Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch

Die Leserkommentare zur Titelgeschichte des “Spiegel” über Auschwitz wurden natürlich wieder gelöscht.

“There are no more words – or only very many” (George Tabori)

Der kleine Unterschied zwischen Griechenland und Deutschland

Griechenland

Giannis Varoufakis, Professor für Wirtschaft in Cambridge, Sydney, Athen und in Austin (USA), kandidiert für die linksradikale Partei Syriza

– Giannis Dragasakis, studierter Ökonom, ehem. Mitglied der kommunistischen Partei Griechenlands, Mitglied der linksradikalen Partei Syriza

Georgios Stathakis, Professor für marxistische Analyse, Kreta, ehem. Mitglied der kommunistischen Partei Griechenlands, Mitglied der linksradikalen Partei Syriza

Giannis Milios, Professor, Mitglied der linksradikalen Partei Syriza

– Kostas Lapavitsas “Japan-Experte an der Fakultät für Orient- und Afrikastudien der Londoner Universität”, lehrt “die Theorie von Kapitalmärkten sowie das Verhältnis zwischen Finanzsystemen und Entwicklung”, Mitglied der linksradikalen Partei Syriza

Alexis Tsipras, Stadt-und Regionalplaner, Ingenieur, Vorsitzender der linksradikalen Partei Syriza

Deutschland

Hans-Olaf Henkel, Industriemanager und “bester Redner Wirtschaft”, Mitglied der der rechtspopulistischen AfD (“weiß die Partei einen großen Teil der deutschen Volkswirtschaftler auf ihrer Seite”, “Vor allem Volkswirtschaftler und Unternehmer haben das Sagen”)

Bernd Lucke, Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, Mitglied der rechtspopulistischen AfD

– Prof. Joachim Starbatty, “Volkswirtschaftler”, Mitglied der rechtspopulistischen AfD

– Hans-Werner Sinn, Ökonom, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, “Ordoliberaler” und Angehöriger der Glaubensgemeinschaft “Freier Markt”.

Konrad Adam, reaktionärer Journalist, Mitglied der rechtspopulistischen AfD

Alexander Gauland, reaktionärer Journalist, Mitglied der rechtspopulistischen AfD

Zu dem Wahlsieg der radikalen Linken in Griechenland passt auch dieses Bild.

Durchs wilde Hadramaut

Wer etwas über die aktuelle Situation im Jemen wissen will, lese nicht deutsche Medien, sondern Al Jazeera:
An Al Jazeera correspondent in Aden said that the Southern Movement, a group which outrightly rejected rule by the Houthis, deployed its fighters to protect the port city from possible attack.

The group, which demands a return to the full independence of the southern region enjoyed from 1967 to 1990, had earlier raised the former flag of South Yemen over Aden’s airport and a security headquarters building.

Die gebildete ältere linksradikale Generation wird sich an die “sozialistische” Verfassung des Süd-Jemens der 70-er Jahre erinnern.

Am Rio Mira

tumaco

Am Pazifik, im Südostenwesten Kolumbiens, November 1979.

Die gefährlichsten Tage meines Lebens habe ich verbracht, ohne davon zu wissen, dass ich beinahe hätte umkommen können. Wir machten Station in Pasto im Süden Kolumbiens. Was war die interessanteste Route nach Ecuador? Warum nicht an den Pazifik, nach Tumaco, und dort per Fischerboot – oder sonstwie – die Küste entlang nach Süden?

Wir nahmen einen klapprigen Nachtbus. Kurz nach Sonnenaufgang erreichten wir die Küste: eine höllische Hitze schlägt uns entgegen. Tumaco liegt auf mehreren kleinen Inseln, die meisten Häuser sind auf hölzernen Stelzen gebaut.

