The Expanse, revisited

the Expanse

Heise über The Expanse, Staffel 4: “Nicht so gut wie das Buch, trotzdem beste Sci-Fi im TV”. Das gilt auch für alle anderen Staffeln – ich bin gerade beim Ende der Staffel 3. Dem Artikel bei Heise kann ich kaum noch etwas hinzufügen – außer einigen kulturpessimistischen Meckereien (siehe unten).

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Meine Favoriten der Staffel 3 sind Klaes Ashford (David Strathairn – ein erfahrender alter Kerl bringt die Truppe auf Vordermann und zeigt den jungen Leuten, wo Gott wohnt – eine Rolle, die ich gern spielen würde, aber alles zugunsten einer jungen Frau, die er gefördert hat:) und Drummer (Cara Gee), die nicht nur umwerfend aussieht, sondern auch gnadenlos überzeugend spielt und eine Stimme hat, die einen Mann wie mich dumm wirkende Sachen tun lassen würde, dürfte ich sie aus der Nähe anhimmeln. Wer sich die synchronisiert anhört, sollte in den nächsten See mit einem Gewicht an den Füßen.

In vielen Hollywood-Filmen halten irgendwelche “Führer” mit und ohne Ausstrahlung irgendwelche Reden, um die Zuhörer zu Heldentaten aufzustacheln. Auf mich wirkt das fast immer lächerlich – Billy Graham lässt grüßen. Nicht wegen der ohnehin blöden Inhalte, sondern der unprofessionellen Rhetorik. Rudi Dutschke, den ich einmal live erlebt habe, redete oft dummes Zeug und niemand verstand, was er wollte, aber er war hinreißend charismatisch.

Auch Drummer hält eine Rede, aber das macht sie aus der Sicht eines Sektenpredigersohns richtig gut – gebraucht einfache dynamische Wörter wie Trump, appelliert an das Wesentliche und die Gruppendynamik (die Zuhörer sind toll) und definiert den Feind außen. Mehr braucht eine gute Rede nicht.

Cara Gee stammt von den Ojibwa (Chippewa) aka Anishinabe ab. (Wieder was gelernt – hat Karl May die erwähnt?). Kein Wunder, dass deutsche Schauspielerinnen dagegen oft langweilig wirken (kann aber auch an meinem kosmopolitischen Geschmack liegen.)

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Und nun zu uns, Religioten! Dr. Annushka “Anna” Volovodov (Elizabeth Mitchell, eine Methodisten-Pfäffin – was hat so jemand in einem Science-Fiction-Film zu suchen? Ihr sanfter Tonfall und dass sie immer nur helfen will, geht mir total auf den Keks. Das ist so absurd wie die Tatsache, dass in Stanislaw Lems Rauschschiffen keine Frauen, aber manchmal Pfaffen mitfliegen. Polen und die USA – zwei Länder, in denen die Religion komplett die Hirne vernebelt, dass sogar die ferne Zukunft nicht ohne die Verehrung höherer Wesen denkbar ist. Da war die Sowjetunion 1917 schon weiter (und weiter als die heutige deutsche Linke). Immerhin bringt sich ein weiterer Methodist in “The Expanse” um – nur konsequent angesichts des großartigen Weltraumspektakels und der unendlichen Weiten.

Kommentare

3 Kommentare zu “The Expanse, revisited”

  1. Martin Däniken am Dezember 19th, 2019 10:33 am

    Gute Reden kann Strathairn verdammt gut:
    https://www.youtube.com/watch?v=NbAb7Ek8z5Y
    das Orginal-Murrow:
    https://www.youtube.com/watch?v=vEvEmkMNYHY
    als John Brown:
    https://www.youtube.com/watch?v=dmyswQs6_Bw
    und in der TV-serie Equalizer:
    https://www.youtube.com/watch?v=11_w6t76PH8
    im Dialog mit Gary Oldman als Churchill und Roosevelt/Strathairn

  2. Serdar Günes am Dezember 27th, 2019 9:39 am

    Du bist nie allein

    Streaming Die Science-Fiction-Serie „The Expanse“ erzählt vom Klassenkampf in einem kolonisierten Kosmos

    https://www.freitag.de/autoren/florian-schmid/du-bist-nie-allein

  3. Schon wieder: Schöne Menschen mit Menstruationshintergrund : Burks' Blog – in dubio pro contra am September 12th, 2020 1:55 am

    […] einfach nicht für sie. Comic-Strip-Figur käme besser. Tomb Raider war daher ihre Paraderolle. Science Fiction ginge für Jolie auch, aber Jessica Matten finde ich hübscher. Tribal wird aber weder von Netflix […]

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