Evercookies

Da empfiehlt jemand im Heise-Forum, was ich auch empfehle:

• generelles JavaScript-Verbot bis auf explizite Whitelist
• generelles Cookie-Verbot bis auf explizite Whitelist
• generelles Local-Storage-Verbot bis auf explizite Whitelist
• auch bei Whitelist-Sites nur Cookies von der Site selbst erlaubt, nicht von eingebundenen Fremd-Domains (Werbedienstleistern)
• ClickToFlash oder Flash ganz deinstalliert (analog für Silverlight)
• Java deinstalliert / geblockt
• bekannte Spionage-Domains systemweit geblockt
• generische Browser-ID
• periodisch die manuell erlaubten Cookies, Local Storage und Flash / Silverlight-Daten löschen

Lohn, Preis und Profit

Natürlich herrschen in Schwellenländern andere Bedingungen als in Deutschland, Frankreich oder England. Aber wenn man diese Länder als Messlatte nimmt, kann man nirgendwo sonst arbeiten oder produzieren lassen. (…) Wir beschäftigen in Japan über 23000 Teilzeit- und nichtreguläre Arbeitskräfte. Etwas die Hälfte davon wollen wir künftig fest anstellen. auf diese Weise wollen wir unseren Verkäufern die Möglichkeit geben, sich bei uns weiterzuentwickeln. (Tadashi Yanai, Gründer der weltgrößten Textilkette Uniqlo aka Fast Retailing, im aktuellen Spiegel [Javascript erforderlich]).

Beser kann man die Prinzipien des Kapitalismus nicht beschrieben. Es kommen vor: Der tendenzielle Fall der Profitrate und seine Folgen, die industrielle Reservearmee sowie Lohn, Preis und Profit.

Das Proletariat der Netzgemeinde, der Mindestlohn und die Altersarmut

Newthinking sucht geringfügig Beschäftigte.

Der 68. Deutsche Juristentag beschäftigte sich im September 2010 unter dem Stichwort „atypische Beschäftigungsverhältnisse“ auch mit der abgabenrechtlichen Privilegierung der geringfügigen Beschäftigung und forderte deren Abschaffung. Bereits der Gutachter Raimund Waltermann wie auch die Referenten forderten dies zuvor unter Hinweis darauf, dass die geringfügige Beschäftigung die Normalarbeitsverhältnisse zurückdränge. Dies habe auch zur Folge, dass keine ausreichenden Ansprüche auf Altersversorgung in der gesetzlichen Rentenversicherung entstünden. Daraus entstehe eine gravierende Altersarmut.

Markus Beckedahl (netzpolitik.org) ist Gesellschafter der newthinking communications GmbH (Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, HRB 102015), Mitglied im Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, im Vorstand des Vereins Netzwerk Neue Medien (noch in Gründung laut Website) und nach eigenen Angaben grüne “Karteileiche”. Über das Thema hatte ich scbon im April 2013 etwas geschrieben.

Honi soit qui mal y pense.

Ah! ça ira, ça ira, ça ira, les aristocrates à la lanterne!

Kapitalismus at its best: “Aus steuerlichen Gründen hatten das Ehepaar Middelhoff und die anderen Anleger ihre Anteile mit Krediten finanziert, für die die Immobiliengesellschaften in Gänze haften.”

So was will ich auch! Ich würde gern Aktien kaufen, die ich mit Krediten finanziere, die die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser gespendet haben, für deren Gewinn und Verlust dann aber eine Gesellschaft haftet, bei der ich nichts verantworten muss. Dabei fällt mir ein Bild von Max Pechstein ein…

Cewl, ich fremdschäme mich! [Update]

Mit dem SPIEGEL sprach Kleber auch über seine neue Leidenschaft fürs Twittern, wo er mit Ausdrücken wie “Crazy!” oder “Yeaaahh!” hantiert. “(…) Glauben Sie mir: So cool, wie ich twittere, bin ich.”

Vielleicht sollte man Kleber noch mitteilen, dass man “cool” heute “kewl” schreibt und dass ich mich für ihn fremdschäme.

