Die Stadt Davids

Jerusalem zur Zeit König Davids (ca. 1000 v. Chr.) und heute (künstlerische Darstellung)
„Wie um Jerusalem Berge sind, also ist der Herr um sein Volk her, von nun an bis in Ewigkeit.“ (Psalm 125, Vers 2, Luther-Bibel 1545)
Wir machen heute eine unterirdische Wasserwanderung. Zu welchem Behufe muss ich erklären. Ich bin bekanntlich ein Fan Israel Finkelsteins, der nichts glaubt, was in frommen Büchern steht, sondern auf Wissenschaft, Archäologie und Fakten besteht. Der König David der Bibel ist für ihn ein „König eines Hügelchens“ und mitnichten so großartig, wie ihn Tora und Bibel beschreiben, und war auch kein Herrscher eines Reiches. (So steht es auch auf Wikipedia.) Dass er existiert hat, steht dank außerbiblischer Quellen außer Zweifel. Die Bibelstellen, die über David berichten, sind aber erst ca. 400 Jahre später geschrieben worden.
Finkelsteins Argumente sind bestechend. Er wird als „Minimalist“ bezeichnet – das Gegenteil derer, die die Bibel für ein historisches Buch halten und dann nach den Fakten suchen, die das untermauern könnten – wie Gershon Galil und die große Mehrheit aller, die in Jerusalem herumgebuddelt haben.
Ich hatte mir, wie ich schon schrieb, Doron Spielmans „When the Stones Speak: The Remarkable Discovery of the City of David and What Israel’s Enemies Don’t Want You To Know“ besorgt. Spielman und Peer Group haben die Davidsstadt so weit ausgegraben, dass sie jetzt Besuchern zugänglich ist. Die war nicht in Jerusalem selbst, sondern südlich davon auf einem Hügel.
Die „Minimalisten“ – auch Finkelstein – mussten nach den Ausgrabungen Spielmans zugeben, dass sie sich beim Thema „König David“ vermutlich ein wenig geirrt haben. Die Davidsstadt wurde er nach Finkelsteins Buch vollständig archäologisch erschlossen. Was unter einem Parkplatz lag, hat alle Theorien über den Haufen geworfen.
Ich will nicht das sehr empfehlenswerte Buch rezensieren. Ich wollte mir den besonderen Clou der archäologischen Entdeckungen selbst ansehen. Unten im Tal vor den Mauern Jerusalems gibt es die Gihonquelle, die den Teich von Siloah speist, der erst 2004 entdeckt wurde.
Zwischen dem Wasser des Teiches und dem Hügel unter der Altstadt Jerusalems existiert ein fast 3000-jähriges Tunnelsystem, das die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherstellte. Das ist der Hiskia-Tunnel. Da kann man durchlaufen.
Das Publikum ahnt, was jetzt kommt. Es gibt eine trockene und nasse Version. Die nasse ist ewig lang, und auch die trockene hat es sich. Auf der Karte unten kann man es sehen – die Tunnel sind so lang wie die gesamte südliche Stadtmauer.
Am Beit Hatzofeh [Haus des Wächters] Aussichtspunkt in der Davidsstadt liest man: „Jerusalem wurde erstmals auf dem Hügel gegründet, auf dem Sie jetzt stehen, vor etwa 4.000 Jahren, während der Kanaanäischen Zeit (Mittlere Bronzezeit II). Den Hügel flankieren das Kidrontal und das Zentrale Tal, und der Berg Moriah erhebt sich im Norden.
Eine Reise in die Stadt Davids, den alten Kern Jerusalems, ist eine Reise zur Quelle. Die Stadt Davids war die erste Hauptstadt der Stämme Israels und das spirituelle und politische Zentrum der jüdischen Nation. Viele der Bücher der Bibel wurden hier geschrieben, und von dem kleinen Hügel der Stadt Davids ging der Glaube an den einen Gott und die grundlegenden menschlichen Werte aus, die von den Propheten gelehrt wurden, welche die ganze Welt inspiriert haben.
