Warum Trump gewinnen sollte oder Rearrange the pieces! [Update]

US elections

Credits: www.270towin.com/

Bevor jemand hier zum Shitstorm anhebt, zwei Punkte: Erstens mag ich Shitstorms. Sie stählen den Character. Gegen den gefühlten Mainstream schwimmen zu können ist eine charakterliche Voraussetzung, käme es darauf an, die Welt zum Positiven zu wenden. Für Shitstorms bin ich auch ausreichend psychologisch gekleidet gerüstet. Zweitens – vor allem an die schlichten triggerwarnenden Gemüter in den sozialen Medien gerichtet, deren Vermögen zu differenzieren so ausgebildet ist wie das Augenlicht des Grottenolms: Man untersuche und definiere die grammatikalische Form des gemeingermanischen sollte und stelle dann auf’s Vergnüglichste fest, dass das Deutsche, beherrschte man es denn, durchaus Fälle kennt, die mehrere Interpretationen zuließen, wollte man sich zweideutig ausdrücken, eingedenk der wohl bekannten Tatsache, dass selbst der Autor dieser unmaßgeblichen Zeilen – selten genug! – den inneren Drang verspürt, etwas Diplomatischen zu äußern, was den Sitten und Gebräuchen dieses Blogs krass widerspricht. Handelt es sich also um den Konjunktiv II Präteritum oder gar um den Konjunktiv II als solchen, und was will uns der Verfasser damit sagen? And period, wie der Anglosachse es auszurücken pflegt.

Thomas Rasser hat es auf us-wahl2016.blogspot.de besser erklärt als in fast allen deutschen Medien: Auf die allgemeinen Umfragen kommt es nicht an.

– Gewinnt Clinton nur noch Florida und Maine CD2, käme es zu einem Patt im Electoral College.
– Gewinnt Clinton Florida und einen weiteren Bundesstaat (Ausnahme Maine CD2) hat sie gewonnen.
– Gewinnt Clinton in Pennsylvania und Colorado, benötigt sie nur noch einen weiteren Bundesstaat (Ausnahme Maine CD2) zum Sieg.
– Gewinnt Trump Florida, Pennsylvania, Iowa und Nevada hat er 270 Stimmen.
– Gewinnt Trump Florida nicht, muss er alles andere gewinnen.
– Gewinnt Trump Florida, Pennsylvania und North Carolina wird er Präsident.

Meine Prognose, insbesondere die Zukunft betreffend: Gewinnt Trump in Florida, wird er Präsident. Der Rest ist Feuilleton. Da es dort vermutlich extrem eng werden wird, wird das Endergebnis auf sich warten lassen.

Nun zu uns, Clinton-Groupies! Welche Funktion hat eigentlich der Staat – also zum Beispiel auch das Staatsoberhaupt [bitte Titel selbst einsetzen]- im Kapitalismus? Ist der Präsident ein Grüßaugust der herrschenden Klasse(n)? Funktioniert eine Präsidentin nur als Charaktermaske? Oder ist alles wurscht?

Der Theoretiker des Scheiterns der Revolution im Westen war Antonio Gramsci. Dessen Hegemonietheorie untersuchte die Art und Weise, wie der Staat durch die Einbindung von Teilen der Beherrschten auch unter Bedingungen des allgemeinen Wahlrechts die Herrschaft der kapitalistischen Klasse – immerhin einer kleinen Minderheit – absichere.

Au weia. Too long to read. Also lauschen wir dem linken Philosophen Slavoj Zizek: Er würde für Trump stimmen.
That’s my desperate, very desperate hope, that if Trump wins… Listen, America is still not a dictatorial state, he will not introduce fascism. But it will be a kind of big awakening. New political processes will be set in motion, will be triggered. But I am well aware that things are very dangerous here, not only all this white supremacy groups… But listen, Trump openly said – and as an opportunist he will probably do it – you know how important in United States the Supreme Court is, he’s already said he will nominate right-wingers. So there are dangers. I’m just afraid that Hillary stands for this absolute inertia, the most dangerous one! Because she is a cold warrior, and so on, connected with banks, pretending to be socially progressive.

Full ack, dude.

Left voice interpretiert Zizeks Interview so: „It`s motivated by a catastrophist, accelerationist attitude. Trump is a loaded, unknown package for the ruling class which is precisely what has made Markets and most sections of the US ruling elite fear him. Tossing him into the White House and letting him explode will hopefully rearrange the pieces in a terrain more favorable for the left.“

[Update] The Guardian: „election 2016 live results“

Kommentare

8 Kommentare zu “Warum Trump gewinnen sollte oder Rearrange the pieces! [Update]”

  1. Wolf-Dieter Busch am November 8th, 2016 4:00 pm

    Zunächst gibt es durchaus Argumente gegen Clinton (und damit für Trump als kleineres Übel). Ich halte Clinton konkret für kriegsgeil.

