Obrawalde et al

Helmuth Schröder, der jüngste Bruder meines Großvaters, litt an Epilepsie und wurde von den Nazis im Rahmen des Euthanasieprogramms ermordet – vermutlich im Jahr 1942 oder 1943. Leider gibt es keinerlei schriftliche Unterlagen in meiner Familie. Ich vermutete, dass das in Obrawalde geschehen ist, da meine Urgroßeltern in der Nähe von Bromberg (im ehemaligen Westpreußen) wohnten.

Jetzt erhielt ich eine interessante Antwort vom Landesarchiv Berlin bzw. der zuständigen Sachbearbeiterin:

Ich konnte die Recherchen abschließen. Leider konnte ich keinen Eintrag zu Helmuth Schröder ermitteln.
Die Original-Sterbebücher des Standesamtes Meseritz-Obrawalde befinden sich im polnischen Standesamt in Meseritz. Aber auch dort sind sie nur unvollständig vorhanden. Sie erreichen das Standesamt unter folgender Adresse: Urząd Stanu Cywilnego, Rynek 1, 66-300 Międzyrzecz.
Möglicherweise kann man Ihnen aber im polnischen Staatsarchiv, dem Archiwum Państwowe w Gorzowie Wielkopolskim (dem Staatsarchiv Landsberg) weiterhelfen. Dort sollen einige Krankenakten der Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde verwahrt sein. Der Kontakt ist: www.gorzow.ap.gov.pl.

Die „Quellen aus Polen zur Euthanasie“ finden sich auf der Internetseite des Bundesarchivs, leider nur aus dem Jahr 2003. Dort werden für den Regierungsbezirk Posen im Reichsgau Wartheland folgende Anstalten genannt:

(…) Psychiatrische Anstalt Kosten / Kreisstadt Kosten
Urząd Stanu Cywilnego Kościan

Landesheilanstalt Tiegenhof (Dziekanka) bei Gnesen
Urząd Stanu Cywilnego Gniezno

Psychiatrische Anstalt in Owinska/Treskau Kreis Posen-Land
Nicht vorhanden

Jost-Strecker-Anstalten in Pleschen Krs. Jarotschin
Urząd Stanu Cywilnego Pleszew

Die genannten Quellen unten sind nicht unbedingt relevant, da der Heimatort meines Großonkels nicht im Reichsgau Wartheland lag, sondern im Reichsgau Danzig-Westpreußen.

Kann hier jemand Polnisch und im Archiwum Państwowe w Gorzowie Wielkopolskim nach Helmuth Schröder suchen oder den Aktenbeständen, die hier in Frage kämen?

Kommentare

4 Kommentare zu “Obrawalde et al”

  1. Die Anmerkung am Oktober 5th, 2017 1:49 pm
  2. admin am Oktober 5th, 2017 1:56 pm

    Da wird keine Volltextsuche nach Namen möglich sein. Aber vielleicht haben die die Akten aus Obrawalde?

  3. Die Anmerkung am Oktober 5th, 2017 6:11 pm

    Versuch mal, die Gauck-Behörde, DRK und Kirchen einzuschalten. Mein Mutter (bei Warschau geboren) hat das gemacht, um den kurz nach Kriegsende geschehenen Mord an ihrer Mutter und Großmuter aufklären zu lassen. Dazu wurden die Behörden dann von selber aktiv und haben alle relevanten Stellen in Polen, Rußland und der BRD kontaktiert.

    Als da waren das Militärarchiv in Dresden, Potsdam und Moskau, Stasiunterlagen zu Mordfällen, die Kirchenregister in den betreffenden Kreisen der BRD und Polens.

    Euthanasie war ein Kriegsverbrechen, da dürfte das MfS die Ermittlungshoheit drüber gehabt haben. Ergo ist der kleine Gauck-Geheimdienst eine solche Anfrage wert.

    Alleine stemmt man das alles eh nicht.

    Da muß man in meiner Erinnerung nur einmal aktiv werden, wenn die Maschine erst mal angelaufen ist, dann läuft die Recherche vollautomatisch bis zum Ende durch.

    Einziges Manko. Man braucht viel Zeit, weil das alles sehr gemächlich vonstatten geht.

  4. T am Oktober 7th, 2017 10:20 am

    wie schon oben geschrieben: unter dem Personen-Namen findet man nichts im Archiv in Gorzow.

    Eine Suche nach dem Ortsnamen Obrawalde bringt 14 Seiten Treffer, darunter auch Einzelschicksale. Aber keinen passenden Schröder.

    Gorzow ist mit der Bahn gut und günstig erreichbar, manchmal hilft es, persönlich nach Anmeldung in die Archive zu gehen. Allerdings scheint mir das schon ganz gut digital verschlagwortet zu sein, Deine Chancen für einen Treffer sind hier also gering.

    Viel Erfolg und blog‘ weiter so!

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