Die Wahrheit über die Wahrheit, reloaded

donezk

Das hatten wir doch schon mal

Unter Webdesignern oder: Wenden Sie sich an ihren Softwarelieferanten

softwareliferant

Ich wollte schon immer wissen, wer eigentlich mein Softwarelieferant ist… Ob Frau Ubuntu oder Herr Microsoft mir helfen würden?

Wer das geschrieben hat, sollte öffentlich ausgepeitscht werden.

Journalistische Recherche | Wirtschaft

Ich habe ein neues Portal freigeschaltet, an dem ich schon seit einger Zeit werkelte: Journalistische Recherche | Wirtschaft (rechts oben in der Blogroll unter “Werkzeuge”).

Die Website enthält Links zu internationalen Wirtschaftsblogs, zu Wirtschaftsdatenbanken und zu internationalen und deutschsprachigen Wirtschaftszeitungen sowie Fachzeitschriften zu Wirtschaftsthemen. Es gibt keine vergleichbare deutschsprachige Sammlung nützlicher Recherche-Tools zu ökonomischen Themen.

Unter bärtigen offenen Kragenträgern

bart

“Im Grunde gibt es zwei Leute, die die heutige Männermode geprägt haben. Der eine ist Arafat mit seinem Bart – es muss ja jeder heute mit so einem Bart rumlaufen. Der andere ist Ben Gurion, der trug diesen offenen Kragen.” (Peter Scholl-Latour in einem sehr lesenswerten Interview)

Und immer an die Flagge denken!

wieder mal putin

Kriegerische Berichterstattung und andere mythische Erzählungen

wieder mal putin

Foto: Es war Putin!

Ein grandioser Artikel von Malte Daniljuk auf Telepolis: “Rückblick auf ein besonderes Jahr für den Kriegs- und Krisenjournalismus”. Absoluter Lesebefehl!

Im gesamten vergangenen Jahr schaffte es kein einziges deutsches Medium, eine kritische Analyse der jüngeren ukrainischen Geschichte vorzulegen, die auch nur andeutet, was alle in der Ukraine wissen und was sogar ein zentrales Motiv für viele Teilnehmer an den Maidan-Protesten war. (…) Das wichtigste medienpolitische Ereignis des vergangenen Jahres besteht darin, dass große Teile des deutschen Publikums mithilfe der Netzmedien ihre oppositionelle Lesart, in diesem Fall des Ukraine-Konflikts, drastisch und unmissverständlich öffentlich Ausdruck verliehen haben. (…) Inzwischen nutzen die großen Anbieter ihre Verfügungsmacht, um die Möglichkeit zu kommentieren grundsätzlich einzuschränken oder unangepasste Meinungsbeiträge zu zensieren. (…) Ein zentrales Warnsignal besteht sicher im erzählerischen Motiv: “Demokratische Opposition verteidigt sich gegen autokratischen Herrscher”. Dieser Mythos erweist sich bei einem genaueren Rückblick als ein Paradigma, das im Zusammenhang mit zahlreichen Fällen von westlichen Einmischungen in die inneren Angelegenheiten anderer Länder auftritt. Da mythische Erzählungen sich im Wesentlichen aus dem Selbstverständnis der Erzähler speisen und nur teilweise bewusst gestaltet sind, lässt sich sicher vorhersagen, dass wir diese Geschichte auch in Zukunft noch häufiger hören werden.

Dazu passt von Marcus Klöckner ebd.: “Journalismusforschung: “Ganz auf Linie mit den Eliten”.

Alle sind verdächtig

Heise: “Die britische Innenministerin Theresa May nimmt einen erneuten Anlauf, um verdächtige Internetznutzer identifzierbar zu machen. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Internet-Provider dafür sorgen sollen, dass Kunden eindeutig per IP-Adresse identifiziert werden können,…”

It will therefore require internet providers to retain Internet Protocol – or IP – address data to identify individual users of internet services.

Ach ja. By the way: “The Tor software protects you by bouncing your communications around a distributed network of relays run by volunteers all around the world: it prevents somebody watching your Internet connection from learning what sites you visit, it prevents the sites you visit from learning your physical location, and it lets you access sites which are blocked.”

