Wertpapiere, oder: Banken im Kapitalismus, revisited

richardplatz

In meinem letzten Artikel „Unter Schnellballsystemikern und Couponschneidern“ vertrat ich die These, das Prinzip der Staatsanleihen sei ein Schnellballsystem. Das muss ich insoweit relativieren, als ich nur meinte, es funktioniere strukturell als ein solches. Das bedeutet nicht, das ein Zusammenbruch automatisch erfolgen müsste. Die Diskussionen der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser verfolge ich natürlich aufmerksam und wäge die Argumente in meinem Herzen hin und her.

Das Handelsblatt („Pflichtblatt der Wertpapierbörsen“ liest sich immer wieder nett*) ist heute voll von Artikeln, die sich hervorragend eignen zu erklären, wie der kapitalistische Finanzmarkt funktioniert und wie der von Marx analysierte quasireligiöse Geldfetisch die Köpfe vernebelt. Zur Erinnerung: „Einem Fetisch werden Eigenschaften oder Kräfte zugeschrieben, welche dieser von Natur aus nicht besitzt.“

Geld arbeitet nicht und schafft keine Werte. So weit zu den Fakten. Und jetzt zu dem, was die Wirtschaftsredakteure der Medien daraus machen.

„Nur Bares ist Wahres“, titelt das Handelsblatt hingegen. Oder: „Die Sorge des guten Kaufmanns“ – „Konzerne ziehen Milliarden Euro Bares aus dem Euro-Raum ab und transferieren ihr Geld in sichere Dollar-Anlagen. Was soll ein Finanzchef auch sonst tun? Er muss die Liquidität sichern.“ Oder: Kauft Wertpapiere aus „Schwellenländern“. Am untersten Ende des theoretischen Tiefgang und des intellektuellen Niveaus steht Spiegel online mit Spiegel online mit Wolfgang Münchau: „Somit gibt es auf die Frage nach dem optimalen Schuldenstand nur die unbefriedigende Antwort: Es kommt darauf an.“

Gibt es bald eine Revolution oder nicht? Geht der Kapitalismus nun unter oder nicht? Es kommt darauf an.

Der Artikel „Kauf von Staatsanleihen 1975 – Als die Bundesbank ein Tabu brach“ bestätigt übrigens, dass man gar keine Ahnung haben kann und trotzdem etwas über „Wirtschaft“ veröffentlichen darf. Die Bundesbank „stemmt sie sich heute vehement dagegen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern aufkauft“, heisst es da. Die kennen noch nicht einmal Artikel 123 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, der der EZB genau das verbietet.

Wertpapiere – o welch ein schönes Wort! Wie funktioniert das also mit den Banken, die dem Staat Geld leihen – und welche Rolle spielt die Bundesbank?

Banken arbeiten nach dem Prinzip der Teilreserve – ein Lieblingsthema für obskure Zins-Theoretiker und ihre Groupies, „eigentümlich freie“ Ökonomie-Astrologen und Verschwörungstheoretiker aller Sorten. Teilreserve ist nichts Geheimnisvolles, sondern bedeutet ganz einfach: Das offizielle Geld, das gesetzliche Zahlungsmittel, darf in Deutschland nur die Bundesbank herausgeben. Die leiht es den anderen Banken. Jenes ist das Zentralbankgeld, dieses das Buchgeld. Man kann auch sagen: Zentralbankgeld und „Geschäftsbankgeld“.

Kurze Unterbrechung, weil ich gerade zwei Stunden mit einer bezaubernden jungen Dame (live – nicht virtuell!) über dies und das plauderte, sonst wäre dieses Posting schon längst fertig.

