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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6761
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 20.05.2005, 14:25 Antworten mit ZitatNach oben




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KNIGREICH DER HIMMEL

Sandalenfilm reloaded

Von Burkhard Schrder

Knigreich des Himmels
Wissen Sie, wohlwollende Leserin und geneigter Leser, was ein Sandalenfilm ist? Vor wenigen Tagen habe ich mir, in angenehmer weiblicher Begleitung, den Film "Knigreich des Himmels [Rezensionen] angesehen. In saloppem Deutsch sagt man auch "ein Schinken" dazu. Thema: die Kreuzzge. Ein Sandalenfilm spielt vor der Neuzeit, vorzugsweise besetzt mit Rmern, Griechen, Juden, Hunnen, Dakern oder anderen leicht bekleidetem Kriegsvolk. Ein Sandalenfilm beginnt ab rund 5000 Komparsen und spielt, wie der Name nahelegt, nie im Schnee (sonst wre es vermutlich ein Stiefelfilm).

Ich war enttuscht, obwohl ich bereit gewesen wre, die qualitative Melatte an Plot und Sinngehalt tiefer zu hngen, wenn zahllose edle Ritter zu Pferde und zu Fu aufeinander eindreschen. Das liegt natrlich auch daran, dass ich befangen bin und mich im 11. und 12. Jahrhundert fast besser aufkenne als im DJV Berlin. Whrend meines Studiums hatte ich mich sowohl im Germanistischen als auch im Geschichtlichen auf eben jene Epoche spezialisiert. Einige der Standardwerke(1) ber die Kreuzzge stehen noch in meinem Bcherregal.
Knigreich des Himmels
Von einem Film, der kein Dokumentarfilm ist, darf man selbstredend nicht erwarten, dass er sich an die historischen Fakten hlt. Hollywood ruduziert ohnehin alles auf einfache Botschaften, und der Rest ist wie beim Western nur Staffage. Der Held arbeitet als Handwerker, seine Frau bringt sich um. Sein Vater, vom dem er nichts wute, taucht auf, macht ihn zum Ritter und zu seinem Erben. Der Held reist ins so genannte Heilige Land und zeigt den blden Arabern auf seinen Lndereien, wie man ordentlich einen Brunnen baut. Er ist edel, hilfreich und gut. Die Bsen metzeln herum und provozieren einen Krieg mit dem Sultan Saladin - der ist auch edel, hilfreich und gut. Der Held liebt Sybille, die Knigin von Jerusalem. Beim Showdown in Krak wird gezeigt, wie ein Anfhrer die wehruntchtigen Massen begeistert, um fr die Obrigkeit zu sterben. Die Guten verlieren, drfen aber nach Hause gehen, weil auch Saladin irgendwie zu den Guten gehrt - alles andere wre araberInnenfeindlich.

Die Schlachtszenen kennt der gebte Kinobesucher schon aus anderen Streifen. Man kann darauf warten, dass alle Monumental-, Kolossal- und eben Sandadalenfilme jetzt neu gedreht werden, weil die moderne Tricktechnik mindestens 100000 Krieger auf einem Schlachtfeld suggeriert. Es spielen also vermeintlich nur wesentlich mehr Leute mit als frher, die Plots sind jedoch gleich geblieben.
Knigreich des Himmels
Ich habe gerade ein wenig geblttert. Beide Seiten hatten ihre literarischen Propagandisten, man kann sich also ein recht realistisches Bild machen. Emir Abulfeda schreibt zum Beispiel ber den Fall Akkons: "Die Muslime richteten in Akkon ein ungeheures Blutbad an und machten unermeliche Beute. Der Sultan zwang alle, die sich in den Trmen verschanzt hatten, zur bergabe; sie kamen heraus und wurden bis auf den letzten Mann vor der Stadt enthauptet."

Vermutlich hat vor allem die Schilderung des Ibn al-Athir ber die Schlacht von Hattin beim Verfassen des Drehbuchs Pate gestanden:
"Als alle gefangen waren, setzte sich Saladin in seinem Zelt nieder und lie den Frankenknig und den Frsten, Herrn von Krak, vorfhren; dem Knig bot er an, neben ihm zu sitzen. Da der vor Durst bald starb, lie er ihm eisgekhltes Wasser reichen; er trank und gab den Rest dem Frsten: der trank auch, aber Saladin sagte: 'Dieser Verfluchte hat nicht mit meiner Erlaubnis getrunken, so da ich ihm das Leben zugesichert htte!' Darauf redete er den Frsten an, warf ihm seine Vergehen vor und zhlte ihm seine Schandtaten auf; schlielich erhob er sich und schlug ihm mit eigener Hand das Haupt ab." Genau so geschieht es im Film.
Knigreich des Himmels
Wer den Gladiator und Alexander mag, sollte auch "Das Knigreich der Himmel" ansehen. Man kann es aber auch lassen und htte nichts versumt. Was in einem gewohnt prdem Hollywood-Film nicht gezeigt wird, beschreibt der arabische Gelehrte Usmah Ibn Munqidh (1095-1188), den wir in diesem kleinen familien- und frauenfreundlichen Forum zu Wort kommen lassen wollen:

"Bei den Franken findet man keinerlei Ehrgefhl oder Eifersucht. Wenn einer von ihnen mit seiner Frau auf der Strae geht und einen anderen trifft, nimmt der die Frau bei der Hand und zieht sie beiseite, um mit ihr zu sprechen, whrend der Mann dabeisteht und wartet, bis sie ihre Unterhaltung beendet hat. Wenn es ihm zu lange dauert, lt er sie mit ihrem Gesprchspartner allein und geht. [...] ...wurde mir von einem Bademeist mit Namen Salim aus Ma'arra erzhlt, der in einem Bade meines Vaters angestellt war: 'Ich Knigreich des Himmelserffnete in Ma'arra ein Bad, um mir damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ein Ritter der Franken - sie mibilligen es, wenn jemand im Bad einen Schurz um die Hften trgt - kam herein, streckte die Hand aus, ri mir meinen Schurz von den Hften und warf ihn fort. So sah er, da ich mir vor kurzem die Schamgegend rasisert hatte. 'Salim!' rief er; ich nherte mich, und er streckte meine Hand nach meiner Ble aus. 'Salim!' rief er aus, 'groartig! Bei meiner Seel', mach das auch bei mir!' und legte sich auf den Rcken. Er hatte an der Stelle Haare so lang wie sein Bart. Ich rasierte ihn also, er berhrte die Stelle mit der Hand, fand sie schn glatt und sagte: 'Salim! Bei meiner Seel', tu das gleiche bei der Dama!' Dama heit in ihrer Sprache Herrin, das heit seine Frau. Er befahl einem seiner Pagen: 'Sag der Dama, sie soll kommen!' Der Page ging, kam mit ihr zurck und brachte sie herein; sie legte sich auf den Rcken, und er sagte: 'mach es so, wie du es bei mir gemacht hast.' Ich rasierte das Haar, whrend ihr Mann dabeiblieb, um mich zu beobachten. Dann bedankte er sich bei mir und entlohnte mich fr meinen Dienst."
Knigreich des Himmels
Alle Bilder 21th Century Fox
(1) Francesco Gabrieli, Die Kreuzzge aus arabischer Sicht, Artemis Verlag Zrich und Mnchen, 1973. Und: Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzge, Mnchen, 1951ff.

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BURKS ONLINE 19.05.2005
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