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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6765
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BeitragVerfasst am: 21.03.2005, 01:55 Antworten mit ZitatNach oben





POLITIK
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Was macht eigentlich Kamerad Nolde?

Von Burkhard Schrder


NoldeIn einem erzprotestantischen Land wie Deutschland ist der ffentliche politische Diskurs stark ritualisiert: es geht nie um die wahren Probleme, um den kontroversen Austausch von Meinungen, sondern um Schuld und Shne, um das Bekennen, Bereuen, das Herzeigen der richtigen Gesinnung, der heiligen Tcher, der Symbole des Guten, Schnen und Wahren. Der Deutsche an sich ist der geborene Denunziant. Sein Bestreben richtet sich primr darauf, den Nachbarn als jemanden zu entlarven, der aus dem Zwangskollektiv der richtigen Meinung ausgeschert ist. Wenn es einen Job gibt, den die deutsche Leitkultur der Menschheit geschenkt hat und die deutsche Seele in ihrem Innersten anspricht, dann ist es der Blockwart.

Zu dieser Gemengelage passt auch der "Aussteiger", wahlweise aus dem Sekten-, Drogen- oder Neonazi-Milieu. Eine Debatte ber den so genannten "Ausstieg" ist nicht politisch, sondern ausschlielich Moraltheologie: jemand, der zum Beispiel bestimmte psychotrophe Substanzen nicht mehr konsumiert, dient als pdagogisch wertvolles und ffentlich herzeigbares Exempel fr die protestantische Askese, ja als personifizierte Parabel fr das zentrale Gebot des Kapitalismus: du sollst dich nicht freiwillig dem Arbeitsmarkt entziehen. Auch der "Sektenaussteiger" existiert nur vor der Folie des staatlich sanktionierten Christentums. Einen signifikanten Unterschied zwischen einem durchgeknallten Scientologen und einem sich selbst tglich geielnden Opus-Dei-Mitglied gibt es selbstredend weder religionssoziologisch noch psychologisch.

Die zentrale Lebenslge der Republik dokumentiert der "Neonazi-Aussteiger" jedoch am besten. Zahlreiche Projekte stricken an dieser Lge mit, der Verfassungsschutz verschleudert sogar die Steuergelder ganz offiziell dafr. Diese Lge ist: es gebe einen signifikanten Unterschied zwischen dem vlkischen und rassistischen Denken der "Neonazis", die man gern "Extreme" nennt, um das Thema zu entpolitisieren, und dem politischen Mainstream. Wie eine Art Selbstkasteiung wirkt das gebetsmhlenartig vorgetragene Credo, man sei nicht "extrem" und gehre daher zu den Guten.
Nolde
Daher muss man dem Neonazi-"Aussteiger" Detlef Nolde dankbar sein, dass er - vermutlich unfreiwillig - den brsigen Diskurs aufmischt. Auf indymedia postete ein - natrlich anonymer - Meinungs-Blockwart die Meldung, der Ausstieg Noldes, der in meinem Buch "Aussteiger - Wege aus der rechten Szene" dokumentiert wurde, sei ein Fake, also vorgetuscht worden. Die Diskussion darber lie zahlreiche Web-Foren berquellen: auf board24, bei inidia.de, nazis.de (beide von Markus Rabanus) und anderen lieferte man sich digitale Wortgefechte, die in der Regel in wste Beschimpfungen bar jeden Niveaus ausarteten. An vorderster Front immer dabei: Jrg Fischer, ein Ex-Lohnschreiber des Neonazis Gerhard Freys, ebenfalls ein "Aussteiger" aus dem ultrabraunen Milieu. Fischer bettigt sich seitdem in zahlreichen anderen Politsekten wie der West-PDS, hlt es aber nie allzulange dort aus.

Die Hassliebe zwischen den beiden "Aussteigern" hat eine lange Vorgeschichte. Schon 2002 publizierte Fischer einen Artikel in der nationalbolschewistischen Zeitung "Junge Welt", natrlich ohne Nolde oder gar mich als Autor des Buches vorher gefragt oder gar zu einer Stellungnahme aufgefordert zu haben. Im Februar 2005 wiederholte sich die Kampagne in einem Kommentar, der vage etwas mutmat, ohne die Leser mit Fakten zu belstigen. Das denunziatorische Geschrei wurde untermalt von den blichen Verdchtigen wie Markus Rabanus, der unter verschiedenen Pseudonymen ins gleiche Horn stie.

