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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
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BeitragVerfasst am: 31.03.2005, 01:13 Antworten mit ZitatNach oben





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ZEUGEN JEHOVAS SIND KRPERSCHAFT DES FFENTLICHEN RECHTS

Staatsknete fr die Bibelforscher?

Von Burkhard Schrder


Wachtturm1.

Die Zeugen Jehovas sind jetzt in Berlin eine Krperschaft. Das hat das Oberverwaltungsgericht entschieden. Damit sind die "Ernsten Bibelforscher", wie sie auch genannt wurden, juristisch den Katholen und Evangelen gleichgestellt, aber auch der Neuapostolischen Kirche. Sie drfen selbst Religionsunterricht geben, mssen weniger Steuern zahlen und stehen unter staatlicher Aufsicht.

Das ist eine gute und schlechte Nachricht. Gut, weil der unsinnige Unterschied zwischen Kirche, Sekte oder Sondergemeinschaft nur die Verehrer hherer Wesen interessiert, die Konkurrenz wittern. Fr vernnftige Menschen wie Heiden und andere freie Denker ist die theologische und gruppendynamische Differenz zwischen Opus Dei (Katholen), Baptisten (Protestanten) und Jehovas Zeugen wie die zwischen einem Apfelschimmel, einem hellen und einem schneeweien Schimmel. Schlecht ist die Nachricht, weil sich wieder beweist, dass in Deutschland Staat und Kirche immer noch nicht getrennt sind. Der Staat subventioniert und alimentiert und bevorteilt Wachtturmnicht nur die etablierten Verehrungsformen hherer Wesen, sondern auch die abseitigen.

Das ZDF in Gestalt von heute.de referiert: "Bei Kirchen und Politik stie das Urteil auf Kritik." Wer htte das gedacht. Wer, wie die Sddeutsche, einen "Sektenbeauftragten" fragt, gar einen evangelischen, ob es Sekten gebe und welche das seien, darf sich nicht wundern, dass er die "passenden" Antworten gibt. Laut dem investigativsten aller Nachrichtenmagazine hatte das Land Berlin als Prozessgegner den Bibelforsachern vorgeworfen, "mit rigiden Erziehungspraktiken das Kindeswohl zu gefhrden und durch psychische Sanktionen fr Aussteiger den Bestand von Ehe und Familie zu gefhrden." Interessant, wie das zu beweisen wre. Diese Vorwrfe und hnliche gelten sicher und zu Recht auch fr andere sektenhnliche Religionsgemeinschaften.

2.

Ist Fanatismus gut oder schlecht? Das gemeine Volk wei, dass die Zeugen WachtturmJehovas in der Nazi-Zeit verfolgt wurden, sich aber nicht unterkriegen lieen. Weniger bekannt ist, dass die "etablierten" Kirchen oft mit den Nazis gemeinsame Sache machten, wenn es gegen die "Sekten" ging. Kardinal Michael von Faulhaber schrieb am 5. Mai 1933 lobend:
"Die Gottlosenbewegung ist eingedmmt, die Freidenker knnen nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher knnen nicht mehr ihre amerikanisch-kommunistische Ttigkeit entfalten." Vertreter der offiziellen Kirchen nahmen an den mageblichen Zusammenknften von Ministerien und der Gestapo teil, in denen es um das Verbot der Bibelforscher ging.

Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenksttte Neuengamme schreibt in "Die Standhaftigkeit der Zeugen Jehovas" (2004):
"Mit Hintergrundberichten ber die jeweiligen Glaubensgemeinschaften glichen die Kirchenbehrden den mangelnden sektenkundlichen Sachverstand auf staatlicher Seite aus, teilweise leisteten sie fr die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und andere Verfolgungsinstanzen auch direkte Zutrgerdienste."

Die Bibelforscher hingegen versuchten sich anzubiedern. Die Watch Tower and Tract Society Magdeburg schrieb 1933 einen unterwrfigen Brief an Hitler, um ein drohendes Verbot zu verhindern - vergeblich.