Aus meinem Reisetagebuch: “Ein dreckiges Nest, jede Menge Hafenbars der untersten Kategorie. Nur Schwarze. Aber aus jedem Radio schallt gute Musik [Bahia Pacifico, 3 Mb] Ich muss zur Toilette, es gibt keine. Es spricht sich schnell herum, dass zwei Gringos nach Ecuador wollen. Wir fallen auf wie Zebras in einem Pferdestall. Nach einer halben Stunde kommt das erste Angebot – angeblich ein Fischer. Ein paar Jungen laufen in unserem Auftrag herum und holen andere Offerten ein. Das senkt den Preis um zwei Drittel.

Man bringt uns zur DAS, der “Drogen-” oder auch Geheimpolizei Departamentos Admistrativo de Seguridad. Finstere Kerle, und vermutlich arbeiteten sie mit den Paramilitärs zusammen. Wir quatschen mit den Burschen eine Weile, weil der chefe nicht da ist, tumacovielleicht schläft er noch – es ist erst sechs Uhr. Einer der Geheimpolizisten versucht, meinen Rucksack in die Luft zu stemmen, scheitert aber kläglich. Die anderen wollen sich nicht lumpen lassen, aber die 25 Kilo sind einfach zu viel für sie. Wir müssen alle lachen. Das entspannt die Situation. Endlich kriegen wir einen Ausreisestempel.”

Was ich damals nicht wusste: Tumaco und die südliche Pazifikküste werden regelmäßig von schweren Seebeben heimgesucht, die hohe Flutwellen – Tsunamis verursachen. Nur kurze Zeit nach unserem Aufenthalt brach ein derartiges Beben über die Stadt herein, mit einer fast drei Meter hohen Flutwelle – es gab über 200 Tote. Erst heute, im Zeitalter des Internet, habe ich herausgefunden, wo ungefähr wir in den nächsten zehn Stunden waren – in den Mangroven-Sümpfen südlich Tumacos, die die ganze Halbinsel bedecken, und die für jemanden, der sich nicht sehr gut auskennt, ein Irrgarten sind, in dem man ohne Führer verloren wäre.

Der “Fischer” wartet schon im “Hafen”: ein Einbaum, sechs Benzinfässer und ein einarmiger “Gehilfe”. Den Arm, so erzählt er später, hat der muchacho beim Fischen mit Dynamit verloren. Und der Fischer will gar nicht fischen, sondern Benzin aus Ecuador nach Kolumbien schmuggeln. Eine illustre Gesellschaft. Wir haben gar keinen Proviant, nur eine Flasche Anisschnaps – Pisco, spanisch einfach: aguardiente. Der “Fischer” und der Einarmige bekommen auch ihren Anteil, und gegen Mittag sind wir alle sehr fröhlich.

Wir fahren stundenlang durch kleine Flussarme. Oft springen wir ins Wasser, um das Boot über seichte Stellen zu schieben. Wir passieren mehrere Male ärmliche Hütten mitten im Sumpf, die ausschliesslich von Schwarzen bewohnt werden – wovon die leben, bleibt ein Rätsel. Auch sie sollen “Fischer” sein. Sie begrüssen uns mit einem großen Hallo, als seien wir irgendwelche freundlichen Tropenforscher, die auf bisher unbekannte “Eingeborene” gestoßen sind.

Endlich erreichen wir die Mündung des Rio Mira in den Pazifik. Dann geht es stracks nach Süden, aber nicht über das offene Meer. Am späten Nachmittag sehen wir einen Einbaum mit schnellem Aussenborder auf uns Kurs nehmen. Darin sitzen bewaffnete Männer, und wir beginnen uns unbehaglich zu fühlen. Ausserdem schiessen die ein paar Mal in die Luft, was wohl nicht als Gruß gemeint ist. Unser “Fischer” stellt sofort den Motor ab, und wir treiben, bis der Einbaum längsseits scheuert. Zum Glück sind es weder Piraten noch Paramilitärs aus Kolumbien, sondern die “Grenztruppen” Ecuadors. Unser “Fischer” darf nicht weiterfahren, sondern muss zurück, und uns nehmen sie mit nach einem ausgiebigen Palaver über Sinn und Zweck unseres Daseins mit nach San Lorenzo, Ecuador, ein damals noch hinterwäldlerisches Nest. Das war ohnehin unser Ziel. Wie praktisch. Ein Hoch auf die ecuadorianischen “Grenztruppen”!

tumaco

Das Posting erschien schon hier vor elf Jahren. Die Links habe ich aktualisiert und ein paar Details geändert.

