{"id":66316,"date":"2026-08-21T21:19:54","date_gmt":"2026-08-21T19:19:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=66316"},"modified":"2026-08-22T23:08:48","modified_gmt":"2026-08-22T21:08:48","slug":"theorien-der-inflation-teil-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2026\/08\/21\/theorien-der-inflation-teil-iii","title":{"rendered":"Theorien der Inflation (Teil III)"},"content":{"rendered":"<div style=\"background-color:#f2f2f2; padding:10px 12px; margin:12px 0;\">Ich habe <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2026\/08\/15\/part-three-a-value-theory-of-inflation\/\">Michael Roberts&#8216; Artikel<\/a> \u00fcber <i>Theories of inflation part three \u2013 a value theory of inflation<\/i> \u00fcbersetzen lassen und Text und Grafiken \u00fcberarbeitet. Die Links sind von mir.<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_1kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<p><i>In diesem Beitrag setze ich [Michael Roberts] meine Untersuchung der Theorien \u00fcber die Ursachen der Inflation in modernen Volkswirtschaften fort. Im <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2026\/08\/11\/theorien-der-inflation-teil-i\">ersten Teil<\/a> befasste ich mich mit den vorherrschenden Theorien, im <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/category\/marx-revisited\">zweiten Teil<\/a> mit heterodoxen und anderen marxistischen Theorien. In diesem dritten Teil stelle ich eine von  <a href=\"https:\/\/www.spectrumofcommunism.de\/guglielmo-carchedi\/\">Guglielmo Carchedi<\/a>  und mir entwickelte Werttheorie der Inflation vor.<\/i><\/p>\n<div style=\"background-color:#f2f2f2; padding:10px 12px; margin:12px 0;\">Der Artikel entwickelt eine marxistische Werttheorie der Inflation, die Guglielmo Carchedi und der Autor gemeinsam erarbeitet haben. Anders als konventionelle, heterodoxe und viele marxistische Erkl\u00e4rungen stellt sie die Wertsch\u00f6pfung durch produktive Arbeit in den Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Nach Marx entsteht Wert durch menschliche Arbeit und wird in Arbeitszeit gemessen. Dabei schafft nur produktive Arbeit neuen Wert und Mehrwert, w\u00e4hrend unproduktive T\u00e4tigkeiten vorhandenen Wert lediglich umverteilen. Als Ma\u00df f\u00fcr die Wertproduktion verwenden die Autoren daher die in den produktiven Wirtschaftssektoren geleisteten Arbeitsstunden.<\/p>\n<p>Inflation wird hier nicht einfach als Anstieg der Warenpreise verstanden, sondern als Differenz zwischen dem Wachstum der umlaufenden Geldmenge und dem Wachstum der Wertproduktion. <b>W\u00e4chst die Geldmenge schneller als die produktive Arbeitszeit, entsteht Inflation. Verkleinert sich diese Differenz, kommt es zur Disinflation; w\u00e4chst die Wertproduktion schneller, entsteht Deflation.<\/b><\/p>\n<p>Da nicht die gesamte Geldmenge f\u00fcr Waren und Dienstleistungen ausgegeben wird, bereinigen die Autoren sie um Bankreserven, Geldhortung und Finanzspekulation und ber\u00fccksichtigen au\u00dferdem die Umlaufgeschwindigkeit. Besonders nach 2008 floss ein gro\u00dfer Teil der neu geschaffenen Liquidit\u00e4t in Finanzanlagen, statt f\u00fcr Waren und Dienstleistungen ausgegeben zu werden. Deshalb stiegen die Verm\u00f6genspreise stark, w\u00e4hrend die Verbraucherpreisinflation niedrig blieb.<\/p>\n<p>Zwischen 1949 und 2022 wuchs die bereinigte Geldmenge in den USA durchschnittlich um 6,6 Prozent pro Jahr, die produktiven Arbeitsstunden jedoch nur um 1,4 Prozent. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche werttheoretische Inflationsrate von 5,2 Prozent.