Neuanfang

balkonbalkon

Ist es normal, dass Ende Februar die Blumen auf dem Balkon blühen? Oder ist das Ende nahe?

Gestern hatte ich meine letzte Schicht in der Rettungsstelle. In dieser Woche werde ich erfahren, welche neuen Jobs mir angeboten werden.
Hier noch ein Insider-Witz aus der Notaufnahme:
Sagt ein Pfleger zum Patienten: „Es kommt gleich jemand.“

Zweites Leben, revisited

screenshot SL
Unterwegs in Second Life mit meinem Sith Infiltrator (23.12.2007)

Second-Life-Studio will VR-Projekt Sansar abstoßen. Linden Lab will sich zukünftig auf Second Life und den Finanzdienst Tilia fokussieren. (Tilia? Das könnte lustig werden.)

Ergo: Second Life ist nicht totzukriegen und überlebt alle Versuche, 3D mit anderen Plattformen populär zu machen.

Racism rebranded oder: Beware the politics of identity

Kenan Malik gibt im Guardian der deutschen „Linken“ und dem grünen Milieu eine Klatsche: „Beware the politics of identity. They help legitimise the toxic far right“.

Er hat natürlich, wie es im Juristenjargon heisst,vollinhaltlich recht, aber niemand wird das hören wollen. Gender und „Diversity“ haben den Klassenstandpunkt ersetzt. Die gefühlte Linke hierzulande macht die Rechte stark und liefert denen die Argumente. Die Rechte muss den kleinbürgerlichen Lifestyle-Mist nur ein bisschen anders kostümieren.

If the right’s obsession with immigration has helped give new legitimacy to arguments of the far right, so has the left’s blindness to the consequences of the politics of identity. Many on the left now embrace the idea that one’s interests and values are defined primarily by one’s ethnic or cultural or gender identity.

The politics of identity is, however, at root the politics of the reactionary right. The original politics of identity was that of racial difference, the insistence that one’s racial identity determines one’s moral and social place in the world. Now, identitarians of the far right are seizing upon the opportunity provided by the left’s adoption of identity politics to legitimise their once-toxic brand.

Königsberger Klopse und Rechtsextremismus

Königsberger KlopseKönigsberger Klopse

Mein Rezept für Königsberger Klopse habe ich von chefkoch.de (mit Sardellenpaste). Sehr gut gelungen und lecker!

Wer der Sau folgen will, die wieder temporär durch die Dörfer getrieben wird, sollte etwas über Rechtsextremismus (oder wie das heißt) schreiben. Ich empfehle stattdessen Nazis sind Pop, Im Griff der rechten Szene, Aussteiger, Ich war ein Neonazi (über Ingo Hasselbach) oder ein paar andere.

Will sagen: Ich habe schon alles zum Thema gesagt und geschrieben. Was ich zur Zeit lese und höre, besteht nur aus sattsam bekannten Textbausteinen, die schon vor zwanzig Jahren genau so klangen. Ich habe es satt.

Unerkannt radikalisieren

terroranschlag

Die neun Opfer des Terroranschlags sind Türken, Bulgaren, Bosnier, Rumänen und drei Deutsche. Das türkische Aussenministerium entblödet sich nicht, von „wachsender Islamfeindlichkeit“ zu faseln. Seit wann sind alle Türken Muslime, von den anderen ganz zu schweigen?

Der Tagesspiegel:. „Wie auch Balliet hätten die Behörden Tobias Rathjen „nicht auf dem Schirm gehabt“, sagte der Sicherheitsexperte. Tobias R. sei in keiner Datei vermerkt. Der Mann habe sich offenbar „unerkannt radikalisiert“.“

Gibt es hier immer noch Leute, die den Verfassungsschutz für eine ernst zu nehmende Organisation halten, deren Textbausteine zitiert werden können? Was nützt ein Geheimdienst, wenn er nichts verhindern kann?

