Mein „Mein Kampf“

mein kampf

Man könnte es kurz machen. Wer eines Kommentars bedarf, um braune Scheiße zu erkennen, dem ist nicht zu helfen. Dennoch werde ich mir die kritische Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ zulegen. Es ist doch sinnvoll, wenn man den heutigen braunen Kameraden von Pegida bis zur Volkswirtschaftler-Sekte „AfD“ nachweisen kann, dass ihre Ideen nicht neu sind.

Hitlers Ideen auch nicht. Sie repräsentieren nur den Mainstream zu der Zeit, als „Mein Kampf“ verfasst wurde. Hitler war kein Genie, auch kein böses oder verrücktes: Wenn er das Machwerk nicht geschrieben hätte, hätte es ein anderer ähnlich getan.

Die Umstände bringen Ideen hervor (das Sein bestimmt das Bewusstsein, und große Männer machen nicht die Geschichte), und die Ideen werden erst dann von Menschen verbreitet.

mein kampf

Ich hatte eine Ausgabe von „Mein Kampf“ schon in den sechziger Jahren – als Schüler – gekauft (17. Auflage 1943). Sie steht passenderweise neben Henry Fords „Der ewige Jude“ (auf spanisch, habe ich in Mexiko für ein paar Cent erworben).

Kommentare

11 Kommentare zu “Mein „Mein Kampf“”

  1. megatherium am Januar 11th, 2016 12:36 am

    Ich finds schade, daß durch das Urheberrecht ein Projekt wie diese kritische Edition bisher nicht möglich war und gleichzeitig medial so ein G’schiß drum gemacht wird, daß das Buch in Deutschland nun wieder neu gedruckt und vertrieben werden kann. Und gleichzeitig ist bereits in der englischsprachigen Wikipedia eine deutsche Version aus den 40ern verlinkt. Diese Mystifizierung begründet erst doch den Reiz für viele.

    Weiterhin bleibt die interessante und politisch wichtige Frage, warum millionen Deutsche ihm willig gefolgt sind und nicht was er so von sich gab. Das ist vergleichsweise trivial.

  2. ... der Trittbrettschreiber am Januar 11th, 2016 4:50 am

    „Es ist doch sinnvoll, wenn man den heutigen braunen Kameraden von Pegida bis zur Volkswirtschaftler-Sekte „AfD“ nachweisen kann, dass ihre Ideen nicht neu sind.“

    Ich weiß jetzt irgendwie nicht, ob es hier darum geht, einem Primaner darzulegen, dass er doch nicht so originelle Einfälle hat und ihm auf diese Weise die Aufmerksamkeit der weiblichen Klassenbesten abspinstig zu machen. Bei mir bekommen beide eine 5, denn draußen auf dem Schulhof, gleich neben dem Toiletteingang gibt es nicht deswegen eins auf die Fresse, weil eine Idee oder ein Gedanke alt oder neu ist sondern weil derselbe nicht vorhanden ist. Der Rattenfänger von Hameln war auch kein so sehr intelligenter Mann. Er war ein Rattenfänger, ein Meister seiner Flöte und er spielte so schön, dass die Kinder ihm glückselig in Trance aus der Stadt folgten. „Ha – würde man ihm heute sagen, „diese Töne kennen wir, Du spielst ja auch nur Maier, Mueller oder Schmid (Künstlernamen werden nie so geschrieben, wie andere!), Du bist ja gar kein richtiger Rattenfänger.“ „Aach so,“ würde er antworten, „na dann höre ich mal auf – Kinder, alle mal wieder nach Hause gehen, ich bin aufgeflogen, die Melodie ist langweilig. Also husch husch, ich muss erstmal was Neues üben.“

    Ja, die Rattenfänger…. und ihre Kritiker.

  3. Wolf-Dieter am Januar 11th, 2016 7:15 am

    Das Buch als solches ist Symbolträger für die braune Pest damals. Ernstlich gelesen wurde es wohl kaum.

    Ich kaufe es nicht. Das Buch ist scheißegal.