<\/p>\n<p>Die Autoren unterscheiden zwei Phasen. Von 1949 bis 1981 stieg die werttheoretische Inflationsrate, weil die Geldmenge schneller wuchs als die produktive Arbeitszeit. In den 1970er-Jahren stagnierten oder sanken die Arbeitsstunden, w\u00e4hrend die Inflation zunahm \u2013 es kam zur Stagflation. Unter dem Vorsitzenden der US-Notenbank <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Volcker\">Paul Volcker<\/a> wurde die Geldpolitik anschlie\u00dfend stark gestrafft. Von 1982 bis 2019 folgte daher eine lange Phase der Disinflation.<\/p>\n<p>Die Wertproduktion ist f\u00fcr die Autoren der objektive Faktor der Inflation. Sie h\u00e4ngt von Besch\u00e4ftigung, Arbeitsstunden, Investitionen, der organischen Zusammensetzung des Kapitals und der Profitrate ab. Die Geldpolitik bildet dagegen den subjektiven Faktor: Zentralbanken reagieren auf wirtschaftliche Schw\u00e4che mit einer Lockerung und auf steigende Inflation mit einer Straffung ihrer Politik.<\/p>\n<p>Statistische Korrelationen und ein Granger-Kausalit\u00e4tstest deuten nach Ansicht der Autoren darauf hin, dass Ver\u00e4nderungen der Wertproduktion Ver\u00e4nderungen des Geldumlaufs verursachen und nicht umgekehrt. Die Wertproduktion sei somit die objektive Triebkraft der Inflation, w\u00e4hrend die Geldpolitik darauf reagiere.<\/p>\n<p>Die werttheoretische Inflationsrate liegt deutlich \u00fcber den offiziellen Inflationsma\u00dfen. Daraus schlie\u00dfen die Autoren, dass die Reall\u00f6hne der Besch\u00e4ftigten \u2013 gemessen an der zum Erwerb von Waren notwendigen Arbeitszeit \u2013 weniger gestiegen sind, als die offiziellen Preisindizes vermuten lassen.<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_2kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><\/p>\n<h2>Eine Werttheroie der Inflation<\/h2>\n<p>Unserer Ansicht nach muss jede Erkl\u00e4rung der Inflation in modernen kapitalistischen Volkswirtschaften bei der Marxschen Werttheorie ansetzen. In s\u00e4mtlichen konventionellen und heterodoxen Theorien und sogar in den meisten Theorien, die f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, marxistisch zu sein, fehlt die Rolle der Wertsch\u00f6pfung. Dadurch entsteht in jeder Inflationsanalyse ein schwarzes Loch. F\u00fcr Marx ist Wert die Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in abstrakter Form; er wird in Arbeitszeit gemessen, also in der Zeit, w\u00e4hrend der die Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr das Kapital arbeiten. Dabei handelt es sich um die tats\u00e4chlich f\u00fcr die Warenproduktion geleistete Arbeitszeit. Nicht jede abstrakte Arbeit ist wertsch\u00f6pfend: Ein Teil der Arbeit ist unproduktiv \u2013 im Wesentlichen Arbeit im Handel, im Finanzsektor sowie in der R\u00fcstungs- und Immobilienbranche. Unproduktive Arbeit verteilt Wert lediglich um. Produktive Arbeit hingegen schafft neuen Wert und Mehrwert. In unserer Werttheorie der Inflation wird der Wert daher anhand der in den produktiven Sektoren geleisteten Arbeitsstunden gemessen.<\/p>\n<p>Die Realisierung des Werts erfordert den Austausch der verschiedenen Waren, wobei Geld als Tauschmittel fungiert. Geld erm\u00f6glicht den Austausch und repr\u00e4sentiert somit Wert. Wenn Geld Wert repr\u00e4sentiert, werden Ver\u00e4nderungen des Geldes durch Wertver\u00e4nderungen bestimmt. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen der monetaristischen und der werttheoretischen Erkl\u00e4rung der Inflation, wie ich im ersten Teil dargelegt habe. Die W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden reagieren auf Wertver\u00e4nderungen lediglich, indem sie die Geldmenge erh\u00f6hen oder verringern beziehungsweise die Zinsen auf Geldbest\u00e4nde oder Kredite anheben oder senken; den Wert selbst ver\u00e4ndern sie dadurch jedoch nicht.