Wenn Snowden da mal von Putin eingeladen (aufgefordert) wird

Aus dem Heise-Forum: “Wenn Snowden da mal von Putin eingeladen (aufgefordert) wird, bei einer Talkshow mitzumachen, das ist es genau das richtige, wenn er das tut. Denn damit bringt er sein fragiles Asyl nicht in Gefahr. Wenn Deutschland und irgendwelchen Heuchelpolitikern das nicht paßt, dann sollen sie dafür sorgen, daß Snowden Asyl erhält, und gebührenden Schutz vor dem Unrechtsstaat USA.”

Babylonien, revisited, 2.0

Babylonien, revisited: Luxemburgisch, Schwyzerdütsch.

Obszöne Dynamik und der Homo Germanicus

arbeiter

Wie im Fall der aktuelle DIW-Studie werden Nachrichten zur obszönen Dynamik der Vermögensentwicklung zwar gesendet und gedruckt, treffen aber bei Medienleuten und in der sonstigen Öffentlichkeit auf weitgehendes Desinteresse. (…)

Das hat ganz direkt mit der mentalen formatierung des Homo Germanicus zu tun, Im Mittelalter, das hiezulande mindestens bis 1914 dauerte, hat er gelernt, daß Ungleichheit eine von Gott gewollte natürliche Bestimmung ist und daß der Kaier und andere Feudalherren die legitimen Vollstrecker dieses Modells sind. (…)

In dieser Tradition ist der Homo Germanicus auch als Demokrat und bis heute darauf dressiert, die kleinen und großen Brutalitäten der Privilegienbürger als Ausdruck der einzig richtigen Ordnung zu ertragen – sie erscheinen seinem feudal und antimkomunistisch geprägten Bewußtsein als ein Moment im natürlichen Proueß der Kapitalverwertung(Rolf Schröder: Balladen der Bemittelung – Weshalb sich für neue Erkenntnisse über die hiesige Vermögensverteilung niemand interessiert, konkret 4/2014)

Zeit online schreibt: In keinem anderen Euro-Land ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Die Schere zwischen denen, die viel Geld besitzen und denen, die gar keines haben, wird dabei immer größer… Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt demnach ein persönliches Vermögen im Wert von mindestens 800.000 Euro. Dagegen verfügt gut ein Fünftel aller Erwachsenen über gar kein Vermögen. (…) Studienautor Markus Grabka geht davon aus, dass seine Ergebnisse dabei nur einen Teil der Realität abbildet. Die Wirklichkeit sehe noch verheerender aus, sagt er.

Gut, wir wissen alle, dass das ein Feature und kein Bug ist. Aber es reicht nicht aus, den mangelnden Widerstand und das fehlende Klassenbewusstsein “mentalitätsgeschichtlich” erklären zu wollen. Das Problem geht viel tiefer: Die Idee, jemand habe viel mehr als andere, ohne etwas Vergleichbares dafür getan zu haben, und das sei ungerecht, setzt voraus, dass “Gleichheit” als Vorteil für die jeweilige soziale Bezugsgruppe empfunden wird. So will es die Evolution. Deshalb haben sich kommunistische Ideen oft zuerst bei sozialen Außenseitern entwickelt, für die das Teilen Garant für den gemeinsamen Erfolg war.

Die Leute sind nur solidarisch mit anderen, wenn wie meinen, das nütze ihnen selbst langfristig auch.

Yeah, let’s go to FIDO!

On Mon, Apr 14, 2014 at 01:45:16PM +0000, antispam06@sent.at wrote:
> In his announcement, arma noted it would be a good idea to stay away from the Internet. Is it ok?

Yeah, let’s go to FIDO! :)

The more you wait (without Internet), the more servers will be updated less likely that you’ll find yourself a victim of this vulnerability in OpenSSL. But now this will probably never be zero. So relax and be happy :)
- tor-talk mailing list – tor-talk@lists.torproject.org

Und yeah, das ist ein Insider-Witz, den nur ältere Leserinnen und Leser verstehen!

Gebet der Volkswirtschaftler

Gegrüßet seist du, Konjunktur, voll des Wachstums,
der Kapitalismus ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den freien Märkten,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, der Profit.
Heiliges Wachstum und heilige Konjunktur,
bittet für uns Gläubige
jetzt und in der Stunde unseres Konkurses.
Amen.

Putlocker

Wurde mir gerade in Secondlife empfohlen: putlocker.bz (vgl. auch Wikipedia über Firedrive).

Truecrypt, reloaded

truecrypt

iSEC Research Labs hat einen kommerziellen Audit von TrueCrypt vorgelegt (via Fefe, der schon vor einem Jahr mit einigen Verschwörungstheorien dazu aufgeräumt hatte.) Außer einigen nicht relevanten “Code quality issues” und den schon bekannten Bootloader-Schwachpunkten haben die keine Angriffspunkte gefunden (vgl. “Vulnerability Overview”):

The code to decompress the main bootloader suffers from several implementation weaknesses. Throughout the source code, signed and unsigned integer types are mixed, arrays are accessed without checking if the index is within bounds, and so forth.

Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Fratzenbuch, einmal anders

Gesichter

Ich schaue mir gern auf Bahnhöfen aus rein völkerkundlichen wissenschaftlichen Motiven die Plakate an und wie dieselben Menschen beeinflussen wollen, dieses zu tun und jenes zu unterlassen.

Man könnte aus den Gesichtern ein Rätsel konstruieren: Welches transportiert wie welche Botschaft? Ein Gesicht ist ja wie ein kurzer Videoclip oder Trailer, der in extrem verkürzter Form etwas zusammenfasst und mitteilt.

Die Dame links oben kannte ich bisher nicht, und es gibt vermutlich auch keinen Grund, das zu ändern, obwohl sie angeblich Single ist. Man erkennt jedoch unschwer die Ikonografie eines bestimmten sozialen Milieus, das mitnichten das proletarische ist und auch nicht das der neuen grünalternativen Mittelschichten. Allein schon der Schmuck und die aus unerklärlichen Gründen halb ausgerupften Augenbrauen passten nicht in mein Beuteschema wirklich zum Outfit einer anderen sozialen Klasse. Ich vermute, um bei Clichés Klischees zu bleiben, dass ältere Leserinnen etwa der “Gala”, der “Bunten” oder der “Berliner Morgenpost” sich angesprochen fühlen. Leser, die die Vornamen Désirée Amneris Saskia Pamela Aida mögen, mögen auch: Friedrichstadtpalast, Rasenmäher, Franz Lehar, die “Alternative für Deutschland”, Heino und den MDR.

Rainer Hunold, dessen Namen ich nicht im aktiven Gedächnis vorrätig hatte, kenne ich flüchtig aus irgendeiner Fernsehserie, zu der ich vor gefühlten Jahrzehnten nur im Minutentakt zappte, weil dort die schönste aller Frauen mitspielte, mit der Hunold, obzwar deren Ehemann, noch nicht mal echte Küsse austauschen durfte. Die anderen beiden Männer auf dem Plakat sagen mir nichts. Die etwas verkrampft grinsenden Gesichter sollen vermutlich dem Betrachter suggerieren, dort werde irgendeine Art von Humor geboten. Und warum eine Männergruppe? Es kann sich also auch nicht um Daily Soap handeln; immerhin hat man die Gesichter so ausgewählt, dass man mit etwas Mühe drei Generationen männlicher Spießer erkennt. Menschen, die Rainer Hunold mögen, mögen auch längsgestreifte Herrenhemden, Einbauküchen, das HB-Männchen, Minigolf und Wasserbetten, aber keinesfalls Cargohosen, Ensiferum oder Burks’ Blog.

Ganz rechts – Berliner erkennen natürlich Harald Martenstein, dessen Frisur zu dem passt, was er so schreibt. Könnte Martenstein auch Haargel benutzen und einen Schlips tragen? Nein, das wäre dann eine andere Art von Lesung, etwa eine für Volkswirtschaftler über die Anbetung des gebenedeiten freien Markts. Leser, die Martenstein mögen, mögen auch den “Tagesspiegel”, die “Zeit”, Vernissagen, Stehempfänge mit Champagner, Oberstudienräte und Rechtsanwälte, Bilder von Matisse, aber keinesfalls die “Konkret”, Thomas Müntzer, Guinea Pig mit brauner Soße oder Stalin.

Links unten sehen wir Männer, zumal ältere Männer, dürfen hässlich auf Plakaten sein, wenn sie reich sind oder über andere vergleichbare Qualitäten verfügen. (Für Frauen gilt das eben nicht.) Menschen, die Hallervorden mögen, mögen auch kleinbürgerlich-anarchistischen Humor, Schlösser in der Bretagne, Currywurst, den Dalai Lama, Rosamunde Pilcher, die SPD, aber keinesfalls die “Jungle World“, das Fermatsche Theorem oder Veganismus-Asketismus.

Wer zum Teufel ist denn die Dame im roten Overall und wer trägt so etwas warum? Was will mir der Künstler das Plakat damit sagen? Da es die erwähnte Domain nicht gibt, ist das Thema, auf das mich die Ikonografie und das Outfit hinweisen wollen, irgendwas mit Partnersuche und was alles dabei schiefgehen kann. Leute, die Jasmin Wagner mögen, mögen auch Dieter Bohler, Dieter Nuhr, Sonnenstudios, Blümchen, Cheerleader, DJ BoBo, aber keinesfalls Julius Cäsar, Primzahlen, altgriechisch, die Relativitätstheorie oder Putin.

Habe ich etwas vergessen? Ich hatte gestern und teilweise auch heute eine zeitlich und getränkemäßig ausschweifende Party und brauche jetzt den zweiten Liter Kaffee…

Sommerzeltlager in Transsilvanien

“Sehr geehrter Herr Burkhard Schröder, ich möchte Sie gern auf die folgende Presseinformationen hinweisen und bitte freundlich um Veröffentlichung: Die Sächsische Jugendstiftung und die Aktion Zivilcourage e. V. laden vom 19. Juli bis 06. August 2014 zu einem Sommerzeltlager in die rumänische Region Transsilvanien ein.”

