Excess of democracy

Die Zukunft des Kapitalismus in Europa erklärt uns das Finanzkapital in Gestalt von JP Morgan („a leading financial services firm with global scale and reach. We offer our clients the most complete and innovative solutions“):

JP Morgan to eurozone periphery: „Get rid of your pinko, anti-fascist constitutions“ (…) Last week, the European economic research team with JP Morgan, the global financial giant, put out a 16-page paper on the state of play of euro area adjustment. (euobserver.com via Fefe)

Da sind dann die gewohnten Forderungen zu lesen, die man von Lautsprechern und Lobbyisten des Kapitals seit 150 Jahren kennt: „reducing labour costs, making it easier to fire workers, privatisation, deregulation, liberalising ‘protected’ industries, etc.); and national political reform.“ Bla bla bla.

Ich finde es aber äußerst spannend, dass einige Fraktionen der Kapitals schon offen dafür plädieren, auch die so genannte freiheitlich-demokratische Grundordnung Demokratie abzuschaffen. Einige Grundrechte sind mit den jüngsten Enthüllungen über die totale Überwachung ohnehin schon außer Kraft gesetzt, und das wird von unseren Herrschenden billigend in Kauf genommen. Es hört sich an, als lebten wir schon in einer Art Weimarer Republik 2.0:

…excess of democracy in some European countries that needs to be trimmed.

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Und die Hugenbergs und Papen von heute werden wieder nicht zögern, die zu unterstützen, die gegen den Bolschewismus die „anti-fascist constitutions“ sind.

Kommentare

5 Kommentare zu “Excess of democracy”

  1. blu_frisbee am Juli 28th, 2013 11:08 am

    „die Hugenbergs und Papen von heute“ verkennt die Situation. Anders als der Faschismus der 20/30er Jahre wird dieses Mal weder Verschmelzung von Staat und Wirtschaft noch von Staatsseite her betrieben, das Ziel ist nicht Lebensraum im Osten etc. Wer wäre denn der deutschnationale Hugenberg von heute? Lucke von der AfD? Traditionslinke kämpfen Schlachten aus dem vergangenen Krieg.

  2. Temnitzbiber am Juli 28th, 2013 1:52 pm

    Faschismus muss doch nicht so plump daherkommen wie 33. Wenn der Staat als Hauptfunktion das Einsammeln von Geld zur „Rettung notleidender Banken“ hat, ist die Demokratie in Gefahr, weil Geld überall fehlt und das soziale Netz reisst mit der Folge massiver Unzufriedenheit, der dann durch staatliche Gewalt begegnet wird. Demokratische Rechte bleiben dabei notwendig auf der Strecke (siehe eingeschränktes Streikrecht in Griechenland usw.). Ausserdem geht es nicht mehr um „Lebensraum im Osten“, sondern „weltweite ökonomische Interessen“, die z.B. der hiesige FDP-Bundestagskandidat mit der Bundeswehr schützen möchte. „Da soll man ehrlich sein, wie Präsident Köhler es war.“ Ausserdem „wurde der Flughafen Schanghai innerhalb von zwei Jahren auf das Doppelte vergrössert – warum geht das in Berlin nicht?“ Und AfD_Vize Adam forderte schon vor Jahren in der „Welt“ die Abschaffung des Wahlrechts für alle, die „netto vom Staat profitieren“, womit er nicht nur Rentner, HartzIVler, Behinderte und Studenten, sondern auch Beamte (Lehrer, Polizisten…) meinte. Das sind bislang Einzelstimmen – aber wenn solche Gedanken schon in der Welt sind, ist die Frage ihrer Verbreitung in maßgeblichgeren Kreisen nicht einfach von der Hand zu weisen. Und KdF heisst heute RTL II. Nimm den Leuten das weg – und die Revolution kommt.

  3. blu_frisbee am Juli 28th, 2013 6:10 pm

    Der Unterschied ist, daß damals der Staat das nationale Kapital stark machen wollte, diemal das internationale Kapital die Einzelstaaten klein machen will.
    Demokratie ist erst dann wenn die Wirtschaft demokratisch entschieden wird. Insofern kann die Demokratie nicht „in Gefahr“ sein weil sie garnicht existiert. Auf dem Markt zählt nicht „one man one vote“ sondern „one Euro one vote“.

  4. Michael am Juli 28th, 2013 8:57 pm

    Die werden jetzt doch ob solcher eindeutig verfassungsfeindlichen Forderungen bestimmt vom Verfassungsschutz überwacht!

    BRUHAHAHAHAHAHA *schenkelklopf*

  5. admin am Juli 29th, 2013 7:36 am

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