Zu spät gekommene innovative Konstruktionen

Spiegel online: “Von der ersten Rakete “V2″ bis zum 190 Tonnen schweren Panzer “Maus” – das sind die geheimen Waffen, von denen Adolf Hitler glaubte, dass sie den Vormarsch der Alliierten stoppen könnten. Auch wenn viele dieser innovativen Konstruktionen dazu zu spät kommen, sind viele Konzepte revolutionär und ermöglichen Jahrzehnte später Urlaubsreisen nach Mallorca und Flüge zum Mond.”

Debug Modus

total commander

Vielleicht erinnern sich die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser daran, dass ich tagelang herumfummeln musste, um mit Android E-Mails verschlüsseln zu können. Das Problem ist nicht wirklich gelöst, was meint: ein normaler Mensch könnte das auch.

Nein, es gibt kein (in Worten: kein) Tutorial, das auch nur annähernd volkstümlich erklärt, wie das geht. Ich will also eines selbst schreiben. Das ist gar nicht so einfach.

Zum Glück geht bei mir alles schief, was schief gehen kann und noch ein paar Dinge mehr, was mich in die Lage versetzt, mich in die Leute hineinfühlen zu können, die weder Zeit noch Lust haben, fucking manuals in Geek-Sprech zu lesen. Mit anderen Worten: Bei mir funktioniert nie etwas, was in Tutorials mit den Textbausteinen “es ist ganz einfach” beschrieben wird. Ist es nicht. Nie.

Erstens: Wer Windows (jedwede Version) nutzt, wird an der Dateiverwaltung von Android zunächst verzweifeln. Man findet nie etwas auf Anhieb. Nach wochenlangem Fummeln habe ich das System immer noch nicht hinreichend verstanden. (Linux ist wesentlich einfacher.) Ich empfehle daher, sich ein App auf dem Smartphone oder Tablet zu installieren, das die Sache übersichtlicher und einigermaßen benutzefreundlich macht, zum Beispiel den Total Commander, den es auch für Android gibt. (Vgl. Screenshot oben) Dieser “Dateimanager” erinnert stark an den legendären Norton Commander unter DOS und lässt sich auch so leicht bedienen.

APG

Wer weiß auf Anhieb, wo die obigen Datei zu finden ist und wie man sie importiert? Ich habe mehr als eine halbe Stunde gebraucht, bis ich das endlich mit dem Total Commander geschafft hatte.

Zweitens: Man sollte unbedingt das E-Mail-Programm K-9 Mail installiert haben (vgl. Screenshot oben) – das benutzerfreundlichste für Android-Smartphones und-Tablets, das ich kenne.

APG

Drittens: Das oft empfohlende APG (vgl. Screenshot oben) ist totaler Schrott – weil es eben immer dann nicht funktioniert, wenn man schon Verschlüsseln kann und das Problem hat, vorhandene Schlüssel von anderen Rechnern in Android zu importieren. Ich bekam so viele Fehlermeldungen unterschiedlicher Art, dass ich sie hier gar nicht aufzählen kann; und der Entwickler scheint auch gar nicht mehr an der Software zu arbeiten. Tut mir leid – APG ist nichts für Leute, die weniger als einen Tag Zeit haben, sich damit zu befassen – und das sind 99,99 Prozent der Bevölkerung.

Ich empfehle stattdessen Gnu Privacy Guard vom “Guardian Project”.

debug modus

Jetzt brauche ich aber die Hilfe der technik-affinen Leserinnen und iPhone-feindlichen Leser. Mir gelingt es immer noch nicht, meinen richtigen geheimen Schlüsseln so zu importieren, dass Gnu Privacy Guard ihn erkennt. Beim Importieren der Datei bekomme ich obige Fehlermeldung, die ich aber nicht verstehe. Kann die Ursache das bekannte Problem (vgl. unten) sein?

Wie einige kundige Leser schon vermuteten, ist das Format, das Enigmail (das OpenPGP-Add-on für Thunderbird) zum Export der Schlüssel benutzt, offenbar nicht kompatibel mit der Dateiverwaltung von Android, obwohl der Schlüssel korrekt im ASCII-Format erscheint. Da muss man erst mal drauf kommen. Also genau das, was hier in Klingonisch erwähnt wird:
APG cannot import keys in .asc files terminated with CR/LF (PC-style): it requires LF only (UNIX style). If your PC editor offers you a choice (e.g., TextPad does) save the file as UNIX text.

