{"id":7638,"date":"2010-12-18T16:49:36","date_gmt":"2010-12-18T14:49:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=7638"},"modified":"2010-12-19T01:44:51","modified_gmt":"2010-12-18T23:44:51","slug":"streuobstwiese-rixdorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2010\/12\/18\/streuobstwiese-rixdorf","title":{"rendered":"Streuobstwiese Rixdorf"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2010\/12\/181210_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2010\/12\/181210_1kl.jpg\" alt=\"Streuobstwiese\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p align=left>Gestern interviewte mich eine Geografin \u00fcber eine kleine <a href=\"http:\/\/maps.google.com\/maps?f=q&#038;source=s_q&#038;hl=de&#038;geocode=&#038;q=berlin+richardplatz&#038;sll=37.0625,-95.677068&#038;sspn=60.894251,135.263672&#038;ie=UTF8&#038;hq=&#038;hnear=Richardplatz,+12055+Berlin,+Deutschland&#038;ll=52.47554,13.44628&#038;spn=0.000727,0.002064&#038;t=h&#038;z=20\">Streuobstwiese<\/a> in Rixdorf. Das h\u00f6rt sich langweilig und banal an, ist es aber nicht. <\/p>\n<p>Man ahnt schon, worum es geht, wenn man sich einen ersten \u00dcberblick bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Streuobstwiese\">Wikipedia<\/a> verschaft: &#8222;Es liegen zahlreiche lokale und regionale Erhebungen vor, die zwischen 1965 und 2000 einen R\u00fcckgang der Streuobstwiesen in Deutschland und Mitteleuropa von ca. 70 % belegen. Dies gilt sowohl f\u00fcr die Fl\u00e4che als auch f\u00fcr die Anzahl der Obstb\u00e4ume. In Deutschland gibt es nach Sch\u00e4tzungen des NABU nur noch rund 400.000 ha Streuobstwiesen. Die verbliebenen Best\u00e4nde sind l\u00fcckig und vergreist, da absterbende B\u00e4ume nicht mehr ersetzt werden. Bestehende Best\u00e4nde werden kaum gepflegt. Dar\u00fcber hinaus hat sich die Artenzusammensetzung mit der Nutzung ver\u00e4ndert. Allen voran ist die Zahl der anspruchsvollen Apfelb\u00e4ume drastisch gesunken, da viele fruchtbare Fl\u00e4chen umgenutzt wurden. In den 1920er Jahren begann in Europa die Trendwende zur Obstplantage. Das un\u00fcberschaubare Sortiment an Kernobst sollte im Erwerbsbau auf je drei Apfel- und Birnensorten beschr\u00e4nkt und durch das Pr\u00e4dikat &#8218;Reichsobstsorte&#8216; gef\u00f6rdert werden.&#8220; <\/p>\n<p>Die Wiesen mit vielf\u00e4ltigen Obstsorten werden im Kapitalismus also tendenziell ersetzt durch Plantagen &#8211; das bringt mehr Profit. Nur Obstsorten, die Gewinn bringen, d\u00fcrfen noch angebaut werden. Alles andere, auch wenn es besser schmeckt, kommt auf den M\u00fcll und wird verboten.<\/p>\n<p>Hier am Richardplatz, versteckt hinter H\u00f6fen und kleinen H\u00e4usern, gibt es noch eine kleine Streuobstwiese, weit und breit die letzte ihrer Art. Niemand hat sie bisher genutzt, nur ein paar Hundehalter, zu denen ich auch geh\u00f6rte, als <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/08\/24\/ajax-vom-teufelslauch-3\">Ajax von Teufelslauch<\/a> noch hier wohnte. Die Eigentumsverh\u00e4ltnisse der Wiese sind verworrren; das Areal ist eine \u00f6ffentliche Gr\u00fcnfl\u00e4che, die vor drei\u00dfg Jahren daf\u00fcr gedacht war, dass die unmittelbaren Anwohner sie als Treffpunkt nutzen sollten. Das hat nicht funktioniert, vor allem auch, weil ein <a href=\"http:\/\/maps.google.com\/maps?f=q&#038;source=s_q&#038;hl=de&#038;geocode=&#038;q=berlin+germany+richardplatz&#038;sll=37.0625,-95.677068&#038;sspn=60.894251,135.263672&#038;ie=UTF8&#038;hq=&#038;hnear=Richardplatz,+12055+Berlin,+Bundesrepublik+Deutschland&#038;ll=52.474531,13.446572&#038;spn=0.000365,0.001032&#038;t=h&#038;z=21&#038;layer=c&#038;cbll=52.474531,13.446572&#038;panoid=VTDxedOrvwFqV7JLKgjlng&#038;cbp=12,311,,0,5\">gr\u00e4\u00dflicher Neubauklotz<\/a> den Weg versperrt.<\/p>\n<p>Jetzt gibt es einen &#8222;Konflikt&#8220; zwischen denen, die die Wiese noch nutzen und einer Gruppe von \u00e4lteren Damen, die die Schnapsidee hatten, das Areal zu einem &#8222;<a href=\"http:\/\/rixdorfer-kunstnetz.blogspot.com\/2010\/05\/garten-der-poesie-eroffnung.html\">Garten der Poesie<\/a>&#8220; um zuwidmen. Man muss sich das ungef\u00e4hr so vorstellen: Ein paar Multikulti-Tussen sitzen zusammen, eingedenk dessen, dass F\u00f6rdergelder f\u00fcr irgendwelche Projekte nur flie\u00dfen, wenn man &#8222;Kultur&#8220; als Logo draufpappt &#8211; der Kartoffel- und Gem\u00fcseanbau an sich w\u00fcrde nicht gef\u00f6rdert &#8211; und beschlie\u00dfen dann, dass man die Einwanderer mit dem Robbenbaby-Effekt (Polen und Russen kommen also nicht vor) mit dem begl\u00fcckt, was deutsche Mittelschichts-Muttis unter &#8222;Kultur&#8220; verstehen: Gereimtes in Ausl\u00e4ndisch vorzutragen und irrig zu vermuten, weil es vor  einiger Zeit mal die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%A4ngende_G%C3%A4rten_der_Semiramis\">h\u00e4ngenden G\u00e4rten von Babylon<\/a> gab, arabische Immigranten in Neuk\u00f6lln w\u00fcrden sich auch heute noch zuhauf gern dem kollektiven Gartenanbau widmen.<\/p>\n<p>Wie es bei jedem Interessenkonflikt \u00fcblich ist, beschreiben sich die Parteien gegenseitig so, dass es m\u00f6glichst h\u00e4misch klingt: Das <a href=\"http:\/\/www.quartiersmanagement-berlin.de\/Konflikt-um-die-Streuobstwiese.3752.0.html\">Quartiersmanagement<\/a> behauptet, &#8222;die Hundebesitzer&#8220; w\u00fcrden die Streuobstwiese demolieren und seien gegen Kultur. In sch\u00f6nstem B\u00fcrokraten-Neusprech heisst es: &#8222;Die Streuobstwiese im QM-Gebiet wurde 2009 mit Mitteln der &#8218;Sozialen Stadt&#8216; durch den Verein Netzwerk Stadtraumkultur e.V. hergerichtet. Der Verein hat ein Konzept f\u00fcr einen &#8218;Interkulturellen Garten der Poesie&#8216; erarbeitet und m\u00f6chte die Wiese f\u00fcr die Bewohnerschaft reaktivieren und neun kleine Gem\u00fcseg\u00e4rten anlegen.&#8220; [Berlin  Amtsgericht Berlin (Charlottenburg) VR 27983]<\/p>\n<p>Neun kleine Gem\u00fcseg\u00e4rten &#8211; bruhahahaha. Wie lange die wohl \u00fcberleben w\u00fcrden in Neuk\u00f6lln, so ganz ohne J\u00e4gerzaun und Selbstschussanlage drumherum? &#8222;Kultur&#8220; &#8211; von oben oktroyiert: das entspricht auch dem paternalistischen Multikulti-Verst\u00e4ndnis von Einwanderern. Einwanderer auf deren vermeintliche Folkore zu reduzieren &#8211; das ist Sarrazin auf Multikulti.<\/p>\n<p>Eine Wiese darf im Kapitalismus nicht einfach eine Wiese bleiben, die irgendwie keinem geh\u00f6rt &#8211; sie muss geplant &#8222;benutzt&#8220; werden, am besten von einem Verein. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnten die Anwohner, die in den H\u00e4uschen rund um die Wiese wohnen, bl\u00f6den Hundebesitzern (bl\u00f6de Hunde gibt es nicht) das Handwerk legen oder sie wegmobben. Aber dazu sahen die bisher offenbar keinen Anlass. Dass bei &#8222;B\u00fcrgeranh\u00f6rungen&#8220; herumgemault wird, wird niemanden \u00fcberraschen &#8211; das darf man in Berlin ohnehin nicht so tierisch ernst nehmen. Berliner sind daran gewohnt, sich mit nervert\u00f6tenden Zeitgenossen irgendwie arrangieren zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Mir gehen \u00e4ltliche LyrikerInnen jedenfalls mehr auf den Senkel als etwa ein deutscher Boxer, die mich zwar nicht kennt und ein paar Mal \u00e4ngstlich prophylaktisch vor mir herumbellt (Boxer sind harmlos, sie sehen nur nicht so aus), um mich einzusch\u00fcchtern, dann aber bei einem strengen Kommando mit Handzeichen &#8222;Sitz&#8220; macht und angesichts eines von mir angebotenene Hundek\u00fcchleins anschlie\u00dfend anbiedernd herumhechelt.<\/p>\n<p>Fazit: Lasst die Weise so, wie sie ist, pflanzt ein paar B\u00fcsche und h\u00f6rt auf, uns mit Poesie zu behelligen &#8211; Lichterketten haben wir schon genug. G\u00e4rten der Poesie zu Streuobstwiesen!<\/p>\n<p align=left><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2010\/12\/181210_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2010\/12\/181210_2kl.jpg\" alt=\"Streuobstwiese\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7638?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7638?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_7638 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_7638')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_7638').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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