Die Zeugen Jehovas bildeten in den Konzentrationslagern als einzige Weltanschauungsgemeinschaft eine eigene Kategorie und mussten einen Brief an Hitlerlila Winkel tragen. Nach den Massenverhaftungen 1937 und vor Kriegsbeginn 1939 waren zwischen fnf und zehn Prozent der Hftlinge Zeugen Jehovas. Die SS wtete mit bestialischer Grausamkeit gegen die Bibelforscher. Diese wurden meistens isoliert und generell in Strafkompanien eingewiesen, weil sie sich im Gegensatz zu den politischen Hftlingen konsequent allem verweigerten, was ihnen ihr Glaube verbot, zum Beispiel den Hitlergruss zu zeigen oder an der Produktion von Waffen mitzuwirken. Im KZ Sachsenhausen starben im Winter 1939/49 130 Zeugen – sie wurden bis zum Eintritt des Todes mit einem Wasserschlauch auf die Brust gespritzt oder mussten durchnt im Frost im Freien stehen, bis sie erfroren. Solidaritt zeigten die Zeugen jedoch nur innerhalb ihrer Gruppe, sie lehnten es ab, am Lagerwiderstand teilzunehmen. Auch eine Flucht kam fr sie nicht in Frage, da das ihrer Ansicht nach eine Auflehnung gegen die gttliche Vorsehung war. Heinrich Himmler, der "Reichsfhrer-SS" erteilte im Januar 1943 den Befehl, die Bibelforscher in den Konzentrationslagern an Punkten einzusetzen, an denen sie mit Krieg nichts zu tun hatten.
"Jede Strafe ist fr sie ein Verdienst im Jenseits. Deshalb wird sich jeder echte Bibelforscher ohne weiteres hinrichten lassen und ohne weiteres sterben." Eugen Kogon schreibt Verbot in der DDRin seinem berhmten Buch "Der SS-Staat" dass die SS psychologisch mit dem Problem der Bibelforscher nicht ganz fertig wurde.

Whrend des zweiten Weltkrieges wurden ca. 250 Bibelforscher hingerichtet, die meisten durch die Guillotine in den Zuchthusern Berlin-Pltzensee, Brandenburg-Grden und Halle, weil die konsequent den Kriegsdienst mit der Waffe verweigerten. Sogar den Sanittsdienst lehnten sie als "faulen Kompromiss" ab. Insgesamt wurden in Deutschland in der Zeit der Nazi-Herrschaft rund 10000 Zeugen Jehovas verhaften, mehr als 3000 kamen in ein Konzentrationslager, rund 1500 wurden ermordet.

In der DDR verschwieg man das Schicksal der Bibelforscher unter der Nazi-Herrschaft. Die Gemeinschaft wurde 1951 verboten. Hans-Hermann Dirksen schreibt:
"In einer Dokumentation des Ministeriums fr Staatssicherheit aus dem Jahr 1979 heisst es, die Manahmen gegen die Bibelforscher sei keine Verfolgung um des Glaubens." Diese begingen vielmehr "staatsfeindliche Handlungen", "antidemokratische Hetze" sowie "feindliche Nachrichtenttigkeit". Mindestens 50 Zeugen Jehovas starben in den Haftanstalten der DDR.

3.

Und was jetzt? Das Urteil von Berlin ist der Anfang vom Ende der christlichen Vorherrschaft in Deutschland. Und das ist auch gut so. Jetzt werden auch die Mormonen, Mennoniten und Muslime auf die Idee kommen zu klagen. Und dann wimmelt es in den Schulen von Religionslehrern der merkwrdigen Art, die alle die jeweilige Verehrungsform hherer und weniger hherer Wesen mit staatlichem Segen in die Kpfe der Schler trichtern wollen. Bis endlich jemand auf die Idee kommt, das religise und aberglubische Pack ganz aus der Schule zu jagen, wie es in skularen Lndern wie Frankreich schon seit der franzsischen Revolution ist.
Armageddon
Religion darf totaler Unsinn sein, der Staat hat sich nicht einzumischen. Der
Religionssoziologe Gnter Kehrer schrieb 1997 in einem brillianteen und zynischen Artikel:
"Es wird eingewendet, das Glaubenssystem der Scientology enthalte irrationale, ja unsinnige Stze. Ich kann dies sofort unterschreiben, erlaube mir aber zu fragen, ob dies nicht fr alle Religionen gilt. Wer unbefangen den zweiten Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses liest, wird sich nicht zu dem Urteil hinreien lassen, da hier die Spitze mglicher Rationalitt erreicht sei." Wenn die Bibelforscher sagen, alle, die ihre Ideen nicht bernhmen, wrden in Harmagedon vernichtet, ist das ungefhr so rational wie die jungfruliche Zeugung oder die Himmelfahrt Marias.

Hans Goldmann, der kirchenpolitische Sprecher der FPD, schiet jedoch den sektenpdagogischen Vogel zum Thema ab:
"Ebenso wichtig ist die Vermittlung von Werten in den Familien und in den Schulen, um die Jugend gegen die Verfhrung durch Sekten zu immunisieren." Halleluja. Dieses wundervolle Rezept hilft bekanntlich auch Drogen, gegen Gewalt, gegen den berhmt-berchtigen Rechtsextremismus, gegen Hooliganismus, gegen Kommunismus, Philo- und Antisemitismus, Homosexualitt, allgemeinen Kulturpessimismus und den Weltuntergang.

Sektenexperte Fincke warnt:
"Jedes soziale Gefge birgt die Gefahr zu versekten." Hrt, hrt, liebe wohlwollenden Leserinnen und geneigte Leser, das gilt auch fr dieses kleine familien- und frauenfreundliche Forum, in dem permanent und brachialpdagogisch Werte vermittelt werden, dass es nur so kracht.

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BURKS ONLINE 31.03.2005
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