Ich schrieb übrigens in Nazis sind Pop vor 20 Jahren zu den Unworten Ausländer- bzw. Fremdenfeindlichkeit die jetzt wieder benutzt werden:
Die Nation definiert sich über eine fiktive ‚Identität‘, über eine vermeintliche ‚Leitkultur‘, die als politisches Projekt sowohl die innere Kolonisierung als auch die Selbstethnisierung der Migranten fördert. Deutschland hat sich vom internationalen Diskurs zum Thema ‚Rassismus‘ begrifflich abgekoppelt (…)) Die Dominanz des Unwortes ‚Ausländerfeindlichkeit‘ in den Medien dokumentiert den zentrale Topos des rassistischen Diskurses. Der Begriff suggeriert zum einen, dass rassistische Diskrimierungen sich nicht gegen Afrodeutsche richten oder – noch schlimmer – dass diese keine Deutschen seien, und zum anderen leugnet er zentrale Klammer rechter Ideologien, den Antisemitismus. Ursache rassistischer Vorurteile sind daher auch affirmative ‚Multikulti‘-Diskurse im Schulunterricht, die Vorurteile nicht abbauen, sondern in der Regel verstärken. Dieser Diskurs verschweigt, dass ‚Kultur‘ oder ‚Ethnizität‘ immer fiktive politische Projekte sind, die gesellschaftliche Machtverhältnisse thematisieren.

Mehr fällt mir nicht mehr ein. Wer lieber beim deutschen Qualitätsjournalismus Zuflucht nimmt, kann eine der Gazetten unten kaufen.

yellow press

Outlander oder: Kostüm-Schmonzette

outlanderoutlanderoutlander

Der Netflix-Algorithmus schlug mir Outlander vor, eine unendlich lange Serie nach der Romanvorlage von Diana Gabaldon. Ich muss jetzt schlucken und komme mir vor wie bei einer Beichte. Wie kann man so eine Schmonzette angucken? Dazu fällt mir Tucholsky ein:
Jeder historische Roman vermittelt ein ausgezeichnetes Bild von der Epoche des Verfassers.

Ich gebe also zu, dass ich überraschenderweise gefesselt war und die ersten beiden Staffel, die in Schottland und Paris spielen, mehr oder weniger am Stück angesehen habe. Die dritte und die vierte Staffeln (vorwiegend in den USA des 18. Jahrhunderts) fallen etwas ab. Die Bücher habe ich mir anschließend besorgt, weil ich mein Englisch verbessern will. Ich vermute, dass die schlechter sind als die Verfilmung.

Zugegeben: Das Thema Zeitreise wurde schon langweiliger bearbeitet. Der Plot von Outlander ist sogar ganz intelligent gemacht, da man nicht wirklich erfährt, warum ein Stein eines neolithischen Heiligtums in Inverness ermöglicht, ins 18. Jahrhundert reisen zu können. Wenn man erst mit Physik kommt, kann man das ohnehin vergessen.

Exzellente Nebenwirkung: Ich weiß jetzt sehr viel über die Geschichte Schottlands, inklusive der Jakobiten und Schlacht von Culloden. Man bekommt Lust, dorthin zu reisen. Der Plot spielt auch ganz witzig auf die heutige Unabhängkeitsbewegung an, und einer ihrer schauspielerischen Protagonisten (Lotte Verbeek als Gillian Edgars) findet sich plötzlich als Hexe in der Vergangenheit wieder, was seinen Reiz hat.

Zu der Hauptdarstellerin Caitriona Balfe: Mich nervte total, dass die Dame ständig heult oder das typisch weibliche soziale Lächeln zeigt und dass sie natürlich Krankenschwester/Heilerin ist. Ich würde sie gern persönlich kennenlernen, um herauszufinden, ob sie nur schauspielert oder ob sie immer so guckt. Vermutlich waren englische Damen im 18. Jahrhundert wirklich so. In der Serie darf sie den Traum jeden Models ausleben und in gefühlt mehr als einer Million Kostümen herumlaufen. Sie gibt neben ihrem Filmpartner Sam Heughan ein gutes und sympathisches Bild ab, obwohl ich die Sexszenen bei der x-ten Version langweilig fand. Auch bei den „Beziehungsgesprächen“ habe ich meistens den Vorlauf-Button gedrückt.

Aber zum eigentlichen Thema: Von Outlander kann man lernen, wie man heute Drehbücher schreiben muss. Es ist schwer, in überlangen Serien die Spannung hochzuhalten, weil man irgendwann meint, alles schon zu kennen. Nicht jedoch bei Outlander, was vermutlich aber auch an dem kompliziert und schlau konstruierten Plot liegt. Alles verweist auf alles, man merkt es oft aber erst im Nachhinein.

