www.burks.de Foren-bersicht www.burks.de
Burkhard Schr�ders [Burks] Forum - f�r Kosmopoliten und Kaltduscher
burks.de: Forum für Kosmopoliten und Kaltduscher
burksblog.de: ab 01.01.2008 geht es hier weiter!
privacyfoundation.de: German Privacy Foundation
 FAQ  •  Suchen  •  Mitgliederliste  •  Benutzergruppen   •  Registrieren  •  Profil  •  Einloggen, um private Nachrichten zu lesen  •  Login
 [Freimaurer 5] Geheime Obere und Verschwrer 1 Nchstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Neues Thema erffnenNeue Antwort erstellen
Autor Nachricht
burks
Webmaster
Webmaster


Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 02.08.2003, 23:04 Antworten mit ZitatNach oben

[Die Shne der Witwe 5] Geheime Obere und staatsfreundliche Verschwrer 1

"Nun, sie sehen doch, dass ich die Wahrheit gesagt, sie haben doch nichts wider die Religon oder den Staat gefunden!"
"Ha! Ich wollte, ich htte dergleichen gefunden, das sollte mir lieber sein!"
(Gesprch zwischen einem Freimaurer und Gotthold Ephraim Lessing nach dessen Aufnahme)

Das habe ich allen Frauen voraus: Noch nie hat ein weibliches Wesen diese Worte in einem derartigen Zusammenhang - unter Mnnern und mit verbundenen Augen - vernommen. Dafr aber viele Herren, bei denen ich eine Geistesverwandschaft nicht vermutet htte: Wolfgang Amadeus Mozart und Carl von Ossietzky, Goethe und der Alte Fritz, Joseph Haydn und Gotthold Ephraim Lessing, der Aufklrer Fichte und der Politiker Stresemann, Scharnhorst und Garibaldi, amerikanische Prsidenten und schwedische Knige, der Flugpionier Charles Lindbergh und Edwin Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond. Winston Churchill und Kemal Atatrk, Simon Bolivar und Salvador Allende, der Pazifist Kurt Tucholsky und der deutsche Kaiser Wilhelm I., der Hochstapler Cagliostro und Holger Brner: Alle waren oder sind Freimaurer.

Der brderliche Mnnerbund bietet ein Geschichts- und Welterklrungsmodell an, in dem, wie es sich gehrt, keine Frauen vorkommen. Ahnherren der Logenbrder waren die Steinmetze und Dombaumeister des Mittelalters. "Der Begriff Freimaurer bezieht sich auf das englische freestone-mason und bezeichnet den Bauknstler, der im Gegensatz zum roughstone-mason den freistehenden Stein als Steinmetz- bzw. Steinbildhauer kunstvoll zu bearbeiten verstand."(1)

Die Versammlungsorte ihrer Mnnerabenden nannten sie Bauhtten. Das Wort lodge ist zum ersten Mal 1278 nachgewiesen, in einer Abrechnung ber den Bau der englischen Abtei Val Royal. Der Steinmetze waren nicht dem Zunftzwang unterworfen, sondern genossen zahlreiche Privilegien wie heute noch bestimmte Berufsgruppen, mit denen es die staatlichen Organe nicht verderben wollen. Sie hatten das Vorrecht des freien Reiseverkehrs, sogar in Kriegszeiten, denn Kirchen wurden immer gebraucht - und sei es nur, um die jeweiligen Parteien zu segnen.

Da es kein Architekturstudium und keien Fachliteratur gab, konnten die Baumeister die Geheimnisse ihrer Kunst vor der lstig nachdrngenden Konkurrenz bewahren. Wer in die Bauhtten aufgenommen wurde und sich den strengen Regeln unterwarf, neigte nicht zu umstrzlerischen Gedanken wie Bauern oder gar Bergleute. Er hatte etwas zu verlieren und verhielt sich dementsprechend; eine Lebensphilosophie, die den heutigen Freimaurern nicht fern steht. Er schwor auf Recht und Gesetz, auf Pflichterfllung und auf Kunst- und Menschenliebe, verbunden mit dem Gehorsam nach ganz oben, der Gottesfurcht.

In einer Londoner Urkunde aus dem Jahre 1376 tauchte die Bezeichnung freemason auf. Ins Deutsche bersetzt: Freimaurerei. Die Mnner erkannten sich an geheimen Zeichen, Worten und Handgriffen sowie an bestimmten Fustellungen, die noch heute innerhalb der Logen vorzufhren sind. Das war kompliziert und stellte hohe Anforderungen an das Gedchnis, war aber flschungssicher.

