www.burks.de Foren-bersicht www.burks.de
Burkhard Schr�ders [Burks] Forum - f�r Kosmopoliten und Kaltduscher
burks.de: Forum für Kosmopoliten und Kaltduscher
burksblog.de: ab 01.01.2008 geht es hier weiter!
privacyfoundation.de: German Privacy Foundation
 FAQ  •  Suchen  •  Mitgliederliste  •  Benutzergruppen   •  Registrieren  •  Profil  •  Einloggen, um private Nachrichten zu lesen  •  Login
 Cyberporn 2 Nchstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Neues Thema erffnenNeue Antwort erstellen
Autor Nachricht
burks
Webmaster
Webmaster


Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 22.09.2003, 23:44 Antworten mit ZitatNach oben




[NETZ]KULTUR
Aktuell22. September 2003
BURKS' FORUM
ber diesen Artikel diskutieren (nur fr registrierte NutzerInnen des Forums)
SPIGGEL.DE-DOSSIERS (AUSWAHL)
Dossier CargoLifter
Ein Konkurs der XXL-Klasse
Darf man das Video zeigen?
Serie ber Gruelvideos aus dem Irak
Die Shne der Witwe
Neunteilige Serie ber die Freimaurer
Mythos RAF
Serie ber die "Rote Armee Fraktion"
Cyberporn
Serie ber den Medienhype "Kinderpornografie im Internet"
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
DAS BILD DES TAGES
Bogot, Kolumbien Burks
LINKSAMMLUNG ZUM THEMA
KULTUR UND NETZKULTUR
Warum hat Milla keinen Sex?
Resident Evil: Apokalypse
Die SS der Kleinkunst
Pigor singt und Eichhorn muss begleiten
Der Aufmerksamkeitstter
Kastius probt schon wieder den Volksaufstand
Beheading Hoax: "Kopf ab" als Daily Soap
Geflschtes Enthauptungsvideo
sieg-heil.de, DENIC
Das DENIC in der Kritik
Herausnehmbares Gehirnmodul
Der Mensch der Zukunft
Sex, Landser und Rosamunde Pilcher
Was will das Publikum?
Frauen. Turban. Islam.
Zur Kopftuch-Diskussion
Fr Rtselfreunde
Steganografie fr Dummies
Das Bad der Mnner
Impressionen aus Budapest
Cy kein Borg
Kulturindustrielle Konstruktion des technischen Subjekts in "Star Trek"
Monochrome Netzliteratur
Treffen von Netzliteraten
Mehr Pornos online
US-Gericht stoppt Child Online Protection Act
LITERATUR AUF BURKS.DE
Betr.: Traumfrau
(Erotische Kurzgeschichte)
Cypherguerilla
SF-Krimi, 1997
Brother
SF, erschienen in c't 3/2000
Salvaje
SF, erschienen in ThunderYEAR2002
Eidolon
SF, erschienen in c't 17/2002
WETTER
Belmopan (Belize)
Haga-Haga (Azania)
Mandalay (Myanmar)
Notre-Dame-du-Portage (Kanada)
Seattle (USA)
Melbourne (Australien)
Hongkong (China)
Colonia San Jordi (Mallorca)

DOSSIER TEIL 2

Kinderpornografie im Internet - die Geschichte eines Medien-Hypes

Von Burkhard Schrder


Wie das Thema "Pornografie im Internet" in der US-amerikanischen Politik behandelt wurde, findet seine Parallele in Deutschland. Der Artikel der Time schlug Wellen bis nach Europa. Heimo Ponnath schrieb 1996 in in'side online: "Und so erschienen auch in Deutschland viele triefende Seiten zum vermeintlichen Pornosumpf des Internet - meist unter kritikloser bernahme der Times-Aussagen." In Deutschland diskutierte die ffentlichkeit wenig spter aber nicht ber "Pornografie", sondern ber "Kinderpornografie", die in der Geschichte der Time so gut wie keine Rolle spielt. Auch hier kann man eine Parallele zwische dem ffentlichen Diskurs und politischen Entscheidungsprozessen beobachten, unter anderem den parlamentarischen Beratungen zum Informations- und Kommunikations-Gesetz (IuKDG), das im Juni 1997 verabschiedet wurde und sich unter anderem mit der Verantwortung von Providern fr transportierte Inhalte beschftigt.

