerne, und damit du gleich das richtige Branding für dich prägst, nennst du dich am besten Yabba the Hun. Und ich finde, nach dem Transfer von Dolfi dem Schicklgrub wäre das ein echt gerechter Ausgleich.”

(H)ausschlachtung, Geheimdienst, Goliath und Mitanni

stolz von Rixdorf
Symboldbild: (H)Ausschlachtung eines alten Rechners (der meiner Eltern)

Ausschlachtung meiner Timeline bei Fratzenbuch:

Deniz Yücel nennt den Verfassungsschutz die “gefährlichste Behörde Deutschlands”. Meine Rede. Wird aber nichts nützen. Wen sonst sollten Journalisten denn zum Thema “Extremismus” zitieren? Ist doch schön und bequem, andere für sich denken zu lassen.

– Ist folgendes Zitat hier bekannt? Da trat aus dem Lager der Philister ein Vorkämpfer namens Goliat aus Gat hervor. Er war sechs Ellen und eine Spanne groß. Auf seinem Kopf hatte er einen Helm aus Bronze und er trug einen Schuppenpanzer aus Bronze, der 5000 Schekel wog. Er hatte bronzene Schienen an den Beinen und zwischen seinen Schultern hing ein Sichelschwert aus Bronze. Der Schaft seines Speeres war (so dick) wie ein Weberbaum und die eiserne Speerspitze wog 600 Schekel. Sein Schildträger ging vor ihm her.

Die biblischen Philister waren Europäer. Wieder etwas aus der Kategorie “Wissenschaft kann begeistern”.

– Auch vom Reich der Mitanni sollte man gehört haben. IFLScience: “Drought Exposes 3,500-Year-Old Palace Belonging To The Mysterious Mittani Empire”. Lesenswert.

Tebrikler! Ama ne yazık ki çok geç!

Welt: “Türkisches Verfassungsgericht gibt Deniz Yücels Klage recht”.

“Deniz Yücel saß von Februar 2017 bis Februar 2018 ein Jahr lang ohne Anklageschrift in türkischer Untersuchungshaft. Das türkische Verfassungsgericht urteilte nun, dass die Verhaftung des WELT-Korrespondenten rechtswidrig war. Das Recht auf persönliche Sicherheit und Freiheit sowie das Recht auf Meinungsfreiheit sei verletzt worden.”

Miscellaneous und: Blowjob darf gesagt werden

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Zeichnerische Darstellung von Fellatio (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Pornoanwalt: “Bundesgerichtshof, Beschluss vom 23. Januar 2018 (1 StR 625/17): Das Landgericht hat durch die Verwendung weniger einzelner, ursprünglich aus der englischen Sprache stammender Begriffe (wie ‘Blow-Job’ oder ‘Doggy-Style’)… im Urteil nicht gegen § 184 GVG [‘Die Gerichtssprache ist deutsch.’] verstoßen. Dabei kann offenbleiben, ob die genannten Begriffe nicht ohnehin bereits in die deutsche Sprache übernommen worden sind, worauf der Generalbundesanwalt hinweist.”

The Guardian: “Revealed: Trump team hired spy firm for ‘dirty ops’ on Iran arms deal. (…) Aides to Donald Trump, the US president, hired an Israeli private intelligence agency to orchestrate a “dirty ops” campaign against key individuals from the Obama administration who helped negotiate the Iran nuclear deal…”

Popcorn!

Die Welt: “Dem Anwalt von Deniz Yücel drohen zwei Jahre Haft. (…) Der Anwalt hatte am 25. Dezember 2015 in einem Interview mit der mittlerweile eingestellten Zeitung „Özgür Düsünce“ unter anderem erklärt, die türkische Justiz sei ‘durchgängig gleich gefärbt’ und spreche ‘mit einer Stimme’. (…) …. wurde das Verfahren gegen ihn laut Anklageschrift nach einer Beschwerde aus dem Büro von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan begonnen.”

Schon klar.

Telepolis: “Auswärtiges Amt: Kriegsmarketing statt Friedensdiplomatie? (…) Das deutsche Außenministerium will “kampagnenfähig” werden und hat dazu vor kurzem mehrere PR-Experten und Journalisten eingestellt. Propaganda betreibe man aber nicht.”

