Zeitgeist der Infragestellung

Außenminister Guido Westerwelle fordert, Deutschland müsse sich dem „Zeitgeist der Infragestellung geistigen Eigentums entgegenstellen“.

Da muss jetzt Lenin bemüht werden. Wer fragt was? (Zitat ähnlich) „In Frage stellen“ scheint ein sprachlicher Bastard des Fragens zu sein und klingt so ähnlich wie „hinterfragen“, ein Wort, das ebenalls aus dem Arsch der deutschen Sprache ausgeschieden wurde.

Nur Juristen faseln so dumm daher und vergewaltigen damit die deutsche Sprache. Der Zeitgeist der Durchführung der Zurverfügungstellung oder so.

Aus dem Verbum „fragen“ wird zunächst Furzdeutsch – ein Wort bläht sich auf, weil der Sprecher meint, sich allein durch die Länge des Gesagten eitel spreizen zu müssen. Burks fragt, ob Westerwelle bekloppt sei. Burks stellt dessen Intelligenz in Frage. Nun gut, damit kann man leben – es hört sich höflicher an.

Wie wäre es mit „er frug“! Ja, das ist korrektes Deutsch und widerstrebt der traurigen Tendenz, klangvolle Verben schwächer klingen zu lassen. Warum sollte man das kraftvolle „buk“ in „backte“ verwandeln?

Burks frug also, ob Westerwelle bekloppt sei. (War das jetzt eine Katachrese, ein bloßer Archaismus oder verspüren wir hier den Hauch eines Oxymorons?)

Noch immer haben wir nicht erforscht, warum jemand das einfache Fragen in das häßliche Nomen „Infragestellung“ verwandeln müsste. Kann man „spucken“ und „kacken“ so behandeln? Der Zeitgeist der Bekackung?

Nein, es gilt die Regel: Je weniger man zu sagen hat und um so weniger man Stil und Grammtik beherrscht, um so mehr greift der Zeitgeist der Verballhornung der deutschen Sprache um sich.

Kommentare

11 Kommentare zu “Zeitgeist der Infragestellung”

  1. Ano Nym am April 17th, 2012 2:44 pm

    Infragestellung ist hier nicht eine Substantivierung von „fragen“.

    Infragestellung steht hier synonym für „(drohende) Abschaffung“. Der Außenminister erklärt, er werde dafür eintreten, den Staat gegen die Teile des Volkes in Stellung zu bringen, die eine Schwächung bzw. Abschaffung der Rechtsposition von Immaterialgüterrechte-Inhabern betreiben.

    Das muss man natürlich auch richtig verstehen können – nämlich als Drohung.

  2. admin am April 17th, 2012 3:45 pm

    Abschaffung betreiben? Wie ware es mit „abschaffen (wollen)“? SCNR

  3. Michael am April 17th, 2012 7:26 pm

    Remix: Kaiser Wilhelm II fordert, Deutschland müsse sich dem „Zeitgeist der Infragestellung von Königen, Kaisern und des Adels entgegenstellen“

    Womit nicht nur der sprachliche sondern auch der inhaltliche Teil abgehandelt ist.

  4. ...der Trittbrettschreiber am April 17th, 2012 8:11 pm

    Auch ich möchte hier eine Kommentierung zur Durchführung gelangen lassen, dergestalt, dass diese Art der Sprachbenutzung einen ähnlichen Schutzzweck zur Verfolgung anheim stellt, wie ein in Nutzung gebrachter Latexhandschuh während der Inaugenscheinnahme von medizinisch zur Beurteilung zu bringender Köperareale eines sich von der Gesundung entfernenden Patienten.

    Der Arzt will sich nicht anstecken. Der Politiker möchte sich nicht mit dem identifizieren, was er da gerade tut – besser redet. Dieser Gebrauch von Sprache schafft Distanz des Redenden vom Geredeten. Es schafft die Illusion von „Professionalität“ dh. Themen des Lebens werden werkstückartig ge- und verformt und es gelingt dabei ganz leicht zu verdrängen, dass dieser Prozess den anscheinend so Distanzierten selbst verändert. So wie ein Fäkalientaucher trotz High-Tech-Schutzanzug nach getaner Arbeit doch stinkt. Aber was oder wer ist schon dicht heutzutage. Sprache?

  5. ninjaturkey am April 18th, 2012 8:00 am

    In Frage stellen? Wie wäre es mit einem gerüttelt Maß aus dem schönen deutschen Fundus: Hinterfragen, be- oder anzweifeln, kritisieren, auf die Waagschale legen, diskutieren…

    Was mir zudem seit einiger Zeit auffällt, ist die omnipräsente, zwanghafte Vermeidung von Ausschlüssen wie „niemand“ und „keiner“. Statt dessen findet sich nur noch die seltsame Konstruktion von „alle nicht“.

  6. admin am April 18th, 2012 11:54 am

    Hinterfragen? Das stinkt.

  7. totschka am April 18th, 2012 5:50 pm

    „Ein Stück weit“ fehlt hier irgendwie. Ich möchte gern „ein Stück weit“ hinterfragen… ;-)

  8. stefle am April 20th, 2012 2:03 am

    Ich bin jedesmal von deinen Sprachglossen genervt. Du glaubst offenbar, dass es sowas wie feste Stil-Regeln gibt. Und dass die meisten außer dir ein unterentwickeltes Gefühl für Sprache haben. (O Schreck, ich habe diesen Satz mit „und“ begonnen, gleich mal melden, durchführen …) Erstaunlich, wie es die Leute überhaupt schaffen, sich zu verständigen.

    Zitat Burks: „Ung, ung, ung, ung, tönet das Echo im Sprachwalde in der Hoffnung auf Erlösung vom Nominalstil. Diese gespreizte Bläh- und Furzdeutsch wollen wir jetzt übersetzen, liebe Kinder.“

    Ich hätte gern mal eine vollständige Auflistungungung aller deiner Reinheitsgebote.

  9. admin am April 20th, 2012 1:42 pm

    guckst du bei Wolf Schneider: Deutsch für Profis

  10. stefle am April 21st, 2012 2:05 am
  11. Peter Baumann am April 22nd, 2012 10:27 am

    Was Ihr alle hier nicht merkt:

    Ein großer Teil der Zerstörung unserer extrem mächtigen deutschen Sprache kommt aus dem Marxismus und – nicht nur, aber primär – aus dem Erbe des SowjetDeutschlands.

    Dort waren solche Floskeln Selbstschutz vor der (Selbst-)Zensur („ich möchte mal sagen“), die es – primär dank der Marxisten – in der von der DDR übernommenen BRDDR jetzt genauso gibt.

    Wer „Tschechei“ oder „Zigeuner“ (die sich selbst so nennen) oder „Mohammedaner“ etc sagt, verstößt massiv gegen die verordenete Selbstzensur, weil er die Wahrheit ausspricht.

    Maxistisches Ziel (Marx war Satanist) ist es, die Wahrheit zu unterdrücken und vor allem, daß Wahrheiten nicht mehr ausgesprochen werden.

    Denn Jesus von Nazareth sagte: „Nur die Wahrheit wird Euch befreien“.

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