Venezuela: Links kostümiert

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Screenshot aus einem russischen Propagandavideo, daher automatisch voll gelogen

Wenn ich jetzt die Regierung Venezuelas wäre, würde ich möglichst schnell freie Wahlen verkünden unter Aufsicht von Beobachtern aus Spanien, Argentinien, Deutschland und den USA. Dann würde sich herausstellen, was das Volk denkt. Und Trump hätte ein Problem, falls die Wähler doch lieber kein Marionettenregime der USA wollten.

Ich glaube aber nicht, dass Maduros Clique eine Mehrheit bekäme. Unter Chavez wäre das noch etwas anderes gewesen. Der hat das Land auch nicht ruiniert.

Die russischen Qualitätsmedien schreiben: „US-Präsident Donald Trump sieht nach der gewaltsamen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Neuwahlen in dem südamerikanischen Land derzeit nicht als Priorität. „Wir werden zur richtigen Zeit Wahlen haben, aber das Wichtigste ist, dass sie das Problem lösen. Das Land ist kaputt […] Derzeit wollen wir erst einmal die Ölindustrie wieder in Gang bringen, das Land wieder aufbauen, es wieder auf die Beine stellen und dann Wahlen abhalten“.

Schon klar. Wahlen würden die Bevölkerung nur beunruhigen.

Im übrigen muss man dem US-Imperialismus dankbar sein, dass der Antisemit und Terroristen-Unterstützer Maduro weg ist.

Am 3. Januar 2026 veröffentlichte die libanesische Tageszeitung Al-Nahar einen Artikel, in dem behauptet wird, dass der venezolanische Präsident Nicolás Maduro – der zuvor am selben Tag bei einer US-Razzia abgesetzt und nach New York City gebracht worden sein soll [1] – der libanesischen Hisbollah 10.000 venezolanische Pässe zur Verfügung gestellt habe. Einige dieser Pässe seien von Offizieren des Assad-Regimes in Syrien benutzt worden, um aus dem Land zu fliehen. (Quelle: MEMRI)

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Screenshot aus einem russischen Propagandavideo, daher automatisch voll gelogen – man sieht die üblichen Verdächtigen mit Hamas-freundlichen Halstüchern.

Was an Venezuela war „links“?

Ich habe mir eine Übersicht über die Wirtschaftspolitik unter Maduros Vorgänger Hugo Chavez machen lassen.

Venezuelas Wirtschaft unter Hugo Chávez

Zwischen 1999 und 2013 setzte die Regierung von Hugo Chávez auf staatliche Kontrolle,
Verstaatlichungen sowie umfangreiche Sozialprogramme – finanziert vor allem durch Öleinnahmen.

Zeitraum: 1999–2013
Schwerpunkte: Ölpolitik, Devisen- und Preiskontrollen, Verstaatlichungen

Mit seinem Amtsantritt 1999 leitete Hugo Chávez einen grundlegenden Kurswechsel der venezolanischen Wirtschaftspolitik ein. Der Staat übernahm zunehmend die Steuerung zentraler Wirtschaftsbereiche.

1) Ölpolitik

Der Ölsektor wurde zur zentralen Einnahmequelle und politischen Schaltstelle. Der Staat stärkte seine Kontrolle über Förderung, Joint Ventures und Einnahmen.

2) Devisenkontrollen

Ab 2003 regulierte der Staat den Zugang zu Fremdwährungen. Unternehmen waren für Importe auf staatliche Dollarzuteilungen angewiesen.

3) Preisregulierung

Preisobergrenzen für Grundgüter sollten soziale Härten abfedern, führten jedoch häufig zu Knappheit und Produktionsrückgang.

4) Verstaatlichungen

Schlüsselindustrien wie Energie, Telekommunikation und Teile des Finanzsektors wurden schrittweise in staatliches Eigentum überführt.

5) Landreform

Durch neue Agrargesetze wurde Land umverteilt und stärker staatlich kontrolliert, mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit im ländlichen Raum.

6) Sozialprogramme

Ab 2003/04 wurden die „Bolivarianischen Missionen“ zu einem zentralen Instrument der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Sie zielten auf Gesundheit, Bildung und Ernährungssicherheit (z. B. Barrio Adentro, Robinson, Mercal)

Wie ich schon mehrfach schrieb: Verstaatlichung im Kapitalismus ist keine Lösung, wenn die staatlichen Institutionen nicht strikt kontrolliert werden und transparent handeln. „Preisregulierung“ ist so etwas wie „fairer Lohn“, also Quatsch.

hamaca
Meine Hängematte stammt aus Tintorero bei Quibor im venezolanischen Bundesstaat Lara. Das Mädel war im Verhandeln eisenhart und gefiel mir außerordentlich. Die Hängematten werden von einer Kooperative hergestellt und verkauft, und man hat dort Festpreise, was extrem un-südamerikanisch ist.

„Die Wirtschaftspolitik von Hugo Chávez und Nicolás Maduro wird oft in einem Atemzug genannt, unterscheidet sich aber in Zielsetzung, Handlungsspielraum und konkreter Umsetzung deutlich. Maduro übernahm kein „identisches Modell“, sondern verwaltete und veränderte ein bereits stark verzerrtes System unter völlig anderen Rahmenbedingungen.“

Im Folgenden die zentralen Unterschiede, strukturiert und vergleichend:

Ausgangslage und Handlungsspielraum

Chávez (1999–2013)
– Regierte überwiegend bei hohen Ölpreisen (v. a. 2004–2012)
– Verfügte über hohe Einnahmen zur Finanzierung von:
– Sozialprogrammen
– Subventionen
– Importen
– Konnte wirtschaftspolitische Fehler durch Ölrenten kaschieren
– Politisch charismatisch, mit starker Massenmobilisierung

Maduro (ab 2013)
– Amtsantritt nach dem Ende des Ölbooms
Konfrontiert mit:
– sinkender Ölproduktion
– Devisenmangel
– massiver Auslandsverschuldung
– internationalen Sanktionen
– Stark eingeschränkter Handlungsspielraum
– Geringere politische Legitimation

➡️ Kernunterschied:
Chávez gestaltete mit Geld – Maduro verwaltete den Mangel.

Preis- und Devisenkontrollen

Chávez:
– Einführung der Devisenkontrollen (CADIVI) ab 2003
– Preisobergrenzen für Grundgüter
Ziel:
– Inflation dämpfen
– Versorgung sichern
Probleme vorhanden, aber durch Importe überdeckt

Maduro:
– Beibehaltung und radikale Verschärfung (2013–2018)
Folgen:
– Hyperinflation
– Schwarzmärkte
– flächendeckende Knappheit
Ab ca. 2019:
– faktische Aufgabe vieler Kontrollen
– informelle Dollarisierung

➡️ Paradox:
Maduro demontierte Teile des Chávez-Modells – ohne es offen zuzugeben.

Wisst ihr Bescheid.