Ich habe es hiermit gebeichtet und bereue nicht.

Platz der Waffen

plaza de armas limaplaza de armas limaplaza de armas lima

Plaza Mayor also known as Plaza de Armas (kein deutscher Wikipedia-Eintrag, vermutlich wegen gefühlter Irrelevanz), Lima, Peru, fotografiert im Juli 1984. Bei dem obersten Foto bin ich mir nicht ganz sicher, ob das wirklich auf dem Plaza de Armas war…

Ancient Ruins

ancient ruinsSource: Somewhere on the internet

Oasis of Klima, revisited

Oasis of Klima
Oasis of Klima

Oasis of Klima, wichtiger Ort in John Normans Tribesmen of Gor (1976), realisiert von mir in 3D in Second Life. #gamedesign

Unter Elektronegern

Ein Mann seiner Klasse

Buchempfehlung: Ein Mann seiner Klasse von Christian Baron, dessen Buch „Proleten, Pöbel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten) ich hier schon lobend erwähnte.

Deutsche Journalisten stammen fast ausnahmslos aus der Mittelschicht. Das bedeutet: Sie nehmen den Klassenstandpunkt der Mittelschicht ein – und nur den – und leugnen es gleichzeitig. Sie leugnen auch unisono, dass es Klassen gebe, und wenn doch, dann höchstens, was „Bildung“ angeht.

Baron passt nicht in das Schema, er stammt aus den Slums von Kaiserslautern. Das Buch schildert seine Kindheit zwischen einem prügelnden Vater und einer depressiven Mutter. Wer aber glaubt, es gehe darum, nur zu jammern und zu einem guten Ende – also dem sozialen Aufstieg – zu kommen, der irrt. Baron schildert ohne Gefühlsduselei das, was das Leben vieler prägt, die nicht zwischen Klavierstunde und Bücherregal großgeworden sind.

Man muss natürlich die Anspielung des Titels verstehen. Wie würde die „Linke“ heute mit Arbeitern umgehen, deren Lobby sie sein sollte, die aber so sind wie der Vater des Buchautors? Die „Elektroneger“ sagen, wenn sie jemanden verspotten wollen, der im Sonnenstudio war? Für die „keine Gewalt“ ein Fremdwort ist? Die saufen, rauchen und sich arm durchs Leben schlagen müssen?

Die, die gemeint sind, werden das gar nicht merken. Linke verirren sich nur selten in soziale Brennpunkte. Und wenn doch, dann meiden sie den Kontakt zum „white trash“ und wenden sich – was allein natürlich unterstützenswert ist – den dort lebenden Flüchtlingen zu.

Ich habe es mit Gewinn gelesen.

Lenin, Linux und ich

The Lenin statue in Antarctica
The Lenin statue in Antarctica, Pole of Inaccessibility (Antarctic research station)

Was geschah, während ich die letzen Nachtschichten in der Rettungsstelle hatte (jetzt nur noch vier Tagschichten, dann ist vorläufig Schluss dort)? Ich könnte über Wolljacken für Pinguine reden – oder über die Sixtinische Kapelle. Dauert aber zu lange.

Um zu verstehen, wie sich die USA von Mitteleuropa unterscheidet, muss man zwei Meldungen interpretieren. Einerseits sind die Angestellten um Gesundheitswesen gerade im Klassenkampf aka streiken für höhere Löhne, weil sie sich eine angemessene Gesundheitsfürsorge nicht leisten können. Andererseits lehnen einige Gewerkschaften medicare for all ab. Alles klar? Puls und Atmung noch normal?

pro 7
Ab 9.07 sage ich etwas.

Der Klassenkampf in den Kliniken Berlins geht weiter. Der Konzern Vivantes gehört der Stadt Berlin, verantwortliche Gesundheitssenatorin ist Dilek Kalayci (SPD). Man könnte natürlich auch fragen, warum Sicherheitsfirmen in Krankenhäusern, mit denen die Belegschaft und die lokale Leitung sehr zufrieden waren und die Bestnoten bekamen, rausgeworfen und durch Billigfirmen ersetzt werden, deren Mitarbeiter sehr oft Arabisch sprechen und die durch Qualifikation nicht besonders aufgefallen sind? (Dazu müsste es Journalisten geben, die die Hintergründe recherchierten, was nicht der Fall ist. Demnächst mehr in diesem Theater.)

linux
Source: Somewhere on the Internet

In der Schlangengrube

Recherchegruppe-Blog: „In der Schlangengrube“.

