Linke gegen Verstaatlichung des Finanzkapitals

Manchmnal versteht man die Welt nicht mehr. Blogs sind dazu da, dass die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser dem Betreiber des Blogs dann die Welt erklären. Spiegel Online meldet, der Sozialismus sei teilweise eingeführt worden: Der Bundestag billigt eine mögliche Zwangsverstaatlichung der von der Pleite bedrohten Hypo Real Estate (HRE). (Spiegel „online“ ist natürich wieder zu blöd, das Original zu verlinken.) Jetzt darf die Regierung notfalls die Aktionäre enteignen, wenn freiwillige Lösungen scheitern. Das Parlament hat das entsprechende Gesetz mit der Stimmenmehrheit der Großen Koalition beschlossen“. An sich eine sympathische Sache. Es ändert zwar nichts am Kapitalismus, ob eine Bank nun privat ist oder nicht, aber man fühlt sich besser. Artikel 14, Abs. 3 des Grundgesetzes erlaubt Enteignung, aber „nur zum Wohle der Allgemeinheit“. Ob eine Verstaatlichung eben demselben dient, kann getrost bezweifelt werden.

Jetzt aber das Merkwürdige: „FDP und Linke stimmten mit Nein, die Grünen enthielten sich.“ Dass die Grünnen sich enthielten, wundert nicht, denn sie sind trotz ihrer linken Wurzeln eine Partei der Gut- und Besserverdienenden, die nichts so sehr fürchten, als dass jemand ihren Besitzstand antastet oder ihr klein Ökohäuschen oder ihr 13 Monatsgehalt als EsoterikfachberaterIn. Frau hat also lieber gar keine Meinung als Karl Marx noch einmal zu studieren. Dei FDP ist natürlich auch gegen Verstaatlichung, weil ihre Mtitglieder – mehrheitlich der Kleinbourgeoisie zugehörig oder dem Beamtentum – gefühlt Mitglieder der herrschenden Klasse sind (wer das ist, weiß man aber in der FDP nicht). Die Mitglieder von Cicero (Zentralorgan der vermeintlich oberen Stände) oder die Leser der F.D.P. (Verzeihung, natürlich umgekehrt. Vgl. Vereinsregister: Berlin (Charlottenburg) VR 13996 – Freie Demokratische Partei (FDP)) unterscheiden sich von den Mitgliedern der herrschenden Klasse dadurch, dass sie nichts zu sagen haben und an die Regeln glauben, anstatt diese zynisch zu brechen und sich einfach schamlos zu bereichern, wie es dem Kapital geziemt.

Und die Linke? Sie ist gegen die Verstaatlichung des Finanzkapitals. Potztausend. Soll ich das jetzt verstehen? Lothar Bisky: „Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt den Menschen das hässliche Gesicht der gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung: von maßlos übersteigertem Renditestreben und mangelnder gesellschaftlicher Solidarität geprägt, ohne demokratische Kontrolle und ohne wirkliche demokratische Mitentscheidung der Menschen über die wirtschaftlichen Abläufe.“ Was für ein Gefasel! Wenn Karl Marx nicht schon tot wäre, würde er sicher einen Schlaganfall erleiden. Der Kapitalismus ist natürlich genauso hübsch oder hässlich wie die unfreiheitlich-undemokratische Gundordnung von Sparta oder die des alten Rom. Renditestreben – was soll das sein? Ein Gefühlszustand als Basis eines Wirtschaftsssystem? Das Kapital – ein Fall für den Psychiater? „Demokratische Mitentscheidung der Menschen über die wirtschaftlichen Abläufe“ – wir sollen also voher darüber abstimmen, wieviel eine Currywurst oder ein Möbelregel kosten oder eien Flasche Rotkäppchen?

Nun, erklärt es mir, was die Linke will. Ich habe keine Ahnung.

Kommentare

2 Kommentare zu “Linke gegen Verstaatlichung des Finanzkapitals”

  1. S. Meyer am März 21st, 2009 7:34 pm

    Eigentlich fühlt es sich an wie die erste Reitstunde. Etwas Hüh, etwas Hott und am Ende wird man merken, dass es gar kein Pferd gewesen ist, welches versucht wurde neu zu satteln.

    Wäre ja auch zu schön, wenn die Politik jetzt Lösungen bieten könnte, für Probleme die durch Sie mit verursacht wurden, von denen Sie jahrelang profitiert haben und von der Sie bis zum heutigen Tage nicht verstanden, dass es primär eine Bankenkrise ist und keine Wirtschaftskrise. Die Wirtschaft wird nur beeinflusst, weil die, die eigentlich Geld verwalten und bereitstellen sollten, dieses nicht mehr können. Warum, sollte allen klar sein.

    Zwei einfache Antworten auf Deine Fragen :

    1. Die Linke will genau das, was andere Parteien auch wollen – Wählerstimmen. Daher entweder dafür, oder dagegen, je nachdem. Heute mal dagegen.

    2. Eine Currywurst sollte nicht mehr als 1,80 € kosten und Deutschlandweit mindestens 30% mehr Soße dabei haben.

  2. blu_frisbee am März 21st, 2009 9:31 pm

    “Demokratische Mitentscheidung der Menschen über die wirtschaftlichen Abläufe” – wir sollen also voher darüber abstimmen, wieviel eine Currywurst oder ein Möbelregel kosten oder eien Flasche Rotkäppchen?

    Äh, ja.
    Die Formulierung mutet an, als ob die „Genossen“ die Schriften Marx‘ geistig nicht durchdrungen hätten. Wenns um überhaupt was gehen kann, dann nicht um mit- sondern nur um Bestimmen.
    Was soll das denn heißen: „Mitentscheidung“?!? Wer soll denn alles noch mit entscheiden? Aliens? Hört sich ja wieder an wie der DDR-Witz mit den 3 Fingern: Mitdenken, Mitreden, Mitbestimmen. Das ist doch Denken mit Kondom. DieLinke setzt halt da auf, wo die SPD nach dem Godesberger Programm einmal gewesen war. Mehr kann man von ihr auch nicht erhoffen.

Schreibe einen Kommentar