Das Buchgeld oder Giralgeld der Banken ist also nur ein Anspruch, eine Forderung an meine Bank, falls ich Bargeld (also Zentralbankgeld) auf mein Konto eingezahlt habe. Deswegen heisst Buchgeld auch Sichtguthaben. „Das Entstehen von Buchgeld aus einer Bargeldeinzahlung kann noch nicht als eigentliche Geldschöpfung verstanden werden, weil hier keine Geldvermehrung stattfindet, sondern lediglich eine Geldform in eine andere umgewandelt wird – Bargeld in Sichtguthaben.“

Jetzt kommt die Pointe: Die Bank kann das von mir eingezahlte Geld wiederum bei der Bundesbank als Sichtguthaben einzahlen – als so genannte Mindestreserve. Meine Bank kann aber mit ihrem Buchgeld ebenso Kredite vergeben oder Vermögen kaufen, aber auch Staatsanleihen! Jetzt wird es lustig: „Auf diese Weise entsteht auf Grundlage des eingezahlten Bargelds ein Vielfaches an Buchgeld, da sich der Prozess wiederholen kann.“

Wenn plötzlich alle, die etwas angezahlt haben, die also über ein Sichtguthaben verfügen, gemeinsam zur Bank gingen und ihr Geld haben wollten, wäre die Bank bankrott, könnte sie sich von der Bundesbank nicht kurzfristig Geld leihen. Sie hatte mehr Geld „ausgegeben“ als sie „hat“.

Genau das läuft auch zwischen der europäischen Zentralbank und den Staaten der Europäischen Union ab. Bei Spiegel Online wurde gerade erwähnt: „Die EZB schlägt den Umweg über die griechische Notenbank ein und erlaubt ihr die Ausgabe von zusätzlichen Notkrediten an die Kreditinstitute des Landes. Diese wiederum sollen für das Geld griechische Anleihen mit kurzer Laufzeit kaufen. Vier Milliarden Euro sollen so zusammenkommen. Die griechische Notenbank akzeptiert die Wackelanleihen als Sicherheit und stattet die ebenfalls völlig maroden Geschäftsbanken des Landes mit frisch gedruckten Euro aus – die letztlich von der EZB kommen.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) leiht also den griechischen Banken Zentralbankgeld, und die kaufen damit Staatsanleihen vom griechischen Staat, von denen sie wissen, dass sie nie und nimmer zurückgezahlt werden. Die griechischen Banken, die eh schon pleite sind, produzieren Buchgeld, damit sie noch pleiter werden. Gleichzeitig erklärt die EZB, dass sie selbst keine griechischen Staats-„Wert“papiere akzeptiert. Sehr witzig. Aber so ist er – der Kapitalismus in der Krise.

Das Beispiel Spanien ist auch sehr lehrreich, was das Verhältnis zwischen Zentralbankgeld und Buchgeld angeht. In Spanien benötigte man so gut wie gar kein Eigenkapital, um eine Immobilie zu kaufen. Die Banken produzieren also unglaubliche Summen von Buchgeld – in der Hoffnung, die Besitzer der Häuser würde ihre Raten auch zahlen können. Das ging aber schief. Die Situation ist der so genannten „Finanzkrise“ in den USA nicht unähnlich.

Kurzes Intermezzo: Wie war das mit dem Staatsbankrott Argentiniens 2002?
Am Höhepunkt der Krise (Mitte 2002) stieg die Armutsrate auf 57 %, die Arbeitslosenrate erreichte 23 %. (…) Eine Privatisierungswelle Anfang der 90er Jahre, bei der viele Staatsbetriebe zum Teil unter Wert verkauft wurden, führte dazu, dass weite Teile der argentinischen Wirtschaft vom Ausland abhängig wurden. Dies machte das Land anfällig für Spekulation und Kapitalflucht, ein Phänomen, das Ende 2001 maßgeblich zur Bankenkrise beitrug.“

Übrigens: Griechenland wird zur Zeit dazugezwungen, alle Staatsbetriebe zum Teil weit unter Wert zu privatisieren. Kommt das irgendjemandem jetzt bekannt vor?

Im Jahr 2004 wurden den Vertretungen der Gläubiger mehrmals Vorschläge unterbreitet, die einen Kapitalschnitt von 75%, später 65% vorsahen. Sie stießen zunächst besonders bei den ausländischen Gläubigern, die mehr als 55% des Schuldenvolumens reklamieren, allgemein auf Ablehnung und trübten auch Argentiniens Verhältnis mit dem IWF. Durch mehrere diplomatische Missionen gelang es jedoch Argentinien, die meisten Gläubigergruppen zu überzeugen, Widerstand gab es bis zum Ende noch von den deutschen und vor allem von den italienischen Gläubigern.

