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 [Latinoblog 11] Guyana 2 - die Rebellion der Rancher Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 23.08.2003, 23:55 Antworten mit ZitatNach oben

Guyana 2 - die Rebellion der Rancher

Fortsetzung von [Latinoblog 10] Guyana - das geheimnisvolle Land 1. Die Bilder in Originalgrsse sind nur fr registrierte Nutzer des Forums zugnglich.

Die Manari-Ranch in der Rupununi-Savanne im Westen Guyanas wre ein Paradies, she man nur flchtig hin. Der Blick aus den ebenerdigen Gstezimmern streift ber dunkelrote und schwer duftenden Blten zu den blauen Bergen am Horizont (Bild obene, 2.v.l.) und verliert sich zwischen den knorrigen Bumen (Bild links, 2.v.o.), die irgendwie verschchtert aussehen, als trauten sie sich nicht, zu einem orgentlichen Wald zusammenzuwachsen. Der Herren der Savanne sind die Termiten. Ihre zum Teil ber mannshohen Bauten (Bild oben, 3.v.l.) thronen ber der Ebene wie Burgen. Dazwischen grellbunte Orchideen (Bild oben r.); man kann stundenlang spazierengehen, ohne einen Menschen oder ein Tier zu sehen - ausser Vgeln oder Gewrm (Bild links, 5.v.o.). Die Termiten besetzen manchmal Bume und funktionieren sie zu ihren Husern um (Bild oben, 2.v.r, meine damalige Freundin). Der Rancher erzhlt uns, dass der Baum garantiert sterben msse, die einzige Gegenwehr gegen Termiten sei Feuer.

Wer kennt schon das Gefhl, ausgerechnet in Guyana zu reisen? Es liegt fernab der Touristenstrme. Und doch stellt sich das Gefhl besonders intensiv ein, ganz da zu sein und doch verloren wie ein Wassertropfen im Ozean. Man wei nicht so recht, wo man eigentlich ist. Wir reiten auf den Pferden der Ranch stundenlang durch die Savanne und sind ganz allein dort. Die Ranch liegt wie eine Insel im Meer der Ebene. Wer waren wohl die Leute, die sie errichtet haben? Wann und warum gerade hier? Die verwitterten Holzkreuze erzhlen nicht viel. Man ist abgeschnitten von der Welt. Hier gibt es keine Obrigkeit, keine Brokratie, niemand, der etwas anordnen kann, ausser denen, die hier etwas besitzen. Selbst sind die Frau und der Mann. Eine verlockende Vorstellung, mit den fremden Sternen am Nachthimmel und am Tag den Blick auf unbekannte Berge, hinter denen Geheimnisse verborgen zu sein scheinen....

Abends sitzen die wenigen Gste des Hotels mit der Rancherfamilie auf der Terasse zusammen und plaudern. Meine damalige Freundin und Reisepartnerin war Ethnologin, und wir hatten vor der Reise alle verfgbare Literatur ber Guyana gelesen. Viel war es nicht, aber in einer Fachzeitschrift stand etwas von einem Aufstand in der Rupununi. Irgendwann merkte der Rancher, dass wir mehr wussten als gewhnliche Reisende. Und als ich ihm eine Kopie des besagten Artikels gab, verschwand er fr eine Weile in einem Hinterzimmer. Etwas erregt kam er wieder zurck, und war von der Idee nicht mehr abzubringen, dass ich ein writer sei, der inkognito reise. Heute gibt es einige Quellen online ber das Rupununi Uprising - eine vergessene Geschichte eines von der Welt vergessenen Landes:

On January 2, 1969, the police station at Lethem, the administrative center of the Rupununi District, was attacked by ranchers, mainly from the Hart and Melville families, who were armed with bazookas and automatic weapons. Lethem Police Station was completely wrecked by bazooka shells and policemen were riddled by bullets as they tried to escape. Annai and Good Hope stations were seized and the personnel held captive along with other Government officials and civilians in the abbattoir at Lethem.

Five policemen and one civilian were killed, the government dispenser was shot and wounded, and a number of persons, including the District Commissioner and his wife, were herded into the abbattoir and held hostage. News about the insurrection reached Georgetown by midday that day and policemen and soldiers were flown in to Manari by Guyana Airways. When the government forces moved on Lethem the rebels fled, eventually going across the border.


