It’s the economy. revisited

Bernd Stegemann im „Neuen Deutschland“:
Der blinde Fleck der Identitätspolitik ist ihr fehlendes Klassenbewusstsein. In der Ökonomie geht es nie um Moral, immer um Interessen. Wer aber keine Klassen kennt, muss auf moralische Kategorien zurückgreifen. (…)

Als Trump ankündigte, die Arbeitsvisa für die USA restriktiver zu bewilligen, ging ein Aufschrei von den Internetkonzernen in Kalifornien aus. Die Wahrheit ist doch, dass die Arbeitsvisa vor allem dazu gebraucht werden, um hochqualifizierte, aber billige Programmierer ins Land zu holen, die die US-Amerikaner arbeitslos machen und deren Dumpinglöhne die Gewinne der Aktionäre steigen lassen. Hinter der moralischen Panik vor Rassismus verstecken sich also die Interessen des Kapitals, das einen Lohnkampf führt, indem es den Arbeitsmarkt globalisiert. Linke machen sich dabei selbst zu Kollaborateuren. Durch die einseitige Fokussierung auf die Fragen von Race und Gender ist der Diskurs erblindet für die Ausgrenzungen, die aus den Eigentumsverhältnissen resultieren.

Wohl wahr. Das ist fast wörtlich Eribon. Ich habe da aber noch ein paar Fragen. Warum sagt das ein Dramaturg – und nicht ein Politiker der „Linken“? Warum übersetzt eine Zeitung wie das ND das Geschwurbel – so richtig und wahr es sein mag – nicht ins Deutsche? Will man, dass das arbeitende Volk den Text nicht liest?

Identitätspolitik – was war das noch mal gleich? Focussierung? Geht es vielleicht auch ohne Ungs? Nein? Der Diskurs erblindet? Nein, tut er gar nicht. Und wer grenzt wen wohin aus? Aus den Eigentumsverhältnissen resultieren? Geht’s noch?

„Wenn wir etwas mit Mühe lesen, ist der Autor gescheitert.“ (Jorge Luis Borges)

Kommentare

5 Kommentare zu “It’s the economy. revisited”

  1. ... der Trittbrettschreiber am März 11th, 2017 1:36 pm

    Ein Politiker ist ein Sozialpraktiker, der kein Interesse an Hintergründen und schon garnicht an Aufklärung hat. Ein Dramaturg beschäftigt sich mit Ursache und Wirkung, Zusammenhängen und Reaktionen. Auf einer Bühne wird jede Unglaubwürdigkeit sofort entlarvt, in der Politik jedoch gewünscht und erfolgreich verdrängt. Es geht um Stimmungen, die bedient und genutzt werden. Ein Dramaturg bleibt meist Dramaturg. Ein Politiker fällt, wenn er groß genug geworden ist, ein einen weichen Ledersessel. Dort „performed“ er weiter. Niemand wird ihn ernsthaft „hinterfragen“, schon garnicht der Journalismus, der Helfer des Politizismus.

  2. ... der Trittbrettschreiber am März 11th, 2017 3:49 pm

    „„Wenn wir etwas mit Mühe lesen, ist der Autor gescheitert.“ (Jorge Luis Borges)“

    Er hatte recht. Damals. Es war noch eine Zeit ohne Informationsüberfluss. Heute wird ein unverständlicher Text gerade an der Stelle als verstanden weitergereicht, an der es nötig gewesn wäre, ihn glesen zu haben. Man denke an den Bundestag. Hi Folks – ihr sollt abstimmen, nicht verstehen. Wenn ihr etwas mit Mühe lest, klappt ihr das Blatt vorzeitig zu und widmet euch Wichtigerem: Eurem Vermögen. Ein Autor, der verstanden wird, hat versagt. Heute.

  3. Godwin am März 11th, 2017 5:45 pm

    Hat da jemand schlecht geschlafen?
    Oder sabbert noch der nackten Ische auf dem Gaul hinterher?
    Die Kritik an der Sprache kann man diesmal nun echt nicht teilen.
    Aber danke für den Hinweis. Das ND gehört sonst nicht so zu meiner Lektüre

  4. Godwin am März 11th, 2017 5:59 pm

    „Woher kommt eigentlich das Kapital, das dem Betrieb gehört? Hat er das gedruckt oder ist es nicht vielmehr das Produkt einer Enteignung der Arbeitnehmer, die um den Mehrwert betrogen wurden?“
    Warum wird vom großen Marx-Kenner nicht kritisiert, dass dies KEIN Betrug ist, sondern selbst Marx zufolge der Mehrwert dem Kapitalisten, der die Arbeitskraft kauft,zusteht

  5. Nicht nur ein Fehler ist aufgetreten : Burks' Blog am Oktober 17th, 2017 1:37 pm

    […] Studenten zur Wahl anstatt von Putzfrauen, Leiharbeitern oder Proletariern. Ihr stellt nicht die Systemfrage, sondern wollt den Kapitalismus nur reparieren und macht euch damit zu Kollaborateuren des […]

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