Die Währung Argentiniens wurde nach dem Staatsbankrott gegenüber dem Dollar extrem abgewertet. Aber: „Das Wachstum in Argentinien blieb seit Mitte des Jahres 2003 stetig hoch. Dieses Wirtschaftswachstum kann vor allem durch die positiven Erfolge der Abwertung begründet werden.“

Abwertung = Wirtschaftswachsum. Alles klar soweit? Puls und Atmung noch normal?

Wenn Griechenland den Staatsbankrott erklärte, würde der Kurs des Euro gegenüber der wieder eingeführten Drachme extrem ansteigen – wie damals der Kurs des Dollar gegenüber dem argentinischen Peso.

Ich darf mich noch einmal selbst zitieren: Nach einem Austritt Griechenlands oder dem Zerfall der Union würde das deutsche Kapital weit weniger Profite machen, da die Landeswährungen abgewertet würden. Es wäre genauso wie das Verhältnis zwischen Dollar und Euro. Ein schwacher Euro ist gut für den Export. Das heißt: Die deutschen Kapitalisten müssen alles dafür tun, dass Exporte des Ausland nach Deutschland nicht billiger werden.“

Das, was ich hier schreibe, kommt zwar so nicht in den Mainstream-Medien vor, die Kapitalisten wissen das aber. So doof sind die nicht, dass sie nicht kapiert hätten, wie das alles endet.

Wie denn? fragen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser. Es ist irgendwie wie immer: Marx hatte Recht, je ein Kapitalist schlägt viele tot, je ein Zentralbankfinanzkapitalist schlägt auch viele kleine Finanzkapitalisten tot, es wird – wie in Argentinien – eine gigantische Vernichtung von Volksvermögen geben und gleichzeitig eine gigantische Umverteilung von unten nach oben. Kapitalismus, also known as „freie soziale Marktwirtschaft“ – wie wir sie alle lieben und verehren.TM

* Burks.de – Pflichtblatt für Kapitalismus-Kenner

Kommentare

27 Kommentare zu “Wertpapiere, oder: Banken im Kapitalismus, revisited”

  1. yuri am August 9th, 2012 5:02 am

    Schnarch.

    Wenn Du offen genug bist das hier zu lesen, dann verstehst Du endlich den Kapitalismus. (Vorsicht, der Buchtitle ist Ironie…)

    http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Der-Kapitalismus.pdf

  2. ... der Trittbrettschreiber am August 9th, 2012 5:34 am

    15. Kapitel Größenwechsel von Preis der Arbeitskraft und Mehrwert
    S. 481 (Marx, Das Kapital)

    Welches Buch ist denn da visualisiert?

    Ich stutze – das ist zwar nicht ungewöhnlich, aber
    manchmal der Beginn einer wunderbaren Klärung…;o)

  3. Jan-Malte am August 9th, 2012 8:36 am

    Das hin und her wägen im Herzen klingt ja nicht sehr rational…

  4. admin am August 9th, 2012 10:10 am

    Yuri FYI: Dein Link führt auf ein Manuskript von https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_C._Martin
    „Ausgehend von der Eigentumstheorie des Wirtschaftens der Bremer Professoren Gunnar Heinsohn und Otto Steiger entwickelte er die Theorie des Debitismus, die den Kapitalismus als ein kreditäres Kettenbriefsystem bezeichnet.“

    Ich sehe das nicht so (Werttheorie und so).

  5. hartmut am August 9th, 2012 12:42 pm

    „Das muss ich insoweit relativieren, als ich nur meinte, es funktioniere strukturell als ein solches. Das bedeutet nicht, das ein Zusammenbruch automatisch erfolgen müsste.“

    Automatisch nicht, aber automatisch bricht auch das Kettenbriefsystem nicht zusammen, will sagen (wie von mir gezeigt): man kann auch ein kettenbriefsystem künstlich verlängern, strecken, das Fallisement hinauszögern…

    De facto aber ist ein verschuldeter Staat bis jetzt noch immer irgendwann und irgendwie vor die Wand gefahren, per Währungsschnitt oder Weginflationieren der Schulden (Kriegsschulden 1922/23) oder was auch immer.