Wenn die ganzen Ausländer kommen

Die ARD lässt die Pegidasten im Tal der Ahnungslosen und auch anderswo reden:

Unter Pegidasten und Ausländerfreunden

ausländer

Foto: Michael Schilling | Wikipedia

Nein, Jakob Augstein, wer so argumentiert, liegt daneben: “Ausländerfeinde und Anti-Islamisten wagen sich aus der Deckung. Das ist ein Zeichen der deutschen Krise.”

Ganz falsch. Nazis haben nichts gegen “Ausländer”. Aber wer so schwurbelt wie Lichterkettenträger, ist auch beratungsresistent. Ich darf mich selbst zitieren – seit 15 Jahren hat sich nichts geändert bei den gutmeinenden Textbaustein- und Sprechblasenfacharbeitern.

Ihr habt nichts begriffen, nichts, (…). Überhaupt nichts. Und der Mainstream-Diskurs ist so in Beton gegossen, dass Argumente nichts nutzen. Hier dazu eine Passage aus meinem Buch “Nazis sind Pop” (erschienen 2000):

Das eigentümlich Verschrobene des so genannten Volks der Dichter und Denker manifestiert sich in begrifflichen Sonderwegen, die Dolmetschern regelmässig den Schweiss auf die Stirn treiben: In Deutschland soll es einen merkwürdigen Zustand der Gefühle geben, eine Feindseligkeit, die sich gegen Menschen richtet, die einen anderen Pass besitzen als die Mehrheit. Da eine Emotion unstrittig nicht in der Lage ist, komplizierte Fragen des Staatsbürgerschaftsrechts zu beurteilen, lässt einen US-Amerikaner das holperige Wort “Ausländerfeindlichkeit”, um das es hier unter anderem gehen soll, ratlos zurück. Grammatikalisch janusköpfig – wer ist “feindlich”? Die Ausländer? Ein Synonym – die Feindschaft – lässt sich nicht benutzen – könnte es auch “Ausländerfeindschaft” heissen?

Der Begriff “Ausländerfeindlichkeit” kann in keine Sprache der Welt übersetzt werden. Wer vorschnell hofft, bei “Xenophobie” fündig zu werden, irrt: Die “Fremdenfeindlichkeit” bedeutet etwas ganz anderes. Der “Fremde” ist immer ein fiktives Konstrukt, dem eine Definition im kollektiven Diskurs voraufgegangen sein muss. Auch “Inländer” können zu Fremden gemacht werden. Menschen, die keinen deutschen Pass besitzen – “Ausländer” im Sinn des Wortes, etwa Isländer, Norweger, Dänen, werden in Deutschland weder angepöbelt noch zusammengeschlagen. Das geschieht aber Afrodeutschen, die noch nie einen anderen Pass besessen haben als den deutschen, jedoch eine andere, etwas dunklere Hautfarbe besitzen als der durchschnittliche Deutsche.(…)

Was will uns der Begriff “Ausländerfeindlichkeit” sagen? Er muss emotional stark besetzt sein, denn selbst der zarteste Hinweis, dass mit diesem “Unwort” die Welt nicht auf den Begriff käme, löst, vor allem bei Medienschaffenden und vor gutmeinenden Berufsjugendlichen, die sich bei ritualisierten Meetings gegen “Ausländerfeindlichkeit” versammeln, wütende und trotzige Reflexe aus, als nähme man einem Kind das liebste Spielzeug oder einem Hundebesitzer den Kampfhund weg.

Die Liebe zur “Ausländerfeindlichkeit” steht nicht allein, sondern korreliert mit der Abscheu vor Worten, die im Ausland für das Phänomen kursieren, etwa “Rassismus”. Wer in Deutschland öffentlich bekundet, es gebe Rassismus, outet sich als Angehöriger eines marginalisierten und akademischen Diskurses, der nur in Publikationen zu finden ist, die ständig in „Gefahr“ schweben, im nächsten Verfassungsschutzbericht als “linksextremistisch” aufzutauchen.

