Wider das gesprochene Wort

Von Katharina Dockhorn, Vorsitzende des FA Freie im DJV Berlin

Til Schweiger sei Dank. Wenige Tage vor dem DJV-Verbandstag überraschte er seine potentiellen Gesprächspartner mit einem Gegenlesen-Vertrag, der einem Berufsverbot für freie Journalisten gleich kommt. Von ihnen kann keiner mit seiner Unterschrift garantieren, dass alle Headlines und Zwischenüberschriften vorgelegt werden.

Der neue Tiefpunkt im deutschen Autorisierungswahn und der Streit zwischen der Ex-Piraten-Geschäftsführerin Marina Weisband und dem “Spiegel” überzeugte am 6. November auch viele Zweifler auf dem Verbandstag des DJV in Kassel, der Empfehlung der Antragskommission nicht zu folgen und den Leitlinien des DJV zur Autorisierung“, die sogar noch eien Verschärfung der Praxis fordert. Das kleine Heft lässt freie Journalisten aber weitgehend ratlos zurück, zumal sie oft auch von Verlagen unter Druck gesetzt werden, nur autorisierte Texte abzuliefern.

Doch bei Schweiger reichte es offensichtlich auch den Verlagen, Mitarbeiter des Springer-Verlags sagte die Interviews ab. Und so scheint die Zeit günstig, sich gemeinsam mit den Verlagen zu wehren, damit die Leser endlich wieder spannende und originelle Gespräche lesen können.

DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner verzichtete auf die Veröffentlichung des Verbands-Beschlusses in einer Pressemittelung. Daher folgt sie hier im Wortlaut.

Der DJV fordert Medienbetriebe sowie Journalistinnen und Journalisten auf, die Praxis nicht zu akzeptieren, aufgezeichnete Interviews im Nachhinein wesentlich zu verändern oder deren Veröffentlichung völlig zu untersagen. Der Bundesvorstand wird aufgefordert, unverzüglich mit der dju in ver.di, dem BDZV und dem VDZ Gespräche über ein gemeinsames Vorgehen gegen diesen Autorisierungswahn zu führen, der dem Pressekodex des Deutschen Presserates widerspricht. Der Bundesvorstand wird aufgefordert, den Leitfaden zur Autorisierung von Interviews umgehend zu überarbeiten, damit sich freie Journalistinnen und Journalisten gegen diese Praxis besser wehren können.

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Date posted: Dienstag, November 13th, 2012 17:53 | Under category: DJV Berlin, DJV Bundesverband, Medien
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