Lehrling gesucht!

lehrling gesucht

Das ist bzw. war nur mein Frühstück. Das Brot stammt natürlich vom „køniglichen“ Bäcker.

Mein Bäcker hier in Rixdorf sucht einen Lehrling. (Vgl. Echtes Brot aus der køniglichen Backstube)

Sympatisch ist das, weil im traditionellen Handwerk immer noch das schöne Wort gebraucht wird, dass die „Lehre“ enthält, und nicht das Bürokraten-Unwort „Azubi“ oder dessen Langfassung, die noch schlimmer ist. Warum ist es eigentlich so schwer, dafür jemanden zu finden? Bei Eva-Maria Hilker lesen wir in einem Interview mit einer Bäckerin:
Im Laufe der nächsten Monate machen drei Bio-Bäckereien auf. In Neukölln der Michael Köser, in Moabit, wahrscheinlich in einem Vierteljahr, der Florian Domberger und ich in vier Wochen. Demnächst sind zehn Prozent der Berliner Bäcker produzierende Bio-Bäcker. Das gibt es nirgendwo in Deutschland. (…) Wenn ein Bäcker wirklich original backen will, dann hat er eigentlich nur die Chance, beim Bio-Bäcker zu arbeiten.

Wer mal ins Ausland gehen will und richtig backen könnte, sollte sich vor Angeboten kaum retten können. Also, mitlesende Nachgeborenen, seid dessen eingedenk!

Kommentare

3 Kommentare zu “Lehrling gesucht!”

  1. André Dreilich am Juli 26th, 2016 11:20 am

    Kein Lehrling? Kein Wunder. Ich hab‘ mich als Berichterstatter für den dfv viele Jahre in diversen Bäckinnungen und Bäckereien herumgedrückt. Fazit: In dieser Branche (bei den Fleischern war’s fast ebenso schlimm) war es schon Ende der 90er schwer, Lehrlinge zu finden, von wirklich guten ganz zu schweigen. Jetzt, da die geburtenschwachen Jahrgänge gerade nicht auf den Markt „drängen“, ist es noch schwieriger geworden. Bäcker ist ein wirklich toller Beruf, wenn man der Chef meiner Dorfbäckerei ist oder deiner königlichen Rixdorfer. Aber für einen Berufseinsteiger, sofern nicht des alten Meisters Sohn, ist eine Bäckerlehre maximal uncool. Stichwort Arbeitszeit … Einziges Plus: Die meisten Bäcker sehen zwar zeitlebens aus, als säßen sie dem Tod bereits auf der Schippe, aber in aller Regel ist ihre Lebenserwartung zumindest höher als die der ewig rosigen Fleischerkollegen. Wer um drei in der Backstube steht, muss seinen Lebenswandel anpassen … Zwecks Weiterbildung empfehle ich https://www.youtube.com/watch?v=WApO6VQ2Dvc Bitte ordentlich die Boxen aufdrehen

  2. andreas am Juli 26th, 2016 3:01 pm

    Wirklich schade das Bäcker und Metzger keine qualifizierten Auszubildenden finden. So ists nämlich offensichtlich, wie ich auf einem Dreh zum Thema bei einem Metzgermeister in Kaiserlautern vor Jahren lernte. Abgesehen von unterirdischen Abschlussnoten waren die Absenderadressen auf Lebensläufen, Anschreiben etc. einzelner Bewerber auf eine Ausbildungsstätte orthografisch unter anderem verschieden gestaltet. Eine Auszubildende flog innerhalb der ersten Woche, nachdem sie mit einem Fleischkäse unter dem Arm aus der Produktion kommend, im Verkaufsraum vor versammelter Mannschaft die erste Verkäuferin fragte wohin der Scheiß denn nun solle. In einer Wurstboutique mit drei Fillialen und einem Chef, der kein einziges Metgermeisterklischee erfüllte mit einer von mir vorher nie gesehenen Auswahl von Grillgut.