Der Begriff “Ausländerfeindlichkeit” hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Die lehrt vor allem eines: Deutschland verdrängt, dass es Rassismus gibt. Der Konsens der Nachkriegsgesellschaft war, nicht an diesem Tabu zu rütteln. Man gab sich “gastfreundlich” zu “Gastarbeitern”, man hatte es per definitionem zu sein, auch wenn die Realität anders aussah. Das Ergebnis dieser kollektiven Amnesie: “In der Folgezeit stand nicht einmal das wissenschaftliche Vokabular zur Beschreibung und Einordnung rassistischer Praktiken und Kategorien zu Verfügung.”

Würde eine US-amerikanische Zeitung von “Ausländerfeindlichkeit” reden, falls eine Bande von Ku-Klux-Klan-Anhängern einen Afroamerikaner überfiele und krankenhausreif schlüge, verstünde niemand, was damit gemeint wäre. “Fremd” heisst im amerikanischen Englisch “alien”, aber es käme niemand auf die Idee, dieses Wort im Zusammenhang mit rassistischen Motiven zu benutzen. So etwas ist nur in Deutschland möglich. Afroamerikaner sind keine “Fremden” in den USA und natürlich auch nicht per se in Europa.

Der Begriff “Ausländerfeindlichkeit” ist ein zentraler Topos des rassistischen Diskurses. Er hat sich so verfestigt, dass selbst nach stundenlangen Diskussionsrunden gutmeinender und sich liberal und aufgeschlossen gebenden Menschen über das Thema und vorgeblicher Erkenntnis, das Rassismus nichts mit einer Staatsangehörigkeit zu tun hat, das Wort reflexartig und automatisch wieder in das Gespräch einfliesst. “Ausländerfeindlichkeit” suggeriert einen Tatbestand, der so nicht existiert – als richteten sich Hass und Gewalt gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen, die durch das Fehlen eines deutschen Passes gekennzeichnet ist. Das ist selbstredend Unfug. Dieser Begriff hat dazu geführt, dass jeder Dunkelhäutige mit grosser Wahrscheinlichkeit, wird er in Deutschland öffentlich wahrgenommen, zum “Ausländer” abgestempelt wird, zu dem man sich gut oder böse verhalten kann.

SuS oder: habt ihr sie noch alle?

Marius Jung schreibt im “Tagesspiegel” über Neger, maximalpigmentierte Messerwerfer und Penner, die (vielleicht) eine Wohnung suchen oder auch nicht. Sehr schön zu lesen.

Krantor

Krantor

Das Danziger Krantor aus dem 15. Jahrhundert (fotografiert 1982).

Best Practices in Counterinsurgency

Wikileaks: “CIA Review of High-Value Target Assassination Programs”.

Javascript and HMTL enabled

Anonymous: Global internet authority ICANN hacked due to phishing scam.

Deep and Comprehensive Free Weapons Trade Area

Zeit.de: “Die Ukraine will in den kommenden Jahren rund 2,2 Milliarden Euro mehr für ihre Armee ausgeben. Das kündigte Staatschef Poroschenko zum Jahrestag der Unabhängigkeit an.”

Woher kommt das Geld dafür? Handelsblatt: “Polen will der Ukraine bei der Annäherung an den Westen unter die Arme greifen. Warschau wird das Krisenland bei Reformen und der Modernisierung des Militärs unterstützen. Auch Waffenverkäufe sind möglich. (…) Während des Treffens mit Poroschenko unterzeichnete Komorowski das Gesetz zur Ratifizierung des Assoziierungsvertrags zwischen der Ukraine und der EU.”

Was steht in diesem Vertrag? “Die Bundesregierung verwies darauf, dass die Ukraine bereits 1994 als erster Staat der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) der “Partnerschaft für den Frieden” beigetreten sei. Die “Charta über eine besondere Partnerschaft” (“Charter on a Distinctive Partnership”) sei die Grundlage für die Arbeit der NATO-Ukraine-Kommission, unter deren Dach “eine weit verzweigte Struktur von Gremien, Mechanismen und Programmen” geschaffen worden sei. Grundlage für die bilaterale militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine sei eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit im militärischen Bereich zwischen der Bundeswehr und den ukrainischen Streitkräften vom 16. August 1993.”