  6. ... der Trittbettschreiber am August 9th, 2012 2:12 pm

    Oh bitte burks – der Buchtitel? Was sollen die reichen Organempfänger denn denken, wenn sie mein Hirn gekauft haben?
    Na schön, sterb‘ ich halt dumm.

    ;O)…auch eine Form von Subversion.

  7. admin am August 9th, 2012 2:36 pm

    Was für ein Buchtitel? Das Kapital Band IIO von Karl Marx – davon ist das Bild

  8. Ano Nym am August 9th, 2012 2:57 pm

    @hartmut:

    will sagen (wie von mir gezeigt): man kann auch ein kettenbriefsystem künstlich verlängern, strecken, das Fallisement hinauszögern…

    1. Nicht alles was künstlich verlängerbar ist, ist ein Ponzi-Schema. Und das ist auch nicht von Ihnen „gezeigt“ worden, dass man Kettenbriefsysteme künstlich verlängern kann. Wenn Sie unter „künstlich verlägnern“ aber verstehen wollen, dass eine brennende Kerze, neben eine defekte Glühlampe gestellt, das Leben der Glühlampe „künstlich verlängert“, dann ziehe ich meinen Einwand zurück.

    2. Ein Ponzi-Schema verlängern zu wollen heißt, mehr Mitspieler haben wollen als es physisch gibt. Das ist ein Widerspruch zum Ziel eines Ponzi-Spiels.

    De facto aber ist ein verschuldeter Staat bis jetzt noch immer irgendwann und irgendwie vor die Wand gefahren, per Währungsschnitt oder Weginflationieren der Schulden (Kriegsschulden 1922/23) oder was auch immer.

    Nur solche, die nicht Herr über das Geschuldete waren, sich also in Fremdwährung oder Gold verschuldet hatten.

  9. Ano Nym am August 9th, 2012 3:20 pm

    @Burks.

    Die [Die Bundesbank] leiht es [das Zentralbankgeld] den anderen Banken.

    Oder sie kauft damit Wertpapiere bei den Banken.

    Jenes ist das Zentralbankgeld, dieses das Buchgeld. Man kann auch sagen: Zentralbankgeld und “Geschäftsbankgeld”.

    Es gibt verschiedene werthaltige Positionen:

    – Banknoten und Münzen (gesetzl. Zahlungsmittel)
    – Forderungen gegen die Bundesbank (Zentralbankguthaben)
    – Forderungen gegen eine Geschäftsbank. (Guthaben)
    – Forderungen gegen Nichtbanken.

    Das Buchgeld oder Giralgeld der Banken ist also nur ein Anspruch, eine Forderung an meine Bank, falls ich Bargeld (also Zentralbankgeld) auf mein Konto eingezahlt habe.

    Ich verstehe das „nur“ nicht. Was könnte es denn „sonst“ sein?

    Deswegen heisst Buchgeld auch Sichtguthaben.

    Ich dachte es heißt auch „Einlage“, weil es eingelegt wurde. ;-)

    “Das Entstehen von Buchgeld aus einer Bargeldeinzahlung kann noch nicht als eigentliche Geldschöpfung verstanden werden, weil hier keine Geldvermehrung stattfindet, sondern lediglich eine Geldform in eine andere umgewandelt wird – Bargeld in Sichtguthaben.”

    Wenn ich einen 10-Euro-Schein nehme und auf mein Konto einzahle, habe ich 10 € Bargeld gegen 10 € Buchgeld getauscht. Der 10-Euro-Schein existiert aber noch weiter, nämlich im Kassenbestand der Bank.

    Jetzt muss man natürlich wissen, dass der Kassenbestand von Geschäftsbanken nicht zur Geldmenge* gezählt wird.

