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 [Dokumentation] Die Rote Fahne und die TAZ Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
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BeitragVerfasst am: 02.04.2005, 15:00 Antworten mit ZitatNach oben







MEDIEN
Aktuell30. Mrz 2005
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DAS BILD DES TAGES
Luftschiff ber dem ehemaligen Cargolifter-Gelnde in Brand, Brandenburg, Burks
SPIGGEL.DE-DOSSIER: QUO VADIS DJV BERLIN?
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[Dossier 2] - Der Fall Boehncke (Hans-Werner Conen, 13.12.2004)
[Dossier 3] - Tatort DJV Berlin (Burkhard Schrder, 15.12.2004)
[Dossier 4] - Presseball - die rechte Idee? (Burkhard Schrder, 19.12.2004)
[Dossier 5 - "Dringlicher Appell" (Ehrenmitglieder des DJV Berlin, 09.02.2005)
[Dossier 6] - "Auf ein offenes Wort" (Burkhard Schrder, 24.02.2005)
[Dossier 7] - "Der Wettbewerb um die Fe hat begonnen" (Burkhard Schrder, 02.03.2005)
[Dossier 8] - "Frmchenweitwerfen im Sandkasten - ein Sittengemlde" (Burkhard Schrder, 18.03.2005)
SPIGGEL.DE-DOSSIER: DJV IN DER KRISE
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DOKUMENTATION

Wie steht die Rote Fahne zu den linken Tageszeitungsprojekten?

von Willi Jasper
erschienen in: Die Rote Fahne, Zeitung der maoistischen "K-Gruppe" KPD, Nr. 40 v. 04.10.1978, 9.Jhg, S. 16

Nun sind sie uns auf den Tisch geflattert, die "Nullnummern" der beiden konkurrierenden linken Tageszeitungsprojekte. Die hmische Freude der brgerlichen Presse, die hofft, da sich die neue linke Konkurrenz gegenseitig das Wasser abgrbt, teilen wir nicht, wohl aber die Skepsis. Wenn man sich vor Augen hlt, wie schwer sich schon ein dem Anspruch nach "linksliberales" Blatt, wie die "Frankfurter Rundschau" in der reaktionr ausgerichteten westdeutschen "Medienlandschaft" tut (berregionale Auflage von 50 000), dann kann man sich schwer vorstellen, da zwei neue Projekte, die sich an hnliche Leserkreise richten, aus dem Stand jeweils 20 000 Abonnenten gewinnen knnten. Da man als "unabhngige" linke Tageszeitung aber mindestens so viel Abonnenten braucht, um berleben zu knnen, ist eine realistische Rechnung. Die Plne fr eine linke Tageszeitung sind relativ alt, sie gehen zurck in die APO-Zeit der 60er Jahre. Und ganz gewi sind es nicht wenige aus der APO-Zeit und darber hinaus viele jngere, die groe Hoffnung auf das neue Projekt gesetz haben. Wirkte aber der vom Extra-Dienst ausgehende Konkurrenzkampf schon enttuschend genug, so tun Form und Inhalt der beiden "Nullnummern" ihr briges. Die Erwartungen wurden nicht erfllt, die westdeutsche Linke scheint um eine weitere Enttuschung reicher zu sein.

"Die Neue" und ihre Vorgeschichte


Kaum waren die "Freunde der alternativen Tageszeitung" um den Westberliner Anwalt Strbele und den Frankfurter "Informationsdienst" (ID) mit der Konkretisierung ihres "undogmatischen'' Projektes an die ffentlichkeit getreten, meldete sich der "Extra-Dienst"-Klngel um Herrn Carl L. Guggomos zu Wort: "In der stattfindenden Diskussion um eine ... radikaldemokratische, sozialistische Tagesreitung berwiegen illusionre und romantische Vorstellungen ... Die Redakteure des ED haben anderen Gruppen eine zehnjhrige Praxis in der regelmigen Herausgabe einer Publikation vorans... Eine Zeitung knnen nur Zeitungsmacher machen, keine Gelegenheitsschreiber, so gutwillig und aufrecht sie sein mgen." (Pressemitteilung) Prompt berflgelten die arroganten "Extra-Dienst"-Macher dann auch die Strbele-Leute in der Vorbereitung einer "Nullnummer". Mit Anzeigenuntersttzung des SPD-"Vorwrts", mit "Werbung im Fernsehen, im "Spiegel", "Stern" und "Konkret" erschien die "Neue" eine Woche vor der alternativen "die Tageszeitung" (TAZ). Die linken Phrasen von "gemeinsamem Vorgehen" gegen den "konservativen Trend" und "Kooperation" gegen die "brgerlich dominierten Medien" waren vergessen - der brgerliche Konkurrenzgeist hatte gesiegt.