Was ist die “Partnerschaft für den Frieden? “… eine 1994 ins Leben gerufene Verbindung zur militärischen Zusammenarbeit zwischen der NATO und 22 europäischen sowie asiatischen Staaten, die keine NATO-Mitglieder sind.”

Was ist die “Charter on a Distinctive Partnership” (für das deutsche Wikipedia irrelevant)? “Building an Enhanced NATO-Ukraine Relationship”.

Aha. Wie soll man das also bewerten?

Wikipedia: “Das Verhalten der Europäischen Union wurde international von Politikern kritisiert. Das Freihandelsabkommen der EU (DCFTA) [Deep and Comprehensive Free Trade Area] schließe intensive wirtschaftliche Beziehungen der Ukraine zu ihren bedeutendsten Wirtschaftspartnern in der von Russland geführten Zollunion weitgehend aus. Damit habe man der Ukraine nur ein ‘Entweder-oder’ angeboten, also die Ukraine nicht als Brücke zwischen der EU und Russland verstanden. Auf diese Weise habe man die derzeitige politische Krise in der Ukraine mitverursacht.”

Rechtstädtisches Rathaus

danzig

Das Rechtstädtisches Rathaus (13. Jahrhundert) am Langen Markt von Danzig, aber im Jahr 1982. Ich möchte da heute nicht mehr hin, damals war alles werbe- und Touristen-frei. Dafür könnte man heute vermutlich besser Essen gehen.

Washington Square

washington square

Man kann natürlich jammern, dass die alten Zeiten schöner, romantischer und überhaupt besser waren, wenn man sich den Verfall überall und in jeder Hinsicht anschaut. Ich bin aber kein Kulturpessimist, und es wird auch nicht alles schlimmer, sondern nur anders.

Ich war 1981 in New York im Hotel “Earle”, das heute Washington Square Hotel heißt und eben direkt an diesem Platz im berühmten Viertel Greenwich Village liegt. Das Foto habe ich von meinem Zimmer aus gemacht – mich faszinierten die Wasserspeicher, die man in Deutschland so auf Dächern von Städten nicht kennt. Ich habe ein bisschen mit Google Street View herumgespielt und sogar annähernd die Perspektive wiedergefunden. Die beiden weißen Häuser in der Mitte haben heute eine andere Farbe, sind aber noch da, was in New York nicht selbstverständlich ist. Vermutlich könnte ich mir das Hotel heute in dieser Lage gar nicht mehr leisten….

Journalisten in der Vertrauens-Krise

Meedia.de: “Das Ansehen von Journalisten war nie das Allerbeste. Doch dass es gleich so schlimm um den Berufsstand bestellt ist…Der Verein der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat Bürger aus 15 Ländern zum Ansehen verschiedener Jobs befragt. Das bittere Resultat: in Deutschland gehört der Beruf des Journalisten zu den Flop-Jobs.”

Das wundert mich nicht.

Bastardisierung oder: Kanake sagt man unter Umständen doch

Die Sprachpolizei informiert Der Tagesspiegel berichtet über eine Initiative, die sich “Neue deutschen Medienmacher” (NdM). [Berlin Amtsgericht Berlin (Charlottenburg) VR 28575, offenbar nicht gemeinnützig.]

Anhand der Geldgeber weiß man gleich, wohin der Hase läuft – zum sprachpolizeilichen Lichterkettentragen. Staatliche Fördermittel abgreifen und dann etwas gefühlt politisch Korrektes propagieren, das niemand braucht – und den wissenschaftlichen Diskurs zum Thema (wir sind in Deutschland – keine ausländischen Wissenschaftler zitieren, bitte!) souverän missachten. Das ist die Idee, genau so wie bei den unzähligen Medien-Websites “gegen Rechts”, die zu Recht fast alle sang- und klanglos wieder eingestampft wurden.

Die Bertelsmann-Stuftung gibt Geld? Und die Geschäftsführerin heißt Vassiliou-Enz? Da weiß man, was man hat. Wer von der Bertelsmann-Stiftung etwas annimmt, macht sich politisch die Finger schmutzig. Damit ist für mich schon das ganze – ohnehin fragwürdige – Konzept diskreditiert. Da niemand nachdenken oder andere Quellen zum Thema zitieren wird als die PR-Abteilung des Vereins, und da auch alle fürchten, sie stellten sich außerhalb des Mainstreams (eine medienpolitische Todsünde), wird es kein wirklich kritisches Wort über diese “Neuen deutschen Medienmacher” geben, außer vielleicht von reaktionären Medien wie Focus – aber aus anderen Gründen.

