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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
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BeitragVerfasst am: 11.05.2005, 20:11 Antworten mit ZitatNach oben





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LATINOBLOG 29: BOLIVIEN 3

Der Kautschuksammler

Von Burkhard Schrder

Karte BoliviensReisetagebuch, 23. Juni 1984.

"Chiv, im Pando-Dschungel, rund 50 Kilometer vor der peruanischen Grenze. Ich sitze auf einem Baumstamm hoch ber dem Rio Madre de Dios. Wir hoffen immer noch oder schon wieder auf ein Schiff, das uns nach Puerto Maldonado bringt. Am Nachmittag wird alles still, der Fluss strmt trge dahin, im Wasser Kringel, als ob es Blasen wrfe, leise Musikfetzen aus einem Radio. Sogar die Moskitos wirken schlfrig. Der Urwald gegenber steht still, nur ab und zu Vogelzwitschern."

Ein Weg fhrt nach Norden, ein Tagesmarsch weit. Ein Kautschuk-Sammler ldt uns ein. Das zwiespltige Gefhl, zu zweit im Urwald zu sein, ringsum keine Menschenseele, und der Pfad bewuchert und machmal kaum zu finden. Nur zehn Meter weiter im undurchdringlichen Dickicht, und man wre verloren und ohne Orientierung. Palmenwedel neigen sich herab, als wollten sie die Wanderer begren. Ein Spinnennetz, gro wie ein Wagenrad und geformt wie ein Trichter, glitzert im Morgentau.

Die Familie des Kautschuksammlers, Ehefrau, Kinder, und ein "Mdchen" fr alles, wohnen in drei Htten am Fluss. Eine ist fr uns und unsere Hngematten freigerumt worden. Don Arturo zeigt uns stolz sein "Feld", auf dem alle tropichen Frchte wachsen, das aber das ungebte Auge kaum vom Urwahl unterscheiden kann, nur dass die Bume weniger engstehen.

Der Pando, obzwar Urwald, war frher dichter besiedelt. Alle Welt suchte und brauchte Kautschuk. Whrend des Kautschuk-Boom Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der kostbare Saft des Kautschuk-Baums (Hevea brasiliensis) gewonnen und das Rohgummi nach Manaus in Brasilien verschifft. Als die Planze auch in Sdostasien angebaut wurde, verflog der Reichtum des Pando in wenigen Jahren. Der berhmteste Kautschuksammler der letzten Jahrzehnte war Chico Mendes.

Alle Siedlungen im Umkreis gehren einem Grogundbesitzer. Die Bewohner der Drfer wie Chiv drfen nichts selbst anbauen, sondern mssen alle Kautschuksammler
Lebensmittel in den wenigen Lden kaufen - die gehren auch dem Grundherrn. Um berhaupt am Rio Madre de Dios leben zu drfen, sind die Siedler - sie stammen meistens aus dem bolivianischen Hochland - gezwungen, sich hoch zu verschulden. Drei Monate sammeln sie Paransse, drei Monate dauert die Saison fr das wenige Kautschuk, das hier noch gesammelt wird. Nur eine particulares, unabhngige Sammler wie Don Arturo, haben es durchgesetzt, dass sie auf eigene Rechnung arbeiten.

Am zweiten Tag hat Don Arturo ein Tier geschossen, ein Festmahl kndigt sich an. Ein Affe hngt an einem Haken in der Freiluft-"Kche". Mir ist, als msse ich ein Kind verspeisen. Aber es wre vermutlich usserst unhflich, die Gastgeber zu beleidigen und nichts zu essen. Die Kinder ernten Maniok und buddeln Yucca-Wurzeln aus dem Boden, die fr die "Sttigungsbeilage" gedacht sind. Das Affen-Geschnetzelte schmeckt wie Wildschwein.

Am Rio Madre de DiosAm Rio Madre de DiosKautschukbaum
KautschukbaumAm Rio Madre de DiosYucca
Rio Madre de DiosChiveChive

Don Arturo fhrt uns zu den Bautschuk-Bumen. Es sind Dutzende, die er alle wiederfindet. Es dauert einen ganzen Tag, bis er alle abgegangen ist - wie ein Fallensteller seine Fallen. An jedem Baum ist ein kleines Gef in die Rinde gesteckt. Mit einem speziellen Messer ritzt der Kautschuksammler die Rinde alle drei Tage so schrg an, dass das Harz - eben der Rohstoff fr Kautschuk - in das Gef tropft. An einigen Bumen, erklrt Don Arturo, kann man noch die Kerben sehen, die vor mehr als 100 Jahren eingechnitten wurden.

In seinem Arbeitsschuppen liegen zahllose Scheite einer besonderen Holzart, die mit Seife eingefettet werden. Auch das Feuer darf nur von unten geschrt werden, dazu gehrt ein bestimmte Frucht, die, wenn sie verbrennt, genau den Rauch erzeugt, der den weien Rohgummisaft hrtet. Die Angelegenheit sieht ein wenig aus wie ein Bonsai-Meiler. Pando
Der Kautschuksammler hlt whrend der Prozedur einen starken Stock ber das Feuer und trufelt den Saft vorsichtig darber, bis das Rohgummi sich wie ein fettes Schwein ohne Glieder ber dem Feuer dreht. Die fertigen Rollen wiegen so viel, dass sie ein einzelner Mann kaum heben kann. Sie werden mit Schiffen nach Riberalta geschafft.

Aus dem Reisetagebuch: Die aufgehende Sonne, deren Strahlen durch die Bume auf den Fluss fallen, ein toter Flussarm mit braunem Wasser, den Hunderte von Wurzeln berspannen, umrahmt von gewundenen Lianen, Bume, die von Schlingpflanzen so eingepresst werden, dass sie Knoten bilden, um wachsen zu knnen. Der dunkelblaue und wolkenlose Himmel. Die Kautschuk-Htte und der beiende Rauch, der aus ihr quillt, dahinter die dunkle Wand des Dschungels. Die Grillen, die abends an den Wnden sitzen und zirpen, was das Zeug hlt, die zahllosen unbekannten Vogelstimmen, das ferne Gekreische von Affen. Schwrme blutdrstiger Moskitos. Und berall Ameisen, die wahren Herren des Urwalds.

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