Es geht natrlich nicht um Inhalte, sondern um die strategische Positionierung, im kleinen Markt fr Neonazi-Aussteiger mglichst viele Segmente zu besetzen. Nolde verweigert sich bis jetzt, seinen "Ausstieg" zu kommerzialisieren und den Beruf Ex-Neonazi zu whlen - ganz im Gegensatz zu Fischer.

Die teilweise recht unappetitliche Angelegenheit lsst sich jedoch durch Original-Zitate Detlef Noldes etwas aufhellen. Nolde schreibt:
"Ein 'Nazi-Ausstieg' kann viele Grnde und Facetten haben, aber braucht kein Ausstieg aus dem breitgefcherten 'nationalen Lager' sein, geschweige denn, wenn man nicht mehr aktiv sein will, aus welchen Grnden auch immer, aus nationalen Denkweisen."

Eine interessante Frage: Wer ist ein RAF- Austeiger? Wer nach dem Ausstieg in die CDU eintritt? Wer die Waffen nur fallen lt, weil die militrische Lage der Stadtguerilla aussichtslos war? Wer ffentlich bereut und die ehemaligen GenossInnen ans Messer liefert? Und wer ist ein Neonazi-Aussteiger? Wer erst bei den Mormonen landet, wie Jrg Fischer, und dann in die PDS flchtet? Und welche Kriterien legt der Gesinnungs-TV an die politische Meinung an? Darf ein "Aussteiger" bei den Scientologen anschlieend Lutheraner werden oder gilt der "Ausstieg" erst dann als vollzogen, wenn er sich der Verehrung hherer Wesen oder Gurus ganz verweigert?

Detlef Nolde denkt immer noch "national":
"Ich bin keiner, der zur roten Antifa bergelaufen ist, der mit Exit Kontakt oder Kameraden 'verraten', der in Talkshows Asche ber sein Haupt geschttet, der jedes normale nationale Denken abgelegt htte, der auf geraubtes deutsches Land innerlich verzichten knnte, der eine Politik, die an den Interessen des deutschen Volkes orientiert ist, nicht gutheien wrde, keiner, der sich nicht mehr auch als Deutscher fhlen, also (auch) national denken wrde." Wer ber "geraubtes" Land rsonnieren will, muss nur bei den Vertriebenenverbnden vorbeischauen oder sich bei bestimmen Burschenschaften umsehen, um die dazu passenden Textbausteine hren zu knnen. Gehrt Edmund Stoiber mit seinen einschlgigen Zitaten ins "nationale Lager"? Aber ganz gewiss.

Nolde schrieb in diesem Forum im Oktober 2004:
"Nein, ich sehe mich nicht mehr als 'fhrertreuen Nationalsozialisten', das stimmt, nicht mehr als jemand, fr den das Thema 'Rasse' und historischer NS noch eine grundlegende Bedeutung fr mein politisches und sonstiges Denken spielen wrde, insofern ist das, wenn man die klaren Unterscheidungen im 'nationalen Lager' kennt, durchaus fr den Betreffenden ein Bruch, den auch er erst einmal zu verarbeiten hat, und den man durchaus als 'Ausstieg' bezeichnen kann."
Denunziant
Ein "Ausstieg" ist nichts anderes als die Gewissheit, eine Phase des eigenen Lebens irreversibel hinter sich gelassen zu haben und das Gefhl, einen Bruch der Biografie erlebt zu haben. Bei Nolde war der Anlass, aus dem militanten Milieu auszusteigen, der Doppelmord unter Neonazis im April 1997. Aber unstrittig hngt Nolde heute immer noch antisemitischen Verschwrungstheorien an und wrde mit seinem vlkischen Ideen an den meisten CDU-Stammtischen nicht unangenehm auffallen.

Der letzte Satz in meinem Buchkapitel ber Detlef Nolde stammt von ihm selbst:
"Ich mchte denjenigen Mut machen, die sich immer noch in dieser sektiererischen Szene aufhalten und insgeheim an ihr zweifeln. Es ist nie zu spt. Nichts ist fr immer, auch nicht die politische Gesinnung. Deshalb sage ich euch: Hrt auf eure innere Stimme, nicht auf vorgefertigte Meinungen von anderen. Geht offen auf alle Menschen zu, nicht mit Vorurteilen. Lebt mit Verstndnis fr den anderen und lebt in Freiheit!"

Bild oben: Detlef Nolde mit einem seiner Kinder in seiner Zeit als Neonazi, aus: "Aussteiger - Wege aus der rechten Szene". Mitte: Schlagzeile der Berliner BZ (Ausriss) am 17.04.1997. Das Bild unten zeigt nicht Jrg Fischer, sondern eine Lithografie A. Paul Webers: "Der Denunziant" (1962)


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BURKS ONLINE 21.03.2005
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