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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
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BeitragVerfasst am: 30.12.2005, 01:37 Antworten mit ZitatNach oben

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GEISELNAHME ALS WIRTSCHAFTSZWEIG
Was ist eigentlich im Jemen los?
Map YemenClans, Fehden und Stammesfhrer

Die Tagesschau hat mich angefixt: Ein Screenshot der jemenitischen Zeitung Yemen Observer. Dort haben die deutschen Medien so gut wie alles abgeschrieben, was es zum Fall der Entfhrung der Familie Chrobog zu berichten gibt. Dazu msste man auch nicht AP zitieren: "Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP schlugen die Entfhrer offenbar mehrere Optionen zur Lsung des Geiseldramas vor. Nach den Worten von Awadh bin al Wasir, eines der Stammesfhrer, die in dem Fall vermitteln, bezgen sich smtliche Forderungen der Geiselnehmer auf eine rtliche Stammesfehde und richteten sich an die jemenitischen Behrden."

Das reicht mir nicht. "Stammesfhrer" - also eine Art Hadschi Halef Omar? Immerhin hat das Erste einen recht informativen Artikel vorrtig, der sich mit der Macht der "Stmme" im Jemen beschftigt. Auch schon im Fall Susanne Osthoffs wurde der iraktische "Stamm" der Schammar erwhnt. Die Schammar kannte ich, seit dem ich "Durch's wilde Kurdistan" von Karl May gelesen habe. Was ist denn ein "Stamm" im 21. Jahrhundert: Unterscheidet sich ein jemenitischer Stamm vom Stamm der Bayern oder der Wrttemberger?

Jemenitischer "Online-Dienst"

Die aktuelle Meldung des Yemen Observers erklrt zunchst die politischen Hintergrnde:
"Al-Ahmer Ali, described by a fellow tribesman as the political consultant of the tribe, said that although his tribe is 80% illiterate, all were unwilling to resort to kidnapping for a long time, until they felt their hands were forced. 'We felt that we had no other path,' he said. 'This is not an act of terror nor a political action against the political leadership in the capital. The kidnapping was a last resort to obtain our rights. We are sorry that this is how it should be.' - 'We have been fighting for justice since 1993 through all means possible,' Ali continued, 'via state or and tribal law. We have resorted to this action in order to put pressure on influential local leaders and officials in the Shabwa and Abyan governorates. They are the ones who have used their power to oppress our tribe. We have no political affiliations, nor qualms with the central government.'"

Entfhrungen sind also eine Art Lnderfinanzausgleich mit anderen Mitteln. Gewalt will niemand, und andere Mglichkeiten, Druck auszuben, gibt es nicht:
"...they will not accept any money in order to Map Yemenrelease the hostages. 'This is not our tradition,' he said. 'We need our people freed and the long dispute to come to an end. We dont want other than our rights.'"

Nur als Beispiel fr eine oberflchliche Berichterstattung eine kurze Passage aus dem Tagesspiegel:
"Hintergrund des Kidnappings ist offenbar eine Stammesfehde. Die Entfhrer verlangen die Freilassung von fnf Clanmitgliedern, die wegen der Ttung von zwei Mitgliedern eines rivalisierenden Clans inhaftiert sind. Die Zeitung 'Yemen Observer' berichtete, die erste Verhandlungsrunde zwischen Innenministerium und Geiselnehmern sei am Donnerstagmorgen gescheitert. Laut der Zeitung sagte einer der Kidnapper, die Garantien der Regierung reichten nicht aus." Auch die FAZ schreibt komplett vom "Internet-Dienst" der jemenitischen Online-Zeitung ab. (By the way: Was soll dieses merkwrdige Wort "Internet-Dienst"?)

Die Klnische Rundschau bringt es hbsch populistisch ins Haddehin-Deutsch bersetzt: "
"Der Alltag wird bestimmt durch archaische Gesetze und Normen. Mit Waffengewalt ausgetragene Stammesfehden und Blutrache sind an der Tagesordnung. Die Stmme wollen sich der Zentralmacht nicht beugen und ihre Angelegenheiten nach berkommenem Recht selbst regeln. Um ihre Interessen durchzusetzen, greifen sie zu dem im Jemen bewhrten Mittel: der Geiselnahme. Noch im frhen 20. Jahrhundert war es blich, dass Shne von Stammesfhrern am Hofe der Imame in Sanaa lebten - als Faustpfand fr die Loyalitt der Stammesscheichs." Die Jemeniten nehmen sich also auch untereinander als Geiseln.

Wo sind die Geiseln versteckt?