Nein, man ist ja auch für das Ministerium für Wahrheit unterwegs.

Der Tagesspiegel: “Neuköllns Bürgermeister hält an Kopftuchverbot fest”.
Das ist auch gut so. Aber: “Die Grünen halten das Neutralitätsgesetz für verfassungswidrig, da es bestimmte Religionen diskriminiere. Die Linksfraktion hat noch keine gemeinsame Position gefunden.”

Ich fass es nicht. Kann mal jemand die Grünen abschaffen?

Die Chinesen haben einen Flughafen gebaut. Mehr in der South China Morning Post. Am BER sterben derweil sogar die Fische.

Es liegt an dir

Die Welt hat ein lesenswertes Interview mit Deniz Yücel: “Es liegt an dir, ob sie die Kontrolle über dich bekommen.”

Böhmer: Haben dich diese Erfahrungen im Kleinen auch im Großen stärker gemacht?
Yücel: Bestimmt.
Böhmer: Bleibt das?
Yücel: Das weiß ich nicht. Ich bin milder geworden. Auch gegenüber Redakteuren. Man lernt, dass man nicht über jede Zwischenüberschrift diskutieren muss.
Akrap: Dazu braucht es nicht unbedingt Knasterfahrung.
Yücel: Bei mir schon.

Für diese Attitude mochte ich ihn schon immer.

Zornige alte weiße Männer in unbeliebten Bademänteln

selfie

Grandioser und gut geschriebener Artikel von Hilmar Klute in der Zeit über den Kolumnisten Harald Martenstein: “Es sind aufgeregte Zeiten, in denen Männer nicht zu wissen glauben, was sie sagen dürfen”. Für mich stimmt das natürlich nicht, aber vielleicht ja für andere Männer. Mein Beileid.

“Anfang der Fünfzigerjahre geboren, Arbeiterhaushalt, Dosenravioli und keine Bücher im elterlichen Wohnzimmer. Da muss man nicht, aber da kann man natürlich Kommunist werden, in die DKP eintreten, das hat Martenstein gemacht.” Alles stimmt bei mir auch, ausser natürlich das mit der DKP. Ich suchte damals etwas Radikaleres.

Harald Martenstein und Deniz Yücel sind für mich großartige Journalisten, so wie es sein müsste, die besten Schreiber, die Deutschland hat. (Das Foto oben zeigt natürlich nicht Martenstein, dessen Bademantel ist weiß.)

Doğum günün kutlu olsun!

Deniz Yücel

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Deniz Yücel!

Miscellaneous

Henryk M. Broder schreibt über den Islamexperten Michael Lüders.

Correctiv.org hat die Ärzte befragt, die Geld von der Pharmaindustrie bekommen, aber nicht wollen, dass ihr Name genannt wird.

Deniz Yücel analysiert auf Welt online den Putschversuch in der Türkei. Das Beste, was ich bisher zum Thema las. Ähnlich auch David Blair im IndependentTelegraph: “You thought Erdogan was bad before? The worst of Turkey’s leader is yet to come”.

Lesebefehl für Telepolis: “Automatisch arbeitslos – Über die Folgen der Automatisierung und den Mythos der Vollbeschäftigung”. Der “Kommunismus” kommt also durch die Hintertür – auf der Ebene der Produktivkräfte. Genau so, wie Marx es prophezeite. Nur müsste man die Produktionsverhältnisse noch ändern.

Im Lesemodus auf der verfickten Welt-Seite

Markus Maximilian (auf Fratzenbuch) über Deniz Yücels Artikel: “Sorry, so gern ich deine Artikel lesen würde, es wird einem leider unmöglich gemacht durch 37 von selbst startende Videos auf dieser verfickten Welt-Seite”.

Das Problem habe ich natürlich nicht, und die wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammleser wissen auch warum. Mir fiel aber auf, dass bei Firefox der “Lesemodus” auch nur funktioniert, wenn man Javascript eingeschaltet hat – obwohl das Feature angezeigt wird?! Oder liegt das daran, dass ich noch nicht die Beta-Version benutze?

Böhm…äh…wer?

Alle haben schon etwas zu Böhmermann gesagt, nur ich nicht. Das geht ja gar nicht.