Radikaler Islam und Verfall der Demokratie

Ein Interview mit Ruud Koopmans, Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität: „Der Fundamentalismus zerstört die muslimischen Gesellschaften. (…) Seit den 60er/70er-Jahren hat die Demokratie weltweit große Fortschritte gemacht – etwa in Südeuropa oder Lateinamerika. Die Zahl der Demokratien in der islamischen Welt aber hat sich im gleichen Zeitraum verringert. Heute sind nur noch zwei islamische Länder Demokratien – Senegal und Tunesien. (…)

…die Lage der Menschenrechte in islamischen Ländern untersucht, die Rechte von Frauen, von Homosexuellen und von religiösen Minderheiten. In all diesen Bereichen hat sich die Lage in islamischen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert: In internationalen Statistiken dazu belegen sie die letzten Plätze. (…) Erfolgreiche Industrienationen finden sich fast nur außerhalb der islamischen Welt.“

P.S:: Auch die Ägypter bauen jetzt eine Mauer.

Die Polizei empfiehlt naughty Linux

kali linux

ZDNet (via Fefe): „UK police deny responsibility for poster urging parents to report kids for using Kali Linux. Updated: Using Discord, too, is apparently a warning sign that your child is turning into a naughty hacker.“

Das ist ja lustig. Ich mag die britische Ironie im Teaser des Artikels.

Discord hat auch gleich einen Leitfaden für Eltern. „Block inappropriate content“ ist nett, aber das überlässt die Entscheidung, was appropriate ist, wieder einer Firma. Dann kann ich auch gleich via Facebook chatten.

Apropos, Kali Linux: Ich kann das Video-Tutorial der Website weder mit Chromium noch mit Opera noch mit Firefox (alle für Linux) ansehen. Da müssten sie noch dran arbeiten oder verraten, was sie gern als Voreinstellung hätten.

Teotihuacán

TeotihuacánTeotihuacán

Die Ruinen von Teotihuacán in Mexiko, fotografiert am 07.10.1979.

Journalisten sollten keine Religioten sein

Blasphemie

Der französische Staatsdpräsident Macron sagte laut FAZ: „Wir haben das Recht auf Gotteslästerung“.

Heute trudelt bei mir eine Presseerklärung des DJV Berlin ein (in sehr schlechtem Deutsch verfasst – es ist zum Heulen!): „Journalistenverband kritisiert drohende Schließung der Evangelischen Journalistenschule„. „Wer an den gesellschaftlichen Auftrag der Kirche glaubt, muss vom Glauben abfallen angesichts der Pläne zur Schließung der Evangelischen Journalistenschule in Berlin.“

Glaube ich aber nicht. Eine Schule, die schon im Logo höhere Wesen verehrt, kann keine ernst zu nehmenden Journalisten ausbilden. So einfach, so hart gesagt. Das erinnert mich an einen Artikel, den ich vor sehr langer Zeit geschrieben habe – Grund genug, ihn wieder online zu stellen.

Dieser Artikel erschien als Leitartikel in Berliner Journalisten Nr. 8 Winter 2006.

Dürfen Journalisten höhere Wesen verehren oder gar Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein? Nein, natürlich nicht. Respektlosigkeit und Mut zur Aufklärung gelten als journalistische Tugenden. In Deutschland herrscht jedoch finsteres Mittelalter, wenn Religion zum Thema wird.

Ja, man darf den vorgeblichen Sohn des Christengottes „Balkensepp“ oder „Lattengustl“ nennen, man darf die Vielweiberei Mohammeds durch Prostitutierte metaphorisch darstellen. Man sollte sogar – wie der Philosoph und Publizist Max Bense – den „Atheismus als die notwendige und selbstverständliche Form menschlicher Intelligenz“ verteidigen. Natürlich gibt es dumme Journalisten, Klugheit wird in diesem Beruf nicht vorausgesetzt. Aber wer soll aufklären im Sinne des Wortes – wenn nicht die Medien? Wie soll das geschehen, wenn deren Vertreter die so genannten „heiligen“ Gefühle der Menschen respektieren, die der Atheisten jedoch nicht?