Perfide Paragrafen oder Willkommenskultur

Ein Kommentar zu einem Artikel im Tagesspiegel:*
Asylbewerber sollten sich nicht gegen ihre oft inhumane Behandlung zu Wehr setzen? Herbert Prantl hat einen sehr fundierte Analyse über die Inhumanität des deutschen Asylrecht geschrieben. Und nur Info: Das ist kein Aktivist.

Wenn Familien bei der Unterbringung getrennt werden, wenn Wachpersonal Asylbewerber misshandelt und die Existenzen von jungen Menschen systematisch vernichtet wird (Isolation, Keine Ausbildung), dann sollen sie sich nicht zu Wort melden, nicht protestieren?

Wenn wir als westliche Industrienation ganze Kontinente ausbeuten und wie z.B. in Accra (Ghana) eine Mülldeponie für Elekroschrott aus Europa machen, dann haben wir dafür auch eine Verantwortung. Wir leben nun mal in einer globalen Welt und das verlangt nun mal auch ein komplexeres Denken.

Der Diskurs über das Thema in Deutschland scheitert aber schon im Ansatz. Der Beweis: Man findet noch nicht einmal passende Begriffe, um den Sachverhalt, dass Menschen einwandern, zu beschreiben. (Das alles habe ich schon in “Nazis sind Pop” vor 15 Jahren beschrieben, und seitdem hat sich nichts geändert.) Wer einwandert, ganz gleich aus welchen Gründen, ist Einwanderer oder meinetwegen auch eine Einwanderin. (Studienrätinnen dürfen “Immigrant” sagen, weil das vornehmer klingt.)

Mein Großvater väterlicherseits ist aus Polen eingewandert, weil er als “Deutscher” in Westpreußen nicht zur polnischen Armee wollte. Mein Großvater mütterlicherseits ist 1918 aus Russland eingewandert, weil er aus einer Gefängniszelle geflohen ist (er war zum Tode verurteilt worden, weil er seinen Pass gefälscht hatte). Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, meinen Opas einen “Migrationshintergrund” unterzuschieben. Sie hätten gar nicht verstanden, was ich damit hätte sagen wollen. “Migrationshintergrund” ist für mich ohnehin das bürokratische Unwort des Jahrzehnts – und Deutsch des Grauens vom Feinsten.

Einwanderer: Was spricht gegen das Wort? Die berufsbetroffenen Lichterkettenträger bestehen auf einer paternalistischen Version, aber aus ganz egoistischen Gründen, weil sie Einwanderer politisch instrumentalisieren wollen. Deshalb nennen sie alle “Flüchtlinge” oder “Asylbewerber”, weil das besser klingt. Das ist aber eine Lüge. Nicht alle Einwanderer sind geflohen. Wer pauschal “Flüchtlinge” sagt, suggeriert, dass nur Leute mit guten Gründen kommen dürfen. Ach ja? Und die anderen werden dann von den Gutmeinenden rausgeworfen?

Einwanderer finden hier Gesetze vor, die perfider nicht sein können. Also müssen sie, um hier bleiben zu können, notfalls Gründe auch erfinden. Ich würde das nicht anders tun. Das ist ihr gutes Recht. Wer wirklich in Deutschland bleiben will, wird das tun, ganz egal, was die Gesetze sagen. Man muss auch mal der Realität ins Auge sehen, und sich nicht immer etwas vormachen.

“Bleiberecht für alle” ist eine realistische Forderung.

* Der Tagesspiegel diskriminiert Behinderte: Ohne Javascript kann man Kommentare nicht lesen – das Forum ist nicht barrierefrei.

