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 Wie man grssliche Pressetexte verfasst Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 11.03.2006, 23:03 Antworten mit ZitatNach oben

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KLEINES PRESSESPRECHER-BASHING
Wie man grssliche Pressetexte in schlechtem Deutsch verfasst
SeminarWer schreibt, mchte, dass ihn niemand versteht, der Text den Leser langweilt und dass mglichst alle Regeln, guten Stil und gutes Deutsch betreffend, missachtet werden. Nein? fragen Sie verwirrt, das sei nicht so?

Texte sollen "korrekt, verstndlich, angenehm und anregend sein, fordert "Deutsch fr Kenner." Wenn Sie also wissen wollen, wie man es nicht machen soll, lesen Sie eine aktuelle Pressemitteilung des DJV vom 10.03.2006: "DJV richtet journalistische Bildungsarbeit neu aus" (Das "J" steht fr "Journalisten"!).

Der Autor dieser unmageblichen Zeilen, das sei dem zufllig vorbeisurfenden Publikum verkndet, ist bekanntlich solidarisch und kollegial wie die Schweizer bei Asterix: Er prgeln auf das Dumme, Unwahre, Bse und Hssliche ein, verbindet aber danach die Wunden. Schreiben kommt nicht aus dem Bauch, sondern ist ein Handwerk, das erlernt werden kann und muss. Der Lehrling sollte nur exakt das tun, was der Sprachpapst alias Wolf Schneider befiehlt, zum Beispiel in "Deutsch fr Profis". Kaum ein Journalist wird sich trauen zuzugeben, das Buch nicht zu kennen, aber nur sehr wenige scheinen es gelesen zu haben. Man muss ja nicht gleich den Ehrgeiz entwickeln, das Sprachgenie eines Heinrich Heine oder gar eines Lichtenberg zu imitieren! Der schrieb - an Pressesprecher gerichtet: "Der Respekt gegen Dichter, die man nicht versteht und doch erreichen will, ist die Quelle unserer schlechten Schriften."

Noch etwas, zugunsten des Pressesprechers des DJV: Pressesprecher knnen bekanntlich nicht schreiben, sonst wren sie Schriftsteller oder Journalisten. Es heisst bewusst: Pressesprecher. Pressesprecher wird man, wenn man als Freelancer finanziell nicht zurechtkommen will oder nicht wei, wie das in freier Wildbahn geht. Aus diesem Grund werden Rechtsanwlte oft auch Verbandsanwlte, oder, wenn es intellektuell noch nicht einmal dazu reicht, "Mitgliederbetreuer".

Was will der DJV? Seine Bildungsarbeit qualifiziert neu strukturieren. "Qualifiziert" ist kein Adverb, das dem hsslichen Unwort "strukturieren" zu einem bunteren Kostm verhlfe. Wer wollte das Gegenteil vermuten? Etwa eine unqualifizierte Durchfhrungs- und Ausfhrungsverordnung fr das Umstrukturieren? Die Mbelpacker strukturierten die Wohnung dergestalt neu, dass sie die Mbel qualifiziert hinaustrugen.

Munter geht es mit dem sinnfreien Brokratensprech weiter: Was will der DJV? Seine Bildungsarbeit
mit neuen Inhalten versehen. "Versehen" ist das zweitschwchste Verb, das einem hier einfallen knnte. Schlechter wre nur der Satz: Der DJV tut seine Bildungsarbeit ndern. Der Bauer versieht seinen Acker mit Saatgut, und der Ackergaul versieht den mit frisch gester Saat versehenen Acker mit Pferdekacke. Der Mann hat die Frau mit einem Kuss versehen, die wiederum versah die Backe des Mannes mit einer Ohrfeige. Mit neuen Inhalten also - nicht mit unqualifizierten Inhalten oder womglich gar keinen? Das wollen wir nicht hoffen.
Wolf Schneider
Der Leser ist noch nicht aus dem ersten (!) Satz entlassen; der qult sich holpernd weiter:
"...den vernderten Rahmenbedingungen in der journalistischen Weiterbildung Rechnung tragen." Drei Mal endet ein Wort - in einem Nebensatz- mit ung: Eine reife Leistung! Das Politbro des Zentralkomitees htte es nicht besser ausdrcken knnen. "Rahmenbedingungen", gar die vernderten, ist Blhdeutsch, Wortgeklingel, von dem Wolf Schneider sagt: "Wahrscheinlich ist berhaupt nichts gemeint." Was wren die Bedingungen ohne ihren Rahmen? Und was bedingt was? Der Satz hat keinen Rhythmus, keinen Klang, er hrt sich gesprochen frchterlich an. Das soll jemand mit Verngen lesen?

Wie knnte man es besser machen? Wir mssen die Nomen zertrmmern und durch Verben ersetzen. Alles ist anders geworden ("vernderte Rahmenbedingungen")? Kann man also weglassen. "In Rechnung tragen" meint "erwgen", "bedenken". Also: Wir knnen Weiterbildung nicht mehr so betreiben wie bisher. Es ist alles anders geworden, und das mssen wir bedenken. Wer htte das gedacht?