Die starren und rituellen Wechselreden zwischen dem ehrwrdigen Meister vom Stuhl, dem Wachhabenden, dem Zeremonienmeister, den zwei Aufsehern, dem Schaffner, dem Sekretr, dem Redner sowie dem gemeinen und unterbeschftigten Fuvolk haben ihren Ursprung in akustischen Besonderheiten der Mnnerbundsitzungen. Wenn Nachrichten oder Anweisungen von Mann zu Mann weitergegeben werden, hufen sich Missverstndnisse, weil Mnner es gewohnt sich, nur sich selbst zuzuhren. Versammelte man sich nicht in der Bauhtte, sondern in den Kirchen, konnte der vorn platzierte Chef schlecht durch den Raum brllen, wenn jemand Einlass begehrte. Die Fragen nach den Personalien werden daher von Mann zu Mann, von einem Amtstrger zum anderen weitergereicht. Niemand durfte den Wortlaut verndern, hnlich dem heutigen Gesellschaftsspiel Stille Post.

Vor der Erffnung einer Logensitzung wird noch heute kontrolliert, ob die Loge gedeckt ist. In alter Zeit, als es noch keine Richtmikrofone gab, saen die Vertreter der Staatsmacht oder sonstige Spitzel meist auf Dchern, hoben Schindeln ab und lauschten. Die letzten Blicke der Logenbrder gingen deshalb immer nach oben, ob Teile der Bedeckung fehlten.

Im zusehend aufgeklrten 18. Jahrhundert wurden Kirchenbauten seltener und die Bauhtten der Handwerker-Aristokratie von Intellektuellen unterwandert. Die "Kopfarbeiter" strmten zu den Mnnerabenden der alten Maurer; dort war auch im Zeitalter des Absolutismus die freie Meinungsusserung mglich. Als sich das gengend herumgesprochen hatte, waren die angenommenen Maurer bald in der Mehrheit. Die Freimaurer errichteten immer noch sakrale Bauten, aber nur symbolisch. Sie bauten den Tempel der Humanitt. Den bergang von der operativen zur spekulativen Maurerei markiert die Grndung der ersten Freimaurer-Grologe in London im Jahr 1717. Die Deutschen zogen, wie immer etwas versptet, nach. 1737 entstand in Hamburg die Mutterloge Absalom zu den drei Nesseln.

Dann ging es Schlag auf Schlag: 1738 wurde der damalige Kronprinz Friedrich, spter der Groe genannt, in Braunschweig zum Freimaurer geweiht. Das geschah im Schnellverfahren, denn man konnte von einem so prominenten Vertreter der Herrschenden nicht verlange, monatelang Lehrling oder Geselle zu bleiben. In einer Nacht durchlief der junge Fritz alle Grade bis zum Meister. Viel bewirkte das nicht. Friedrich lie zwar die zahlreichen Emigranten aus anderen Lndern nach ihrer Facon mehr oder minder selig werden, berzog aber die Nachbarstaaten mit Kriegen, bei denen Zehntausende fr dynastische Interessen ihr Leben lassen mussten. Preussen entwickelte sich zum sklavischsten Lande Europas, was der Legendenbildung ber die Aufgeklrtheit des Monarchen aber keinen Abbruch tat.

Die Freimaurerlogen faszinierten vielleicht nicht nur deshalb, weil keine Frauen zugelassen waren, sondern weil sich die reine Vernunft mit allerlei Hokuspokus verband. Einflussreiche Freimaurer wie der Reichsfreiherr Karl Gotthelf von Hund, ein verschrobener Junker aus der hintersten Lausitz, verlngerten das eigene beschrnkte Weltbild in die Vergangenheit. Hund begrndete das Hochgradsystem und nannte es Strikte Observanz. Im Gegensatz zu dem eher nchternen englischen Johannisgrad-Modell, das nur drei Stufen kennt und sich mit Handwerken als Stammvtern begngt, behauptete Hund, seine Logenbrder wrden von legendren unbekannten Oberen geleitet, den Superiores Incogniti, die ihren Untergebenen absoluten Gehorsam abforderten. Die Strikte Observanz hatte, was Ausstattung und soziologischen Code angeht, einiges zu bieten. Man trug wallende Umhnge, goldbetresste Waffenrcke und ab dem sechsten Grad Helm und Harnisch. Die geheimen Oberen sind seitdem aus der antifreimaurerischen Propaganda nie mehr verschwunden.

Auch gegen Ende der Aufklrung hatten Magie und mancherlei Mummenschanz noch hohe Konjunktur. Die Rosenkreuzer kderten das Publikum mit Alchemie und Spiritismus, liessen Tische rcken und Tassen tanzen, und selbst der gelehrte Goethe trat dem illuminaten-Orden bei und nannte sich innerhalb des Vereins Abaris.