    Jetzt kommt die Pointe: Die Bank kann das von mir eingezahlte Geld wiederum bei der Bundesbank als Sichtguthaben einzahlen – als so genannte Mindestreserve.

    Wer über Reserve, Mindestreserve usw. schreibt und das für eine Pointe hält, hat den Witz bei der Geldschöpfung nicht verstanden.

    *http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge

  10. admin am August 9th, 2012 5:26 pm

    Ano Nym: die Pointe ist, dass das Buchgeld „mehr“ Geld sein kann als das allein selig machende Zentralbankgeld. Die Bank vergibt Kredite ja in der Hoffnung, diese zurückzukriegen – das ist aber nur eine Hoffnung und nicht garantiert. Die Bank kann also 100 Millionen Euronen „ausgeben“, obwohl sie nur 10 Millionen an Zentralbankgeld hat. Und auf der Ebene der Staaten funktioniert das eben genau so.

  11. hartmut am August 9th, 2012 6:47 pm

    „1. Nicht alles was künstlich verlängerbar ist, ist ein Ponzi-Schema. Und das ist auch nicht von Ihnen “gezeigt” worden, dass man Kettenbriefsysteme künstlich verlängern kann.“ Den ersten Satz hatte ich so herum gar nicht behauptet (Logiker sprechen von Antezedenz/Konsequenz-Verwechslung), und zum zweiten gerne nochmal: Sie können jedes Ponzi-Spiel beliebig verlängern, indem Sie einen Horst Neumann erfinden, dem (Falsch?)geld drucken und am Spiel teilnehmen lassen. Solange die anderen Spielteilnehmer an diese Fiktion glauben…

    „Nur solche, die nicht Herr über das Geschuldete waren, sich also in Fremdwährung oder Gold verschuldet hatten.“ Das stimmt sogar, denn hier stellt sich die Machtfrage. De facto sind die USA und Japan heillos verschuldet. Stört derzeit noch keinen, weil beide Staaten derzeit noch mächtig genug sind, den Glauben an Dollar und Yen aufrecht zu erhalten. Aber wehe, wenn sie losgelassen…

  12. Ano Nym am August 9th, 2012 7:31 pm

    Ano Nym: die Pointe ist, dass das Buchgeld “mehr” Geld sein kann als das allein selig machende Zentralbankgeld.

    Man kann bei fehlendem Witz auch noch die Pointe verhauen. Die Summe der von Nichtbanken gehaltenen Sichteinlagen bei den Geschäftsbanken ist größer als die Zentralbankgeldmenge. Kann jeder nachlesen.

    Die Bank kann also 100 Millionen Euronen “ausgeben”, obwohl sie nur 10 Millionen an
    Zentralbankgeld hat.

    „Ausgeben“ nennt man normalerweise schöpfen. Ich stell mich mal dumm: Warum kann sie

    a) „also“
    b) nur

    100 Mio. € schöpfen „obwohl“ sie nur 10 Mio. € an Zentralbankgeld hat?

    Wie schöpft eigentlich die Zentralbank das Zentralbankgeld? Braucht die dafür Überzentralbankgeld?

    Und auf der Ebene der Staaten funktioniert das eben genau so.

    Was genau?

  13. Ano Nym am August 9th, 2012 8:05 pm

    “1. Nicht alles was künstlich verlängerbar ist, ist ein Ponzi-Schema. Und [es] ist auch nicht von Ihnen “gezeigt” worden, dass man Kettenbriefsysteme künstlich verlängern kann.” Den ersten Satz hatte ich so herum gar nicht behauptet

    Das ist richtig. Den ersten Satz hatten Sie nicht behauptet. Und ich hatte auch nicht behauptet, dass Sie den behauptet haben.

    Allerdings hatte ich vermutet, dass dass Sie das Gegenteil des ersten Satzes für wahr halten, um daraus anzuleiten, dass die Staatsverschuldung ein Ponzi-Spiel ist.