Medienjournalisten

An der Qualität ihrer Selbstkritik kann man den Zustand einer Branche gut ablesen. Gucke ich Medienjournalismus kritisch unter journalistischem, handwerklichem Gesichtspunkt an: Der Zustand kann gar nicht schlechter sein. Da gibt es eine Lust an der Selbstzerstörung, da gibt es Artikel nur im Konjunktiv: ‘Es könnte sein'; tausend Beispiele fallen mir ein. Im Journalismus habe ich den Eindruck: Wem gar nichts mehr einfällt, der macht Medienjournalismus.” (Tobias Korenke über die Krise des Medienjournalismus: “Lust an der Selbstzerstörung”)

Das Ministerium für Wahrheit informiert

Das Ministerium für Wahrheit, auch bekannt als Österreichische Volkspartei (ÖVP), informiert: Gefälschte Stimmzettel heißen jetzt “zukunftsweisende und effiziente Erweiterung des Demokratieangebots” (via Fefe).

“Qualitätsjournalismus”, revisited

Telepolis: “Wie in der Tagesschau Nachrichten gemacht werden”. Die “Tagesschau” lässt nicht nur elementare Regeln des seriösen Journalismus außer acht (mindestens zwei unabhängige Quellen für eine These), sondern verschweigt auch bewusst, dass ihre Quellen pure Lobbyisten des Kapitals sind.

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal eine “Nachrichtensendung” im TV gesehen habe. Ich habe weder etwas vermisst noch fühle ich mich schlecht informiert.

Verschlüsselung verbieten, revisited, und die rechtsfreien Räume

“Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat gefordert, dass deutsche Sicherheitsbehörden befugt und in die Lage versetzt werden müssen, ‘verschlüsselte Kommunikation zu entschlüsseln oder zu umgehen’.” (AFP via Heise)

An was erinnert dieses merkbefreite Gefasel? Richtig, an das “Krypto-Gesetz” des Bundesinnenministers Kanther vom April 1997! “Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern forderten eine Regelung die `verbindlich den Gebrauch von solchen Systemen vorschreibt, bei denen das legale Abhören möglich ist.”

Wahrscheinlich hat die “Wollt-ihr-die-totale-Überwachung”-Lobby mal eben die alten Textbausteine hervorgekramt und die de Maizière hingeworfen, der ahnungslos und dumm genug ist, um die unzerkaut der Presse auszuspeien.

Der aktuelle Innenminister hat aber einen Textbaustein von damals vergessen: “Wolle man der Entstehung rechtsfreier Räume vorbeugen, so der Minister, seien staatliche Eingriffsbefugnisse in digitale Kommunikation unumgänglich.”

0ad

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Vor gefühlt ein paar Jahrzehnten war ich ein begeisterter Spieler von “Ages of Empires” und “Ages of Conquerors”. 60 Millionen Spieler – wenn man die alle zu einer Revolution überreden könnte, wäre der Kommunismus 2.0 schon längst da.

Mehr zufällig habe ich jetzt die Open-Source-Version (also kostenlos) “0ad” für Linux entdeckt – und bin begeistert. Das Spiel ist noch im Alpha-Stadium und viele gewohnten Features – wie spezielle Schlachtformationen – laufen noch nicht, aber der Spaß ist riesig.

Mir gefallen besonders die liebevoll gestalteten Details: Man kann die Landschaften auch mal so betrachten, und entdeckt immer wieder Neues (vgl. Screenshots oben und hier).

Immerhin gelingt es mir mittlerweile, den Computer zu schlagen, aber am Anfang war ich schon ziemlich verärgert, dass es mir nicht gelang, einen Rechner und dessen programmierte “Intelligenz” einfach mal so plattzumachen zu überlisten. Ich bin gespannt, wie “0ad” weiterentwickelt wird – den Mehrspielermodus per Server traue ich mich noch nicht, und so viel Zeit habe ich auch gar nicht.

Lighting up your language!

taschenlampetaschenlampe

Ich habe mir eine aufladbare Canwelum LED Taschenlampe zugelegt. Als Schmankerl obendrauf gab es eine Anleitung, die mich herzlich lachen ließ. Die angebliche “Strict Quality Control” findet offenbar bei der Sprache nicht statt.

