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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6765
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 19.02.2006, 03:10 Antworten mit ZitatNach oben

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Slawische Seele
MelancholiaSo ist das mit den Blogs. Manchmal werden sie zu persnlich, allzu persnlich. Man denkt laut vor sich hin und denkt nicht darber nach, dass das Geschreibsel von der ganzen Welt gelesen werden knnte. Aber wir halten es mit Goethe: Wer nicht eine Million Leser erwartet, sollte keine Zeile schreiben.

Auerdem habe ich fast eine Flasche Wein getrunken, weil mir gerade keine besseren Drogen einfielen. Insofern bin ich heiter (!?) gestimmt oder so hnlich. Es ist so: Eigentlich bin ich ein berufsmiger Zyniker, wenn ich ehrlich bin, und halte nicht viel von meinem Mitmenschen und den zumeist niedrigen, gar niedrigsten Motiven ihres Tuns. Das bewahrt einen vor Illusionen, wenn man gerade Revolutionen anzettelt oder dazu aufruft, die real existierende Obrigkeit zu strzen oder dem Guten zum Durchbruch zu verhelfen oder einfach nur den Roten Hahn auf die Pfaffen- und Klosterdcher zu setzen.

Eine Momentaufnahme: Ich hre gerade eine Musik (danke, unserer Nutzerin Natalie aus Tiflis, Georgien!), die mich zum Weinen bringt. Das passiert mir selten, aber die Melodie greift mir ans Herz. Vielleicht habe ich aber nur die slawische Seele meines Opas geerbt, der, obzwar in Polen geboren, sich aber als Russe fhle, weil an der Wolga grogeworden. Ha: Dieser Satzrhythmus! Das ist der MelancholiaStil eines meiner Lieblingschriftstellers, Stefan Heym. Hoffe ich jedenfalls.

Es gibt keine flssigere Schreibe als die Mischung aus amerikanischem Pragmatismus und deutschem Tiefsinn. Ich lese seit ein paar Tagen zum x-ten mal "Nachruf", die Autobiografie Heyms. Welch ein Leben, welche ein Epos, welch ein Jahrhundertwerk! Da lasse ich mich gar nicht beirren. Ein Buch fr die Insel, besser als drei Dutzend Geschichtsbcher. Irgendwie kann ich kaum jemanden politisch ernst nehmen, der das nicht gelesen hat. Jawohl.

Der Freitag hat es kurz zusammengefasst: "Stefan Heym musste das 20. Jahrhundert in vielen Staaten erleben und erleiden und wurde so zu seinem deutschen Kronzeugen. Sein schicksalhaftes und heftig bewegtes Leben verbitterte ihn nicht, sondern weckte den Kmpfer in ihm. Er machte lebenslang keine Kompromisse bei dem, was ihm wichtig und unaufgebbar war, aber er verlor darber nie seinen Humor. Bis ins hohe Alter, bis zu seinem Tod war er so glcklich, arbeiten zu knnen und produktiv zu sein. Seine Romane und Erzhlungen bleiben uns und werden bleiben. Er lie sich niemals den Schneid abkaufen. Nicht durch Zwang und nicht durch Schmeichelei lie er sich von dem abbringen, was er als Recht erkannt und als gerecht anerkannt hatte. Er war stets bereit sich einzumischen, unbeeindruckt von dem Geklff gelegentlich sehr hoher Klffer. Zum Ende machte ihm das Gehen gelegentlich Schwierigkeiten und er lief gekrmmt, doch ich habe nie einen Mann mit einem aufrechteren Gang erlebt."

Jedes Wort wahr! Ich habe ihn einmal persnlich erlebt, in Hamburg bei einer Lesung, und mir eines seiner Bcher signieren lassen. Heym war sicher ein schwieriger Mensch und eitel, wie alle Schriftsteller, aber das zhlt nicht. Heym ist jemand, der zu den wenigen literarischen Vorbildern zhlt, die ich habe, allein schon wegen der Sprache, die ich uneingeschrnkt bewundere. Und wegen der Haltung, die zitierten Klffer am Wegesrand, die Sesselpupser, die kleinkarierten deutschen Krmer- und Beamtenseelen, die Blockwarte, Mitgliederbetreuer und Jugendschutzwarte, die Brokraten und Untertanen, die Feiglinge und Kleingeister, die sich an ihre Pstchen und Sessel klammern und die das Deutsche an sich verkrpern, aus tiefster Seele zu verachten und zu verabscbeuen und ihnen eines reinzuwrgen, wo es eben geht.

Ach ja. Die Musik Giuli Chokhonelidzes ist das, was das germanische Vorurteil als "slawisch" ansieht. Ich kann das nicht gut beschreiben. Vielleicht ein Zitat aus "Nachruf" gefllig? Stefan Heym ist amerikanischer Offizier und besucht, noch vor Kriegsende, seine Heimatstadt Chemnitz, die schon von Russen besetzt worden ist.

"Im zweiten Stock sitzt da einer, der Deutsch spricht und sich anhrt, was der amerikanische Sergeant ihm zu sagen hat; wie er aus Chemnitz fortging und was ihn zwang, fortzugehen, und wie er nach Amerika kam, und wieder zurck nach Deutschland mit der Armee, und das mit dem Grab seines Vaters, das nicht auffindbar war, und ber den Herrn Ballerstedt vom Chemnitzer Tagblatt. Und der russische Kapitn, Gott wei, Melancholiawas er im Zivilleben war und welche Funktion er jetzt hat in seiner Armee, beginnt zu verstehen. Es leuchtet etwas auf in seinen Augen, und er hebt seine breite, arbeitsgewohnte Hand und fragt: "Dieser Ballerstedt - Faschist?" Und da der Sergeant S.H. ihm besttig, "Faschist!", krmmen die Finger der Hand sich, als griffe er bereits zu, und er nickt, "Charascho", und fgt, damit dem Amerikaner nur ja alles klar sei, hinzu, "Okey!"

Vermutlich muss man eine slawische Seele haben, um zu verstehen, warum diese Zeilen mich genauso rhren wie die Musik Chokhonelidzes, die ich gerade im Kopfhrer habe. Jetzt msste ich nur noch ein Bild eines der wichtigsten Malers aller Zeiten - neben Bosch natrlich - vor mir haben: Gestalten, die nicht ganz in ihre Zeit passen, weil sie einzigartig sind. Aber dann wrde ich ganz in eine Parallelwelt abdriften.
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BURKS ONLINE 19.02.2006
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