Der 20. Juli, die Anleger und die Vorteile einer guten öffentlichen Präsentation

spitzeder

“Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.” (Claus Schenk Graf von Stauffenberg)

Nein, das wird kein Beitrag über die Operation Walküre am 20. Juli 1944. Ich kann mich mit dem damaligen “Widerstand” à la Stauffenberg auch nicht identifizieren. Wenn überhaupt, dann nur mit Georg Elser.

Der angeblich weiße Elefant Abul Abbas, der am 20. Juli 802 auftauchte, war mir bisher unbekannt, auch der Zusammenhang mit Karl May. Kennen die Ossis bzw. die Mitbürgerinnen und Mitbürger aus dem Beitrittsgebiet eigentlich Hadschi Halef Omar? Gehört das bzw. der zum Bildungskanon? Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass wenigstens Sitting Bull bekannt sein sollte, der am 20. Juli 1881 gegenüber der US-Armee kapitulierte.

Am 20. Juli 1905 begann in Deutsch-Ostafrika der Maji-Maji-Aufstand. Es würde mich schon interessieren, in welchen Schul-Geschichtsbüchern (gibt es das überhaupt noch?) der erwähnt wird – und wie. Aus der Zeit des deutschen Kolonialismus und der brutalen Unterdrückung des afrikanischen Widerstands (Auspeitschungen, Freiheitsentzug, Zwangsarbeit, Raub, Konfiszierung des Viehs, Vergewaltigung, Taktik der verbrannten Erde) stammt der affirmative Begriff “Schutztruppe“, der – aus vergleichbaren Gründen – von deutschen Medien heutzutage benutzt wird, wenn die Handelswege am Hindukusch und auch anderswo geschützt werden müssen. Es hat sich nicht viel verändert.

Man könnte auch etwas über das aktuelle Thema Polnisch-Sowjetischer Krieg schreiben, oder über den 20. Juli 1974, an dem die Türkei den Nordteil Zyperns einfach besetzte (ich kann mir schon vorstellen, was in den türkischen Schulbüchern steht). Und natürlich sollte man den Satz kennen: “The Eagle has landed.”

Am interessantesten fand ich aber den 20. Juli 1873: “Adele Spitzeder wird zu drei Jahren Zuchthaus wegen betrügerischen Bankrotts mit ihrer Dachauer Volksbank verurteilt. Durch hohe Zinsversprechen hat sie in einem Schneeballsystem mehr als 30.000 Einleger geschädigt. (…) Spitzeder wusste um die Vorteile einer guten öffentlichen Präsentation; sie bestach mehrere Redakteure mit bis zu fünfstelligen Guldenbeträgen für ein positives Presseecho.”

Spitzeders System, die Leute um ihr Geld zu brigen, demonstriert auf’s pädagogisch Wertvollste den quasi-religiösen Glauben der breiten Masse und der medialen Lautsprecher des Kapitals, Geld “arbeite” und man könne es irgendwo “anlegen“, dann werde es schon mehr. Adele Spitzeder war in Wahrheit eine Geistliche des populären Kults, der sich um den Waren- und Geldfetisch dreht und der im Wirtschaftsteil fast aller deutschen Medien täglich fröhliche Urständ feiert.

Der “Federfuchser” (“ein Wanderer zwischen zwei Welten”) schreibt: Jeder Einleger erhielt sofort seine zwanzig Prozent als Zins für die ersten zwei Monate ausgehändigt, und die dritte Rate zu zehn Prozent wurde zum Kapital gebucht und weiter verzinst. Die Bücher konnten nicht genau geführt werden; denn an manchen Tagen gingen allein 100 000 Gulden in bar ein. Bargeld sammelte sich an, mit dem nichts anzufangen war. Es wurde teils ‘verlebt’, teils von den Zinsen aufgezehrt. Sonst ging freilich alles nach Wunsch. Man machte ein Loch auf, um das andere zu schließen. Die Spitzeder gab mit vollen Händen aus und verschenkte oder stiftete auch viel. ‘Aus dem Volk für das Volk!’ war über der Spitzederschen Volksküche am Platzl zu lesen. Hier wurde jeder um so billiges Geld verpflegt, dass Adele noch große Summen zuschießen musste. In der Schönfeldstraße erwarb sie ein eigenes Haus und bewohnte mit ihrer ‘bedenklichen’ Freundin die sechs Zimmer im ersten Stock, die mit Kruzifixen, Heiligenbildern, ewigen Lampen und Hausaltären mehr als andächtig herausgeputzt waren. Sie hängte sich, für alle sichtbar, ein goldenes Kreuz um den Hals und ging fleißig in die Kirche, was von der Geistlichkeit durchaus gewürdigt wurde.