Die Tendenz ist bekannt

Spiegel online: “Die Tendenz ist bekannt, das Ausmaß erschreckend: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer schneller auseinander. Vom kommenden Jahr an wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Wohlstands besitzen. ‘Die Kluft zwischen den Reichsten und dem Rest wird schnell tiefer’, teilte die britische Organisation Oxfam am Montag mit.”

Seit wann ist diese Tendenz bekannt? Ich weiß es: seit 1848. Trotzdem macht die freie Marktwirtschaft(TM) natürlich alle Menschen reich und glücklich. Wer würde das bestreiten?

Liberal bereichert

Die Süddeutsche über den Dienstleistungsvertrag Tisa:

In den vergangenen Jahren wurden überall auf dem Erdball klassische staatliche Aufgaben wie Bildung, Gesundheit oder Wasserversorgung privatisiert, wobei es öfter Proteste gab – etwa weil die Leistungen teurer, aber nicht besser wurden. Nun soll es bei Tisa Vorschriften geben, die eine Wiederverstaatlichung privatisierter Betriebe verbietet, behaupten Kritiker. Dafür gibt es bisher keinen Beleg, allerdings sickert durch, dass eine Sperrklausel entstehen könnte: Hat ein Land zugestimmt, in einem Bereich wie Gesundheit Konkurrenz zuzulassen, sollen private Anbieter für immer auf dem Markt bleiben dürfen. Das dürfte Kritiker erregen, die Liberalisierungen als Bereicherungen von Konzernen sehen.

Man sagt es klar und angenehm, was erstens, zweitens, drittens im Kapitalismus käm.

Wenn man den Nominalstil ins Deutsche übersetzt – “Liberalisierungen als Bereicherungen” -, wird auch ganz klar, worauf es hinausläuft: liberal bereichert. Oder, wie die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft der Volkswirtschaftler sagen: “Die Märkte” werden es schon richten.

Glaube, Liebe, Hoffnung

“Glaube, Liebe, Hoffnung sind die Feinde der nüchternen Fakten.” (Hal Faber)

Hunger Games: Capitalist agitprop

Mockingjay

Neulich habe ich mir aus feuilletonistischen Gründen den Kinderfilm The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 auf einem Streaming-Portal meines Vertrauens angesehen, in Englisch mit spanischen Untertiteln. Vor knapp einem Jahr hatte ich hier schon etwas zu den Vorläufern des Streifens geschrieben. Ich muss zugeben, dass ich mir das Ende nicht mehr ansehen wollte, weil ich mich langweilte. Es kommt kein Sex vor, und die Küsse sind so, wie man in der Pubertät küsst. Warum sollte ich so einen Film anschauen? Die Mädchen kämpfen zwar, aber verhalten sich genderpolitisch eben doch so wie in den 50-er Jahren, was zur allgemeinen kulturellen Regression passt.

Ewan Morrison hatte im Guardian eigentlich schon alles gesagt: “Y[oung] A[adults] dystopias teach children to submit to the free market, not fight authority. The Hunger Games, The Giver and Divergent all depict rebellions against the state, and promote a tacit right-wing libertarianism.”

Es ist wegen der freiwilligen politischen Selbstkontrolle natürlich undenkbar, dass so ein Statement in deutschen Medien vorkäme, ganz zu schweigen von einem Link, der über die Diskussion zwischen Stalin und H.G.Wells im Jahr 1937 über anti-kapitalistische Utopien informiert (Vorsicht! Schwefelgeruch!).

Andrew O’Hehir in Salon.com legt noch eins drauf: “capitalist agitprop … propaganda for the ethos of individualism, the central ideology of consumer capitalism”.