Fr denjenigen, der sich etwas in der Geschichte des "Extra-Dienstes" und seiner Produzenten auskennt, kam ein solches berrumpelungsmanver nicht unerwartet. Die "10jhrige Praxis" des "Extra-Dienstes", derer sich Guggomos rhmt, ist eine Geschichte der Spaltungsmanver, der Intrigen und des Lumpenjournalismus. In der Ausgabe des "Extra-Dienstes" vom 8. August 78 erinnert ED-Redakteur Buchholz selbst an die unrhmliche Geschichte seiner Clique: " brigens wir haben es in der 12jhrigen ED-Geschichte nicht zum ersten Mal mit Basis-, ad-hoc-oder Initiativgruppen zu tun, die sich spontan und antiautoritr ans Zeitungsmachen wagen. Zu diesem Zweck wurde - einst im Jahre 1969 - sogar der Extra-Dienst gestrmt ..." Wie war es nun wirklich damals?

Als Mitte der 60ger Jahre das Augsteinsche Zeitungsprojekt "Heute" gestorben war, tauchten in der "linken Szene" Westberlins die aus dem "Heute"-Projekt briggebliebenen Journalisten Guggomos (frher SPD) und W. Barthel (ehemaliger DDR-Volksarmeeoffizier) auf. Sie boten ihre Dienste einem Kreis von Sozialisten (berwiegend SDS-Mitgliedern) an, der sich anschickte, den Republikanischen Club zu grnden und eine linke Zeitung fr Westberlin herauszugeben. Guggomos wurde mit der redaktionellen Gestaltung des "Extra-Blattes" beauftragt, das jedoch 1967 nach wenigen Nummern das Erscheinen einstellen mute. Nun beschlossen die Grnder des Republikanischen Clubs einen Informationsdienst fr die APO herauszugeben, Guggomos wurde erneut zum Redakteur bestellt. "Professionell" war er schon damals. In krzester Zeit brachte er den neuen "Extra-Dienst" auf SED-Kurs und betrieb kraft juristischer Tricks, untersttzt von seinem Freund Barthel, die Vergesellschaftung der ED-Produktionsmittel zu seinen Gunsten. Der brgerlichen Presse versuchte Guggomos sogar weiszumachen, da er "Grnder und Initiator" des Republikanischen Clubs sei. Dies nahmen die Gesellschafter des Republikanischen Clubs zum Anla, auf einem Teach-in zum 50. Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (Januar 1969), ffentlich zur Abbestellung des "Extra-Dienstes" aufzurufen. Das war auch. die Geburtsstunde der "Roten Presse Korrespondenz", dem neuen Westberliner Informationsdienst "der Studenten-, Schler- und Arbeiterbewegung". Guggomos und Barthel stellten sich vollends in den Dienst der SED/SEW-Fhrer und verrichteten fr diese die journalistische Drecksarbeit. Sie verleumdeten die antirevisionistische Linke (insbesondere unsere Partei), streuten Gerchte und Lgen aus und entwickelten sich rasch zum unentbehrlichen Stichwortgeber fr die Hetze und Spaltungsmnver der Monopolpresse. Mitte der 70er Jahre sahen Guggomos und Barthel ihren journalistischen und persnlichen Verkaufswert als Nachtrab der bedingungslos moskauhrigen SEW sinken. Sie sprangen auf das Trittbrett aufkommender "eurokommunistischer" Strmungen und nisteten sich dort auf der uersten Rechten ein. Zwar ben Guggomos und Barthel Detailkritik an Randerscheinungen des gesellschaftlichen Lebens des "realen Sozialismus" in der DDR, wenn es aber darauf ankommt, dann springen sie doch fr die SED-Fhrer in die Bresche.