    Was die Arbeitszeiten von Bäckern betrifft tränt mein Glasauge aus Mitleid. Wie unerträglich so früh arbeiten zu müssen. Wie viel besser geht es Bauarbeitern, Tunnelbohrern oder z.B. Strassenbauern bei mörderischen Plus- oder Minusgraden. Oder Hotelfach- oder Kaufmannsazubis die als billigste Arbeitskraft in großen Ketten mal eben eines der drei Ausbildungsjahre im Housekeeping Betten machen und Zimmer putzen. Stets freundlich, mehrsprachig zuvorkommend gegenüber unfreundlichen, kotzarrogant, fordernden Patienten (Gästen) und Vorgesetzten. All das an langen Arbeitstagen bei Minimalentlohnung. Da lassen sich bestimmt noch andere Ausbildungsberufe als Negativbeispiele finden. Andererseits besetzen Deutsche in der internationalen Spitzengastronomie durchweg Führungspositionen.

    Zurück zu den Bäckern. Während meines fünfjährigen Auslandsaufenthalts in London als Mitarbeiter in internationalen Hotels und während meines Studiums konnte ich mit allen Absonderlichkeiten der Inselbewohner umgehen. Was mir nach wenigen Monaten tatsächlich fehlte war ein anständiges Schwarzbrot, irgendetwas das dem Biss Widerstand leistete. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen musste ich ein Heidengeld bei Selfridges lassen um ein 500 Gramm schweres Brotchen zu erstehen. Die Nachfrage bestand, allein es fehlte das Angebot. Hätte ich bei einem Echtbäcker oder Echtmetzger gelernt, würde ich heute in Geld schwimmen. Nicht in Germoney sicherlich, dafür an einem Ort der Wahl irgendwo.

    Die Erwartung ab morgens um 0630 Uhr aus einer riesigen Auswahl Brot und Brötchen wählen zu können ist ein hauptsächlich deutsches Phänomen.

    Es geht durchaus anders, wie sich hier
    http://www.tartinebakery.com/bread/
    leicht herauslesen lässt. Geschenkt bekommen hats der Herr Robertson nicht. In seinem Buch beschreibt er wie er in mehrereren europäischen Ländern unterschiedlichste Rezepte zuzubereiten lernte und Anfangsschwierigkeiten in der Eigenproduktion überwandt. Ich empfehle sein Buch Tartine´s hier mal mit dem Hinweis, dass die Rezepte immer für Haushalts untaugliche Mengen berechnet sind.

    Ach so, während meines Inselaufenthalts entdeckte ich in Soho eine Bratwurstmetzgerei, die in einem Loch in der Wand ihr Produkt an nicht enden wollende Schlangen lechzender Kunden verkaufte. Wurst die Fleisch enthält, nicht gemahlenen Pappendeckel wie in Bangers, den very britischen Frühstückswürstchen. Simply Sausages bediente die Nachfrage zwischen 1200 Uhr und Ausverkauf (~1600 Uhr). Heute so http://simplysausages.co.uk/about-us

    Noch schnell eine traurige Anekdote des Verlusts einer Ausbildungsstelle. In oder bei Andernach erhielt ein freundlicher junger Bursche Lehranstellung in einer örtlichen Bäckerei. Als Tourette Patient suchte er lange bis sich die Chance ergab. Während der Sommermonate waren die Fenster der Backstube nachts geöffnet. Die Nachbarn störten sich nicht am gewohnten Geklapper und Geklatsche, den für eine Backstube üblichen Geräuschen. Das der Lehrbub, der ansonsten die Erwartungen seines Ausbilders überdurchschnittlich erfüllte, in unregelmäßigen Abständen „FICKEN“ in die Nacht schrie kostete ihn die ansonsten vielversprechende Lehrstelle.

  3. ... der Trittbrettschreiber am Juli 26th, 2016 5:06 pm

    @andreas

    ist verständlich – wenn der Durchschnittsbildungswutbürger sein coitales Mittwochsnachtsumdreiuhrdreißigritual zur Durchführung gelangen lässt, bringt ihn die Vulgärbezeichnung seines Tuns (oder kläglichen Unterlassens) schnell aus dem Tourett. Da wird Vattern dann auch gleich zum Demo-Kraten und nötigt seinen Glutenlieferanten zum Change-Management, was seine HR angeht. Dabei hat dieses Land es bitter nötig, dieses nächtliche Statement eines offensichtlich hochmotivierten Bäckereiauszubildenen als dringend gebotenen Imperativ zu deuten.

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