In Kreuzberg, fast direkt an der Oberbaumbrücke, gab es schon vor dem Mauerfall eine Kneipe, die sich “zum Kanaken” nannte. Die Betreiber waren Deutschtürken, die das Wort ironisch aufgriffen. Was würde denn unsere Sprachpolizei dazu sagen? Melden, durchführen, verbieten?

Was machen eigentlich die Märkte?

Statistisches Bundesamt: Jeder fünfte Deutsche (16,2 Millionen Menschen) sei arm oder werde sozial ausgegrenzt (um es gleich in deutscher Sprache zu sagen). Warum lassen das “die Märkte” nur zu?

Nur mal so zwischendurch: Wenn auf den “Nachdenkseiten” die “Finanzmärkte” kritisiert werden, die etwas anderes täten als “richtige Unternehmer”, ist das grober Unfug und reaktionär, keine zureichende Kritik des Kapitalismus, und nichts anderes als der sattsam bekannte Textbaustein vom schaffenden und raffenden Kapital. Man kriegt das eine nicht ohne das andere. Kritik an “Finanzmärkten” ist feministische Theologie – es soll etwas reformiert werden, was nicht reformiert werden kann.

Was macht übrigens der Deutsche, wenn er fürchtet, gefühlt nach unten abzurutschen? Richtig, er buckelt nach oben und tritt nach unten. Dazu ruft er nach “Ordnung” und appelliert an die Volksgemeinschaft: “Jeder ist Ordner hier, achtet auf den Nachbarn.” O mein höheres Wesen! Das ist keine “Solidarität”, sondern das Blockwart-Syndrom.

Wenn wir eine linke Partei hätten, die nicht mit “dem System” gleichgesetzt würde und die nicht als systemtreu gälte, wäre das etwas anders. Aber dort, wo die Linke politisch hingehörte, tummeln sich nur gruselige Sektierer. Vielleicht ist das auch typisch deutsch.

1001 Nacht, 2.0

Sorry für das unpolitische Posting… aber mir gefällt auch die Musik.

Huelga general, revisited!

klassenkampf

In Belgien ist Generalstreik. Deutsche wissen natürlich nicht mehr, was das ist. Hier wird es erklärt: Ein Generalstreik ist eine Streikaktion der gesamten Arbeiterschaft eines Landes oder einer Region. Generalstreiks sind wegen ihrer umfassenden Unterbrechung des Alltags überaus wirksam. Häufig bilden schwerwiegende ökonomische Ungerechtigkeiten oder soziale Unruhen die auslösenden Motive für einen Generalstreik. Neben ökonomischen Ursachen kann ein Generalstreik auch politische Ursachen haben, wie zum Beispiel beim Kapp-Putsch in der Weimarer Republik, wo der Generalstreik schließlich mit zur Niederschlagung des Putsches führte.

Der letzte Generalstreik in Deutschland war übrigens 1948. (Das Foto stammt aus dem Jahr 1919.)

Wörter, die ich nie mehr lesen oder hören möchte

Fachseminar. Hochrangig. Hochkarätig. Schulischer Bereich. Durchführen. Abmahnen. Kreativ. Gestaltung. Verunfallt. Bildungsfern. Migrationshintergrund. Wahrung. Die Märkte. Aktivitäten. Zivilgesellschaft. Lohnfindungsstrukturen. Vollumfänglich. Nachbörslich.

Russland, backside

Alexander Petrosyan

Ich habe mir neulich eine großartige Ausstellung des Fotografen Alexander Petrosyan aus Leningrad St.Petersburg angesehen und ihn auch persönlich kennengelernt. Das obige Bild hat mir mit am besten gefallen – 100 Jahre russische Geschichte auf nur einem Foto. Ich hoffe, die Russen machen auch noch die nächste Revolution.

Mehr Fotos von ihm auf Facebook.