Der Dame sollte man ein Denkmal setzen, ihr die Ehrendoktorwürde in Volkswirtschaftlehre überreichen und die Ehrenmitgliedschaften der FDP und AfD.

1,5 Millionen Terroristen und 200.000 deutschsprachige Bombenbauanleitungen im Netz

AP (via Fefe): The U.S. government is rapidly expanding the number of names it accepts for inclusion on its terrorist watch list, with more than 1.5 million added in the last five years…”

Das erinnert mich an die Firma Pan Amp und Bert Weingarten, der von den gewohnt unkritischen Mainstream-Medien – zum Beispiel von sueddeutsche.de – vor einigen Jahren als “Experte” und “internationaler Pionier der IT-Sicherheit” herumgereicht wurde. Heise berichtete damals: “Angeblich 200.000 deutschsprachige Bombenbauanleitungen im Netz”.

Unter externen Spionageabwehrspezialisten

Kommunikatinosmittel

Foto: Spezialisten einer externen Firma überprüfen die Kommunikationsmittel des Verteidigungsministeriums auf Sicherheitsmängel.

“Daneben lassen derzeit das Außen-, Verteidigungs- und Justizministerium ihre internen Kommunikationsmittel auf Sicherheitsmängel überprüfen, zum Teil von einer externen Spezialfirma.” (Quelle: SpOn)

Bruhahahahaha. Vermutlich hat die externe Firma ihren Sitz in den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen.

Und nun alle zusammen: Für das Wachstum!

Tancred's landing

Screenshot: Meine Gor-Sim Tancred’s Landing in Second Life, die mit dem Thema des Postings unten rein gar nichts zu tun hat.

Ich wollte eigentlich über das Gefasel der Frau Christine Lagarde etwas schreiben und über die Tatsache, dass sich Journalisten zu bloßen Pressesprechern von Lobbyisten und Pressure-Groups degradieren, wenn sie nur das unkritisch wiederkäuen, was ihnen in den Mund gelegt wird.

Ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, ist wieder einmal Spiegel online: “‘Eine hartnäckig niedrige Inflation kann dem Wachstum schwer schaden’, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag in Paris. Auch trage sie dazu bei, dass die Schuldenlast noch schwerer wiege.”

Ja und? Ist das wahr oder nicht oder wisst ihr es nicht? Man hat den Eindruck, dass, fällt der Begriff “Wachstum”, sofort der Kopf zum Gebet abgenommen wird: Freier Markt(TM) unser, der du bist im Kapitalismus unser aller Gott usw..

Lagarde ist Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Bei Wikipedia lesen wir über den IWF und das Wachstum: “Dem IWF wird vorgeworfen, durch die an die Kreditvergabe geknüpften Bedingungen in vielen Ländern die bestehenden Sozialsysteme zu zerstören. Für Kritiker gelten ‘die geforderten Sparprogramme und Einschnitte in Sozialprogramme [...] für die Menschen in Entwicklungsländern [als] unzumutbar und [seien zudem] für das Wachstum schädlich.’”

Aha?! Und? Können deutsche Journalisten vielleicht auch selbst denken? Nein? Quod erat demonstrandum.

Spiegel online schließt mit den “wunderbaren” Worten: “Die französische Wirtschaft kämpft derzeit mit Wachstumsproblemen”. Leider kann ich nicht wirklich sagen, wer das verbrochen hat; ein Kandidat für den Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” wäre diese Person auf jeden Fall.

Pfui, das ist kein Journalismus, sondern schlicht ekelhaft.

Homomorph kryptieren

The Guardian im Interview mit Snowden: “Edward Snowden urges professionals to encrypt client communications”.

Das ist eigentlich selbstverständlich und gilt nicht nur für “Professionals”, sondern für alle. Snowden empfiehlt letztlich homomorphe Verschlüsselung und rät u.a. davon ab, die Dropbox zu nutzen.