Nach dem Abdruck des BDKD-Manifestes der SED-Opposition im "Spiegel" tobten Barthel und Guggomos: "Schwachsinnige Klitterungen ber die Honecker-Wirtschaft" und "Augsteins Cafe Grenwahn konzentriert sich diese Woche auf die bsen Russen". (ED vom 24. l. 1978) Was sie an Informationspolitik oder Analyse ber die internationale Lage, speziell die 3. Welt (und hier Schwerpunkt Afrika) bringen, kann ohne Skrupel prosowjetisch genannt werden. Auch wenn man eine "Nullnummer" einer neuen Zeitung nur mit Vorbehalten einschtzen kann, zeichnet sich aber schon deutlich ab, da die "Neue" ungebrochen dem " Extra-Dienst"-Joumalismus folgen will. Zwar gibt es eine Rubrik fr die "Grnen" und die Frauenbewegung, die einen Hauch von "undogmatischer Basisnhe" verspren lt, doch der politische Hauptteil der Zeitung ist alles andere als "linksunabhngig". berschriften wie "Hua in Sicht" oder "Kubanische Prsenz in Afrika ist Faktor der Stabilisierung" verraten die gewohnte Handschrift. Die gro herausgestellte Zusammenarbeit des ED mit dem "Dritte Welt Magazin" gibt ja auch keinen Anla zur Hoffnung auf einen Richtungswechsel. (So hat das "Dritte Welt Magazin" z. B. in einer der letzten Ausgaben mehr oder weniger unbesehen einen Eritrea-Artikel des DKP-gesteuerten AIB-Marburg bernommen.) Innenpolitisch gibt sich Guggomos stramm linkssozialdemokratisch und verfassungstreu: "Die Herausgeber erwarten eine intensive redaktionelle Mitarbeit von gesellschaftlichen Gruppen, die sich fr eine konkrete Verwirklichung des demokratischen Verfassungsauftrag einsetzen." Kommunisten und Radikaldemokraten, die sich einer weitergehende politische Perspektive als die Bonner FDGO vorstellen knnen, sind also ausgeschlossen. Und wie steht es mit dem Eintreten gegen die gewerkschaftlichen Unvereinbarkeitsbeschlsse? Guggomos: "Die Herausgeber halten die deutsche Gewerkschaftsbewegung fr die wichtigste gesellschaftliche Kraft zur Verteidigung der Grundrechte." "Die deutsche Gewerkschaftsbewegung" - wer ist das? Ist das die DGB-Fhrung oder die Basis? Wir haben vom ED noch nichts gegen die Unvereinbarkeitsbeschlsse vernommen, wohl aber Sympathie fr die Brokraten.

Wie sind nun die Chancen der "Neuen" einzuschtzen? ber Guggomos' Geldquellen wei man nichts Genaueres. Der Sprung von der ED-Auflage (7000), die nahezu identisch mit der Abonnentenzahl ist, auf 20000 Abonnenten der "Neuen" ist sicherlich ein groes Problem. Sein Rekrutierungsfeld wird Guggomos dann auch nicht so sehr in der "Sponti-Szene" suchen, sondern eher in SPD- und DKP/ SEW-Kreisen. Nach eigenen Angaben fhlen sich 42,2 Prozent der ED-Leser der SPD verbunden und 32,4 Prozent der DKP und SEW. Starthilfe hat die "Neue" ja auch vom SPD-"Vorwrts" und den DKP-nahen Zeitschriften "Konkret" und "Deutsche Volkszeitung" erhalten. Einen ffentlichen Tadel hat auch die "UZ" bis jetzt nicht ausgesprochen. Die Tatsache, da Guggomos fr seine "Nullnummer" Leute wie Heinrich Bll, Dieter Hildebrandt, Juso-Schrder und FDP-Schuchardt als Autoren gewinnen konnte oder ihr Nachdrucksrecht erhielt, mu man realistisch als ein gnstiges Startkapital einkalkulieren - auch wenn es sich als Eintagsfliege herausstellt. Da die "Neue" das Sprachrohr einer sozialistischen Sammlungsbewegung r eine neue Partei werden knnte, scheint von der politischen Linie her ausgeschlossen. Wir meinen, da es die gemeinsame Aufgabe aller fortschrittlichen Krfte, die sich gegen die politischen Verhltnisse in West und Ost wenden, ist, dem Konkurrenz-und Spaltungsmanver der "ED-Macher" entgegenzutreten. Guggomos und Co. haben ihr Konkurrenzunternehmen gegen das Projekt der alternativen "Tageszeitung" (TAZ) hochgezogen, nicht aus "sozialistischer Verantwortung", sondern aus nackter brgerlicher Existenzangst. Redakteur Buchbolz erklrte unverhohlen: "Schlielich ist klar, da eine solche Tageszeitung (gemeint ist die TAZ) die Existenz des ED in Frage stellt (und damit auch uns als ED-Macher)." Da knnen wir kein Mitleid haben. Die Aufgaben einer linken Aktionseinheitspolitik erscheinen uns wichtiger als mgliche konomische Schwierigkeiten der Guggomos und Barthel.