    (Logiker sprechen von Antezedenz/Konsequenz-Verwechslung),

    Sie sind offensichtlich keiner.

    und zum zweiten gerne nochmal: Sie können jedes Ponzi-Spiel beliebig verlängern, indem Sie einen Horst Neumann erfinden, dem (Falsch?)geld drucken und am Spiel teilnehmen lassen. Solange die anderen Spielteilnehmer an diese Fiktion glauben…

    Es geht hier nicht um die Frage, wie man Ponzi-Spiele verlängert, sondern ob die Staatsverschuldung, wie Burks behauptet hat, ein Ponzi-Spiel ist. Sie diskutieren die falsche Frage.

    Ob eine Sache ein Ponzi-Schema ist, entscheidet man, indem man schaut, ob es unter die Definition für den Begriff des Ponzi-Spiels fällt. Die Definition finden Sie z.B. in der Wikipedia:

    „Als Schneeballsystem oder Pyramidensystem, auch Ponzi-Schema oder Ponzi-Spiel, werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötigen.“

    Die Staatsverschuldung benötigt keine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmer, daher ist sie kein Ponzi-Spiel.

    De facto sind die USA und Japan heillos verschuldet. Stört derzeit noch keinen, weil beide Staaten derzeit noch mächtig genug sind, den Glauben an Dollar und Yen aufrecht zu erhalten. Aber wehe, wenn sie losgelassen…

    Für die Bedienung der Staatsschulden ist der Glaube an Dollar und Yen nicht erforderlich. Es ausreichend, wenn die Länder ihre eigenen Währungen „drucken“ können.

  14. admin am August 9th, 2012 8:06 pm

    Gegenfrage: Fast alle europäischen Staaten haben Schulden, es ist ja auch von einer so genannten „Schuldenkrise“ die Rede.

    Wenn also ALLE Schulden haben, wer ist denn der Gläubiger?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsverschuldung

    vgl. http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/walter-direkt-wie-zu-zeiten-der-zinsbindung-vor-mehr-als-50-jahren/6827408-2.html
    „Das hat mit Marktwirtschaft nichts mehr zu tun.“
    Har har.

  15. Ano Nym am August 9th, 2012 8:46 pm

    http://www.staatsverschuldung.de/glaeubiger.htm

    Wer die Gläubiger des Staates sind, ist nicht bekannt! Das Statistische Bundesamt ermittelt, wie viele Huf- und Hasentiere jährlich geschlachtet werden und wie groß die Heide­flächen in Sachsen-Anhalt sind. Aber wer dem Staat 2.000 Mrd. € geliehen hat – das wird nicht gefragt!

    http://www.staatsverschuldung.de/glaeubiger.png

  16. admin am August 9th, 2012 9:03 pm

    Ich vermute, dass die Auslandsschulden auch Bankschulden sind.

  17. hartmut am August 10th, 2012 12:18 pm

    „Es geht hier nicht um die Frage, wie man Ponzi-Spiele verlängert, “ Sie hatten behauptet, ein Ponzi-Spiel würde irgendwann mit Sicherheit aus physikalischen Gründen zusammenbrechen, nämlich spätestens wenn es keine neuen Mitspieler mehr gebe. Diese falsche These war zu widerlegen.

    „Die Staatsverschuldung benötigt keine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmer, daher ist sie kein Ponzi-Spiel.“ Sie benötigt eine ständig wachsende Zahl an Schulden. Im Prinzip liegt etwas ähnliches Wechselreiterei vor. (neue Schulden, um alte plus Zinsen zu bedienen) Der Gläubiger kann einer sein, aber die Summe wird zwar immer endlich bleiben, jedoch ins beliebig große steigen. Wie bei einem Ponzi-Spiel. Und wie bei einem Ponzi-Spiel wird einem der Laden irgendwann um die Ohren fliegen.

  18. Ano Nym am August 10th, 2012 7:31 pm

    Mensch hartmut!

    “Die Staatsverschuldung benötigt keine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmer, daher ist sie kein Ponzi-Spiel.” Sie benötigt eine ständig wachsende Zahl an Schulden.

    Aber keine wachsende Anzahl an Teilnehmern. Schulden fügen sich nicht unter den Begriff des Teilnehmers.