Spatial

waffe

Der Mann, der diese Waffe benutzte, ist gestorben. Ist eher ein Rätsel für ältere Leserinnen und Leser….

Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate!

TV-Novosti: “A mysterious giant crater has been discovered in a remote part of Siberia, dubbed by locals ‘the end of the world’, and is now puzzling scientists.”

Ich denke da an Dante (der übrigens ganz großartig ist und zum humanistische Bildungskanon gehört).

Die Armenambulanz

“Jeder Mensch hat eine adäquate medizinische Versorgung verdient.” Eine sehenswerte Reportage über “Armut macht krank und Krankheit macht arm – dessen ist sich Gerhard Trabert sicher. Der Arzt kümmert sich um Obdachlose und Menschen, die von keiner Versicherung mehr aufgenommen werden”.

Schafft endlich diese Zensurbehörde ab!

Ich werde bei zukünftigen Wahlen nur Parteien wählen, die fordern, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ersatzlos abzuschaffen.

15. Juli 2014: ”Ein Spalier von Tegel bis zum Brandenburger Tor”

massenhysterie

Berlin, 15. Juli. Die Weltmeister haben deutschen Boden betreten. Um 10.40 Uhr haben die deutschen Spieler den Flughafen verlassen und bewegen sich in Richtung Zentrum. Eine vom Herzen kommende Begeisterung, die die letzten großen Tage, besonders die Stunden seit Sonntag abend, kennzeichnet, umtobte sie.

Es war ein herrlicher Sommertag, die Sonne ergoß ihren strahlenden Glanz auf die schöne urdeutsche Stadt. Seit den frühesten Morgenstunden stand die Berliner Bevölkerung an den Hauptstraßen. Vor dem Hotel warteten Tausende. Unablässig schallten Sprechchöre. Die Berliner wollten den Spielern noch einmal danken für das, was von hier aus wunderbare Wirklichkeit geworden war: “Ein Volk – ein Land – ein Fußball”.

Der Sonderberichterstatter des DSB, der an der Fahrt der Spieler teilnahm, schreibt in seinem Bericht unter anderem: “Dienstag vormittag haben die Spieler in Berlin ihre Triumphfahrt angetreten. War schon die Fahrt von Tegel zum Brandenburger Tor ein unvergeßliches Erlebnis gewesen, so ist der Jubel des deutschen Volkes nach der Verkündung der Weltmeisterschaft noch gewaltiger. Die Heilrufe, die Stürme der Begeisterung um die Spieler sind schon die wahre Volksabstimmung, und wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, wie sehr das ganze deutsche Volk den Tag der Weltmeisterschaft herbeigesehnt hat, dann hat ihn allein diese Fahrt der Spieler durch die Stadt gebracht.”

Die Welle des Jubels, die den Spielern entgegenschlug, war das Symbol der Einheit. Trotz der Massen, trotz aller Freude herrschte restlose Disziplin. Den Abteilungen des Ordnungsdienstes und der Berliner Polizei, die diesem Tage gleichfalls zum Gelingen verhalfen, wurde die schwere Arbeit dadurch leicht gemacht.

Captain Phillips

Captain PhillipsCaptain Phillips

Eine Filmempfehlung: Captain Phillips “aus dem Jahr 2013. Der Film thematisiert den Piratenangriff auf die Maersk Alabama.”

Von der ersten bis zur letzten Minute ultraspannend, keine Längen. Realistisch. Großartige Schauspieler, neben Tom Hanks als Kapitän vor allem auch Barkhad Abdi als Anführer der somalischen Piraten und Faysal Ahmed als allzeit kurz vor dem Durchdrehen agierender bad guy.
Captain Phillips
Ich habe den Film im Original gestreamt gesehen. Die Somali aus Puntland werden nicht snychronisiert, was die Sache noch authentischer macht.

Natürlich singt der Film ein Hohelied auf die US-amerikanische NAVY und die Navy SEALs, aber es bleibt im Rahmen des Erträglichen. Auch die Motive der Piraten werden erläutert; sie sind nicht die holzschnittartigen bad guys, wie man das in solchen Filmen erwartet. “Captain Phillips” ist kein Rambo-Film.