"Stammesfehde". "Stammeskulturen", "laut einer Zeitung", kein Link zum Yemen Observer - das ist deutscher "Online-Journalismus" in Reinkultur. Versuchen wir, liebe wohlwollende Leserin und lieber geneigter Leser, noch mehr herauszufinden.

Der Gouverneur der Provinz Schabwa heisst laut Stern Ali al Rassas. Das Blog Armies of Liberation schreibt seinen Namen richtig, mit nur einem 's". Im September gab es einen hnlichen Fall:
"The provinces governor, Ali Al-Rasas, met the liberated tourists and apologized to them for such an unfortunate incident, according to the sources. The abduction was aimed at ratcheting up pressures on the authorities to release one of the kidnappers relatives who is being imprisoned in an Aden jail at the backdrop of a criminal case." Vielleicht ist es immer noch derselbe Fall?

Die britische Times berichtet:
"Tribal chief Sheikh al-Ahmar Ali al-Aswad is holding the German family as bargaining counters for the release of five brothers who have been imprisoned by Yemeni authorities, and are on trial for the deaths of members of another tribe, a tribal source identifying himself as Abu Khairalah told the AFP news agency." Map YemenBei der Recherche sollte man immer auch, insbesondere bei arabischen Schreibweisen, nach der englischen Version suchen.

Ziel: Das Territorium der Entfhrer auf einer Karte zu lokalisieren. Hinweis vom Yemen Observer:
"The hostages are being kept in a mountainous area in the Habban district of Shabwa."

Bei Wikipedia findet man Links zu Karten. Man msste auch alle anderen jemenitischen Medien online durchforsten, das berlasse ich den fleissigen Stammleserinnen und arbeitsamen Stammlesern. Es erscheint zunchst schwierig, weil die Suchbegriffe "Habban" und "Shabwa" bzw. "Schabwa" auf vielen Karten nicht auftauchen. Erst bei Infoplease werden wir fndig. Shabwah liege genau in der Mitte des Jemen, Habban sdlich davon. Die Perry-Castaeda Library Map Collection ist wie gewohnt die erste Adresse fr thematische Karten ber den Jemen. Bei der interakiven Karte von National Geographic wird es spannend: Habban ist genau im nrdlichen Zipfel der Region um Ataq. Und da kommt man mit Frappr.com oder maps.google.com oder Google Earth schon nah an die Details - bis auf zwei Kilometer. Man kann sogar die genauen Flusslufe und etwas Landwirtschaft erkennen. Der untere Screenhot von maps.google.com zeigt das Gebiet, in dem die deutsche Familie sich jetzt vermutlich zwangsweise aufhlt.

Archaistik

Wenn der gemeine Europer etwas nicht versteht, nennt er es "archaisch". Putins Politik in Tschetschenien Und Bushs Irak-Politik sind jedenfalls "archaischer" und blutrnstiger als die Geiselnahmen im Jemen. Eine jemenitische Nation gibt es nicht, und die kleinste Solidareinheit ist der "Clan", also eine Einheit oberhalb des Familienverbands. Das war bei den Goten auch nicht anders, als sie Teile des rmischen Weltreichs eroberten. Das rmische Konzept des "Staatsbrgers" klingt aus heutiger Sicht moderner, aber eben unter den historischen Umstnden nicht effektiv. Man kann im brigen davon ausgehen, dass jeder Jemenite die "Stammeszugehrigkeit" auch wechseln kann - durch Heirat zum Beispiel.

Damit man es nicht vergisst: Das Gebiet der "Stmme" gehrte zum Sdjemen, dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet. Der war lange Jahre vom Norden unabhngig. Von 1967 bis 1990 nannte sich Sdjemen "Volksdemokratische Republik Jemen" und kooperierte mit der Map YemenVolksrepublik China. Frauen waren im Vergleich zum islamischen Norden weitaus emanzipierter, mussten sich nicht verschleiern und kmpften zusammen mit den Mnnern in einer Art "Volksmiliz".

Wenn ich es mir heute aussuchen knnte: Ich wre lieber Gast der "Stmme" des Sdens als Gast die jemenitischen Regierung, die die deutsche Familie eingeladen hatte, oder gar des Prsidenten, der sich wie ein Groer Fhrer auf der Website feiern lsst. Vielleicht hat irgendein Scheich der Wahidi oder Ka'aiti, die in Frage kommen fr die Geiselnahme, sogar noch ein vllig verblichenes Exemplar der Mao-Bibel unter dem Teppich.
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BURKS ONLINE 30.12.2005
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