Partners, Friends und das Nibelungenlied
Xi says China, US can be partners, friends.
Jaja. Wenn zwei Vorsitzende der Ausschüsse, die die jeweiligen Geschäfte der herrschenden Klasse (unter Vorbehalt bei China) organisieren, die jeweiligen Länder als „Freunde“ bezeichnen, kann das so ausgehen wie im Nibelungenlied: Alle sind am Ende tot.
Warum? Der Plot im Nibelungenlied ist nicht das, war ihr bei Wikipedia lest. Das ist größtenteils Bullshit. Sondern: Im 13. Jahrhundert gab es als Optionen, die Beziehungen der herrschenden Feudalklasse untereinander zu beschreiben, nur zwei: Entweder man benutzt die Termini der Vasallität – das schafft dann klare Hierarchien. Oder man lässt es im Unklaren – das geht aber nicht, weil es eben Feudalismus ist, Das heißt: Der Stärkere gewinnt, und der Schwächere kann jederzeit behaupten, er sei nicht schwach und Wadenbeißen mit dem Schwert beginnen. „Unklar“ bedeutet: Man benutzt „Freund“ statt „Vasall“.
So kann man auch den symbolischen Streit der Königinnen interpretieren. Brünhilde (diu was unmâzen schœne. vil michel was ir kraft) geht davon aus, dass Siegfried der Vasall des Königs sei, also ihm zu Dienst verpflichtet. Damit wäre feudal alles klar. Kriemhild leugnet das und behauptet, es gebe kein Untertanen- bzw. Abhängigkeitsverhältnis.
Ja, Kriemhild macht es sogar noch schlimmer: geloubestu des, Prünhilt, er ist wol Gunthers genôz. Genosse – also gleichrangig. Das geht ja gar nicht.
Deswegen oszilliert es im ganzen Nibelungenlied hin und her – einmal ist Siegfried der friunt des Herrschers, sein Status ist also ungeklärt, manchmal der Vasall mit klaren Pflichten und Rechten. (Ich finde den Plot genial – die Rezeptionsgeschichte ist demgemäß. „Kriemhilds Rache“ ist so was von Gangsterfilm-kompatibel!)
Wenn das aber nicht geregelt ist, ist Chaos, also Hauen und Stechen, angesagt. „Unklar“ bedeutete heute, dass nicht sicher ist, wer Kapitalist und wer Arbeiter ist, weil sie sich gegenseitig „Freunde“ nennen. Man wüsste also nicht, wer „weisungsbefugt“ ist. Auch dann würden die jeweiligen Ehefrauen verwirrt sein und auf Partys vielleicht aneinandergeraten.
Postscriptum: Das Nibelungenlied ist Propaganda für die Sicht einer Fraktion der herrschenden Feudalklasse, der Ministerialen – so etwas wie die „neuen Mittelschichten“ – im Gegensatz zur alten Mittelschicht – , die heute die Grünen wählen. Eine Klasse sozialer Aufsteiger, die sich im klassischen Vasall- und Lehnsverhältnis nicht mehr wiederfindet. Die Botschaft: Die alten Feudalverhältnisse gehen unter, weil sich alle gegenseitig umbringen (müssen). Aber wir sind die Zukunft. (Alles sehr verkürzt – ich könnte noch nachlegen…)
Wir kommen wieder von Hölzken auf Stöcksken. (Ich wollte nur Xi, Trump und das Nibelungenlied in einem Posting zusammenpferchen.)
Staaten können weder Partner noch Freunde sein. Ich glaube Trump sowieso kein Wort. Es kann sich zwar dem Volk besser verkaufen, aber er kann nicht die Gesetze des Kapitalismus außer Kraft setzen. Die herrschende Klasse handelt, da sie aus Charaktermasken besteht, nicht unbedingt rational, sonst hätte die Mehrheit der deutschen Bourgeoisie nicht Hitler unterstützt, obwohl von Anfang an das Ende hätte abzusehen sein können. Man folgt blindlings den Zwängen der Profitmaximierung.
„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ (Carl von Clausewitz: Vom Kriege)
Es wird trotz der schönen Worte des schönen Telefonats zum Handelskrieg kommen. Und die Europäer werden auf jeden Fall verlieren, egal wer „gewinnt“. Aber sie wollten es so.
Es ist kein Zufall, dass weder Trump noch Xi mit Baerbock telefonieren wollten. (Die uns vielleicht erhalten bleibt, weil Merz es sich wird aussuchen können, mit wem er koaliert.) Wir sind unwichtig.