Tweet of the day 80

“Mein Dozent sucht mit Bing Google und gibt bei Google “duden.de” ein.” (Jonas Schönfelder)

Das sagt genug aus über das vorherrschende Niveau. Es gibt sogar Dozenten, die halten Seminare ab über “das Internet” und können keine E-Mails verschlüsseln.

Der Wassermann

Zeit online (ZEITmagazin) über einen Mann, der die Spree sauber bekommen will, so dass man wieder darin schwimmen kann. Lesenswert! (Via Thomas – Vorsicht: Facebook-Link!)

Er kämpft gegen Trägheit, Ignoranz und Mutlosigkeit, er kämpft mit technischem Sachverstand, Kreativität und mit einer geradezu manischen Leidenschaft. Sein Kampf führt ihn in die Niederungen der Berliner Politik, ins Dickicht der Behörden und in ferne Länder. Ralf Steeg ist ein Idealist im Kampf mit der Realität. (…) Was er erlebt hat, hat ihn sehr verletzt, aber auch noch widerspenstiger gemacht. “Ich bin oft undiplomatisch”, sagt er. “Aber ich will auch nicht beim diplomatischen Dienst der UN arbeiten. Es gibt Streite, die sollten zu Ende gefochten werden, bis einer verliert oder gewinnt.”

Offenbar ein sehr sympathischer Mensch mit einem ebenso sympathischen Lebensmotto, das mir irgendwie bekannt vorkommt.

Backdoor.Regin

Der Kaiser ist nackt! Nicht schon wieder. Eine Sicherheitsfirma entdeckt ein Sicherheitsproblem. Symantec warnt vor einem Trojaner Trojanischen Pferd, also einer Spionage-Software, die aus unbekannten Gründen einen Rechner infiziert – und man kann gar nichts dagegen tun, die nur Windows-Rechner betrifft: “a Trojan horse that opens a back door and steals information from the compromised computer.”

Warum machen Spiegel online und Heise jetzt daraus eine riesige Schlagzeile und alle hoppeln hinterher?

Regin is a highly-complex threat which has been used for large-scale data collection or intelligence gathering campaigns. The development and operation of this threat would have required a significant investment of time and resources. Threats of this nature are rare and are only comparable to the Stuxnet/Duqu family of malware. The discovery of Regin serves to highlight how significant investments continue to be made into the development of tools for use in intelligence gathering.

Wie kam Stuxnet auf einen Rechner? “Es wird vermutet, dass die Erstinfektion in der Zielumgebung mittels eines USB-Wechsellaufwerks erfolgt sein könnte.”

Ach?! Nicht per Voodoo, Zauberei oder als Attachment stuxnet.exe per unverschlüsselter E-Mail oder per “untergeschobener” Website?

Sniper oder: Kill for tolerance!

snipersnipersniper

So etwas kann auch nur US-Amerikanern einfallen. Ich habe mir einen netten Ego-Shooter für Android-Tablets besorgt: Sniper 3D Assassin (empfehlenswert und kostenlos).

Die Geschäftsidee des Spiels: Wenn man eine Weile herumgeballert hat, was mit einem Tablet gar nicht so einfach ist, hat man “keine Energie” mehr und muss ein paar Minuten warten, bis man weiterspielen kann – oder soll für richtiges Geld “Energie” kaufen (oder bessere Waffen usw.) Man kann es aber auch lassen und schlicht geduldig sein. Nur Süchtige oder Doofe müssen Geld ausgeben.

Ich kann mir vorstellen, dass die Programmierer bei den einzelnen Szenarien sich gefühlt haben müssen wie die Titanic-Redaktion: “Xenophobia: Skinheads are on the rise and now are trying to kill all foreigners. One of them is chasing a group of tourists on the street. Protect them!”

Mach ich doch gern, obwohl mir die Theorie, was “Xenophobia” sei und wie diese sich subkulturell kostümieren mag, nicht gefällt. Den “Skinhead” habe ich gleich mit dem ersten Schuss umgenietet. “Missions accomplished. One for tolerance!” Muahahahaha.

Sehr schön ist auch: “After frustrated bank hacking attempts, TOm KOd3R is trying to brute-force a cash-withdrawal! Kill him before he calls and triggers the explosives!”

