Deutsche Filmkritiker lassen Kollegen in Hollywood im Regen stehen

Von Katharina Dockhorn, Vorsitzende des FA Freie im DJV Berlin

Mit Spannung erwartet die internationale Filmbranche in diesen Tagen die Nominierungen für den Golden Globe, die Auszeichnung des Vereins der Auslandspresse in Hollywood, und wichtigsten Stimmungsmesser für die Oscars.

Für Deutschland kann Christian PetzoldsBarbara” ins Rennen gehen. Er konkurriert unter anderem mit der afghanisch-deutschen Koproduktion “The Patience Stone“, produziert von der kleinen Berliner Firma Razor Film, die bereits mit “Paradise Now” und “Waltz witz Bashir” die Journalisten überzeugen konnte. Den Oscar gewannen sie mit ihren Filmen über den Nahost-Konflikt nie – in den Wochen zwischen beiden Galas erschütterten jeweils Bombenanschläge die Region.

Seit 2004 werden Nominierung und Gewinn des Golden Globes und der Oscars in Deutschland mit Geldern für die Produktion des nächsten Films belohnt. Das ist im Filmförderungsgesetz verankert, das alle fünf Jahre novelliert wird. Das Bundeskabinett hat vor zwei Wochen den neuen Entwurf verabschiedet, der im Sommer durchs Parlament gehen soll. Er sieht die ersatzlose Streichung des Golden Globe vor.

Nun kann man sicher streiten, ob die Entscheidung von rund 80 Filmkritikern aus aller Welt dieses Gewicht haben sollte. Auf der anderen Seite steht, dass mit dem Oscar und dem deutschem Filmpreis, der Lola, nur noch Preis-Entscheidungen im Filmförderungsgesetz berücksichtigt werden, die von der Filmbranche selbst vergeben werden. In Deutschland entscheiden die Mitglieder der Deutschen Filmakademie, in Hollywood ihr amerikanisches Vorbild.

Und was sagen die Journalisten in Deutschland dazu, dass der einzige Kritikerpreis aus dem Gesetz fällt? Gab es einen Aufschrei im Blätterwald? Absolute Fehlanzeige. Und ihre Verbände? Der DJV schweigt, so wie er es der gesamten Novellierungsdiskussion versäumt hat, die Interessen seiner Mitglieder entsprechend seines Auftrags zu vertreten. Aber auch der Verband der Deutschen Filmkritik hüllt sich in tiefes Schweigen, wenn der Preis der Kollegen aus aller Welt, darunter natürlich auch deutsche Kritiker, von deutschen Politikern die Bedeutung abgesprochen wird.

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Date posted: Montag, November 26th, 2012 09:44 | Under category: DJV Bundesverband, Medien
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