    Zur Žižek zugeschriebenen Theorie, dass, wenn es dem Volk so richtig saudreckig geht, es sich dann zum Besseren wendet: grausamer Quatsch.

    Übrigens war das die theoretische Grundannahme bei den selbstverliebten Bürgersöhnchen von der RAF.

    Warum Quatsch? Weil ungesteuerte Gewalt niemals in eine Revolution führt, sondern allenfalls in eine Revolte. Und die stellst du dir besser nicht so romantisch vor; Bukowski notierte dazu: dann lassen sie dich zugucken, wie sie deine Freundin vergewaltigen.

  2. Peinhart am November 8th, 2016 4:49 pm

    Skeptischer, aber ‚im Ergebnis‘ ähnlich:

    Vervollständigen Sie bitte den Satz „Wenn Hillary Clinton die Wahl gewinnt …“

    … dann, so fürchten viele, kann es zu einer Eskalation des Konfliktes mit Russland kommen, ebenso zu harter, neokonservativer Politik, die in Steuererleichterungen für die Wall Street, dem Abbau sozialer Sicherheit und dem Verlust von Bürgerrechten besteht. Clintons Regierung wäre eine Regierung der Geheimhaltung. Und ihr steht der Sinn nach Rache an all jenen, die sie nicht unterstützen oder ihr nicht trauen.

    Wenn Donald Trump gewinnt …

    Keiner weiß, was er tun würde. Aber seine Unfähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten, wird ihn isolieren, er wird nichts durchsetzen können. Darum ist Trump die beste Wahl. Die Welt braucht einen ineffektiven US-Präsidenten, weil der in Anbetracht des aktuellen Gangs der Geschichte seinem Land wie dem Rest noch den geringsten Schaden zufügen wird.

    Quelle

  3. Martin Däniken am November 8th, 2016 6:37 pm

    Mist ich dachte der gute Zizek wäre Feminist..wenn man sich die Verteilung der Stimmen von pro-Trumpler bzglder weiblichen Wählerschaft sieht für Trump duster aus!
    Ich hoff ja noch auf Reichflugscheiben oder die Alien-Apokalypse!

  4. andreas am November 8th, 2016 7:10 pm

    „Tossing him into the White House and letting him explode will hopefully rearrange the pieces in a terrain more favorable for the left.“
    Das wäre mir sympathischer hätte er „implode“ gesagt. Er also nichts gegen all die Mächte im Staatsapparat an Stichen macht und deshalb implodiert. Ist eh wurscht, wir könnens nicht ändern. Ich habe keinen Favoriten. Wenn ich die Clinton höre, die „…we build bridges, not walls…“ mit ihrem Chucky Lächeln faselt…alles sehr widerlich.

  5. Wolf-Dieter Busch am November 8th, 2016 9:38 pm

    @Peinhart

    Die Welt braucht einen ineffektiven US-Präsidenten

    Der letzte radikal-unfähige Präsident hieß G. W. Bush.

  6. Publicviewer am November 9th, 2016 8:09 am

    Trump wird Präsident, das wird den den Niedergang doch wenigstens etwas beschleunigen.
    Vielleicht bekommt unsere Gesellschaft jetzt die Führung die sie verdient… ;-)

  7. LordPiccolo am November 9th, 2016 9:31 am

    Ich habe gerade viel Schadenfreude über die Feministen, die die Anhänger von Bernie Sanders als Frauenfeinde abgestempelt haben.
    Ich habe gerade viel Schadenfreude über Hillary Clinton, die die Anhänger von Bernie Sanders als uninformiert betrachteten.
    Ich habe gerade viel Schadenfreude über die US-Medien, die Hillary Clinton UND Donald Trump mehr Berichterstattung lieferten als Bernie Sanders und jetzt total überrascht über die Geister sind, die sie riefen.
    Ich habe gerade viel Schadenfreude über die US-Demokraten, die am Rande der Illegalität Bernie Sanders verhindert haben.

    Ich hoffe doch sehr, dass dies das Ende von New Labour-New Democrats-Neue Mitte-Müll ist! Wenn die US-Demokraten den Rust Belt, also ihre ureigene Wählerbasis verlieren, dann sind sie selbst dran schuld!

  8. The Decline of Anti-Trumpism, revisited : Burks' Blog am Mai 13th, 2019 12:38 pm

    […] Ich hatte Trumps Wahl vorhergesagt. Ich sage jetzt voraus, dass Trump die nächste Wahl gewinnen und wiedergewählt werden wird. Bin ich der einzige Journalist in Deutschland, der noch alle Tassen im Schrank hat der das so sieht? […]

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