Bias oder: strategischen-homogene Intervention

Konkret

50 Jahre „Konkret“ – da musste ich nachsehen, was die heute so schreiben. Vielleicht erfährt man etwas über den Zustand der heutigen „Linken“, falls es sie noch gäbe gibt? Ich habe die Zeitschrift zum ersten Mal gelesen, als ich nach Berlin kam – da versuchte Klaus Rainer Röhl gerade, das Magazin durch Nackfotos zu retten (die die prüde Taz sich nicht traut abzudrucken).

Eine Zeitschrift ist für mich dann langweilig, wenn ich schon vorher weiß, was sie zu den Themen schreibt. Das ist leider hier fast ausnahmslos so.

– »Man hat das Gefühl, dass Netanjahu abgrundtief versagt hat« – Über die Proteste in Israel sprach konkret mit dem ehemaligen stellvertretenden Sicherheitsberater der israelischen Regierung, Chuck Freilich

Natürlich unterstützt die „Konkret“ Israel, aber genauso natürlich nie Netanjahu. Das hat sie mit der bürgerlichen Presse gemeinsam. Auch wenn Netanjahu eine Zweidrittel-Mehrheit in Israel hätte – deutsche Medien wären gegen ihn.

Das Interview sagt nicht viel aus. Freilich prophezeit, dass auch die nächste Regierung „rechts“ wäre, aber nicht religiös rechts, sondern eine „rationale“ „sicherheitsorientierte“ Regierung. „Jedes Friedensabkommen, jede Zweistaatenlösung gefährdet Israels Sicherheit“. Das sollte er mal Baerbock und Scholz sagen. Ich weiß das schon.

Konkret

– Außer Kontrolle – Stefan Gärtner über die fremdenfeindliche Hetze nach dem Anschlag in Solingen

Ich schrieb übrigens in Nazis sind Pop vor 24 Jahren zu den Unworten Ausländer- bzw. Fremdenfeindlichkeit die jetzt wieder benutzt werden:
Die Nation definiert sich über eine fiktive ‚Identität‘, über eine vermeintliche ‚Leitkultur‘, die als politisches Projekt sowohl die innere Kolonisierung als auch die Selbstethnisierung der Migranten fördert. Deutschland hat sich vom internationalen Diskurs zum Thema ‚Rassismus‘ begrifflich abgekoppelt (…)) Die Dominanz des Unwortes ‚Ausländerfeindlichkeit‘ in den Medien dokumentiert den zentrale Topos des rassistischen Diskurses. Der Begriff suggeriert zum einen, dass rassistische Diskriminierungen sich nicht gegen Afrodeutsche richten oder – noch schlimmer – dass diese keine Deutschen seien, und zum anderen leugnet er zentrale Klammer rechter Ideologien, den Antisemitismus. Ursache rassistischer Vorurteile sind daher auch affirmative ‚Multikulti‘-Diskurse im Schulunterricht, die Vorurteile nicht abbauen, sondern in der Regel verstärken. Dieser Diskurs verschweigt, dass ‚Kultur‘ oder ‚Ethnizität‘ immer fiktive politische Projekte sind, die gesellschaftliche Machtverhältnisse thematisieren.

Ich verstehe nicht, was mir der Autor Stefan Gärtner mitteilen will.

Konkret

– »Dieser Unsinn ist sowas von normalisiert« – Gespräch mit Jan van Aken, dem ehemaligen außenpolitischen Sprecher der Linksfraktion, über die rassistische Migrationspolitik sowie Deutschland, »aber normal« – Marcel Hartwig über die Wahlerfolge der AfD in Thüringen und Sachsen und auch Demografie des Faschismus – Europaweit marschiert die Rechte durch die politischen Institutionen. Wählen die dümmsten Kälber ihre Schlächter selber? und noch ein paar andere Artikel:

Es wird immer schlimmer. Die Nazis werden immer mehr. Migration ist gut. „Im Moment sind wir schwach“ (van Aken). Vielleicht sollte man einfach mal weniger gendern? Oder „Klima“ den Grünen überlassen? Und auch Tunten und Transen weniger erwähnen? Nein? das geht überhaupt nicht? Quod erat demonstrandum.

Noch schlimmer: »Die sozialen Medien offenbaren das dystopische Potential von basisdemokratischen Strukturen« – Interview mit Holger Marcks und Maik Fielitz über ihr Buch Digitaler Faschismus

Der Bote ist also schuld an der schlechten Nachricht. Maik Fielitz: Die Frage ist, warum Faschismus und Soziale Medien so gut zusammenpassen. Da haben wir drei Mechanismen identifiziert. Erstens das Schüren von Angst, das Rechtsradikale besonders gut beherrschen, und bei dem sie jetzt die Möglichkeit haben, sich über Soziale Medien eines negativen Bias zu bedienen: Negative Nachrichten werden stärker geteilt, und zugleich kann…

Bei Bias habe ich aufgehört zu lesen.

Konkret

– Ein Artikel interessierte mich: O Workers, Where Art Thou? Nelli Tügel über das Comeback der Arbeiterklasse Auch das habe ich schon zig-Mal so gelesen, aber wo ist die Arbeiterklasse in den „linken“ Medien?

Dies vor Augen, wäre es vielleicht sinnvoll, darüber nachzudenken, inwiefern – neben der unverzichtbaren Berücksichtigung der Klassenheterogenität – eine Art strategische Homogenisierung als Intervention in den öffentlichen Diskurs angebracht sein könnte. Denn wie sonst soll sich die absolut gegenwärtige, aber doch so unmodern klingende Kunde verbreiten: dass die übergroße Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung der Arbeiterklasse angehört.

Vielleicht sollte man das mit der strategischen-homogenen Intervention einfach der Arbeiterklasse vorschlagen? Vielleicht macht da die etwas draus….

Nee, Leute, so wird das nichts. Euch droht das Schicksal der Taz.