Damals lockte das lreiche Venezuela, das immer noch den ganzen Westen Guyanas fr sich reklamiert. Als ich vor ein paar Jahren in Caracas eine Karte Venezuelas kaufte, wunderte ich micht, dass das Land im Osten wesentlich grsser war als auf allen Karten, die es in Deutschland von Sdamerika gibt.

Aus meinem Reisetagebuch: "Der Kanadier erzhlt, vor der Aufstand wren die Rancher unermesslich reich gewesen, bis zu 6000 Pferde und 4000 Rinder wren auf einer Ranch gewesen. Sie htten vorgehabt, die Pferde mit amerikanischen Rassepferden zu kreuzen. Alle Flugpisten bis auf die der Manari-Ranch seien geschlossen worden. Die Soldaten aus Georgetown, die jetzt noch klauten wie die Raben, schlachteten das meiste Vieh oder transportierten es an die Kste...

Die Amerindians leben in Htten mitten in der Savanne und verkaufen, jetzt fr viel Geld, Tpferwaren. Die Regierung steckt sie in Resevate, um sie kontrolieren zu knnen. Jede Familie hat unter ihren Hunden einen, den sie nicht fttert. ...Die Hausmdchen sprechen ihre eigene Sprache und vermuten, wir wren sehr reich. Ihre Vorfahrenerzhlen sie, seienhead hunter aus dem Amazonas-Gebiet, einer sei auch ein Schotte gewesen....

Abends auf der Veranda weitere Geschichten: die Botschaften in Georgetown seien ein Grund zur Belustigung: Die Russen* fhren den ganzen Tag mit schweren amerikanischen Chevrolets umher, die Kubaner lgen nur in den Fenstern und schauten den Leuten zu, die Chinesen htten eine so hohe Mauer gebaut, dass man noch nicht einmal das erste Stockwerk sehen knnte. Die Englnder feierten jeden Tag eine Party. Der Botschafter der DDR sei mit einer Zahnrztin verheiratet."

Das Guyana Journal schreibt: "The insurrection was organized by a number of private ranchers who believe that Burnham's government would refuse to renew their grazing rights and they were actively aided by a small number of Amerindians." Die Fronten sind sehr merkwrdig: Weie Rancher, also Grogrundbesitzer, zusammen mit indianischen Ureinwohnern, gegen Einwanderer aus Indien und Nachfahren afrikanischer Sklaven, erstere untersttzt von Venezuela, letztere von den Englndern. Der Konflikt ist vergleichbar mit dem zwischen Belize und Guatemala.

The ringleaders of the insurrection fled across the border into Brazil and Venezuela, where they claimed that they had intended to set up an independent Rupununi Republic. The Guyana Government declared the Rupununi restricted and murder charges were brought against fifty-seven persons, twenty-nine of whom obtained asylum in Venezuela or Brazil. The remaining twenty-eight were taken to Georgetown. Charges were withdrawn against eighteen and the remaining ten, who were mostly Amerindians, were later either released or acquitted. In his statement on the revolt, Mr. Burnham accused Venezuela of arming and training the rebels.

Wie es heute aussieht, beschreibt ein Artikel Thomas William Henfreys von der University of Kent at Canterbury: The Rupununi ranching industry has since its establishment provided employment, and more recently a means of independent livelihood, for Wapishana people. Despite the massive decline of the industry following the Rupununi uprising in early 1969, it continues to exert a profound effect on their lives. Cattle are reported to be kept in every Wapishana village, and a few individuals have set up as independent ranchers. The most enduring influence has been the ongoing conflict with the Rupununi Development Company, whose massive land holdings in the south-central savannas literally fenced in several Wapishana communities.

Die Stabroek News spricht sogar von einer "Revoluton". Der Chef der sozialistischen Guyana Action Party, Paul Hardy - die GAP hat sich mit der sozialdemokratischen und multiethnischen Working People's Alliance zusammengeschlossen -, frdert die grenzberschreitende Kooperation mit Brasilien.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Linken haben in Guyana nicht nur gewonnen, sondern bringen das Land nach langen Jahren der Wirren auf Kurs. Und das sollte die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser dieses kleinen Familienforums am Sonntag erfreuen.

* Ich war 1979 und 1982 in Guyana. Fortsetzung folgt.
Zum Vergrssern auf die Bilder klicken!


24.08.2003
BurkS


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