Deniz Yücel verweist auf die taz: “A wie Aufmerksamkeit: ist alles, was Böhmermann will. Alle anderen, die sich zu Böhmermann äußern, tun das nur, weil das, was sie sagen, wichtig ist.” Doris Akrap mit einem wunderbaren ABC. Bei “Z wie Ziegenficker” habe ich etwas gelernt: Die werden in der Türkei (bislang) strafrechtlich verfolgt, in Deutschland nicht.”

Dann gibt es noch Kai Dieckmann. Ich find’s grandios.

#Negergate, Update

negergate

Update: “Antirassistische Aktivisten wollen verhindern, dass aus einer Rede, dass aus der Rede von Martin Luther King zitiert wird. Sie kreischen den Moderator (immer mich) an: ‘Sag das Wort nicht! Sag das Wort nicht!'” (Deniz Yücel in der taz über Zwangsneurotiker und inquisitorischen Furor):
Nur haben die Critical-Whiteness-Spinner an einigen Fachbereichen die Nachfolge des trotzkistischen ‘Linksrucks’ oder der K-Gruppen noch früherer Tage angetreten: geschlossenes Weltbild, Auftritte in Rudelform, uniforme Redebeiträge und die totalitäre Unfähigkeit, etwas zu ertragen, das nicht der eigenen Weltanschauung entspricht.

Full ack.

Ein Kessel Buntes

panama

Foto: Panama 1982

Man kann dem so genannten “Sozialismus” der DDR vieles vorwerfen, aber wer zweifelt, dass das heutige Beitrittsgebiet genauso oder noch viel mehr typisch deutsch gewesen sei, alle Versuche, die breite Masse des Volks von Befehlsempfängern, Untertanen, Hobby-Blockwarten und grauslichen Spießern zu aufrecht gehenden und mündigen Citoyen zu machen, demgemäßg zwangsläufig scheitern mussten, dem muss man nur die Zeichenkette “Ein Kessel Buntes” zum feuilletonistischen Fraße vorwerden und abwarten, ob dieser Zweifler dann das Würgen begönne, was gemeinhin ein eindeutiger Hinweis darauf ist, die Sinne noch einigermaßen beisammen zu haben. Das erklärt auch den Titel dieses Postings. Mir fiel keiner ein, und “miscellaneous” wollte ich nicht schon wieder schreiben.

Ungefähr ein Mal im Jahr ändert ein journalistischer Artikel meine Meinung zu diesem und jenen – oder meinen Blickwinkel auf ein Thema. Heute geschehen mit Deniz Yücels Kommentar in der “Welt”: “Es geht nicht um Kurden, sondern um den Islam”. Lesenswert.

Der tschechische Präsident Milosh Zeman sagt ganz richtig: Die Flüchtlingswellen nach Europa seien das Ergebnis der westlicher Militärinterventionen im Irak, Libyen und Syrien, die dazu beigetragen hätten, dass sich Terrororganisation im Nahen Osten ausbreiten haben ausbreiten können (Grammatik und Satzbau auf burks.de sind korrekter als bei RT Deutsch; es ist aber – zugegeben! – im Deutschen nicht ganz einfach, den Konjunktiv der indirekten Rede zu unterscheiden vom Konjunktiv irrealis, geschweige denn, dessen Formen zu kennen und korrekt zu verwenden).

By the way: Meine Verschwörungstheorien zum Fall netzpolitik.org bestätigen sich schon wieder. Alle wussten vorher Bescheid, also auch der Justizminister. “Das Justizministerium will von dem Verfahren eindringlich abgeraten haben.” Pofalla-Syndrom, ich sag’s ja.

Unsere bekannteste Expertin für die Brechung des Zinsknechtschaft das raffende Kapital, welches sie angreift, weil sie das eigentliche Kapital nicht attackieren möchte, verkasematuckelt die deutsche Sprache: “Die Bundesregierung führt ihre Aktivitäten zur Beschaffung von Kampfdrohnen trotz deutlich ablehnender Meinung in der Bevölkerung fort.”

Aktivitäten fortführen” – das stärkste Verb, seit Schiller die “Glocke” schrieb. (Ja, verdammt noch mal, die “Glocke” gdehört immer noch zum Bildungskanon, allein wegen der dortigen Tuwörter und wie man sie verwenden sollte.)

Es wäre so einfach: Äten und Ungs und Keits verbieten. Was bliebe übrig? Die Bundesregierung beschafft weiterhin Kampfdrohnen, (wer tat was und tut es immer noch?) obwohl die Bevölkerung das mehrheitlich ablehnt. Da wäre ein verständlicher deutscher Satz ohne Geschwurbel. Damit kriegte man aber eine Pressemeldung nicht voll.

Das Neue Deutschland schreibt über den aktuellen Stand des Klassenkampfs in Griechenland. Man sollte dort zur Zeit nicht mit der Bahn fahren, sondern stattdessen immer ein Ersatzfahrrad mitführen – oder ein Ersatz-Schiff, falls die Griechen mal dort streikten, wo es wirklich weh täte.

Und nun zum Feuilleton: National Geographic zeigt wieder mal “most popular” Reisefotos. Da kann ich aber mithalten (vgl. oben). Alternative dortselbst: Katzenfotos oder Gürteltiere, die zurückschießen.

“Kassieren und blamieren” – Der Freitag berichtet, dass das Bundesarchiv “historisches Filmmaterial laufend und in großem Stil” vernichte.

Ich muss heute arbeiten. Der Guardian kommentiert das.

Nach Herzenslust scheiße finden

“Noch ein Privileg genießt man als Journalist: Man kann, wie es Stefan Ripplinger einmal formulierte, nach Herzenslust scheiße finden und besser wissen.” (Denizs Yücel in seiner letzten Kolumne für die taz.)

Tweet of the day 71

“taz-Redaktion stimmt gegen Frauke Böger als stell. Chefredakteurin. Nicht nur dick & gemütlich, auch dumm & bräsig. Und Angst vorm Internet.” (Deniz Yücel)

Linkes Betschwestertum

Ein köstlicher Artikel Jan Fleischhauers über einen taz-Kongress: “Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie wenig ausreicht, um Menschen, die der Linken angehören, in Aufregung zu versetzen. (…) Die meisten Menschen suchen in ihrem Meinungsumfeld nach Bestätigung für ihre Weltsicht, das gilt lagerübergreifend. Aber nirgendwo ist die ideologische Selbstisolierung so weit fortgeschritten wie in den Vierteln, in denen man sich auf die eigene Weltläufigkeit sonst so viel einbildet. (…) Ein gewisser Hang zur Bigotterie ist dabei fast unausweichlich”.

Und der von Deniz Yücel über dasselbe Event ist auch sehr lesenswert. Der lässt es wieder krachen….

Tschüss, Kotzbrocken! Jawoll!

Mein Lieblings-Kommentator Deniz Yücel schreibt in der taz zu Niedersachsen und Schünemann: “Nein, Schünemann war der ideelle Gesamtinnenminister Deutschlands, ach was: Er war der beste, weil dümmste Innenminister der westlichen Welt.”

Ich habe vorsichtshalber einen Screenshot gemacht. Bei der Obrigkeitshörigkeit und dem Duckmäusertum der deutschen Journaille, beim Bestreben, in der Mainstream-Masse ja nicht aufzufallen, weiß man nie, nie ob ein steiler Kommentar, der ins Schwarze trifft und weh tut, nicht von einem botmäßigen Oberredakteur, dem eine Kompanie AbmahnParasitenanwälte im Nacken sitzt, wieder geglättet wird.

Ob Handyverbote für Terroristen, Bundeswehreinsätze gegen Killerspiele oder Fußfesseln für Schulschwänzer, ob Nachtischverbot für Stützeempfänger, Arbeitsdienst für Fünfjährige oder Hymnenpflicht für Blogger – keine Forderung, die zu absonderlich oder zu faschistoid gewesen wäre, als dass Schünemann im Laufe seiner zehnjährigen Amtszeit sie nicht erhoben hätte oder bei der man hätte sicher sein können, dass er sie nicht noch irgendwann erheben würde.

Chapeau, Deniz Yücel! Du sprichst mir aus der Seele.

Reaktionärer Stinkstiefel

Ein sehr treffender Kommentar von Deniz Yücel in der taz zu Gauck: “Freilich hat sich Gauck nicht erst nach seiner gescheiterten ersten Kandidatur ideologisch zwischen Martin Walser, Erika Steinbach und Stefan Effenberg verortet. Ein reaktionärer Stinkstiefel war er schon vorher.”