Operation Socialist oder: Verschlüsselung funktioniert

encryption

Schließlich ist es in demokratischen Gesellschaften keine Illusion der Freiheit, zu sagen, dass wir nicht angemessen erklären können, warum die Medien so einseitig berichten, als ob sie vom Staat genau instruiert würden, was sie drucken oder auf den Bildschirm bringen sollen. Warum tendiert eine so große Zahl von Journalisten, die sich nur auf ihre ‘Freiheit’ berufen, auf eigenes Risiko zu publizieren, dahin, ganz spontan und ohne Zwang immer wieder eine Weltauffassung zu reproduzieren, die sich innerhalb der selben ideologischen Kategorien bewegt? Warum verwenden sie immer wieder ein so eingeschränktes Repertoire innerhalb des ideologischen Feldes Selbst Journalisten, die sich als Störenfriede verstehen, scheinen oft von einer Ideologie imprägniert zu sein, zu der sie sich nicht bewusst bekennen und die sie stattdessen ‘schreibt’. (…)

Deshalb nützt es nichts, wenn Leute sagen, ‘natürlich leben wir in einer freien Gesellschaft, die Mediensind frei’ darauf zu antworten. ‘nein, sie agieren nur unter Zwang des Staates’. Wenn es es doch nur täten! Wir müssten dann nur die vier oder fünf Aufsichtsbeamten durch Leute von uns ersetzen.” (Stuart Hall: Ideologie, Identität, Repräsentation – Ausgewählte Schriften 4, Argument Verlag Hamburg 2004, S. 47)

Das frage ich nicht immer, wenn ich die Berichte über die zahllosen aktuellen Überwachungs”skandale” lese. The Intercept berichtet ausführlich, wie der britische Geheimdienst den belgischen Provider Belgacom mit Malware infizierte. Was lehrt uns das? Nichts, wenn man den Medien glaubt. Niemand stellt die Systemfrage. Empörung ist aber nichts, was weiterhilft. Ich empöre mich sowieso nicht, weil ich von der herrschenden Klasse und ihren Helfershelfern gar nichts anderes erwarte. So what? Kann es wirklich sein, dass kein einziger Journalist in ganz Deutschland auf die Idee kommt zu fordern, man müsse vielleicht den Kapitalismus an sich ein wenig kritischer sehen?

(Es tut mir leid, aber ich habe es aufgegeben, deutsche Mainstream-Medien zum Thema Überwachung zu rezipieren: ich ärgere mich zu sehr über den Quatsch, den ich dort lesen muss – die Hälfte von dem, was gesagt werden müsste, fehlt, und der Rest ist meistens missverständlich und fehlerhaft.

Sogar Heise nehme ich nicht aus: …die anvisierten Ingenieure ‘gejagt’ worden. Die konnten dann individuell mit Malware angegriffen und ihre Computer infiziert werden. Dafür seien sie wohl per ‘Man-in-the-Middle’- oder ‘Man-on-the-Side’-Angriff auf eine gefälschte LinkedIn-Seite geleitet worden, wo ihnen Malware untergeschoben wurde.

Fakten, Fakten, Fakten will ich wissen – sollten die Betroffenen wirklich so bescheuert gewesen sein, um auf simple Phishing-Angriffe hereinzufallen? Dann geschieht ihnen ganz recht, und man könnte zusätzlich beruhigt sein, dass dem englischen Geheimdienst offenbar nicht viel einfällt. LinkedIn: “Connect, share ideas, and discover opportunities” – muahahahaha.)

Die gute Nachricht: Verschlüsselung funktioniert, wobei die Verschlüsselung der Inhalte noch wesentlich sicherer ist als Transportverschlüsselung, weil es weniger Fehlerquellen und Angriffspunkte gibt. Ein Journalist, der den Unterschied gar nicht kennt und ihn auch nicht erwähnt, hat eben auch nichts begriffen und verwirrt die Leute nur, die sich gern mit dem Thema beschäftigen, aber nicht wissen, wie sie das anstellen sollen.

Interessant, dass Stuart Hall “wir” schrieb und damit die “Linke” meinte. Auch so etwas würde ein deutscher Journalist nie wagen, und schon gar kein Wissenschaftler hierzulande.

Keep slowly, Habakuk!

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