Es wundert mich auch nicht, dass deutsche Rezensionen, abgesehen von – im Land der evangelischen Pfaffen – Kritik an zuviel “Gewalt, den Film “Hunger Games” feiern als “als cleveres Drama, das sein Publikum ernst nimmt” oder “Glücksgriff” und “bestes Identifikationsmaterial”. Manchmal finde ich es unfassbar, wie Journalisten ihre ideologischen Scheuklappen so verinnerlicht haben, dass sie zu einer ernsthaften Filmkritik gar nicht mehr in der Lage sind. Wichtig ist nur, dass der Kapitalismus in irgendeiner Form verherrlicht wird.

Die erste und wichtigste Frage an einen solchen Film, der in der “Zukunft” spielt, ist immer: Warum die Zukunft und nicht die Gegenwart? Warum kann man die Botschaft nicht im Hier und Jetzt spielen lassen? Die Antwort ist einfach: Siehe oben. Es geht weder darum, das System zu stürzen noch darum, sonstwie zu “rebellieren”, ganz im Gegenteil. Alles läuft der Führerin hinterher und alles hängt von ihr ab. Ein Volk, ein Reich, eine Katniss. Die “Hunger Games” sind nicht revolutionärer als “Hänsel und Gretel”. Die subkulturelle Ikonografie (vgl. Screenshot oben: Frisur usw.) klaut wahllos alles, was irgendwie im nächsten Friseur-Salon zu sehen ist. Von Fantasie und Stil keine Spur.

The villainous daddy-state presided over by Donald Sutherland (in “Hunger Games”) and Kate Winslet (in “Divergent”) is as much a paper tiger as the corrupt old regime of landlords and kulaks seen in Soviet boy-girl-tractor romances of the 1930s. (Andrew O’Hehir)

Ewan Morrison argumentiert, dass Kinder- und Jugendfilme wie “Hunger Games”, ein Angriff seien auf “many of the foundational projects and aims of the left: big government, the welfare state, progress, social planning and equality. They support one of the key ideologies that the left has been battling against for a century: the idea that human nature, rather than nurture, determines how we act and live. These books propose a laissez-faire existence, with heroic individuals who are guided by the innate forces of human nature against evil social planners.”

Man muss heutzutage schon ausländische Medien rezipieren, um intellektuell anspruchsvolle Filmkritiken lesen zu können. Deutsche Medien sind einfach, mit nur wenigen Ausnahmen (“konkret”, “Telepolis”, “Jungle World”), weltanschaulich tot, gestorben, bloße Propaganda, seichtes Gefasel.

Ich bin beleidigt

charlie hebdo

Was ich noch sagen wollte: Meine atheistischen Gefühle werden immer dann provoziert und sehr beleidigt, wenn Verehrer höhere Wesen beleidigt sind, wenn man sich über ihre lächerlichen frommen Märchen lustig macht.

Access no longer forbidden

chaos

Durch einen technischen Fehler, für den mein Provider keine Schuld trifft, war burks.de ca. einen Tag nicht erreichbar. I apologize for any inconvenience caused.

Liebe auf den ersten Blick

Schöner Film von Spiegel online über den weiblichen Sextourismus in Kenia. Genderpolitisch völlig inkorrekt.

Lügenpresse oder: Das Elend der Medien

Hinter der Fichte” schreibt etwas über die Jury, die das “Unwort des Jahres” gewählt hat, und die Auswahlkriterien.

Dazu auch Karl Marx: “Was die Arbeitsteilung in der modernen Gesellschaft charakterisiert, ist die Tatsache, dass sie die Spezialitäten, die Fachleute und mit ihnen den Fachidiotismus erzeugt.” (“Das Elend der Philosophie“)

Unter Agenten oder: Strategische Fernaufklärung

Google

Google-FernaufklärungGeschäftsbedingungen (Auszug). Interessant ist, dass Google etwas über meine “Rasse” weiß, es aber nicht weitersagt.

“Zum Verhängnis wurde dem mutmaßlichen Spitzel eine unverschlüsselte E-Mail von einem Google-Mail-Konto.” (SpOn)

Vermutlich arbeiten deutsche Agenten wie dieser hier.

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