Ich bin versucht, das zu bebildern, überlasse das aber doch lieber der Phantasie der geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser.

Trojaner entfernen in zwei Minuten!

Trojaner entfernen

Deutsche Blauhelm-Schutztruppe in der Ostukraine

deutsche Blauhelme

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hat die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten: Die Regierung in Kiew würde den Einsatz von Blauhelmen in der Ostukraine begrüßen.

Burks.de bekam exklusiv das erste Bildmaterial zugespielt. Wie Generalleutnant Arno Jahr, der Kommandeur der deutschen Blauhelme in Dnjepropetrowsk, mitteilte, habe man sogar die alten Karten wiederverwenden können. Der Hilfseinsatz der deutschen Schutztruppe werde den Steuerzahler daher nur wenig belasten.

Pharmaceutics and Cannabis

pharmaceutics

Klassenkampf Amerika 1937

British Pathé Archive: “Strike riots“: “Violent clashes between men on strike and men with guns and batons trying to break up the demonstrations. Sign by roadside suggests that this is the ‘Republic Steel Strike’. Strikers throw…”

Nicht marktkonform

Die Ukraine beklagt sich über “nicht marktkonforme” Preise für russisches Gas. Muahahahaha. (Sehr hübsch die Leserkommentare dort…)

Israel secretly flying asylum seekers to Uganda

Haaretz (Israel, via Belen Fernandez | Al Jazeera):

While contemplating potential locations for a Jewish homeland over a century ago, Theodor Herzl – the father of modern political Zionism – proposed Uganda as a temporary refuge for persecuted Jews. Ironically, Uganda is now on the receiving end of other persecuted peoples, this time African refugees who have sought asylum in Israel only to be imprisoned in detention facilities and then returned to the African continent. (…) The asylum seekers says many have lost hope of a better future in Israel and are afraid of being locked up or ordered to stay at Holot for an open-ended period.

Capitalism or if one prefers another term, the market economy

Al Jazeera vertritt einen interessanten Standpunkt – ohne die gewohnte Hysterie – zu Nordkorea:

The international media loves to describe North Korea as the “world’s last Stalinist country”, or as a “communist dictatorship”. Both descriptions are not completely off the mark, but seriously misleading nonetheless.

It is often overlooked that the last 20 years in North Korea were a time when capitalism (or if one prefers another term, the market economy) took over. In spite of the regime’s attempts to keep up communist appearances and heritage from the bygone era, North Korea can for all intents and purposes be described as a market economy – albeit not a very efficient one.

Man sieht: Im Ausland darf “Kapitalismus” in Medien auch so benannt werden. Ich weiß schon, warum ich kaum mehr deutsche Zeitungen lese.

Verunfallt, aber nicht vertodt

Tagesspiegel: “Der Flughafensprecher und Aufsichtsratskreise hatten kurz nach dem Unfall erste Augenzeugeneindrücke, dass Mehdorn verunfallt war, bestätigt.”

Man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, wie dieses Deutsch des Grauens entstanden ist. Es war einmal das Substantiv “Unfall”. Wie könnte man daraus ein Verb zaubern? “Einen Unfall haben” ist schlechtes Deutsch, weil man das Tun durch das Hilfsverb “haben” beschreibt. Geht also gar nicht.

Wenn man zum Beispiel “Tod” nähme, hieße es im Deutsch des Grauens “vertodt”. Von “Tod” gibt es auch kein Verb, sondern nur das selbständige “sterben”. (Kennt noch jemand das korrekte “wenn du stürbest”?)

Wenn ich Chef vom Dienst bei einer Zeitung wäre, die sich selbst erst nähme, würde ich einen Redakteur, der “verunfallt” schriebe, öffentlich auspeitschen lassen und ihm anschließend nahelegen, Pressesprecher aka Sprachblasenfacharbeiter bei der Partei “Die Linke” zu werden.

Babylonien, revisited

Babylonien, revisited: Bambara, Chinesisch (VR China).

(Gerade gelernt, was ISO 6392 ist.)

In der Nullzinswelt

Der Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” geht heute an Christian Rickens für den Satz auf Spiegel online:

Reiche Menschen sparen einen höheren Anteil ihres Einkommens als Arme, und da es immer mehr Reiche gibt, muss immer mehr Kapital angelegt werden.

Remember: Der Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” geht an Journalisten, die nichts davon beherzigen, die sich die Propaganda der Kapitalisten unkritisch zu eigen machen, die deren Neusprech und und Propaganda-Worthülsen übernehmen, die in Populär-Okonomie dilettieren, ohne jemals ein Buch über den tenzenziellen Fall der Profitrate oder die Theorie des Wert gelesen zu haben. Kurzum: die ihren Beruf nicht nur verfehlt haben, sondern auch noch dummschwätzen und sich als Lobbyist missbrauchen lassen, freiwillig oder aus Dummheit und/oder Ignoranz.

Selbstbildnis mit Dame

burks

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