Muslime sollen in die Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender, sagt Peter Voß, der Intendant des Südwestrundfunks. Das ist eine Frechheit, die ihm leider niemand um die Ohren geschlagen hat: Wer vertritt die Konfessionslosen? Angela Merkel will in der EU-Verfassung den Gottesbezug verankern. Kaum vorstellbar, dass sich jemand traut, die amtierende Kanzlerin im Interview zu fragen, ob sie noch bei Trost sei, im 21. Jahrhundert Atheisten verpflichten zu wollen, Aberglauben und mehr oder minder primitive Magie – und genau das ist Religion – per Gesetz zu akzeptieren. Georg Christoph Lichtenberg hat dazu schon vor rund 300 Jahren das Nötige gesagt: „Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.“ Darauf werden wir insbesondere in Deutschland noch lange warten müssen: Dort werden fromme Märchen sogar in die Lehrpläne der Schule aufgenommen. Pisa lässt grüßen.

Religion und Aberglauben sind zwar Privatsache, aber wer die Existenz eines Jahwe, Gott, Allah oder Manitou für wahr hält, kann auch gleich den Wetterbericht nach der Tageschau durch einen Regenzauber aus Papua-Neuguinea ersetzen. Wie sollte ein Journalist über den Mummenschanz während eines Papstbesuches objektiv berichten, wenn er das Staatsoberhaupt des Vatikan für den Stellvertreter eines höheren Wesens auf Erden ansieht oder die Zeugung eines Kindes vor 2000 Jahren ohne Zutun eines Mannes nicht für das hält, was es ist – für baren Unfug?

Robert Leicht zum Beispiel war Chefredakteur der Zeit, ist Kolumnist des Tagesspiegel und war gleichzeitig Ratsmitglied der Evangelischen Kirche. Wer Funktionär bei den Lutheranern ist, meint der verdutzte Leser vormutlich vorschnell, der müsse an irgendeinen Gott glauben, vielleicht auch nur in einer Light-Version, so wie das Christliche bei Michel Friedman (CDU). Wer Religion insgeheim propagiert, ist aber ein gewöhnlicher Lobbyist oder Pressesprecher und macht Schleichwerbung. Bascha Mika, [ehemalige] Chefredakteurin der taz, hält es für „unanständig“, als Journalist Mitglied einer politischen Partei zu sein. Genauso verlogen ist es, religiös zu sein und etwa über die Karikaturen Mohammeds in den Medien zu berichten, ohne selbst im Abspann zuzugeben, dass man an absurde Dogmen glaubt wie etwa die Wiedergeburt eines Gottessohnes oder die zu erwartende Wiederkunft eines Messias.

In Zukunft müssen wir dann auch saudische Journalisten akzeptieren, die Anhänger der Wahhabiya und nebenberuflich Lehrer an Koranschulen sind und Ekin Deligöz eine Burka aufzwingen wollen. Aus der Perspektive eines Atheisten ist der weltanschauliche Unterschied zwischen Joseph Alois Ratzinger alias Benedikt XVI., dem Scientologen Ron Hubbard, einem Schamanen der Apachen und einem Präses der Evangelischen nur marginal. Alle sollten gleich behandelt werden – als Vertreter der, wie Bernhard Russell es pointiert formulierte, „Krankheit Religion“, der „Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.“

Wolfram Weimer, Chefredakteur des Magazins Cicero, spricht von einem „Paradigmenwechsel“ und von einem „Heimweh nach Gott“: „Glaube war früher ein Nischenthema für Theologen, heute ist er ein Mainstream-Thema.“ Er beobachte einen „Rückgang der Glaubenskritik“. Das wäre, wenn es wahr ist, ein Anlass zu klagen und zu bedauern, dass Religion leider immer noch die Droge des Volkes sei. Mitnichten: Weimer beurteilt die Rückkehr der Religion positiv – und das als Journalist! Was hätte Johann Wolfgang Goethe dazu gesagt? Vielleicht: „Er ist ein heller Geist und also ungläubig“. Und Lichtenberg hätte augenzwinkernd kommentiert: „Und ich dank‘ es dem lieben Gott tausendmal, dass er mich zum Atheisten hat werden lassen.“

