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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 13.11.2003, 00:03 Antworten mit ZitatNach oben

Xenophobie - zu viele Auslnder in Deutschland?

Der Begriff "Fremdenfeindlichkeit" - auch "Xenophobie" - wird meistens in suggestivem Sinn gebraucht: man vermutet, es gbe ein dem Homo sapiens angeborenes Gefhl, jemandem, der unbekannt ist, "automatisch" zu frchten oder ihm aggressiv zu begegnen. Die These vom angeborenen "Fremdenhass" entstammt einer falschen Analogie aus dem Tierreich und wird von einigen rechtskonservativen Forschern wie Irenus Eibl-Eibesfeld vertreten. Der "Hass" gegen das oder den Fremden sei ein evolutionsgeschichtliches berbleibsel, eine Art Instinkt, der die eigenen Vorrte zum berleben vor dem Zugriff Fremder schtze. Der Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeld behauptet, "Fremdenfeindlichkeit" sei "stammesgeschichtlich" angeboren. Jedes Volk wehre sich gegen "berfremdungen".

Den "Fremden" an sich gibt es nicht - genausowenig wie "Fremdenfeindlichkeit". Soziale und physische Aggression eines Kollektivs gegen bestimmte Gruppen von Menschen setzt voraus, dass man sich vorher darber verstndigt hat, welche Eigenschaften diejenigen haben sollen, gegen die man negative Gefhle wie Hass zeigt. Die "Fremden" werden immer konstruiert, durch Gesetze oder durch den gesellschaftlichen Diskurs, der sich bestimmter Vorurteile bedient. Die Theorien, die die Begriffe "Fremdenfeindlichkeit" oder "Xenophobie" vertreten, reduzieren den Menschen auf Natur und interpretierensoziale Tatsachen biologistisch.

Auch die oft vertretene These, die so genannte "Fremdenfeindlichkeit" lge in der menschlichen Pyche begrndet, ist schlicht grober Unfug. Wer "Fremdenfeindichkeit" psychologisch definiert, muss auch Rassismus und Antisemitismus aus der Seele ableiten, womglich aus der deutschen, brasilianischen oder chinesischen Seele ganz speziell. Als "fremd" gelten manchen Leuten auch Behinderte, Obdachlose, emanzipierte Frauen oder Angehrige bestimmter Subkulturen wie Punks oder Grufties. Im allgemeinen Sprachgebrauch benutzt man "Fremdenfeindlichkeit" jedoch meistens fr Immigranten mit oder ohne deutschen Pass. Psychologische Spekulationen, die "Fremdenfeindlichkeit" als abweichendes Verhalten klassifizieren wollen, bleiben oberflchlich. Sie lassen ausser acht, dass auch "normale" und unauffllige Menschen Vorurteile haben, also Gruppen von Menschen zu "Fremden" machen knnen.

Wer "Fremdenfeindlichkeit" bestimmen will, muss genau sagen, welche Gruppe als "fremd" angesehen wird, wie sich diese "Feindschaft" ussert,. und wie sie sich von anderen "Feindlichkeiten" wie rassistischen und antisemitischen Vorurteilen oder sexueller Diskriminierung unterscheidet. Das Reichs- und Staatsangehrigkeitsgesetz aus dem Jahr 1913 bestimmt zum Beispiel, dass eine deutsche Frau, die einen Auslnder heiratet, automatisch zu einer Fremden, das heisst Auslnderin wird..Die deutschen Juden wurden durch 1933 durch das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre", die so genannten "Nrnberger Rassegesetze", juristisch zu Fremden gemacht. Das aktuelle Staatsbrgerschaftsrecht aus dem Jahr 2000 bestimmt, dass Immigranten im juristischen Sinn Fremde bleiben, also nicht eingebrgert und Deutsche werden knnen, wenn sie nicht in der Lage sind, "sich selbst zu unterhalten." Fr einen eingefleischten Rassististen wird der deutsche Fussballnationalspieler Gerald Asamoah "fremd" bleiben, weil der afrikanischer Abstammung ist.

"Fremdenfeindlichkeit" ist eine politisch bewusst gewollte soziale Ausgrenzung und kann "knstlich" erzeugt werden. Wird eine Gruppe von Menschen per Gesetz oder durch soziale und wirtschaftliche Diskriminierung ausgegrenzt, zieht sie automatisch Vorurteile nach sich. Wer von der Gesellschaft ferngehalten wird, entwickelt automatisch alternative Existenz- und Verhaltensweisen, die wiederdem der Mehrheit fremd sind. Soziale Diskriminierung erzeugt "Fremdheit" auf beiden Seiten - der Mehrheit und der Minderheit. Dafr gibt es den Begriff der "Selbstethnisierung": Im Kampf um Anteile an der gesellschaftlichen Macht muss sich jeder eine Gruppe zugehrig fhlen, um eine Chance zu bekommen, gemeinsam mit anderen etwas zu erreichen. Im angelschsischen Sprachraum gibt es schon lange eine Diskussion darber, wie und ob die ursprndlich "Fremden", zumeist die Einwanderer und deren Nachfahren, die Nachteile ihrer Herkunft in das Gegenteil zu verkehren. In Deutschland hat vor allem die Gruppe kanak attack diese Diskussion angestossen.

Wer will, dass Einwanderer nicht mehr "fremd" sind, sollte berlegen, wer davon etwas hat, dass diese Menschen immer noch bei bestimmten Leuten als "fremd" gelten. Toleranz ist kein Mittel gegen "Fremdenfeindlichkeit". Toleranz kann sich nur jemand leisten, der die Macht hat. Deshalb fordert auch niemand, dass die deutschen Juden tolerant gegenber deutschen Christen sein sollten. Niemand wrde auf die Idee kommen, die Afrodeutschen zur Toleranz gegenber Neonazis aufzufordern. Wer zu den jeweiligen "Fremden" aggressiv ist, sie juristisch, sozial oder wirtschaftlich ausgrenzt, verspricht sich davon einen gesellschaftlichen Vorteil. Der moralische Appell, niemanden "fremd" zu machen oder denen gegenber, die Objekte von Vorurteilen sind, freundlich zu sein, bleiben ohne Sinn und folgenlos. Wer gegen "Fremdenfeindlichkeit" etwas tun will, hat das Thema verfehlt und bewirkt letztlich das Gegenteil. Die Fremden werden zu Fremden gemacht. Es gibt viel zu viele Auslnder in Deutschland: viel zu wenige Immigranten werden Deutsche. Und warum das so ist, ist die eigentliche Frage.

13.11.2003
BurkS

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