Ein Leckerbissen für Soziologen und Ethnologen: Versatzstücke der “Hacker”-Subkultur und deren – auch verbaler – Ikonografie, wie sie Klein Fritzchen und Richterin Barbara Salesch rezipieren würden, werden aufgenommen und sinnlos miteinander kombiniert, aber dennoch vom Publikum wiedererkannt. Omg that stuff is rly kewl, lol. Yolo!

Die Blattlinie muss gehalten werden oder: Ruhe an der Heimatmedienfront

Die Zeit teilt gegen den russischen Kanal RT deutsch aus. Motto: Wir sagen die Wahrheit, und die Russen verbreiten nur Propaganda. Mal sehen, wann sie die Leserkommentare abschalten und wieder löschen.

Ich empfehle “Die Anstalt” zum Thema oder das hier.

Störungen

Störungen

I got this fire in me oder: First North American Expeditionary Force

Novosti (mit Foto): The Islamic State has been able to attract various foreigners to its side in the escalating conflict in the Middle East, but now some Canadian veterans are joining Kurdish fighters in an attempt to beat back the extremist group in Iraq and Syria. (…) “I got put on this Earth to do one thing,” one veteran told CBC, declining to identify himself. “I got this fire in me. I still want to soldier on.”

Wieso eigentlich “first”?

Assange has reason to fear extradition to US

Human Rights Watch: “The United Nations’ ruling that Sweden violated the global torture ban in its involvement in the CIA transfer of an asylum seeker to Egypt is an important step toward establishing accountability for European governments complicit in illegal US renditions, Human Rights Watch said today.”

Schweden liefert also in Folterstaaten aus. “Swedish officials handed over al-Zari and another Egyptian, Ahmed Agiza, to CIA operatives on December 18, 2001 for transfer from Stockholm to Cairo. Both men were asylum seekers in Sweden, and suspected of terrorist activities in Egypt, where torture of such suspects is commonplace. Returns to risk of torture are illegal under international law.”

Hoffentlich weiß Assange das.

Kirchliches Selbstverständnis und die seelische Erhebung

Pressemeldung des Bundesverfassungsgerichts:
Welche kirchlichen Grundverpflichtungen als Gegenstand eines Arbeitsverhältnisses bedeutsam sein können, richtet sich demzufolge allein nach den von der verfassten Kirche anerkannten Maßstäben und dem konkreten Inhalt des Arbeitsvertrags. Die staatlichen Gerichte dürfen sich nicht über das kirchliche Selbstverständnis hinwegsetzen, solange dieses nicht in Widerspruch zu grundlegenden verfassungsrechtlichen Gewährleistungen steht.

Hintergrund: Der Chefarzt eines katholischen Krankenhauses wurde gekündigt, weil er wieder geheiratet hatte. Die Kündigung ist rechtens.

Ich hatte auch nie behauptet, dass Deutschland ein säkularer Staat sei. Deswegen gibt es zum Beispiel auch den Art 139 der Weimarer Reichsverfassung noch: “Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.” De facto interessiert das natürlich niemanden.

Frage an die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser: Welche Partei fordert, Staat und Kirche in Deutschland zu trennen, also die “Partnerschaft” zwischen dem Staat und denjenigen Organisationen zu beenden, die die Verehrer höherer Wesen gebildet haben? Diese Partei würde ich vermutlich wählen.

Schlangenöl, reloaded, oder: Der Kaiser ist nackt!

Amnesty, die EFF, Privacy International usw. veröffentlichen einen Virenscanner.

B’s weblog dazu: “Auch für dieses Werkzeug gilt, dass es unmöglich ist, einen Virenscanner zu bauen, der gefährliche Angriffssoftware entdeckt. Es ist leider immer nur möglich, bereits bekannt gewordene Angriffssoftware zu entdecken, und nicht die neueste, noch unbekannte. Leider hat das den Aktivisten wohl keiner gesagt, sonst würden sie hier keinen falschen Eindruck von Sicherheit erzeugen.”

Aber wer traut sich schon: “Der Kaiser ist nackt!” zu rufen, wenn alle, alle die Kleider des Kaisers meinen sehen zu können?

Frühkapitalistisches Verhältnis

Klassenkampf

Heise berichtet über den Klassenkampf beim Onlineshop Stylebop.