Für Journalisten gilt daher der immer noch aktuelle Aufruf Kurt Tucholskys: „Tretet aus der Kirche aus. Tretet aus der Kirche aus. Tretet aus der Kirche aus.“

Unzulässiger Eilantrag gegen Berliner „Mietendeckel“

Pressemeldung des Bundesverfassungsgerichts: Die Zulässigkeit eines Eilantrags gegen ein Gesetz vor seiner Verkündung setzt dabei voraus, dass der Inhalt des Gesetzes feststeht und seine Verkündung unmittelbar bevorsteht. Diesen Anforderungen genügt der Antrag nicht.

Alles hochqualifizierte und vermutlich gut bezahlte Anwälte. Die sind noch nicht einmal imstande, einen Antrag korrekt zu begründen.

Der Nominativ ist dem Akkusativ sein Tod

gendersternchen

Wen oder was soll es nicht geben? Keinen Pakt mit Faschisten! Das wäre korrektes Deutsch. Alles andere ist reaktionäre Sprachesoterik (ich sagte es vermutlich schon) und lächerlich. #nichtmitmir!

Besteht die „Linke“ eigentlich nur noch aus Studenten und Verwaltungsangestellten, die genauso grün oder sozialdemokratisch wählen könnten? Dann gute Nacht!

Pferdefleisch und andere Miszellen

pferderoulade

Wo beginnt man am besten, um die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser zu interessieren? Mit Vögeln? Mit dem notwendigen Wissen über die hierzulande verbotenen Generalstreiks? Mit einer regional begrenzten Version? Mit Beethoven, der gar nicht taub war, obwohl alle das behaupteten? Mit alten Schildkröten? Oder Mäusen? Oder mit der erst jetzt beantworteten Frage, warum die Leiche Alexander des Großen eine Woche nicht verweste?

spiegel

Oder mit den weiblichen Brüsten und der Frage, wo sie beginnen? Apropos, Spiegel online: Ihr tut alles, aber auch wirklich alles, damit ich euch nicht mehr lese. Wenn ich das aber doch wollte, erlaubte ich temporär Cookies und lösche die aus purer Boshaftigkeit, wenn ich eure Website verlasse. Ich denke nicht daran, meine IT-Abteilung zu konsultieren. Wenn ich eine hätte, würden die sich totlachen.

Ich lese kaum noch deutsche Medien, sondern bezahle den Guardian, der gerade über eine ‚ghost population‘ of ancient humans berichtet – spannende Sache!

bücherregelbücherregel

Vor fünf Jahren wies der Schockwellenreiter auf einen Artikel hin, dessen Autor dazu auffordert, Bücher wegzuwerfen und bramarbasierend schreibt:
Viele Bücher hingegen sehen aus wie „viel in der Birne“.
Das ist so, als würde jemand, der jeden Abend das heute Journal guckt, über Jahrzehnte jede einzelne Sendung zum Nachweis auf DVD brennen. Macht aber hoffentlich keiner.
Wer Bücher zum Angeben aufhebt, trägt bestimmt auch langärmlige Hausjacken mit Zopfmuster. Ich wette, da gibt es Studien. So!

So! Dagegen muss ich mit Fotos argumentieren. Gar nicht wahr, was der Kerl behauptet.

rohe kräfte

Übrigens: Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten. (Die Nachgeborenen wissen natürlich weder, woher das Zitat stammt, noch haben sie die Originalquelle gelesen, obwohl man dort lernen kann, wie elegant Verben im Deutschen eingesetzt werden können, so dass, versuchte man die unerreichte Sprachkunst eines Heinrich von Kleist oder eines Friedrich Schiller zu imitieren, sogar Pressemeldungen der „Linken“ lesbar, eingängig und verständlich wären und natürlich ganz ohne hässliche Wörter auskämen, die auf „ung“ enden oder mit Gendersternchen verunziert wurden.)

Vorschau: 50-Jähriges

waz

Erinnert mich daran, dass ich im November 50-jähriges Berufsjubiläum habe! Von den Honoraren konnte man damals schon nicht leben. (Und auch meinen Vornamen konnten damals schon einige Kollegen nicht richtig schreiben.)

Ältere Einträge →