Unter Speläologen im Suderlande

Dechenhöhle

Gestern machte ich eine Klassenfahrt einen Halbtagesausflug zur Dechenhöhle [aka Deutsches Höhlenmuseum Iserlohn], eine Tropfsteinhöhle im Sauerland (überregional bekannt durch seine Flussnamen).

Ich war mehrfach motiviert: a) Als Kind war ich schon einmal da, konnte mich aber ums Verrecken an nichts mehr erinnern, b) habe ich so etwas und Ähnliches schon in Secondlife gebaut und c) war das Sauerland in meiner Kindheit eines der beiden möglichen Urlaubsgebiete (neben der Nordsee).

Dechenhöhle

In Wahrheit besteht die Dechenhöhle aus mehr als 60 Höhlen, die auch noch nicht aller restlos erforscht sind. „Für Besucher ausgebaut sind 400 von 902 Metern der Höhle“ mit insgesamt rund 17 Kilometern Ganglänge. „Zu den Bewohnern der Höhle zählen die Große Höhlenspinne (Meta menardi) und Fledermäuse.“

Dechenhöhle

Hätten Sie’s gewusst? Die Höhlenforschung gliedert sich in die Hauptbereiche Speläotopographie, Speläogenese und Speläobiologie.

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Ich war schon mehrfach unter erschwerten Bedingungen „unter Tage“, wie man im Ruhrpott sagt, in Silberminen Boliviens, oder in unterirdischen Pyramidengängen in Mexiko, wo es mir schummrig wurde. In Deutschland ist alles bestens gesichert und man ist froh, dass keine Helmpflicht besteht, obwohl ein Führer natürlich unabdingbar ist.

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Man kann aus finanziellen, kulturellen und touristischen Gründen in solchen Höhlen allerlei Tamtam veranstalten, Lesungen, Musik und Gespenstisches. Das finde ich eher uninteressant. Ich wollte wissen, was man da gefunden hat und wie alt das ist und seit wann da Menschen hausten oder auch nicht, weil es zu dunkel und unheimlich war.

Dechenhöhle

Auf dem obigen Foto sieht man in der großen Versionen einen Pfeil, der auf einen Knochen zeigt. Die Höhlen, „die durch die Lösung von Kalkstein durch leicht saures Wasser (Kohlensäureverwitterung) über sehr lange Zeiträume hinweg entstanden sind“, sind zwischen 1,5 und einer Million Jahre alt. Die Tropfsteine (Stalaktiten und Stalagmiten) selbst wachsen extrem langsam – im Durchschnitt etwa 1 mm in 100 Jahren, sind also auch uralt. An einigen Orten, wie auch hier, wurden Knochen von Höhlenbären (Ursus spelaeus) gefunden, sogar die eines Wollnashorns, und die geologischen Schichten der Fundorte waren zwischen 120.000 und 150.000 Jahre alt. Wollmammuts und Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea, alle ausgestorben) liefen da auch herum.

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Bonus: Der Neandertaler hat diese Tierchen gesehen und vermutlich auch gefagt, aber ist nicht durch Löcher in die Karst- bzw. Tropfsteinhöhlen gefallen – man hat keine Menschenknochen gefunden. Werkzeuge und Tierknochen mit Spuren menschlicher Nutzung aus der Zeit des Neandertalers wurden sehr wohl entdeckt.

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Der Mensch ist versucht, dem, was er nicht versteht oder was Menschlichem nicht ähnelt, Namen zu geben, die aber natürlich sinnlos sind. Das rot Beleuchtete ist ein „Höllenloch“. Man muss natürlich an die Existenz einer Hölle glauben, um das irgendwie unheimlich zu finden. Drastischer wäre ein unbeleuchtetes Skelett eines verunglückten Höhlenforschers, um Nachahner abzuhalten. Aber das schickt sich nicht.

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Ich war von einigen – zum Glück – wenigen Rentnern umrahmt, die sich aber ordentlich benahmen und auch angenehmere Gesellschaft waren als große kreischende Kindergruppen im Berlin Naturkundemuseum, samt des oft überforderten pädagogischen Begleitpersonals, insbesondere, wenn es Hidschab trägt.

Dechenhöhle

Unaer Guide führte uns auch vor, wie man durch Klopfen an die Stalaktiten [Eselsbrücke, nicht jugendfrei: Die Mi(e)ten steigen und die Tit(t)en hängen] eine ganz ordentliche Melodie erzeugt. Wir durften das aber nicht versuchen.

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Interessant wurde es auch im angeschlossenen Museum, wo man die Überreste einer Fälscherwerkstatt bewundern kann, die in einer der Höhlen versteckt war.

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Bei den übergroßen Plastik-Dinos und dem Modell eines Höhlenlöwens war ich weniger begeistert. Da bin ich vom Naturkundemuseum, wo ich oft arbeite, verwöhnt. Alles unterhalb vom Tyrannosaurus ist Pipifax. Und der Höhlenlöwe sieht aus wie ein trauriges Kuscheltier aus dem Hause Steiff. Da hätte man besser die Berliner Taxidermisten rangelassen.

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Trotzdem war es alles in allem ein interessanter Trip, den ich mit einem Selfie samt Dame an der Bushaltestelle beende.

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