Die Schwierigkeiten der "anderen Tageszeitung" und die Haltung der "Roten Fahne"

Das Projekt der "anderen Tageszeitung" (die jetzt "die Tageszeitung" heit) gebt auf eine Initiative der Gruppe um den Westberliner Anwalt Strbele und den Frankfurter "Informationsdienst fr unterbliebene Nachrichten" (ID) zurck.

Zum Zeitpunkt der Herausgabe der "Nullnummer" existierten in ca. 20 Stdten der BRD und Westberlin Initiativgruppen zur Vorbereitung des Tageszeitungsprojektes. Der materielle Hintergrund dieses linken Tageszeitungsprojektes ist die seit 1974 aufblhende Bewegung der "Alternativpresse". Inzwischen haben sich in fast jeder groeren, in vielen mittleren und kleinen Stdten "Alternativ"-Zeitungen in den unterschiedlichsten Formen herausgebildet. Dabei handelt es sich vor allem um Zeitungen linker, z. T. spontaneistischer Organisationen und Gruppen, um Stadtteilzeitungen. "Volksblatt"projekte etc. Die meisten Projekte sind aus der Brgerintiativbewegung entstanden. Mit einer Gesamtauflage von etwa 100000 (alle lokalen Projekte zusammengenommen) versteht sich die "Alternativpresse" als "Gegenffentlichkeit". Inhaltliche Schwerpunkte der meisten "Alternativ"-Zeitungen sind Fragen der "Anti-AKW-Bewegung", Alltagsprobleme aus Stadtteil, Beruf, Erziehung, lokale Willkr von Polizei und Justiz, Fragen der Frauenbewegung.

Die Zeitungen verstehen sich als "Kommunikationszentren" der "arbeitenden Gruppen", informieren ber Treffs und Veranstaltungen, geben Hinweise fr "alternative Lebensformen", Kneipen, Kinos etc. Das alles ist natrlich noch keine ausreichende Grundlage fr eine berregionale linke Tageszeitung mit politischem Anspruch. In ihrer Broschre "Prospekt Tageszeitung" hatten die Initiatoren des Projektes "andere Tageszeitung" ursprnglich auch weitergehende Vorstellungen. Sie schrieben: "Mit der Tageszeitung wollen wir aus der Ecke der Alternativ- und Szene-Presse heraustreten und offensiv kritische Auffassungen nnd Informationen in eine breite ffentliche Diskussion bringen.

Nun, an diesem Anspruch gemessen, mu man die eine Woche nach der "Neuen" erschienene Nullnummer "die Tageszeitung" (TAZ) negativ bewerten. Herausgekommen ist noch nicht mehr als eine bunte Mischung von "Basisnachrichten''', die alle auf dem Niveau des bisher wchentlich erscheinenden Frankfurter ID liegen. Die "Tageszeitung" spiegelt zwar den Alltag wider, aber nicht eine Tagesaktualitt. Politische Kommentare fehlen vllig. Die Initiatoren der "Tageszeitung" wollen sich an ihrem Vorbild "Libration" ans Frankreich orientieren. ("Libration" ist eine "undogmatische" Zeitung von Linksintellektuellen in Frankreich mit nicht unerheblichem politischen Einflu.)

Wir meinen, da "Libration" ein Produkt der franzsischen Verhltnisse ist, da man sie nicht schematisch auf Westdeutschland bertragen kann.

Dennoch htten die TAZ-Redakteure gut daran getan, den Ratschlgen eines "Libration"-Redakteurs zu folgen, der in dem "Projekt Tageszeitung" u. a. fordert, "das soziale Ghetto der Linksradikalen aufzubrechen", vom "internen Bulletin" Abstand zu nehmen.