  4. Ahmed am Januar 11th, 2016 9:05 am

    Ich habe da kein so gutes Gefühl. Die neurechten Klugscheißer haben dann halt den Lukács oder den Stalin im Regal samt einschlägiger Theorien. Mein alter Freund Helmut Qualtinger hat das gut gemacht: Ein wenig verarschen, vorsingen und gut. Die Deutschen wieder mit ihrer Theorieschlacht… Hitler war doch kein Deutscher

  5. ... der Trittbrettschreiber am Januar 11th, 2016 9:46 am

    @Wolf-Dieter „Das Buch ist scheißegal.“

    :-) … ymmd, danke!

  6. Heiko am Januar 11th, 2016 11:50 am

    Verbote sind eine interessante Angelegenheit, wer nicht durch die 68er Gehirnwäscheschule gegangen ist, oder resistent war, fragt sich, warum muss etwas verboten werden.

    Wir reden nicht vom Sodomieverbot (inzwischen wieder eingeführt in DK) oder vom Wegfall des Kinderf*ckparagraphen, den eine gewisse Partei sich so sehr gewünscht hat.

    In Cuba sind unter anderem gewisse Bücher über Wirtschaft verboten.

    Könnte der Inhalt für die 1% eventuell gefährlich sein?

    Die Pseudointelligenzia kann man nur als mediale Truppen des Staates (den sie ja so vehement ablehnen!) betrachten.

  7. Anschi am Januar 11th, 2016 7:38 pm

    Ich warte noch, bis es bei der Bundeszentrale für politische Bildung kostenlos zu haben ist.

  8. Temnitzbiber am Januar 11th, 2016 8:20 pm

    Ein Bekannter von mir hat es geschafft, das Ding in Polen(!) auf dem Markt zu kaufen und, im Trabi gut versteckt, in die DDR zu schmuggeln. Das hat er aber erst 1990 sich getraut zu offenbaren. Der Mann wurde 1990 Mitglied der SDP und wählt heute aber wohl „links.“ „Man muss seine Feinde kennen“, mit diesem Spruch wehrte er sich gegen den Stabülehrer, als der ihn wegen Westfernsehens anmachte. Und im Übrigen: Wer bekam in der DDR bei irgendwelchen Anlässen als Auszeichnung nicht alles Honeckers Biographie geschenkt? Und wer hat die dann gelesen? Ich kenne Niemanden ausser Egon Krenz. Ob das 33/45 auch so war?

  9. Vox Populist am Januar 11th, 2016 10:23 pm

    Als ich mir mein erstes Modem zusammengespart hatte, war dies wohl eines der ersten Ebooks, das ich mir runtergeladen habe.

    Weiter als 30 oder 40 Seiten habe ich es nicht geschafft, so redundant und abgedroschen das Geschwurbel.

    Das Lesen dieses rhetorisch minderwertigen Machwerks ist eine Impfaktion gegen die geistige Einfalt des Nazismus, schon alleine deshalb hätte der deutsche Staat seine Verbreitung nicht siebzig Jahre torpedieren sollen. Mein Mitgefühl gilt der Schülergeneration zwischen 1933 und -45, die diesen Schund durcharbeiten mussten, als wäre es das Wort Gottes gewesen.

    Kein einziger Mensch wird vom Lesen dieses Buches mit dem Nazi-Virus infiziert werden, da gibt es ganz andere Infektionsquellen, um die sich der deutsche Staat sinnvoller kümmern könnte.

  10. blu_frisbee am Januar 12th, 2016 12:17 am

    Die Bürgerlichen sind unfähig den Faschismus zu kritisieren, die können nicht einmal den Faschismus im Parteiprogramm der NPD erkennen, obwohl er da drinsteht. Weil er der bürgerlichen ideologie so verdammt ähnlich ist.
    http://www.argudiss.de/node/183
    https://www.youtube.com/watch?v=FWkLVqTLiZ4

  11. Grantlfant am Januar 14th, 2017 12:00 pm

    Vielleicht für alle, die die kritische Ausgabe schon durch haben… es gibt jetzt auch eine sortierte Ausgabe: http://www.grantlfant.de/buchveroeffentlichung-mein-kampf/

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