Für die scheinradikale Wortwahl bei ver.di zum Thema gilt auch das, was ich über den Botschafter von Ecuador gesagt habe – es ist ein verbales Kostüm: “Gerade junge ‘e-commerce’-Unternehmen haben oftmals ein eher frühkapitalistisches Verhältnis zu ihren Beschäftigten und deren Rechten”. Aber das ist ja so.

Natürlich ist das oben eine Fotomontage – aber nicht, was das Javascript betrifft.

Über ein Wirtschaftssystem

Botschafter von Ecuador

Foto: Embajada del Ecuador en Alemania

Es gibt normalerweise keinen Anlass, hier Pressemeldungen zu publizieren, schon gar nicht die von Regierungen. Heute mache ich eine Ausnahme und habe einen guten Grund.

Pressemitteilung der Botschaft von Ecuador in Berlin vom 19.11.2014 über eine Rede des Botschafters in Tübingen:

Botschafter Jurado dekonstruiert Huntingtons “Clash of Civilizations” als “intellektuellen Trick” um die eigentliche weltweite Konfliktursache Nr. 1 der sozialen Ungerechtigkeit zwischen Nord und Süd zu kaschieren”, ein Wirtschaftssystem, “das die Unterdrückung und die Ausbeutung des Menschen sowie ganzer Nationen und Regionen fortsetzt.”

Der Herr sieht nicht nur so aus wie Karl Marx, sondern teilt offenbar auch dessen Meinung – sehr sympathisch!

Man müsste sich nur vorstellen, wie ein Botschafter Deutschlands im Ausland bei demselben Thema auftreten und was er sagen würde. Dem würde noch nicht einmal der Begriff “Wirtschaftssystem” über die Lippen kommen, da unsere Prediger der “Volkswirtschaftslehre”, deren Aufghabe es ist, affirmative Propaganda für das Kapital zu machen und die die Testbausteine zuliefern, es sogar ablehnen, von einem “System” zu reden, wenn sie Ökonomie meinen, da “der Markt” für sie eine anthropologische Konstante seit dem Neolithikum ist und ansonsten Wirtschaft wie das Wetter funktioniere: Man beobachtet, und machmal treffen die Vorhersagen zu und manchmal nicht. (Ich rede nicht von Meteorologen – dieser Vergleich würde sie beleidigen -, sondern von normalen Leuten, die in den Himmel starren, um entscheiden zu können, ob sie einen Schirm mitnehmen müssen.)

Oder könnte man sich vorstellen, dass auch nur einer der offiziellen Representanten unseres Landes überhaupt von “Unterdrückung und die Ausbeutung des Menschen sowie ganzer Nationen” reden würde? Außer natürlich, wenn es um Terrorgruppen geht, die offenbar dann besonders erfolgreich zu sein scheinen, wenn imperialistische Staaten vorher unter fadenscheinigen Gründen ein Land überfallen haben (Afghanistan, Libyien, Irak, Syrien).

Ich meine nicht, dass Ecuador ein “sozialistischer” Staat sei, genausowenig wie Venezuela. Der politische Druck von unten ist aber so stark, dass dort die Vertreter der herrschenden Klasse gewungen sind, um sich selbst zu legitimieren, sich ein “linkes” weltanschauliches Kostüm überzuwerfen. (Jaja, das klingt wie Bakunin, aber ich lasse mich ungern von Phraseologie täuschen.)

[Bitte selbst ausfüllen] lässt die Muskeln spielen

Schöner Kommentar auf Stefan Niggemeiers Blog:

Bezüglich Brisbane-Berichterstattung empfehle ich noch folgendes Experiment:
1) Googeln Sie “Putin lässt die Muskeln spielen” und zählen Sie, wie viele deutsche Medien diesen Ausdruck im Zusammenhang mit dem G20-Treffen verwendet haben.
2) Wenn Sie mit dem Staunen fertig sind, googeln Sie “Putin flexes military muscle” oder “Putin military muscle flexing” und zählen Sie, wieviele englischsprachige Medien diesen Ausdruck im Zusammenhang mit dem G20-Treffen verwendet haben.
3) Beantworten Sie nun die Quizfrage: Hätte man dies mit klassischer politischer Gleichschaltung besser hinbekommen können?
Senden Sie die richtige Antwort an den Programmbeirat Ihrer Wahl.

Ältere Einträge →