  19. Zombie-Elvis am August 11th, 2012 12:23 pm

    @ hartmut

    „Sie hatten behauptet, ein Ponzi-Spiel würde irgendwann mit Sicherheit aus physikalischen Gründen zusammenbrechen, nämlich spätestens wenn es keine neuen Mitspieler mehr gebe.“

    Die Behauptung war doch vielmehr, dass es gar nicht das Interesse von Initiatoren eines Ponzi-Spiels ist, das ad infinitum fortzuführen. Wenn sie selbst alles in trockenen Tüchern haben, kann es ihnen ja auch egal sein, ob es sich noch weitertreiben ließe.

  20. hartmut am August 12th, 2012 1:36 pm

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/christa-schlecker-soll-monatsgehalt-von-60-000-euro-bekommen-haben-a-849605.html tja, lieber ano nym, auch die Ermittler im fall Schlecker scheinen mir recht zu geben:
    „Schlecker hatte außergewöhnlich lange Zahlungsfristen. Der Erlös aus bereits verkaufter, aber noch nicht bezahlter Ware diente zur Unternehmensfinanzierung, dies sei eine Art „Schneeballsystem“. “
    Natürlich. Und auch die Finanzierung alter Staatschulden durch neue, höhere ist selbstredend nichts anderes als eine Art Schneeballsystem, also eine Art Ponzi-Schema. Wie kann denn das streitig sein?

  21. Ano Nym am August 12th, 2012 6:49 pm

    „Eine Art Schneeballsystem“ hartmut, das heißt: Es hat eine Ähnlichkeit damit, es ist aber selbst keins. Burks hingegen hat nicht eine Art Herrn Ponzi kommen hören, sondern den Namensgeber selbst.

    http://www.cecu.de/lexikon/geldanlage/1196-schneeballsystem.htm

    Das Schneeballsystem bezeichnet ein unseriöses Geschäftsmodell, bei dem die Ausschüttungen an die Anleger nicht durch Erträge der Anlage, sondern durch die Neugewinnung von Kunden und deren Einzahlungen erfolgt.

  22. hartmut am August 14th, 2012 11:18 am

    ist es so schwer?

    Entscheidend ist nicht, wieviele Leute am Spiel teilnehmen, entscheidend ist, dass das Spiel nur aufrecht erhalten werden kann, indem man immer mehr Geld nachschießt. Sei das nun ein Schenkkreise-Spiel/Schneeball, sei das Wechselreiterei (mit ständig zunehmenden Summen/ebenfalls Schneeball also), sei das eine Adele Spitzeder Bank (Variante des Schenkkreise-Speils: Gewinnausschüttung an alte Kunden durch einlagen der neuen), sei das eine ständig zunehmende Staatsverschuldung (neue Kreidte bedienen die alten).

    Man frage einen Mathematiker seines Vertrauens, wenn man mir nicht glaubt. Oder einen erfahrenen Juristen ;-)

    Schlecker wird wohl, wenn die Vorwürfe stimmen, einfahren, und das wäre dann auch gut so und richtig so.

  23. Manuel Rodriguez am August 14th, 2012 8:24 pm

    Die Wirtschaft allein mit der klassischen Ökonomie analysieren zu wollen führt doch zu nichts. Am Ende bleibt immer ein riesiger Berg Unverständnis zurück gepaart mit Leuten, die sowieso alles besser wissen und doch noch irgendwelchen sonderbaren Statistiken aus dem Hut zaubern können.

    Das Problem kann man aber anhand eines Modells soweit vereinfachen, dass man ein Gefühl dafür bekommt, was Geld eigentlich ist. Und zwar mittels des Planspiels „Schule als Staat“. Dort wird bei Spielbeginn an jeden Bürger ein Startkapital ausgegeben, was dann im Laufe verbraucht und neu verdient werden muss.

    Anhand dieses vereinfachten Mikrokosmos wird deutlich, dass der Staat niemals pleite gehen kann. Im Notfall läßt man die Angestellten einfach umsonst arbeiten, verlangt aber trotzdem Steuern auf alles. Insofern halte ich die Befürchtungen über ein baldiges Ende des Kapitalismus doch arg übertrieben.

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