Nun mu man der TAZ sicherlich zugute halten, da die Nullnummer unter dem von Guggomos gesetzten Zeitdruck zustande kam.

Doch daran allein kann es nicht liegen. Es gibt Konstruktions- und Konzeptionsmngel grundstzlicher Natur. l. Das Konzept der TAZ versucht einen Begriff von "links" zu definieren, der sich nicht primr an den Interessen der Arbeiterklasse orientiert. 2. Im Zusammenhang damit wird kein Konzept des umfassenden demokratischen Kampfes entwickelt. 3. Ebenfalls aus diesem Zusammenhang erklrlich gehen die Initiatoren der TAZ nicht von der Notwendigkeit einer breiten Aktionseinheit aller fortschrittlichen Krfte aus.

Da die Vorbereitungen fr eine linke Tageszeitung auf ein so groes Interesse gestoen sind, hngt aber gerade mit der Hoffnung vieler Linker zusammen, auf neuer Grundlage gemeinsam fr Demokratie und Sozialismus kmpfen zu knnen.

Da diese Hoffnung jetzt so stark aufkeimt, hat seine Ursache in der politischen Um- und Aufbruchsituation, in der wir uns befinden.

Diese Situation ist gekennzeichnet durch sich verschrfende Widersprche im internationalen Mastab, durch eine wachsende Unzufriedenheit der werkttigen Massen mit dem Bonner Parteiensvstem. Sie drckt sich aus durch eine starke Bewegung fr demokratische Rechte und Freiheiten in West und Ost, durch Achtungserfolge alternativer Wahlbndnisse und die Strkung oppositioneller Krfte bei den Betriebsratswahlen. Wer diese Faktoren nicht bercksichtigt, wurschtelt an der Realitt und den Interessen der linken Bewegung vorbei.

Wir sagen das nicht schadenfroh, sondern in der Hoffnung, da die Initiatoren der TAZ erkennen werden, da ihr Projekt sich nur dann zum Positiven wenden lt, wenn es sich eingliedert in das gemeinsame Ringen um die Aktionseinheit von Demokraten, Sozialisten und Kommunisten. Im Rahmen der Diskussion ber Kritik, Umgestaltung, Strkung und Verbreitung der "Roten Fahne" haben wir schon im April dieses Jahres erklrt: "Ausgehend von der Feststellung, da die ffentliche Meinung in unserem Land - wenn auch in Ost und West in unterschiedlichen Formen - von den Feinden der Arbeiterklasse beherrscht ist, liegt es nicht nur im Interesse der Kommunisten, wenn die "Roten Fahne" sich als marxistisch-leninistische Wochenzeitung zu einer Alternative gegenber den staatstragenden Medien in West und Ost entwickelt. Wir meinen, da der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Zeitungsprojekten auf der Seite der Linken etwas vllig anderes sein mu und kann als der von der kapitalistischen Konkurrenz ausgehende Konzentrationsproze der brgerlichen Zeitungen. In unserem Kampf ist es notwendig, in eine solidarische und kameradschaftliche Diskussion mit Organisationen des linken Lagers einzutreten, die gemeinsamen Interessen und Aufgaben hervorzuheben, offene Debatten, Austausch von Artikeln etc. vorzuschlagen. ("Rote Fahne", 15/78)

Diese Vorschlge richtet die Redaktion der "Roten Fahne" auch konkret an die Initiatoren der TAZ. Aus unserer "Parteilichkeit" als Zeitung der KPD machen wir allerdings keinen Hehl. Wir werden weiter fr die Arbeiterinteressen in West und Ost eintreten, fr ein von der Sowjetunion und den USA unabhngiges, vereintes und sozialistisches Deutschland.

Aber wir wollen unsere Vorstellungen ber den Weg zum Sozialismus nicht zur Voraussetzung des gemeinsamen demokratischen Kampfes machen. In diesem Sinn steht unser Angebot zur Zusammenarbeit mit der TAZ.

Im Frhjahr 1980 lste sich die KPD auf. Ihre "Rote Fahne" wurde eingestellt. Der 1. Vorsitzende der KPD, Christian Semler, arbeitet heute als Redakteur fr die TAZ.
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BURKS ONLINE 30.03.2005
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