"Die Weichen dazu wurden heute..." Das ist kein deutscher Satz. Redet so ein normaler Mensch, dem der Mund gerade gewachsen ist? Den Arsch habe ich mir abgewischt. Den Hut setzte der Vater auf. Keine Ahnung hat der Pressesprecher von Sprache und Stil. Vermutlich stammt die verdrechselte Wortstellung aus den Nachrichtenagenturen: Journalisten schieben zwanghaft das, was sie fr wichtig halten, nach vorn, ganz gleich, ob das den Satzbau durcheinanderwrfelt oder nicht. Man frchtet offenbar, dass der Leser nur den Anfang des Satzes aufnimmt und den Rest berliest. Aber nur dann, wenn man langweilig und wurstig schreibt und Satzpolypen erzeugt!

Es geht so weiter:
"...wurde die Auflsung des Vereins (...) beschlossen." Ja, wir hatten im letzten Satz kein ung und vermissten den Nominalstil schon! Ich nahm die ffnung des Marmeladenglases vor. Lenin fragt: Wer wen? Wer lste auf? Der Deutsche Fachjournalisten-Verband e. V. hat das in seiner Pressemeldung zwar nicht bermig elegant, aber verstndlich hinbekommen: Das Bildungswerk blabla wird aufgelst. Das beschloss die Mitgliederversammlung. Und anschlieend folgt das Kleingedruckte, das nur die Eingeweihten interessiert.

Es kommt noch rger: Der erste Absatz der Pressemeldung wiederholt in einem Zitat genau das, was vorn steht, sogar mit den gleichen brsigen Worten: Rahmenbedingungen, Struktur. Und der letzte Satz hat sage und schreibe 39 Wrter. Dazu scheibt Wolf Schneider in "Deutsch fr Kenner":
"Beim wievielten Wort setzt in einem gehrten Text das Verstndnis aus? (...) Bei siebenjhrigen Kindern mit dem achten Wort, bei einem Drittel aller Erwachsenen mit dem elften Wort; bei mehr als der Hlfte aller Erwachsenen sptestens mit dem vierzehnten Wort." Sieben Prozent der Stze in der Bild haben vier Wrter oder weniger, der Durchschnitt der Wrter ist zwlf. Die Obergrenze der optimalen Verstndlichkeit liegt, laut dpa, bei neun Wrtern. Das Johannes-Evangelium der christlichen Bibel und die Buddenbrooks Thomas Manns haben im Durchschnitt 17 Wrter pro Satz.

"...neue Entwicklungen in der Aus- und Weiterbildung". Der Leser fragt sich neugierig: Was entwickelt sich denn da? Der Autor dieser unmageblichen Zeilen hat - rein zufllig - Zahlen und Fakten ber das Bildungswerk des DJV vor sich liegen. Die Themen der Seminare waren offenbar nicht so interessant, dass sich genug Journalisten dafr anmeldeten. So einfach ist das.

Doch halt: Es gibt Ausnahmen! Am "Adhoc-Seminar" "Im Fadenkreuz der Regierenden" am 14.12.2005 haben zahlreiche Journalisten teilgenommen. Man nahm sogar nicht jeden. Der Autor bekam, nachdem er sich angemeldet hatte, einen Brief von Volker Hummel, dem Vorsitzenden des Bildungswerks. Man knne die Anmeldung "leider nicht bercksichtigen". "Aufgrund ihrer Erfahrung und Arbeitsweise sind Sie fr dieses Seminar 'berqualifiziert'."

Das schmeichelt. Aber waren die Seminare des Bildungswerks nur fr die Doofen? Oder nur fr Pressesprecher, die "investigativ" nicht buchstabieren knnen? Leider wissen wir nicht, ob es in Deutschland zu viele berqualifizierte Journalisten gibt und die Zahl der Teilnehmer, die sich in den vergangenen Jahren zum DJV verirrten, daher klein war. Das wre aber endlich eine gute Nachricht und liee fr die Zukunft des Berufsstandes hoffen.

Verehrtes Publikum! Zum Schluss eine Pressemeldung von Otto Heinrich Khner, die auch als Rede zu beliebigen Anlssen benutzt werden kann:
"Im Namen, willkommen heien, Ausdruck verleihn, Echtes Bedrfnis, bedanken und Meilenstein; Prioritten setzen, sich aufdrngende Fragen, Denkanste, wesentlich dazu beitragen; Suche nach der Identitt, ins Auge fassen, Stellung beziehen und Plne reifen lassen; Optimale Lsung, Position und Wolf SchneiderTransparenz, Plattform, Entschiedenheit und Konsequenz, Fragenkomplex, Problematik und Kriterium, Zu erkennen geben, Anliegen und Wissen um; Unverzichtbar, weitgehend und beispielhaft, Wichtige Impulse, Initiative, Errungenschaft, Spielraum, dringende Bitte, der Sache dienen, Gegenwrtige Situation. Ich danke Ihnen."

Noch besser ist die kurze Allzweckfassung einer Rede oder mndlich vorgetragenen Pressemeldung von Karl Valentin. Ich habe sie neulich in der U-Bahn gelesen und musste so losprusten, dass die anderen Fahrgste mich erstaunt ansahen:

"Wehe dem, der sich selbst, wehe dem, dem derjenige nur das ist, was wir uns von diesem erwartet haben. Selbst ist die Frau! Meine Herren! Wenn die Besonnenheit uns von unseren Sorgen, deren wenige ein verblendendes Spiel in uns gesetzt zum Zwecke des Mittels, einen wie bei jedem, wir knnen nicht das gute Gewissen mit derselben Resignation verknpfen, der unserem Standpunkt von vorneherein gegenberstand."
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BURKS ONLINE 11.03.2006
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