Parallel zur Diskussion um das IuKDG verlief der Fall CompuServe. Am 22. November 1995 durchsuchte die Polizei den Firmensitz des Internet-Providers Compuserve in Unterhaching. Bei einem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Mnchen I war eine Anzeige des Polizeiprsidiums gegen die Verantwortlichen von Compuserve eingegangen, diese verbreiteten angeblich kinderpornografische Schriften. Wegen dieses Verdachts wurde ein Ermittlungsverfahren erffnet. Ein Beschluss folgte, die Geschftsrume der Firma zu durchsuchen. Der Geschftsfhrer Felix Somm erklrte sofort, man sei kooperativ und werde die betreffenden Diskussionsforen (Newsgroups) nicht mehr anbieten. Das Polizeiprsidium bergab Compuserve dann eine Liste von rund 250 "verdchtiger" Gruppen; welche tatschlich Verbotenes enthielten, blieb Compuserve zu entscheiden. Weil die Information ber die potentiellen "Tatorte" bei der Firma ab jetzt vorlag, musste diese handeln. Nach Lage des Gesetzes war ein Online-Dienst fr Inhalte verantwortlich, wenn er sie wissentlich und willentlich verbreite. Ob dieser Fall zutraf, darum ging es in der darauf folgenden ffentlichen Debatte: Verbreitet ein Briefkasten oder ein Postbote strafwrdige Dinge, wenn diese auf Postkarten regulr verschickt werden? Muss die Post jeden Brief und jede Postkarte lesen und prfen, bevor sie sie an den Empfnger aushndigt?

Die Aktion gegen Compuserve erzeugte ein gewaltiges Medienecho, weil die US-amerikanische Mutterfirma viele Newsgroups fr alle Kunden weltweit aus Vorsicht sperrte, auch wenn dort nur ber harmlose Dinge diskutiert wurde. Ein Jugendlicher, der sich schlicht ber "Sex" aufklren wollte, war als Kunde von Compuserve gezwungen, die Dienste anderer Unternehmen in Anspruch zu nehmen. Die von Compuserve auf den Index gestellten Stichworte wie "erotica", "gay" und ";lesbian" sperrten viele Selbsthilfegruppen und Initiativen aus dem "Cyberspace" , die sich um sexuelle Aufklrung bemhten. Die Newsgroup alt.sexy.bald.captains - fr Fans der Filmserie Raumschiff Enterprise geriet auf den Index, jedoch blieben Foren mit einschlgigen Titeln wie alt.binaries.pictures.cocks (Bilder mnnlicher Geschlechtsteile) oder alt.binaries.nospam.analfem (Analverkehr mit Frauen) offen zugnglich. In Amerika hagelte es Proteste, so dass das Unternehmen wenig spter beinahe alle Newsgroups wieder ffnete. In San Francisco verbrannten mehrere hundert Menschen symbolisch ein Transparent mit dem Schriftzug first amendment. Dieser Zusatz der US-Verfassung verbietet in den USA dem Kongress, also der Regierung, Gesetze zu erlassen, die die Meinungsfreiheit einengen. In Washington beschwerten sich binnen eines Tages 18.000 Surfer per Telefon und Fax bei den zustndigen Politikern.

Die damalige Situation ist, was das ffentlich Echo angeht, immer noch aktuell und bezeichnend: In den USA ist Zensur - wie weit oder eng man den Begriffauch fasst - negativ besetzt. Wer sie versucht, etwa im Namen des Jugendschutzes, bekommt erheblichen ffentlichen Gegenwind. Die Anwlte von Brgerrechtsorganisationen wie zum Beispiel der die American Civil Liberties Union (ACLU) klagen gegen jeden, der das Recht der freien Meinung beschneiden will - und gewinnen fast immer. In Deutschland hingegen gibt es keine politisch ernst zu nehmende Lobby, der es gelnge, Zensur als Angriff auf die Grundwerte der Demokratie zu geisseln. Zensur, wenn es gegen das jeweils Bse geht, gilt als opportun. Nicht die Befrworter von Zensur mssen sich moralisch rechtfertigen, sondern die Gegner von Verboten. Die Grnde fr diese kulturellen Traditionen knnen nur aus der jeweilien Geschicht erklrt werden: Deutschland ist das Land des Obrigkeitsstaates im Bsen wie im Guten par excellence. Der ffentliche Diskurs in Deutschland ist weniger kontrovers, eher kommunitr und fordert viel eher einen moralischen Konsens der Individuen ein als in den USA: Dass der Staat gegen das jeweils Bse hart durchgreifen soll, gehrt zur argumentativen Standardausrstung jedes Politikers, ungeachtet der politischen Couleur.