Die Stadt Davids ist der Ort, an dem Jerusalem geboren wurde – der Ort, an dem alles begann.“
„Aber David eroberte die Bergfeste Zion; das ist nun die Stadt Davids.“ (2. Samuel 5,7)
Die stufenförmige Steinstruktur, die hier freigelegt wurde, ist Teil einer gewaltigen Stützmauer. Wissenschaftler sind sich über das Datum ihrer Errichtung uneinig: Einige behaupten, sie sei am Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. erbaut worden – möglicherweise als Teil des Fundaments der kanaanäisch-jebusitischen „Bergfeste Zion“, die von David erobert wurde. Andere wiederum vermuten, dass sie den Palast Davids stützte, dessen Überreste vielleicht kürzlich auf dem Hügel entdeckt wurden.
– Der Zutritt zum Wassersystem ist nicht empfohlen für Personen mit Klaustrophobie, Schwangere oder Menschen mit gesundheitlichen Problemen.
– Die Tunnelabschnitte sind etwa 60 cm breit.
– Besucher des Hiskia-Tunnels müssen in der Lage sein, durch Wasser bis zu 70 cm Tiefe zu gehen.
– Besucher müssen eine Taschenlampe und geeignetes Schuhwerk für das Gehen im Wasser mitbringen.
Ja, ich hatte Sandalen dabei.
Es begann ganz gemütlich, alles hervorragend ausgebaut, wie der Einstieg in ein Bergwerks-Museum oder die Dechenhöhle.
Nehmt mit euch die Großen eures Herrn und setzt meinen Sohn Salomo auf mein Maultier und führt ihn hinab zum Gihon. Und der Priester Zadok samt dem Propheten Nathan salbe ihn dort zum König über Israel. (1. Könige 1, V. 33)
Die kanaanitische Quelle und die Höhle sind Teil des Tunnelsystems – der Pool wurde vor 3800 Jahren (!) gegraben.
Dann ging es noch viel tiefer hinunter. Und es wurde schmaler und schmaler und feucht und feuchter und stockdunkel. Ich stand plötzlich bis zu den Knöcheln im fließenden Wasser, dann bis zu den Knien. Ich habe krampfhaft mein Handy umklammert, denn wenn das ins Wasser gefallen wäre, hätte ich nicht die Hand vor Augen gesehen. Ziemlich glitschig war es auch.
Man kann sowas machen. Aber es hörte einfach nicht auf. Ich weiß gar nicht, wie lange ich vor mich hingestolpert bin. Zum Glück war es so schmal, dass ich mich manchmal seitwärts durchquetschen musste, kombiniert mit Löchern im Boden, die ich nicht sah. Ich konnte nur vorwärts fallen. Binnen kürzester Zeit war ich bis zu den Oberschenkeln klatschnass.
Ich muss zugeben, dass ich irgendwann – nach gefühlt mehreren Stunden – froh war, dass ich endlich wieder Licht sah.
Den trockenen Teil wollte ich auch durchlaufen. Das war früher ein Pilgerweg, der wohl bis zur Römerzeit noch in Gebrauch war: Von dem Teich bis nach oben die die Altstadt. Der Höhenunterschied ist beträchtlich. Eine gewisse Fitness ist empfehlenswert.
Auch hier: Erst alles schön breit und fachmännisch verstrebt, weil die Muslime oben drüber dachten, die Juden würden den Tempelberg so unterhöhlen, dass alles zusammenbräche. Deswegen wurde die Statik von Ingenieuren überwacht.
Doch auch hier: Das wurde schmaler und schmaler. Wer breiter ist als ich, passt da gar nicht durch. Und ich habe mein Idealgewicht. Und es ging auch noch steil aufwärts. Ich habe mir ständig den Kopf gestoßen.
Frage: Wie haben die Mannen Hiskias (725 – 696 v. Chr. König von Juda) den Tunnel gegraben? Der läuft gar nicht geradeaus, sondern hat manchmal Kurven. Vor den Fundamenten der Westmauer biegt er nach links ab. Das war ein paar Jahrhunderte, bevor die Römer Maßstäbe in Ingenieurskunst setzen. Ich verstehe das nicht. Der Felsen ist recht massiv, sonst wäre ihnen alles zusammengestürzt. Dazu braucht man recht viele Leute; es passen nicht zwei nebeneinander. Und nur mit primitiven Spitzhacken?!




