Aus Neugier habe ich noch nachgesehen, wer der Clan der Darod ist, der diesen Teil Somalias beherrscht und habe mich über Mohammed Abdullah Hassan informiert, der vor einiger Zeit etwas ähnliches wie die heutigen Piraten machte, nur ein paar Nummern größer. Ein Action-Film, der mich klüger macht? Was will man mehr!

Andererseits ist “Captain Phillips” ein Film ohne Systemkritik. Man könnte ihn als eine filmisch freie Dokumentation nehmen. Ich werde ihn also vermutlich nicht im Kino ansehen, es sei denn, eine attraktive Dame lüde mich dazu ein.

By the way: Warum macht kein deutsche Regisseur solche Filme? Just saying’.

Sicher ist sicher, revisited

analog

“Nur analoge Kommunikation kann halbwegs gesichert werden.” (Stefan Plöchinger, Chefredakteur Sueddeutsche.de)

Ich schrob am 11. Juli 2013: Das sagt auch der Russische Geheimdienst. Dann muss es ja stimmen.

Heute lesen wir zum Beispiel bei N24:
Der NSA-Untersuchungsausschuss will möglicherweise auf altbekannte Methoden setzen, um sich vor Ausspähung zu schützen. Es werde erwogen, wieder auf mechanische Schreibmaschinen zurückzugreifen, um geheime Dokumente zu verfassen, sagte der Vorsitzende des NSA-Untersuchungsausschusses, Patrick Sensburg (CDU), am Montag im ARD-”Morgenmagazin“. (…) “Und wir müssen natürlich versuchen, unsere interne Kommunikation sicher zu halten, verschlüsselte Emails senden, Krypto-Telefone benutzen und andere Dinge, die ich hier jetzt natürlich nicht sage.”

Klar sagt er das uns nicht. Ist ja alles geheim.

Die sind komplett irre. Und keiner merkt es. LMFAO.

Ich bin Deutscher?

“Daß ich zum Beispiel Deutscher bin, ist mir auch mit einer Fülle widerwärtiger Individuen gemeinsam, so daß ich es mir verbitten möchte, lediglich mit Hilfe dieses Begriffs bestimmt zu werden.” (Frei nach Heimito von Doderer, den ich vor vier Jahren hier schon einmal erwähnte.)

Strike! Die Roten kommen!

Al Jazeera berichtet über den Klassenkampf der südafrikanischen Metallarbeiter. In deutschen Medien lese ich bis jetzt kein Wort davon.

Früchte des Zorn oder: Hooverville ist überall

steinbeck“Hast du schon mal ‘nen Polizisten gesehen, der keinen fetten Hintern hat? Und sie wackeln damit, daß ihre Revolver auf und ab hüpfen. Mutter”, sagte er, “wenn’s das Gesetz wär’, das uns was will, dann würde ich mir’s gefallen lassen. Aber ‘s ist nicht das Gesetz. Sie hauen auf uns ein und wollen uns die Seele aus dem Leib hauen. Sie wollen, daß wir kriechen und uns krümmen, wie’n geschlagener Hund. Sie wollen uns kaputtmachen. Und, mein Gott, Mutter, da kommt ‘ne Zeit, wo einer nur noch seine Anständigkeit behalten kann, wenn er so ‘nem Bullen eine in die Fresse schlägt. Sie haben’s auf unsre Anständigkeit abgesehn.”

Kann man sich vorstellen, dass ein deutscher Schriftsteller so etwas schriebe? Dass ein deutscher Verlag so etwas druckte? Man kann nur anständig bleiben, wenn man einem Bullen in die Fresse schlägt? Nein, das ist undenkbar. So etwas ließe die freiwillige politische Selbstzensur hierzulande nicht durchgehen.

Es finge schon viel früher an: Deutsche Schriftsteller beschäftigen sich zwar viel mit den emotionalen Befindlichkeiten der alten und neuen Mittelschichten, die Arbeiterklasse kommt aber gar nicht vor, und schon gar nicht die Frage, ob der Kapitalismus als System fragwürdig sei und ob es eine Alternative gebe. Das zu thematisieren ist nicht erlaubt.

Ich empfehle heute also einen ausländischen (!) Schriftseller und Nobelpreisträger und eines der besten Bücher, das jemals geschrieben wurde und das ein mehrsemestriges Studium der Geschichte der USA ersetzt: John Steinbecks Grapes of Wrath (deutsch: “Früchte des Zorns“, erschienen 1939).

steinbeck

Der deutsche Wikipedia-Eintrag zum Roman ist übrigens grober Unfug und lässt völlig außer acht, dass es nicht um “Menschlichkeit” an sich geht, sondern um eine ätzende Kritik am kapitalistischen System.

Das englische Wikipedia schreibt: Set during the Great Depression, the novel focuses on the Joads, a poor family of tenant farmers driven from their Oklahoma home by drought, economic hardship, agricultural industry changes and bank foreclosures forcing tenant farmers out of work. Due to their nearly hopeless situation, and in part because they were trapped in the Dust Bowl, the Joads set out for California. Along with thousands of other “Okies”, they sought jobs, land, dignity, and a future. (…)

Part of its impact stemmed from its passionate depiction of the plight of the poor, and in fact, many of Steinbeck’s contemporaries attacked his social and political views. Bryan Cordyack writes, “Steinbeck was attacked as a propagandist and a socialist from both the left and the right of the political spectrum. The most fervent of these attacks came from the Associated Farmers of California; they were displeased with the book’s depiction of California farmers’ attitudes and conduct toward the migrants. They denounced the book as a ‘pack of lies’ and labeled it ‘communist propaganda’. Some accused Steinbeck of exaggerating camp conditions to make a political point. Steinbeck had visited the camps well before publication of the novel and argued their inhumane nature destroyed the settlers’ spirit.

Flüchtlingscamps. (Im Buch nennen die Fküchtlinge alle derartigen Camps “Hooverville“). Das haben wir doch schon mal gehört? Armutsflüchtlinge! Nur dass die im Buch von Oklahoma nach Kalifornien ziehen, somit keine “Ausländer” sind; heute ziehen die Armutsflüchtlinge von Südosteuropa und Afrika in die reichen Länder. “Früchte des Zorns” ist ein hochaktuelles Buch: Man sieht, dass sich fast gar nichts geändert hat, und dass auch die Leute, die Bücher lesen, daraus wenig lernen. Alles kommunistische Propaganda.

Manche Bücher kann ich nicht in einem Zug durchlesen, obwohl ich rasend schnell lese. “Früchte des Zorns” regt mich so auf (obwohl ich es schon kenne), dass ich das Buch zwischendurch eine Weile weglegen muss, um nachzudenken.

steinbeck

Der Roman beginnt in Sallisaw, Oklahoma, im sogenannten Dust Bowl. (Ich übersetze den Wikipedia-Eintrag in lesbares Deutsch:) Die Bauern hatten das Präriegras gerodet, um vornehmlich Weizen anzubauen. Die tiefen Wurzeln des Grases, dessen Halme den Staub auffingen, hatten die oberen Bodenschichten vor Erosion bewahrt. Jetzt setzte eine massive Erosion ein, jahrelange Dürren vernichteten die Ernten. Staubstürme wehten die Menschen in ihren Häusern ein. Viele Farmer mussten ihren Äcker verlassen, als sie kein Geld mehr hatten. Sie suchten oft in anderen Regionen der USA nach Arbeit.

Genauso sieht es heute in der Sahel-Zone in Afrika aus - mit ähnlichen Ursachen und exakt den gleichen Folgen.

Ein Plot sähe heute also so aus: Der Roman spielt während der so genannten “Finanzkrise” in den USA und Europa ab 2007. Das Buch beschreibt die Abeekus, eine arme Bauernfamilie, die von ihren Feldern in Libyen [wahlweise: Syrien, Irak] vertrieben wurde – durch Dürre und die Folgen des von den imperialistische Mächten geschürten Bürgerkrieges. Wegen ihrer fast ausweglosen Situation flüchtet die Familie nach Deutschland, zusammen mit tausenden anderer Afrikanern [wahlweise: Südosteuropäer, Syrer, Iraker]. Sie suchen eine neue Heimat, Arbeit, Würde, und eine Zukunft.

Was folgt, ist bekannt. Lest “Früchte des Zorn” selbst – oder noch besser das englische Original.

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