{"id":66937,"date":"2026-10-25T12:19:13","date_gmt":"2026-10-25T11:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=66937"},"modified":"2026-10-25T12:55:41","modified_gmt":"2026-10-25T11:55:41","slug":"politische-oekonomie-des-populismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2026\/10\/25\/politische-oekonomie-des-populismus","title":{"rendered":"Politische \u00d6konomie des Populismus"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"background-color: #eeeeee;\">&#8222;Es gilt das Anna-Karenina-Prinzip: Jede Politische \u00d6konomie ist auf ihre ganz eigene Art ungl\u00fccklich.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Hier also etwas \u00fcber das \u00fcberaus empfehlenswerte <del>Buch<\/del> B\u00fcchlein Philip Manows <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3518127284\/ref=nosim?tag=burkhardschroder&#038;th=1\">Die politische \u00d6konomie des Populismus<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #eeeeee;\">Ein hellsichtiges, \u00e4u\u00dferst inspirierendes Buch; in seiner analytischen K\u00fchle auch weit entfernt von dem hysterischen Ton, der die Debattenbeitr\u00e4ge von  <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3518127284\/ref=nosim?tag=burkhardschroder&#038;th=1\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/10\/251026_3.jpg\"\n     alt=\"manow\"\n     style=\"float: left; width: 240px; height: auto; margin: 10px 10px 10px 0;\"\/><\/a> rechts wie links sonst h\u00e4ufig pr\u00e4gt. (Jens Balzer, Deutschlandfunk Kultur)<\/span><\/p>\n<p>Nur knapp 200 Seiten, aber \u00e4u\u00dferst pr\u00e4gnant geschrieben. Wenn man den wissenschaftlichen, also statistischen Teil wegl\u00e4sst, geht es um weniger als 100 Seiten Text, der die wesentlichen Aussagen enth\u00e4lt. Beiden Rezensenten kann ich nur zustimmen. Es gibt nichts Vergleichbares, wenn es um das Thema geht.<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #eeeeee;\">Wer an den Wahlabenden dieses Jahres nicht entgeistert auf die Glotze starren will, sollte dieses schmale, analytisch klare und erfreulich polemische Buch vorher lesen. (Jens Bisky, S\u00fcddeutsche Zeitung)<\/span><\/p>\n<p>Ganz unter uns: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philip_Manow\">Philip Manow<\/a> ist &#8211; so vermute ich es &#8211; heimlicher &#8222;Marxist&#8220;, gibt es aber nicht zu, weil <a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/buch\/philip-manow-die-politische-oekonomie-des-populismus-t-9783518127285\">der Verlag<\/a> das Manuskript  dann wahrscheinlich nicht gedruckt h\u00e4tte. Sogar wenn er Marx nie gelesen hat, was unwahrscheinlich ist, argumentiert der Autor &#8222;marxistisch&#8220;. Er sucht nach den \u00f6konomischen Ursachen politischer Ideen. Jawohl, das funktioniert bei &#8222;Populismus&#8220; &#8211; mit \u00fcberraschenden Ergebnissen.<\/p>\n<p>Philip Manow erkl\u00e4rt den Aufstieg &#8222;populistischer&#8220; Bewegungen vor allem mit <b>zwei Folgen der Globalisierung: dem internationalen Handel und der Migration.<\/b> Beides ver\u00e4ndert die Wirtschaft und die Lebensbedingungen vieler Menschen. Manche profitieren davon, andere f\u00fchlen sich benachteiligt oder bedroht. [&#8222;Globalisierung&#8220; heisst: voll entwickelter Kapitalismus jenseits nationaler Grenzen.]<\/p>\n<p>Manow unterscheidet zwischen Menschen, die zum Arbeiten in ein anderes Land kommen, und solchen, die vor Krieg oder Verfolgung fliehen. Wie die Bev\u00f6lkerung darauf reagiert, h\u00e4ngt auch davon ab, wie die Wirtschaft und der Sozialstaat des jeweiligen Landes funktionieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr Europa unterscheidet Manow vier grundlegende Modelle:<br \/>\n<span style=\"color: green; font-size: 1,2em;\">\u279c<\/span> <b>Nordeuropa<\/b> (Skandinavien): Ein starker Sozialstaat mit umfangreicher sozialer Absicherung.<br \/>\n<span style=\"color: green; font-size: 1,2em;\">\u279c<\/span> <b>Westeuropa<\/b> (einschlie\u00dflich Gro\u00dfbritannien): Wirtschaftssysteme, in denen Sozialversicherungen, der Arbeitsmarkt und private Unternehmen eine wichtige Rolle spielen.<br \/>\n<span style=\"color: green; font-size: 1,2em;\">\u279c<\/span> <b>S\u00fcdeuropa<\/b> (etwa Italien, Spanien und Griechenland): L\u00e4nder, in denen pers\u00f6nliche Beziehungen und politische Netzwerke bei der Verteilung staatlicher Leistungen h\u00e4ufig eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen.<br \/>\n<span style=\"color: green; font-size: 1,2em;\">\u279c<\/span> <b>Osteuropa<\/b>: Ehemals sozialistische L\u00e4nder, deren Wirtschaft sich nach 1989 grundlegend ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/10\/251026_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/10\/251026_2kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"Manow Statistik\"\/><\/a><\/p>\n<p>Manows Kerngedanke: Populismus &#8211; sei er &#8222;rechts&#8220; oder &#8222;links&#8220; &#8211; habe nicht \u00fcberall dieselben Ursachen. Je nachdem, wie die Wirtschaft eines Landes organisiert ist und wer durch Globalisierung und Migration gewinnt oder verliert, entstehen unterschiedliche Formen des politischen Protests.  Die politischen \u00d6konomien des S\u00fcdens und des Nordens seien &#8222;in geradezu entgegengesetzter Weise durch die Globalisierung verletzbar&#8220;. Deshalb sei  der Populismus zum Beispiel in Schweden nicht ohne Weiteres mit dem in Italien oder Polen vergleichbar.<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #eeeeee;\">&#8222;Migration wird dort zum Problem, wo der Wohlfahrtsstaat gro\u00dfz\u00fcgig <i>und<\/i> zug\u00e4nglich ist.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Das seien gleichzeitig die L\u00e4nder, denen der ungehinderte Warenverkehr und die \u00d6ffnung des Au\u00dfenhandels wenig Probleme bereite. Der Populismus dort ist &#8222;rechts&#8220;, weil er sich prim\u00e4r gegen die Einwanderung in das jeweilige Sozialsystem wendet (wie in Deutschland).<\/p>\n<p>Diejenigen L\u00e4nder des s\u00fcdlichen Europas, deren \u00d6konomie weniger auf Export, sondern mehr auf Binnennachfrage fu\u00dft, haben in der Regel einen geringeren Wohlfahrtsstaat, der f\u00fcr Migranten auch kaum zug\u00e4nglich ist. Dort ist der Populismus &#8222;links&#8220;, wendet sich gegen die Ausw\u00fcchse des Kapitalismus. <\/p>\n<p>Manow f\u00fchrt nat\u00fcrlich zahlreiche Statistiken und Beispiele an, die mich \u00fcberzeugt haben. (Im ersten Teil zerlegt er gen\u00fc\u00dflich viele und g\u00e4ngige Theorien, was &#8222;Populismus&#8220; sei &#8211; das habe ich hier weggelassen, ist aber sogar unterhaltsam, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt und sich mit jedem &#8211; immer sch\u00f6n h\u00f6flich &#8211; anlegt.)<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #eeeeee;\">&#8222;Eindeutig und sehr ausgepr\u00e4gt ist der Befund, dass Insider [die schon im Land sind] in den n\u00f6rdlichen Politischen \u00d6konomen rechtspopulistisch w\u00e4hlen, w\u00e4hrend Insider <i>wie<\/i> Outsider [Einwanderer] in den Politischen \u00d6konomien S\u00fcdeuropas Linkspopulismus ihre Stimme geben.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland gilt: AfD-W\u00e4hler artikulieren eine Kombination aus den f\u00fcr sie wichtigsten politischen Problemen &#8222;Migration&#8220; und &#8222;soziale Gerechtigkeit&#8220;.<\/p>\n<p>Rezepte f\u00fcr oder gegen etwas verkneift Manow sich. Und das ist f\u00fcr einen Analytiker auch gut so.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66937?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66937?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_66937 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_66937')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_66937').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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