Deshalb entrstete sich die Presse in Deutschland zwar, als gegen Felix Somm, den Geschftsfhrer von Compuserve, entgegen aller Erwartungen im Mai 1998 ein Prozess erffnet wurde, und als dieser zu zwei Jahren Haft auf Bewhrung und einer Geldstrafe in Hhe von 100000 Mark verurteilt wurde. Das Amtsgericht hielt Somm fr schuldig, weil er deutschen Kunden den Zugang zu Datenspeichern in den USA ermglicht habe, auf denen auch strafbare Inhalte gespeichert waren. Doch ernsthaft stellt niemand ein Verbot, bestimmte Inhalte im Internet zu sehen, in Frage. Man war sich nur einig, dass das "Internet" zu chaotisch sei, um die typisch deutschen Durchfhrungsbestimmungen und Ausfhrungsverordnungen weltweit durchzusetzen und dass ein Provider wie Compuserve nicht fr die transportierten Inhalte verantwortlich gemacht werden knne. Obwohl der deutsche Firmensitz der Anlass fr die weltweite Sperre gegeben hatte, gab es keine auch nur annhernd vergleichbare politische Proteste.

Im November 1999 wurde Felix Somm im Revisionsverfahren freigesprochen. Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft hatten Berufung zu Gunsten Somms eingelegt. Selbst die Staatsanwaltschaft beantragte endlich Freispuch, den Angeklagten treffe "keine persnliche Schuld", vor allem, weil der Geschftsfhrer des deutschen Zweisitzes der Firma Compuserve nur den Zugang zur amerikanischen Muttergesellschaft vermittelt habe.

Wenn man diesen Aspekt des Urteils interpretiert hiesse das: wenn Compuserve eine deutsche Firma gewesen wre, wre das Urteil anders ausgefallen - zuungunsten des Angeklagten. In diese Richtung geht auch der Kommentar Frank Sarfelds, des (damaligen) Pressesprechers von AOL (das Compuserve mittlerweile bernommen hatte) nach dem Freispruch: "AOL und CompuServe haben deshalb bereits vor einigen Jahren mit der so genannten Kindersicherung ihren Mitgliedern eine technisch ausgereifte Software zur Verfgung gestellt." Kunden sei es mglich, "verschiedene Inhalte des Internets auszublenden." Das Unternehmen werde "auch weiterhin zusammen dafr sorgen, dass die Gesetze gegen Kinderpornografie und andere kriminelle Aktivitten eingehalten und umgesetzt werden."

Niemand stelle in Frage, dass es mglich und wnschenswert sei, bestimmte Inhalte des "Internet" zu zensieren, obwohl dieser Wunsch technisch und auch (medien)politisch usserst strittig ist. Obwohl es bei dem Verfahren gegen Felix Somm ausschliesslich um Diskussionforen ging, die mit dem World Wide Web nichts zu tun hatten, wird der Trend des diskursiven Mainstreams bis heute deutlich: "Pornografie" wird durch "Kinderpornografie" ersetzt, das Usenet - pars pro toto - durch das "Internet". "Sicher ist nur", rsumiert Thilo Machotta - und das ist fr das Thema Jugendschutz die wichtigste Aussage - [color=brown]"dass durch die Berichterstattung zur CompuServe-Anklage ber Jahre hinweg die Themen Internet und (Kinder)Pornographie miteinander verquickt wurden."

Alle vier Folgen knnen Sie bei Cashticket anonym kaufen - klicken Sie auf das Logo:


---------------------------------------------------------------------------------------

BURKS ONLINE 22.09.2003
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfltigung nur mit Genehmigung des BurksVEB.

Benutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht sendenE-Mail sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
Beitrge der letzten Zeit anzeigen:      
Neues Thema erffnenNeue Antwort erstellen


 Gehe zu:   



Nchstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beitrge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beitrge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beitrge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beitrge in diesem Forum nicht lschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group :: FI Theme :: Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde