{"id":966,"date":"2008-10-11T11:33:18","date_gmt":"2008-10-11T09:33:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/10\/11\/lasst-die-banken-in-ruhe\/"},"modified":"2008-10-11T11:38:47","modified_gmt":"2008-10-11T09:38:47","slug":"lasst-die-banken-in-ruhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/10\/11\/lasst-die-banken-in-ruhe","title":{"rendered":"Lasst die Banken in Ruhe!"},"content":{"rendered":"<p>Auch ein linksextremistischer Zyniker wird sich die Frage stellen lassen m\u00fcssen: Wo soll das alles enden? Meine Meinung sollte insofern bekannt sein, als dass ich die gegenw\u00e4rtige Finanzkrise f\u00fcr ein Feature und nicht f\u00fcr einen Fehler des Systems halte. Der <a href=\"http:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Profit\">Sinn und Zweck des Kapitalismus<\/a> ist es, denen da Unten m\u00f6glichst viel wegzunehmen und den Wenigen da oben aka herrschende Klasse zu geben. Ich bin \u00e4u\u00dferst dankbar f\u00fcr das <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/10\/08\/der-zweck-des-staates-in-der-finanzkrise\/\">hier schon erw\u00e4hnte Zitat<\/a> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/James_Madison\">James Madison<\/a>, der Zweck des Staates sei es, &#8222;die wohlhabende Minderheit vor der Mehrheit zu sch\u00fctzen&#8220;. <\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich muss dieser Zweck durch affirmative Begriffe vernebelt werden. Man sollte nicht &#8222;Kapitalismus&#8220; sagen, weil dann die Leute auf die Idee kommen k\u00f6nnten, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Kapital\">die falschen B\u00fccher<\/a> zu lesen, was sie nur unn\u00f6tig irritierte und wom\u00f6glich sittlich gef\u00e4hrdete, sondern Worte wie &#8222;soziale Marktwirtschaft&#8220;, &#8222;freiheitlich-demokratische Grundordnung&#8220; oder &#8222;Wohlstand f\u00fcr alle&#8220;. Der Kapitalist an sich hat in den Medien als Wohlt\u00e4ter der Menschheit geschildert zu werden, der nur das Gute will und leider manchmal, wenn er moralisch verkommen ist wie das Finanzkapital, das B\u00f6se schafft.<\/p>\n<p>In diesem Sinn \u00e4u\u00dfert sich auch die FAZ, das gef\u00fchlte Zentralorgan des Gro\u00dfkapitals, das die Diskussion im Hegelschen Sinn als eine Gefecht von Ideen diskutiert. In der Philosophie nennt man das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Idealismus_(Philosophie)\">Idealismus<\/a> &#8211; sozusagen politische Astrologie oder &#8222;Gro\u00dfe M\u00e4nner und ihre Ideen machen die Geschichte&#8220;. Die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE\/Doc~E4E6B37E2C88D4F04A7F604DF6DD33B0E~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a> titelt: &#8222;Wie die Finanzkrise das Denken \u00e4ndert&#8220;. Wessen Denken, wird nicht verraten, sondern ein weltanschaulich systemkonformes Denken beim gemeinen Volk vorausgesetzt. Die dem Kapitalismus immanenten Features und Gesetze wir zum Beispiel der &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesetz_des_tendenziellen_Falls_der_Profitrate\">Tendenzielle Fall der Profitrate<\/a>&#8220; werden moraltheologisch erkl\u00e4rt &#8211; mit &#8222;Gier&#8220;, also einer Charaktereigenschaft, f\u00fcr die dann Theologen und Psychologen zust\u00e4ndig sind und nicht mehr die Politik.<\/p>\n<p>Sehr h\u00fcbsch der Satz: &#8222;Gesellschaften wurden zivilisiert, um genau das zu verhindern, was nun m\u00f6glich scheint: dass sie durch r\u00fccksichtsloses Handeln Einzelner zerst\u00f6rt werden.&#8220; Ins Deutsche \u00fcbersetzt hei\u00dft das: Der Kapitalismus ist Zivilisation (da muss man erst einmal drauf kommen), und wer das Volk merken l\u00e4sst, dass es in Wahrheit ganz anders ist, ist &#8222;r\u00fccksichtlos&#8220;, weil er die Leute auf <a href=\"http:\/\/www.online-netzwerk-lernen.de\/rhetorik\/raetsel-aufgabe-3.html\">dumme Gedanken<\/a> bringt. Die Krise als Feature muss als Werk Einzelner dargestellt werden, die vermutlich eine schlechte Kindheit hatten und nur, weil sie mit einem Silberl\u00f6ffel im Maul geboren wurden, nicht p\u00f6hser Neonazi geworden sind, sondern p\u00f6hser Finanzkapitalist und\/oder Heuschrecke.<\/p>\n<p>Ich lache auch bei diesem Satz der FAz schallend: &#8222;Wer meint, dass die aktuelle Vernichtung der Grundvertrauens in die Rationalit\u00e4t \u00f6konomischen Handelns ohne Folgen bleibt, wird sich sp\u00e4testens bei den n\u00e4chsten Wahlen get\u00e4uscht sehen.&#8220; Welches &#8222;Vertrauen&#8220; meinen die nur? Mein Vertrauen in die Rationalit\u00e4t \u00f6konomischen Handelns im Kapitalismus ist \u00fcbrigens weiterhin ungetr\u00fcbt. Nat\u00fcrlich handelt das Kapital rational. Deswegen gibt es ja Wirtschaftskrisen und <a href=\"http:\/\/phase2.nadir.org\/rechts.php?artikel=4&#038;print=\">andere Konsequenzen<\/a>. Karl Marx <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me12\/me12_074.htm\">schrieb<\/a> am 7. November 1856 ironisch \u00fcber die damalige Finanzkrise in Frankreich: &#8222;Man kann sich nichts Geistreicheres vorstellen als die Art, in der die bonapartistischen Bl\u00e4tter von Paris sich bem\u00fchen, dieses st\u00e4ndige Absinken der Kurse an der B\u00f6rse zu erkl\u00e4ren.&#8220; Die Medien publizierten eben damals genau so einen Unfug \u00fcber die \u00d6konomie wie heute. <\/p>\n<p>Was also tun? Leider <a href=\"http:\/\/www.die-linke-nuernberg.de\/news\/finanzkrise\/index.html\">fordert<\/a> die Linke dummes Zeug und ist einer der F\u00e4lle, bei denen Karl Marx seine selbst ernannten Fans vermutlich &#8211; wie so oft &#8211; nur mit bei\u00dfendem Hohn oder Spott \u00fcbersch\u00fcttet h\u00e4tte. Der &#8222;finanzgetriebenen Kapitalismus\u201c, dien die Linke beklagt, gibt es so gar nicht &#8211; er ist ein Feature, kein Bug, um mich zu wiederholen. Der merkw\u00fcrdige Begriff suggeriert, dass es auch einen anderen Kapitalismus gebe, wobei wir beim <a href=\"http:\/\/www.time.com\/time\/magazine\/article\/0,9171,790266,00.html\">antisemitisch konnotierten<\/a> Begriffspaar &#8222;raffendes&#8220; und &#8222;schaffendes Kapital&#8220; w\u00e4ren, f\u00fcr das sich diejenige Linke, die ideologisch offenbar noch in der DDR verharrt und sich deshalb weigert, Karl Marx im Original zu lesen, noch nie zu schade war.<\/p>\n<p>Nein, die Idee, man m\u00fcsse jetzt die Banken verstaatlichen, ist keine &#8222;linke&#8220; Parole. Zum einen deshalb, weil die Kapitalisten bei jedem Finanzcrash das schon selbst fordern. Sie gehen sie zu Recht davon aus, dass der Staat und die Steuergelder der Massen dazu da sind, ihre \u00f6konomischen Fehler auszub\u00fcgeln und ihr privates Risiko zu minimieren. Zum anderen, weil verstaatliche Banken selbstredend nicht anders handeln als private. Angestellte oder Beamte kann auch nicht haftbar machen kann f\u00fcr die Sch\u00e4den einer Finanzkrise, weil sie das Recht haben, ungestraft genauso doof und unf\u00e4hig zu sein wie Banker &#8211; auch ohne deren Gehalt. Staatsbanken l\u00f6sen kein Problem, sie verschleiern es nur noch mehr.<\/p>\n<p>Warum ist das so? Geld ist eine Ware wie alles andere auch im Kapitalismus. Somit unterliegt auch das Geld den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage. Wer in diesen Markt k\u00fcnstlich eingreift, richtet nur Chaos an und erreicht nicht das, was er w\u00fcnscht. Staatliche Finanzspritzen in die Banken sind nichts anderes als ein k\u00fcnstlich erzeugtes Angebot der Ware Geld. Letztlich erzeugt das <a href=\"http:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/Inflation\">Inflation<\/a> &#8211; wenn die Krise andauert und auf die Produktion schl\u00e4gt. Wenn im schlimmsten Fall der Staatsbankrott wegen fehlender Einnahmen droht, kann man zwar neues Geld drucken, man heizt aber damit die Inflation gewaltig an &#8211; f\u00fcr das Geld g\u00e4be es keinen realen Gegenwert. Weimar l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Die FAZ bringt es auf den Punkt: &#8222;Wie konnte zugelassen werden, was gerade geschieht? Will man die Antwort darauf nicht einer linken Demagogie \u00fcberlassen, muss man \u00fcber die Spaltung unserer Gesellschaft in diejenigen reden, die Konsequenzen erleiden, und diejenigen, die von ihnen verschont werden oder gar profitieren.&#8220; Gern geschehen. <\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/966?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/966?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_966 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_966')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_966').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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