Ende des 18. Jahrhunderts waren fast alle deutschen Logen der Strikten Observanz beigetreten. Zweiweilig gehrten ihr zwlf deutsche Regenten an. Erst ein Kongress in Wilhelmsbad 1782 machte den Ritterspielen ein offizielles Ende. Dafr wurde es jetzt um so christlicher. Preussens Knig Friedrich Wilhelm III. erlaubte 1798 nur noch einheimische Logen, die Jesus als Obermeister anerkannten, neue Gruppen zu grnden. Der preussisch-christliche Dachverband, die Groe Landesloge der Freimaurer, fhrte den Schwedischen Ritus ein. Demgemss durften sich die oberen Herren, wenn sie die ersten drei Grade durchlaufen hatten, in zwei Andreas- und vier Kapitelgraden tummeln. Noch heute ist dieses System unter den Mnnern der skandinavischen Knigshusern Staatsritus. Erscheint ein deutscher Gromeister in vollem Wichs zum Beispiel for einem schwedischen Schlossportal, sind die Posten angewiesen, wie bei einem Staatsoberhaupt zu salutieren.

Mitte des 19. Jahrhunderts buhlten diverse Freimaurer-Organisationen umdie Gunst der Mnner, die sich auf die Suche nach der Beantwortung de Sinnfrage begeben hatte. Die Groe Loge von Preussen, die Groe Landesloge der Freimaurer, die Groe Loge von Hamburg, die Groe Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes, die Grologe Deutsche Bruderkette, der Freimaurerbund Zur aufgehenden Sonne, die Symbolische Grologe von Deutschland. Einig waren sie sich nur in zwei Dingen: keine Frauen und Gehorsam gegenber dem Staat. Kaiser Wilhelm I. attestierte den Freimaurern mit brderlicher Zuneigung: "Die Freimaurerlogen sind die wirksamsten Pflanzsttten wahrer Gottesfurcht, christlicher Frmmigkeit, sittlicher Tugenden, echter Vaterlandsliebe, zuverlssiger Untertanentreue, aufrichtigster Ehrfurcht und Ergebenheit gegen den Landesherr, und werden es sein, solange die Ordnung im Bunde aufrechterhalten wird."

Whrend des ersten Weltkriegs schrieb Felix Witt-Hoe im Namen der soldatischen Feldlogen: "...der selbstverstndlichen Treue vaterlndischer Pflichterfllung mssen wir eine hhere Weihe geben durch Hchstleistungen im Felde und in der Heimat und Konsolidierung des deutsch-nationalen Freimaurertums. Vor allem, und das sei mein erstes dringendes Bekenntnis, mssen wir jede leiseste Regung des utopischen Pazifismus in unserern Reihen mit der Wurzel ausrotten." Diese Haltung ist nicht weiter verwunderlich, spiegelt sie doch das Weltbild der sozialen Schicht wieder, aus denen die Freimaurer ihren Nachwuchs zu rekrutieren: Geschftsleute, hhere Beamte, protestantische Pfarrer, Adlige, Offiziere.

In Frankreich hingegen hatten sich die Logenbrder seit dem 18. Jahrhundert mit der ungebrochenen Macht des katholischen Mnnerbundes auseinanderzusetzen. Der Grand Orient de France, noch heute die grsste freimaurerische Organisation, gab auch Atheisten eine Chance. Seit 1877 ist der Glaube an ein hheres Geistwesen, in deutschen Logen Grosser Baumeister aller Welten genannt, nicht mehr Voraussetzung fr die Aufnahme. Dem Suchenden wird lediglich ein Buch mit leeren Blttern zur geistigen Erbauung gereicht. Seitdem erkennen die Englnder die Franzosen nicht mehr als richtige Freimaurer an. Whrend der franzsischen Revolutiion hatten die Logen sogar zeitweise nichts mehr zu tun und lsten sich auf.

1) J., Holtorf: Die verschwiegene Bruderschaft, Mnchen 1986, S. 13

Der Text wurde 1987 verfasst und geringfgig gendert. Er erschien zuerst 1988 in meinem Buch Unter Mnnern.
Fortsetzung folgt.

[Freimaurer 1] In der Kammer der verlorenen Schritte 1
[Freimaurer 2] In der Kammer der verlorenen Schritte 2
[Freimaurer 3] In der Kammer der verlorenen Schritte 3
[Freimaurer 4] Vor dem Tempeltor

Das gesamte Dossier (neun Kapitel, 24 Seiten, mit Abbildungen, pdf-Format) knnen Sie bei Cashticket kaufen - auf das Logo klicken!



03.08.2003
BurkS

Benutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht sendenE-Mail sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
Beitrge der letzten Zeit anzeigen:      
Neues Thema erffnenNeue Antwort erstellen


 Gehe zu:   



Nchstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beitrge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beitrge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beitrge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beitrge in diesem Forum nicht lschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group :: FI Theme :: Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde