{"id":66332,"date":"2026-08-23T20:33:06","date_gmt":"2026-08-23T18:33:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=66332"},"modified":"2026-08-24T01:21:49","modified_gmt":"2026-08-23T23:21:49","slug":"theorien-der-inflation-teil-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2026\/08\/23\/theorien-der-inflation-teil-iv","title":{"rendered":"Theorien der Inflation (Teil IV)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_11gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_11kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"KI\"\/><\/a><br \/>\n<small>&#8222;Steigende Arbeitsproduktivit\u00e4t wirkt grunds\u00e4tzlich preissenkend. Sinkende Profitabilit\u00e4t bremst jedoch produktive Investitionen und damit das Produktivit\u00e4tswachstum. Wird dies durch eine Ausweitung von Geld und Kredit kompensiert, entsteht Inflationsdruck.&#8220;<\/small><\/p>\n<div style=\"background-color:#f2f2f2; padding:10px 12px; margin:12px 0;\">Ich habe <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2026\/08\/23\/part-four-post-pandemic-inflation\/\/\">Michael Roberts&#8216; Artikel<\/a> \u00fcber Theorien der Inflation <i>Part four: post pandemic inflation<\/i> \u00fcbersetzen lassen und Text und Grafiken \u00fcberarbeitet. Die Links sind von mir.<\/div>\n<p>In diesem letzten Teil der Reihe \u00fcber die Ursachen der Inflation befasse ich mich [Michael Roberts] mit dem Zeitraum seit dem Ende des pandemiebedingten Einbruchs im Jahr 2020.<\/p>\n<div style=\"background-color:#f2f2f2; padding:10px 12px; margin:12px 0;\"><b>Zusammenfassung<\/b><\/p>\n<p><b>Der Artikel untersucht die Ursachen der seit dem Ende des Pandemieeinbruchs 2020 wieder deutlich gestiegenen Inflation.<\/b> In den USA lag die Verbraucherpreisinflation in den 2020er Jahren bislang durchschnittlich bei 3,9 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie in den 2010er Jahren. Seit Januar 2020 stiegen die Verbraucherpreise annualisiert um etwa vier Prozent; damit hat die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Federal_Reserve_System\">Fed<\/a> ihr Inflationsziel von zwei Prozent deutlich verfehlt.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des Autors [Michael Roberts] haben die herrschenden Inflationstheorien versagt. Zun\u00e4chst wurde die Inflation als vor\u00fcbergehende Folge pandemiebedingter Lieferengp\u00e4sse betrachtet. Als sie anhielt, griffen \u00d6konomen wieder auf bekannte Erkl\u00e4rungen zur\u00fcck: <b>Monetaristen<\/b> machten eine zu lockere Geldpolitik verantwortlich, <b>Keynesianer<\/b> Lohnsteigerungen und die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Phillips-Kurve\">Phillips-Kurve<\/a>, andere zu hohe Staatsausgaben oder Inflationserwartungen. Der Autor h\u00e4lt keine dieser Erkl\u00e4rungen f\u00fcr \u00fcberzeugend. Insbesondere seien Inflationserwartungen eher Folge als Ursache steigender Preise. Selbst \u00d6konomen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lawrence_Summers\">Larry Summers<\/a> und der ehemalige Bank-of-England-Chef <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mervyn_King,_Baron_King_of_Lothbury\">Mervyn King<\/a> r\u00e4umten <b>grundlegende Probleme der bisherigen Inflationstheorien<\/b> ein.<\/p>\n<p>Auch heterodoxe Erkl\u00e4rungen, die Inflation auf steigende Unternehmensgewinne und &#8222;Preistreiberei&#8220; durch Monopole zur\u00fcckf\u00fchren, h\u00e4lt der Autor f\u00fcr unzureichend. Unternehmen mit Marktmacht konnten w\u00e4hrend der Lieferengp\u00e4sse 2020\/21 zwar ihre Preise und Gewinne erh\u00f6hen. Als sich die Lieferketten normalisierten und der Wettbewerb zunahm, lie\u00df sich dies jedoch nicht fortsetzen. Entscheidend sei deshalb die jeweilige Phase des Konjunkturzyklus und nicht die Existenz von Monopolen an sich. Preiskontrollen seien ebenfalls keine dauerhafte L\u00f6sung; <b>der Autor pl\u00e4diert stattdessen f\u00fcr \u00f6ffentliches Eigentum an gro\u00dfen Energie- und Lebensmittelkonzernen<\/b>.<\/p>\n<p>Die tiefer liegende Ursache der Inflation sieht der Artikel in der bereits vor der Pandemie bestehenden Schw\u00e4che der kapitalistischen Produktion: <b>Seit Jahrzehnten verlangsamten sich Produktivit\u00e4tswachstum und produktive Investitionen.<\/b> Die gro\u00dfen Volkswirtschaften befanden sich schon vor COVID nahe an einem Abschwung und konnten deshalb die pandemiebedingten Angebots-, Energie- und Lebensmittelschocks schlecht verkraften.<\/p>\n<p>Hier kn\u00fcpft die marxistische Werttheorie der Inflation von <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Guglielmo-Carchedi\">Guglielmo Carchedi<\/a>, <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/\">Michael Roberts<\/a> und \u00e4hnlich auch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Mattick_Jr.\">Paul Mattick Jr.<\/a> an. <span style=\"background-color: #fff59d;\">Steigende Arbeitsproduktivit\u00e4t wirkt grunds\u00e4tzlich preissenkend. Sinkende Profitabilit\u00e4t bremst jedoch produktive Investitionen und damit das Produktivit\u00e4tswachstum. Wird dies durch eine Ausweitung von Geld und Kredit kompensiert, entsteht Inflationsdruck.<\/span> <span style=\"background-color: #fff59d;\">Entscheidend<\/span> f\u00fcr die sogenannte <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Wirtschaft\/Preise\/Verbraucherpreisindex\/_inhalt.html\">Value Rate of Inflation<\/a> (VRI) <span style=\"background-color: #fff59d;\">ist dabei die Differenz zwischen dem Wachstum der umlaufenden Geldmenge und dem Wachstum der geleisteten Arbeitsstunden in den produktiven Wirtschaftssektoren.<\/span><\/p>\n<p>Nach dieser Berechnung sei die tats\u00e4chliche Inflation langfristig erheblich h\u00f6her als die offiziell ausgewiesene. F\u00fcr 1949\u20132019 liege die durchschnittliche VRI ungef\u00e4hr doppelt so hoch wie CPI und BIP-Deflator. Ein Grund seien unter anderem hedonische Qualit\u00e4tsbereinigungen und Ver\u00e4nderungen des Warenkorbs. <a href=\"https:\/\/substack.com\/@corbintrent\">Corbin Trent<\/a> kommt mit einem anderen, auf der zum Erwerb lebensnotwendiger G\u00fcter erforderlichen Arbeitszeit beruhenden Verfahren zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis: Ein Medianeinkommen von 42.220 Dollar 2023 h\u00e4tte etwa 102.024 Dollar betragen m\u00fcssen, um dieselbe Kaufkraft f\u00fcr grundlegende Bed\u00fcrfnisse wie 1950 zu erreichen.<\/p>\n<p>Auch die eigene VRI-Berechnung des Autors ergibt ein wesentlich schlechteres Bild der Einkommensentwicklung: W\u00e4hrend offizielle Daten einen Anstieg des realen Medianeinkommens amerikanischer Familien von 62 Prozent zwischen 1960 und 2024 ausweisen, ergibt sich nach der werttheoretischen Inflationsmessung ein R\u00fcckgang um 20 Prozent. Reale Einkommenszuw\u00e4chse habe es demnach haupts\u00e4chlich im \u201eGoldenen Zeitalter\u201c 1960\u201373 gegeben; danach seien die Realeinkommen gesunken.<\/p>\n<p>2022 stieg die VRI auf fast 11 Prozent, w\u00e4hrend die bereinigte Geldmenge M2 um mehr als 14 Prozent zunahm und sich das Wachstum der Arbeitsstunden verlangsamte. Die geldpolitische Straffung 2023\/24 lie\u00df sowohl VRI als auch offizielle Inflation wieder sinken, allerdings nicht auf das Niveau vor der Pandemie.<\/p>\n<p><b>F\u00fcr die Zukunft erwartet der Autor erneut st\u00e4rkeren Inflationsdruck:<\/b> Die Arbeitsstunden wachsen nur um etwa 0,5 Prozent j\u00e4hrlich, w\u00e4hrend die umlaufende Geldmenge inzwischen um mehr als 8 Prozent zunimmt. Daraus prognostiziert er f\u00fcr 2026 eine VRI von etwa 7,5 Prozent und f\u00fcr 2027 eine offizielle Inflation von 4,5\u20135 Prozent. Bei einem US-Wirtschaftswachstum von nur etwa 1,5 Prozent drohe damit Stagflation.<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Gegenkraft w\u00e4re ein kr\u00e4ftiger Produktivit\u00e4tsschub durch KI. Darauf setzt Fed-Chef <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kevin_Warsh\">Kevin Warsh<\/a>. Der Autor bezweifelt jedoch, dass dies ausreichen wird, zumal die h\u00f6here Profitabilit\u00e4t bislang stark auf IT, Energie und Finanzwirtschaft konzentriert sei. Bleiben Produktivit\u00e4ts- und Investitionsschub aus, werde die Kombination aus schwachem Wachstum und starker Geldmengenausweitung die h\u00f6here Inflation verstetigen. Der seit 2020 deutliche Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen wird als Zeichen daf\u00fcr gewertet, dass auch die Finanzm\u00e4rkte mit dauerhaft h\u00f6herer Inflation rechnen.<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_10gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_10kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"KI\"\/><\/a><\/p>\n<h2>Teil vier: Inflation nach der Pandemie<\/h2>\n<p>Mit der Pandemie endete die Phase der Disinflation, und die Inflation kehrte zur\u00fcck. In den USA lag der durchschnittliche j\u00e4hrliche Anstieg der Verbraucherpreise in den 2020er Jahren bislang bei 3,9 Prozent. Diese Rate d\u00fcrfte angesichts der Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Weltmarktpreise f\u00fcr Energie, Lebensmittel und andere Rohstoffe weiter steigen. Der bisherige Preisanstieg in den 2020er Jahren ist damit mehr als doppelt so hoch wie in den von Disinflation gepr\u00e4gten 2010er Jahren und der h\u00f6chste seit den 1980er Jahren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_1kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die US-Notenbank Fed hat sich ein Inflationsziel von 2 Prozent pro Jahr gesetzt. Sie ist kl\u00e4glich daran gescheitert, dieses Ziel zu erreichen. Seit Januar 2020 ist der offizielle Verbraucherpreisindex mit einer annualisierten Rate von 4,0 Prozent gestiegen und liegt inzwischen 13 Prozent \u00fcber dem Preisniveau, das sich bei einer Inflationsrate von 2 Prozent ergeben h\u00e4tte. <b>Das zeigt ein massives Versagen der herrschenden Wirtschaftstheorie und der darauf beruhenden Inflationspolitik.<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_2kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Doch die Vertreter der herrschenden Wirtschaftslehre und die Verantwortlichen f\u00fcr das Geldsystem f\u00fchren weiterhin dieselben Ursachen f\u00fcr die Inflation an und ergreifen dieselben wirtschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen wie vor 2020. Zun\u00e4chst argumentierten sie \u2013 wie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jerome_Powell\">Jay Powell<\/a>, der damalige Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve \u2013, der Anstieg der Inflation sei nur vor\u00fcbergehend und durch den &#8222;Schock&#8220; der Engp\u00e4sse in der weltweiten Produktion und im Handel mit Waren und Dienstleistungen verursacht worden. Sp\u00e4ter mussten sie zunehmend anerkennen, dass die Inflation keineswegs nachlie\u00df, sondern sich beschleunigte und von Dauer war. Daraufhin wurden erneut die altbekannten Erkl\u00e4rungen der herrschenden Wirtschaftslehre f\u00fcr die Inflation bem\u00fcht \u2013 obwohl, wie wir im ersten Teil dieser Reihe gesehen haben, sowohl die monetaristischen als auch die keynesianischen Theorien sich als unzureichend erwiesen hatten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bankofengland.co.uk\/about\/people\/huw-pill\/biography\">Huw Pill<\/a>, Chef\u00f6konom der Bank of England, bekr\u00e4ftigte erneut das \u00fcbliche Rezept der Zentralbanken zur Senkung der Inflationsraten nach der Pandemie: <i>Die Zinserh\u00f6hungen in den USA und im Vereinigten K\u00f6nigreich im vergangenen Jahr sollten die Kaufkraft d\u00e4mpfen und die M\u00f6glichkeiten von Unternehmen und Privatpersonen einschr\u00e4nken, die Belastungen durch die Inflation auf andere abzuw\u00e4lzen.<\/i> Wer genau diese Belastungen tragen sollte, sagte er nicht. Klar ist jedoch, dass es die Realeinkommen der Besch\u00e4ftigten waren.<\/p>\n<p>Der f\u00fchrende keynesianische Makro\u00f6konom <a href=\"https:\/\/gautieggertsson.org\/\">Gauti Eggertsson<\/a> bem\u00fchte sich nach Kr\u00e4ften, die gescheiterte Phillips-Kurve wiederzubeleben. Diese besagt, dass ein R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit in Richtung Vollbesch\u00e4ftigung die L\u00f6hne steigen l\u00e4sst und dies wiederum zu einer h\u00f6heren Inflation f\u00fchrt. Eggertsson r\u00e4umte ein, dass die traditionelle Phillips-Kurve auf die gegenw\u00e4rtige Inflation nicht anwendbar sei. Aber, so seine Argumentation, die Kurve sei inzwischen &#8222;nichtlinear&#8220; geworden: Die Arbeitslosigkeit k\u00f6nne also stark sinken, ohne dass dies irgendeinen Einfluss auf die Inflation habe, bis pl\u00f6tzlich ein Wendepunkt erreicht werde und die Inflation sprunghaft ansteige \u2013 womit es faktisch \u00fcberhaupt keine &#8222;Kurve&#8220; mehr gibt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_3gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_3kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Auch die Monetaristen versuchten, ihre Theorie wiederzubeleben, um den Inflationsschub nach der Pandemie zu erkl\u00e4ren. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_B._Taylor\">John Taylor<\/a>, der Urheber der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Taylor-Regel\">Taylor-Regel<\/a>, die angeblich vorgibt, wie sich durch die Festlegung des &#8222;richtigen&#8220; Zinssatzes durch die Fed sowohl Inflation als auch Arbeitslosigkeit vermeiden beziehungsweise begrenzen lassen, vertrat die Auffassung, die Inflationsspirale sei darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Fed bereits vor der Pandemie die Zinsen zu sp\u00e4t angehoben und anschlie\u00dfend seine Taylor-Regel nicht befolgt habe. Als die Fed ihren Leitzins dann jedoch tats\u00e4chlich erh\u00f6hte, gelang es ihr nicht, die Inflation auf ihr Zielniveau zu senken (wie wir oben gesehen haben).<\/p>\n<p>Eine Variante sowohl der monetaristischen als auch der keynesianischen Theorie lautete, der Inflationsschub sei durch &#8222;zu hohe&#8220; Staatsausgaben verursacht worden. <a href=\"https:\/\/barro.scholars.harvard.edu\/\">Robert Barro<\/a>, ein konservativer \u00d6konom aus Harvard, der seit jeher darauf bedacht ist, die Staatsausgaben zu senken, weil sie seiner Ansicht nach den privaten Sektor &#8222;verdr\u00e4ngen&#8220; (crowding out), legte Daten f\u00fcr 37 OECD-L\u00e4nder vor, denen zufolge <i>die fiskalische Expansion dem Inflationsschub von 2020 bis 2022 zugrunde liegt<\/i>. <a href=\"https:\/\/www.princeton.edu\/~sims\/\">Christopher Sims<\/a> von der Princeton University vertrat gegen\u00fcber den Keynesianern ebenfalls diese <i>fiskalische Theorie der Inflation<\/i>. Er argumentierte, die USA h\u00e4tten seit 1950 drei Phasen hoher Inflation erlebt, die jeweils durch <i>fiskalische Expansionen<\/i> verursacht worden seien: Nicht eine zu lockere Geldpolitik, sondern \u00fcberm\u00e4\u00dfige Staatsausgaben verursachten demnach eine hohe Inflation &#8211; im Gegensatz zu Taylors oben dargestellter Auffassung. Dies ist ein klassischer Fall, in dem die Richtung des Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs verkannt wird. W\u00e4hrend der Pandemie stiegen die Staatsausgaben und Haushaltsdefizite im Verh\u00e4ltnis zur gesamten Wirtschaftsleistung stark an, weil die Volkswirtschaften heruntergefahren wurden und die Gesamtproduktion sank. Als sich die Wirtschaft wieder zu erholen begann, gingen die j\u00e4hrlichen Haushaltsdefizite im Verh\u00e4ltnis zum BIP wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurde auch die Theorie der Inflationserwartungen wiederbelebt. Der IWF unter seiner damaligen Direktorin <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Gita_Gopinath\">Gita Gopinath<\/a> hatte einger\u00e4umt, dass weder die monetaristische und fiskalische Theorie noch die Theorie der Phillips-Kurve die j\u00fcngste Inflation erkl\u00e4ren konnten, und wandte sich daher erneut den &#8222;Inflationserwartungen&#8220; zu. Die \u00d6konomen des IWF behaupteten, seit 2020 seien die &#8222;kurzfristigen Inflationserwartungen&#8220; in den entwickelten Volkswirtschaften der wichtigste Treiber der Preissteigerungen und in den Schwellenl\u00e4ndern der zweitwichtigste Faktor gewesen. Der MIT-Professor <a href=\"https:\/\/economics.mit.edu\/people\/faculty\/ivan-werning\">Ivan Werning<\/a> vertrat die Auffassung, die steigende Inflation sei das Ergebnis <i>irrationaler Erwartungen<\/i> der Verbraucher. Damit wurde die Inflationstheorie erneut auf Psychologie reduziert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_4kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Wenn man sich in der oben stehenden Grafik des IWF die Belege f\u00fcr die Bedeutung der <i>Erwartungen<\/i> ansieht, erkennt man, dass zun\u00e4chst die &#8222;anderen Faktoren&#8220; \u2013 etwa Lieferengp\u00e4sse und weitere nicht n\u00e4her bestimmte Faktoren (<i>grauer Block<\/i>) \u2013 die Hauptursache f\u00fcr den einsetzenden Inflationsanstieg waren. Die &#8222;Erwartungen&#8220; (<i>blauer Block<\/i>) kamen erst sp\u00e4ter ins Spiel, nachdem die Menschen erkannt hatten, dass die Preise weiterhin stark steigen w\u00fcrden. Als die Inflationsrate zur\u00fcckging, begannen auch die Inflationserwartungen wieder zu sinken. Die Erwartungen folgten also den realen Ursachen und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Der Keynesianer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lawrence_Summers\">Larry Summers<\/a> fasste das folgenderma\u00dfen zusammen: <i>Die Theorie, der sich viele \u00d6konomen inzwischen zuzuwenden scheinen, besagt, dass die Phillips-Kurve im Grunde flach ist, dass die Inflation durch Inflationserwartungen bestimmt wird und dass die Inflationserwartungen wiederum von den Menschen bestimmt werden, die Inflationserwartungen bilden. Das ist ein wenig so wie die Theorie, dass sich die Planeten aufgrund der Umlaufkraft um das Universum bewegen. Das ist eher eine Theorie, die einem Ph\u00e4nomen einen Namen gibt, als eine wirkliche Theorie. Ich denke daher, dass sich die Inflationstheorie in erheblicher Unordnung befindet \u2013 sowohl wegen der Probleme mit der Phillips-Kurve als auch deshalb, weil wir keinen wirklich \u00fcberzeugenden Nachfolger f\u00fcr eine Theorie monetaristischer Art haben.<\/i><\/p>\n<p>[Iv\u00e1n] <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Iv%C3%A1n_Werning\">Werning<\/a> versuchte, eine Inflationstheorie zu entwickeln, die s\u00e4mtliche m\u00f6glichen Ursachen ber\u00fccksichtigt. Inflation steigt demnach, wenn eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Nachfrage entsteht, die durch zu gro\u00dfe Geldspritzen der Zentralbank und zu hohe Staatsausgaben verursacht wird. Hinzu kommen verschiedene Verkrustungen und Starrheiten \u2013 etwa Monopole und Gewerkschaften \u2013, die die Preise nach oben treiben, au\u00dferdem Energiepreisschocks und schlie\u00dflich Inflationserwartungen. Dieser Cocktail von Ursachen liefert uns letztlich \u00fcberhaupt keine Erkl\u00e4rung. Kein Wunder, dass Werning seine Arbeit mit den Worten zusammenfasste, <i>dass wir am Ende oft weniger wissen als zuvor<\/i>.<\/p>\n<p>In einer j\u00fcngeren Mea culpa r\u00fcckte der fr\u00fchere Gouverneur der Bank of England, <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mervyn_King,_Baron_King_of_Lothbury\">Mervyn King<\/a>, von seinen fr\u00fcheren Auffassungen ab und r\u00e4umte ein: <b>Die Zentralbanken verf\u00fcgen nicht mehr \u00fcber eine Theorie der Inflation.<\/b> <i>Die heute verbreitete Ausgestaltung von Inflationszielen unterscheidet sich v\u00f6llig von ihrem urspr\u00fcnglichen Zweck.<\/i> Der \u00d6konom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Milton_Friedman\">Milton Friedman<\/a> vertrat bekanntlich die Auffassung, <i>Inflation ist immer und \u00fcberall ein monet\u00e4res Ph\u00e4nomen<\/i>, das durch die Geldsch\u00f6pfung der Zentralbanken bestimmt werde. Dieser monetaristische Ansatz ist jedoch nur begrenzt aussagekr\u00e4ftig, &#8222;da sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ver\u00e4ndern kann und private Akteure Geld schaffen&#8220; \u2013 ein Echo auf unsere Argumentation im ersten Teil dieser Reihe. King griff auch die Theorie der Inflationserwartungen an: <i>Das ist die K\u00f6nig-Knut-Theorie der Inflation<\/i>, sagte er in Anspielung auf den englischen K\u00f6nig des 11. Jahrhunderts, der der \u00dcberlieferung nach versucht haben soll, den Wellen mit Worten Einhalt zu gebieten \u2013 und daran scheiterte. <i>Oder, um eine andere Metapher zu verwenden: Schamanen, die versuchen, durch verbale Interventionen die Preise zu beeinflussen.<\/i><\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr legte <a href=\"https:\/\/economics.rutgers.edu\/people\/faculty\/people\/86-faculty\/217-bordo-michael-d\">Michael Bordo<\/a> von der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich eine umfangreiche Studie f\u00fcr die Bank of England vor, um die Inflation nach der Pandemie im Vereinigten K\u00f6nigreich zu erkl\u00e4ren. Nach einer F\u00fclle von Seiten und Grafiken gelangte er jedoch offenbar zu keinem wesentlichen Ergebnis. Die Inflation entstand demnach anscheinend deshalb, weil die Angebotsseite der britischen Wirtschaft zu wenig produktiv war und nicht in der Lage war, <i>eine Wirtschaft mit niedriger Inflation hervorzubringen, die nachhaltiges Wachstum gew\u00e4hrleisten kann \u2026 Dies f\u00fchrt uns im Fazit dieser Studie zu grundlegenderen Fragen. Wie viel von der Inflationserfahrung war angesichts des Zusammenbruchs von Bretton Woods als disziplinierendem Mechanismus, der strukturellen Probleme auf der Angebotsseite der britischen Wirtschaft und ihrer Offenheit \u2013 die das Vereinigte K\u00f6nigreich anf\u00e4llig f\u00fcr Schocks aus dem Ausland machte \u2013 unvermeidlich? In welchem Umfang handelte es sich um ein Versagen des institutionellen Rahmens der britischen Geld- und Fiskalpolitik, der sich nicht schnell genug an diese Ver\u00e4nderungen anpasste? Und in welchem Umfang lag es daran, dass politische Entscheidungstr\u00e4ger und Politiker die grundlegenden Ver\u00e4nderungen im \u00f6konomischen Denken der 1960er Jahre nur langsam erkannten und aufnahmen?<\/i><i> Antworten auf diese Fragen gab es keine.<\/p>\n<p>Auch heterodoxe \u00d6konomen griffen auf ihre bisherigen Theorien zur\u00fcck, um die Inflation nach der Pandemie zu erkl\u00e4ren. Die Postkeynesianer verwiesen auf die Gewinnaufschl\u00e4ge. Demnach war es die F\u00e4higkeit von (Monopol-)Unternehmen, ihre Preise durch Aufschl\u00e4ge zu erh\u00f6hen und Preistreiberei zu betreiben, die die Inflation nach der Pandemie verursachte. Wie wir jedoch im zweiten Teil unserer Reihe argumentiert haben, gibt es monopolistische oder oligopolistische Kartelle bereits seit der Entwicklung des reifen Kapitalismus. Zwar haben Konzentration und Zentralisation des Kapitals zugenommen, wie Marx vorausgesagt hatte, doch darauf folgte keineswegs immer eine Beschleunigung der Inflation. <b>Eine h\u00f6here Inflation kann sowohl bei relativ wettbewerbsintensiven als auch bei oligopolistischen Marktstrukturen auftreten.<\/b> Im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert war das sogenannte Gilded Age durch den Aufstieg von Kartellen gekennzeichnet \u2013 gleichzeitig herrschte jedoch Preisdeflation. Und in den 1990er Jahren, die h\u00e4ufig als zweites Gilded Age mit zunehmender Marktkonzentration betrachtet werden, kam es bei der Preisinflation zur sogenannten <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Great_Moderation\">Great Moderation<\/a>, also zu einer Disinflation. W\u00e4hrend der letzten gro\u00dfen Inflationsspirale in den 1970er Jahren gingen die Gewinne sogar zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auch die Gewinnaufschlagstheorie der Inflation wird durch die empirischen Befunde nicht best\u00e4tigt. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/James_Crotty_(economist)\">James Crotty<\/a> formulierte es so: <\/i><i>Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Micha%C5%82_Kalecki\">Kalecki-Modell<\/a> der Gewinnbestimmung mit konstantem Gewinnaufschlag<\/i>, das vom postkeynesianischen Vordenker Minsky verwendet wurde, <i>ist offensichtlich unbefriedigend<\/i>. Crotty zufolge <i>zeigt der \u00fcberwiegende Teil der empirischen Befunde, dass sowohl der Gewinnaufschlag als auch der Gewinnanteil erheblichen konjunkturellen Schwankungen unterliegen<\/i>. Mit anderen Worten: Die F\u00e4higkeit der Unternehmen, ihre Preise zu erh\u00f6hen und einen gr\u00f6\u00dferen Anteil der Gewinne f\u00fcr sich zu beanspruchen, h\u00e4nge vom Expansionstempo der Wirtschaft ab. Vor dem pandemiebedingten Einbruch entfielen lediglich 11 Prozent der Ver\u00e4nderungen der St\u00fcckpreise auf Unternehmensgewinne.<\/p>\n<p>Die bedeutendste heterodoxe Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Inflationsschub nach der Pandemie stammt von <a href=\"https:\/\/www.isabellaweber.com\/research\">Isabella Weber<\/a> und <a href=\"https:\/\/evanwasner.com\/\">Evan Wasner<\/a>. Sie weisen darauf hin, dass vor der Pandemie \u00fcber einen langen Zeitraum eine relative makro\u00f6konomische Preisstabilit\u00e4t herrschte: Die Inflation war niedrig, und der Zuwachs der nominalen Wertsch\u00f6pfung verteilte sich im Allgemeinen auf L\u00f6hne und Gewinne. Erst in den beiden Jahren nach der Pandemie beanspruchten die Gewinne einen gr\u00f6\u00dferen Anteil des durch Preissteigerungen je Produktionseinheit entstandenen Wertzuwachses.<\/p>\n<p>Wie ihre unten stehende Tabelle jedoch zeigt, waren es im ersten Teil des Jahres 2020 zun\u00e4chst die L\u00f6hne, die am st\u00e4rksten von den Preissteigerungen profitierten, w\u00e4hrend die Gewinne w\u00e4hrend des pandemiebedingten Einbruchs abst\u00fcrzten. Im Verlauf des Jahres 2021 kehrte sich dieses Verh\u00e4ltnis allm\u00e4hlich um, und die Gewinne erhielten den L\u00f6wenanteil. Doch bereits 2022 verteilte sich der durch Preissteigerungen entstandene Wertzuwachs wieder ungef\u00e4hr gleichm\u00e4\u00dfig auf L\u00f6hne und Gewinne. Im dritten Quartal 2022 war der Anteil der Arbeit an den Preissteigerungen sogar gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_5gr.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Es h\u00e4ngt also alles davon ab, an welchem Punkt im Zyklus von Expansion und Kontraktion sich eine kapitalistische Wirtschaft befindet, und nicht von der F\u00e4higkeit der Monopole zur &#8222;Preistreiberei&#8220; an sich. Die Daten deuten darauf hin, dass Unternehmen mit Preissetzungsmacht in der Phase der Lieferkettenengp\u00e4sse und stark steigender Preise f\u00fcr grundlegende Rohstoffe und G\u00fcter \u2013 insbesondere Lebensmittel und Energie \u2013 ihre Preise erh\u00f6hten, um ihre Gewinne zu sichern oder sogar zu steigern (2020\u20132021). Als die Lieferengp\u00e4sse jedoch nachlie\u00dfen und die Produktion 2021\u20132022 wieder anzog, versch\u00e4rfte sich der Wettbewerb, sodass weitere Gewinnaufschl\u00e4ge nicht aufrechterhalten werden konnten.<\/p>\n<p>Indem Weber und andere Linke die Ursache der steigenden Inflation in den wachsenden Gewinnen sehen, haben sie als Alternative zur Geldpolitik der Zentralbanken die Einf\u00fchrung von Preiskontrollen gefordert. <b>Eine Begrenzung der Energiepreise f\u00fcr die privaten Endverbraucher w\u00fcrde jedoch die Preissteigerungen auf der Produzentenseite nicht beseitigen, sondern lediglich private Energieversorger in den Bankrott treiben.<\/b> Die Regierungen w\u00e4ren dann gezwungen, entweder die Preiskontrollen aufzuheben oder die scheiternden Unternehmen zu \u00fcbernehmen. Tats\u00e4chlich w\u00e4re die letztgenannte L\u00f6sung <b>die beste politische Antwort: die \u00dcberf\u00fchrung der internationalen Energie- und Lebensmittelkonzerne, die entlang der gesamten globalen Lieferkette t\u00e4tig sind, in \u00f6ffentliches Eigentum.<\/b> Eine solche Politik steht bei den heterodoxen \u00d6konomen jedoch nicht auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Was weder die herrschenden noch die heterodoxen Theorien beantworten, ist die Frage, warum die gro\u00dfen Volkswirtschaften nicht in der Lage waren, die Energie- und Lebensmittelschocks zu bew\u00e4ltigen, die durch die nach COVID verbliebenen Sch\u00e4den an Lieferketten und Handelsverbindungen verursacht wurden. Die Antwort liegt in der allgemeinen Verlangsamung des Produktivit\u00e4tswachstums und der produktiven Investitionen w\u00e4hrend der beiden vorangegangenen Jahrzehnte und insbesondere in der Zeit unmittelbar vor dem COVID-Einbruch. Entscheidend ist hier, dass die gro\u00dfen kapitalistischen Volkswirtschaften bereits vor Ausbruch der COVID-Pandemie kurz vor einem Abschwung standen. Die Angebotsseite war also bereits geschw\u00e4cht, als die weltweiten Lieferengp\u00e4sse einsetzten.<\/p>\n<p>Dies ist eine von mehreren wichtigen Erkenntnissen, die der marxistische \u00d6konom Paul Mattick Jr. in seinem <a href=\"https:\/\/press.uchicago.edu\/ucp\/books\/book\/distributed\/R\/bo208670126.html\">ausgezeichneten kurzen Buch<\/a> \u00fcber die Ursachen der Inflationsspirale nach der Pandemie herausarbeitet. Mattick schrieb 2011 au\u00dferdem <a href=\"https:\/\/www.abebooks.co.uk\/9781861898012\/Business-Usual-Economic-Crisis-Failure-1861898010\/plp\">eines der besten kurzen B\u00fcche<\/a>r \u00fcber die Ursachen des weltweiten Finanzcrashs und der Gro\u00dfen Rezession. In seinem neuen Buch vertritt Mattick denselben Gedanken, den Carchedi und ich mit unserer werttheoretischen Erkl\u00e4rung der Inflation entwickelt haben: Eine steigende Arbeitsproduktivit\u00e4t hat die Tendenz, die Preise zu senken. Doch das Produktivit\u00e4tswachstum ger\u00e4t in Konflikt mit der Profitabilit\u00e4t. Verlangsamt sich das Wachstum der Profitabilit\u00e4t, gehen die produktiven Investitionen zur\u00fcck, und damit verlangsamt sich auch das Produktivit\u00e4tswachstum. Die W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden und das Finanzsystem versuchen dies durch eine Ausweitung des Kredits zu kompensieren, doch dadurch wird lediglich die Inflation angeheizt.<\/p>\n<p>Es ist der tendenzielle R\u00fcckgang der globalen Profitabilit\u00e4t, der sich im allgemeinen R\u00fcckgang der Wachstumsraten seit den 1970er Jahren zeigt \u2013 wobei diese Wachstumsraten nur durch eine stetige Zunahme der Verschuldung des Staates, der Unternehmen und der privaten Haushalte auf ihrem tats\u00e4chlichen Niveau gehalten wurden \u2013, den ich zur Erkl\u00e4rung der inflation\u00e4ren Tendenz des Kapitalismus seit dem Zweiten Weltkrieg <a href=\"https:\/\/www.endnotes.org.uk\/palabre\/paul-mattick-preface-to-the-german-edition-of-the-return-of-inflation\">heranziehe<\/a>.<\/p>\n<p>Damit gelangen wir zur\u00fcck zu unserer Werttheorie der Inflation, wie sie im dritten Teil dieser Reihe dargestellt wurde. Wir stellten fest, dass die durchschnittliche Rate der werttheoretisch bestimmten Inflation im Zeitraum von 1949 bis 2019 etwa doppelt so hoch war wie die offiziellen Inflationsraten, gemessen am Verbraucherpreisindex (CPI) und am BIP-Deflator. Das deutet darauf hin, dass die offiziellen Messgr\u00f6\u00dfen der Preisinflation die tats\u00e4chliche Inflation erheblich untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Corbin Trent analysierte die Realeinkommen in den USA anhand eines anderen Ma\u00dfes f\u00fcr die Preisinflation. Nach den offiziellen Statistiken der US-Regierung sind die durchschnittlichen Reall\u00f6hne seit 1950 um 252 Prozent gestiegen. Trent argumentiert dagegen, dass die Realeinkommen gegen\u00fcber 1950 tats\u00e4chlich 61 Prozent ihrer Kaufkraft verloren h\u00e4tten. Wie erkl\u00e4rt sich dieser Unterschied? Die amtlichen Statistiker &#8222;bereinigen&#8220; die Preise vieler Waren, um deren gestiegene Leistungsf\u00e4higkeit beziehungsweise verbesserte Qualit\u00e4t zu ber\u00fccksichtigen. Diese sogenannten hedonischen Qualit\u00e4tsbereinigungen reduzieren die gemessene tats\u00e4chliche Inflation laut dieser Argumentation um etwa 50 bis 60 Prozent. Au\u00dferdem sei der f\u00fcr die Inflationsmessung verwendete \u201eWarenkorb\u201c zugunsten von G\u00fctern verzerrt, deren Preise sinken, und zulasten von Dienstleistungen, deren Preise steigen.<\/p>\n<p>Trent untersuchte stattdessen die inflationsbereinigten Einkommen danach, wie viele Arbeitsstunden erforderlich sind, um bestimmte Waren und Dienstleistungen zu kaufen:<\/p>\n<p><i>Ich habe die statistischen Spielereien beiseitegelassen. Keine hedonischen Anpassungen. Keine theoretischen Miet\u00e4quivalente. Keine Neugewichtung des Warenkorbs. Nur einfache Mathematik. Wie viel verdienen wir, und wie viel kosten die grundlegenden Dinge des Lebens? Ich habe die offiziellen Daten der Regierung untersucht: Medianeinkommen von der US-Steuerbeh\u00f6rde IRS und dem Census Bureau sowie die tats\u00e4chlichen Preise lebensnotwendiger G\u00fcter aus den Daten des HUD und anderen Bundesbeh\u00f6rden. Dann stellte ich eine einzige einfache Frage: Wie viele Jahre, Wochen oder Monate m\u00fcssen wir arbeiten, um das kaufen zu k\u00f6nnen, was wir ben\u00f6tigen?<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_6gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_6kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Trent berechnete die Auswirkungen der Preisinflation auf die Einkommen also danach, wie viel Arbeitszeit erforderlich ist, um Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Diese Berechnung zeigt: Um sich die lebensnotwendigen G\u00fcter leisten zu k\u00f6nnen, die sich die Gro\u00dfeltern der heutigen Amerikaner im Jahr 1950 tats\u00e4chlich leisten konnten, h\u00e4tte das offizielle Medianeinkommen von 42.220 Dollar im Jahr 2023 bei 102.024 Dollar liegen m\u00fcssen. Nach diesem werttheoretischen Ma\u00dfstab ergibt sich somit ein Verlust des Realeinkommens von 60 Prozent.<\/p>\n<p>Unsere Theorie der werttheoretischen Inflationsrate verfolgt einen \u00e4hnlichen Ansatz. Nach den offiziellen Daten stieg das reale Medianeinkommen amerikanischer Familien von 1960 bis 2024 um 62 Prozent. Zieht man jedoch die werttheoretisch bestimmte Inflationsrate vom Nominaleinkommen ab, lag das Realeinkommen 20 Prozent niedriger als 1960. Tats\u00e4chlich stiegen die Realeinkommen nach unserem werttheoretischen Ma\u00dfstab nur im sogenannten Goldenen Zeitalter von 1960 bis 1973.<\/p>\n<p>In der neoliberalen Periode von 1974 bis 2000 sanken die Realeinkommen um 14 Prozent, und w\u00e4hrend der langen Depression von 2000 bis 2019 gingen sie um weitere 10 Prozent zur\u00fcck. In der Zeit nach der Pandemie gab es selbst nach den offiziellen Daten praktisch keinen Anstieg mehr. Kein Wunder also, dass das Verbrauchervertrauen in den USA nahe seinem historischen Tiefstand liegt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_7gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_7kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die werttheoretische Inflationsrate (VRI) stieg 2022 stark auf fast 11 Prozent an; auch der BIP-Deflator verzeichnete einen deutlichen Anstieg. Die bereinigte Geldmenge M2 nahm 2022 um mehr als 14 Prozent zu, da die geldpolitischen Mittelzuf\u00fchrungen gr\u00f6\u00dftenteils in den Wirtschaftskreislauf gelangten. Gleichzeitig verlangsamte sich das Wachstum der geleisteten Arbeitsstunden, sodass die VRI kr\u00e4ftig anstieg.<\/p>\n<p>In den darauffolgenden Jahren 2023 und 2024 drosselten die W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden das Wachstum der Geldmenge. Sie gingen also von der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE) der Jahre 2020\u20132021 zur quantitativen Straffung (Quantitative Tightening, QT) \u00fcber. Der anschlie\u00dfende R\u00fcckgang der VRI in den Jahren 2023 und 2024 ging mit einem \u00e4hnlichen R\u00fcckgang der offiziellen Inflationsrate einher. Beide Inflationsma\u00dfe liegen jedoch weiterhin deutlich \u00fcber dem Niveau vor der Pandemie und \u00fcber dem offiziellen Inflationsziel der US-Notenbank von 2 Prozent pro Jahr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_8.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_8.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Ist die Inflation gekommen, um zu bleiben? Erinnern wir uns an die entscheidenden Faktoren, die Inflation verursachen, wie sie im dritten Teil dieser Reihe dargestellt wurden. <b>Die Theorie der werttheoretischen Inflationsrate besagt, dass die Inflationsrate von der Differenz zwischen der Ver\u00e4nderung des Wachstums der umlaufenden Geldmenge und dem Wachstum der geleisteten Arbeitsstunden in den produktiven Sektoren der Wirtschaft abh\u00e4ngt.<\/b> Letzteres wiederum h\u00e4ngt von der Ausweitung der Investitionen in produktives Kapital und Arbeitskraft ab, die ihrerseits von der Profitrate des Kapitals beeinflusst wird.<\/p>\n<p>Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden steigt derzeit um etwa 0,5 Prozent pro Jahr, wobei sich das Wachstum infolge des schw\u00e4cheren Besch\u00e4ftigungszuwachses verlangsamt. Die umlaufende Geldmenge w\u00e4chst dagegen inzwischen um mehr als 8 Prozent pro Jahr, nachdem sich ihr Wachstum 2024 auf etwa 4,5 Prozent verlangsamt hatte. Daher d\u00fcrfte die werttheoretische Inflationsrate im Jahr 2026 durchschnittlich 7,5 Prozent betragen. Das w\u00fcrde auf eine offizielle Preisinflationsrate von 4,5 bis 5,0 Prozent im Jahr 2027 hindeuten. Da das Wirtschaftswachstum in den USA in diesem Jahr nur bei etwa 1,5 Prozent liegt, ist die &#8222;Stagflation&#8220; \u2013 niedriges oder ausbleibendes Wachstum bei gleichzeitig hoher und steigender Inflation \u2013 zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Prognose gibt es allerdings einige Vorbehalte. Die Profitabilit\u00e4t des US-Kapitals ist seit 2020 gestiegen. Dies m\u00fcsste eigentlich ein st\u00e4rkeres Investitionswachstum und eine Zunahme der geleisteten Arbeitsstunden f\u00f6rdern. Ein gro\u00dfer Teil dieser gestiegenen Profitabilit\u00e4t konzentriert sich jedoch auf nur wenige Sektoren: Informationstechnologie, Energie und Finanzwirtschaft. In weiten Teilen der nichtfinanziellen US-Wirtschaft ist dagegen kein nennenswerter Anstieg der Profitabilit\u00e4t zu verzeichnen. Und wie bereits <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2026\/07\/23\/ai-and-productivity\/\">in fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen dargelegt wurde<\/a>, <b>h\u00e4ngt ein anhaltender Anstieg der Investitionen und des Produktivit\u00e4tswachstums inzwischen fast vollst\u00e4ndig von der K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) ab.<\/b><\/p>\n<p>Der derzeitige Fed-Vorsitzende <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kevin_Warsh\">Kevin Warsh<\/a> setzt dabei ganz auf KI: <i>KI ist vielleicht die bedeutendste Ver\u00e4nderung unserer Wirtschaft, die ich in meinem Erwachsenenleben erlebt habe. KI wird eine bedeutende disinflation\u00e4re Kraft sein, die Produktivit\u00e4t steigern und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der USA st\u00e4rken.<\/i><\/p>\n<p>Sollte dies nicht eintreten, werden das gegenw\u00e4rtige Ausma\u00df der Geldmengenausweitung und eine sich abschw\u00e4chende Wirtschaft daf\u00fcr sorgen, dass die h\u00f6here Inflation von Dauer sein wird.<\/p>\n<p>Besonders f\u00fcr Anleihebesitzer ist Inflation problematisch, da sie f\u00fcr ihre Anleihen einen festen Zinssatz erhalten. Steigt die Inflation, schm\u00e4lert sie die reale Rendite ihrer Anlage. Der gegenw\u00e4rtige Anstieg der Anleiherenditen deutet darauf hin, dass Investoren nur noch bereit sind, niedrigere Preise f\u00fcr Anleihen zu zahlen, weil sie bef\u00fcrchten, dass deren reale Rendite langfristig sinken wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_9gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/230826_9kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p>Deshalb haben die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen seit 2020 deutlich nach oben gedreht. Die Finanzinvestoren glauben nicht, dass Kevin Warsh recht hat.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66332?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66332?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_66332 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_66332')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_66332').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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