<\/p>\n<p>In der vorherrschenden Wirtschaftswissenschaft wird Inflation als Ver\u00e4nderung der Marktpreise von Waren definiert. <i>In unserer Werttheorie der Inflation hingegen verstehen wir unter Inflation die Differenz zwischen den Ver\u00e4nderungen der umlaufenden Geldmenge und den Ver\u00e4nderungen der Wertproduktion.<\/i> Diese Differenz wird bei der Betrachtung der Auswirkungen auf die L\u00f6hne der Besch\u00e4ftigten von Bedeutung sein.<\/p>\n<p><i>Wir definieren und messen Wert als die Anzahl der in einem bestimmten Zeitraum geleisteten produktiven Arbeitsstunden. Die Geldmenge definieren und messen wir als das im Umlauf befindliche Geld.<\/i> Nicht die gesamte Geldmenge einer kapitalistischen Volkswirtschaft zirkuliert zum Zweck des Erwerbs von Waren und Dienstleistungen. Ein Teil wird gehortet, das hei\u00dft von den Kapitalisten als Reserve zur\u00fcckgehalten. Ein anderer Teil wird zum Kauf von Finanzanlagen \u2013 etwa Anleihen und Aktien \u2013 sowie von Immobilien \u2013 Grundst\u00fccken und Geb\u00e4uden \u2013-verwendet. Dieses Geld zirkuliert nicht zum Erwerb von Waren und Dienstleistungen und beeinflusst daher auch nicht die Ver\u00e4nderung der Preise der von den Besch\u00e4ftigten konsumierten Waren und Dienstleistungen.<\/p>\n<p>Bei unserer Messung der Geldmenge bereinigen wir daher die Geldmenge &#8211; die Bankeinlagen &#8211; um die H\u00f6he der von den Banken bei der Zentralbank gehaltenen Geldreserven und um die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes im jeweiligen Zeitraum. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist ein Ma\u00df daf\u00fcr, wie h\u00e4ufig die Geldmenge umgesetzt wird. Liegt sie \u00fcber eins, bedeutet dies, dass die Geldmenge innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehr als einmal verwendet wurde und somit die gesamte umlaufende Geldmenge erh\u00f6ht. Liegt die Umlaufgeschwindigkeit unter eins, deutet dies darauf hin, dass die Geldbesitzer einen gr\u00f6\u00dferen Teil der Geldmenge horten, anstatt ihn auf dem Markt f\u00fcr Waren und Dienstleistungen in Umlauf zu bringen. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Bereinigungen erhalten wir ein Ma\u00df f\u00fcr das in einem bestimmten Zeitraum &#8222;im Umlauf befindliche Geld&#8220;.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der Geldhortung und der Finanzspekulation k\u00f6nnen wir anhand der Differenz zwischen der Ver\u00e4nderungsrate der Geldmenge und ihrer um Geldhortung und Spekulation mit Finanzanlagen bereinigten Ver\u00e4nderungsrate messen. In der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts bestand in den USA nur ein geringer Unterschied zwischen der Ver\u00e4nderungsrate der Geldmenge \u2013 Bankeinlagen usw., in der US-Finanzstatistik als M2 bezeichnet \u2013 und der bereinigten umlaufenden Geldmenge. Tats\u00e4chlich stieg die um Geldhortung und Spekulation bereinigte Geldmenge M2 im Allgemeinen schneller als M2 selbst. Der Grund daf\u00fcr war, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gew\u00f6hnlich \u00fcber eins lag und Geldhortung sowie Finanzspekulation nur eine geringe Rolle spielten. Nach dem Jahr 2000 und insbesondere nach 2008 sowie im Verlauf der 2010er-Jahre vergr\u00f6\u00dferte sich jedoch die Kluft zwischen dem Wachstum der Geldmenge und dem Wachstum des umlaufenden Geldes erheblich. In diesen Zeitraum fiel die von der US-amerikanischen Notenbank eingef\u00fchrte sogenannte &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Quantitative_easing\">quantitative Lockerung<\/a>&#8222;. Ein gro\u00dfer Teil der von der Fed bereitgestellten zus\u00e4tzlichen Geldmittel wurde \u00fcberwiegend gehortet oder zur Spekulation mit Finanzanlagen verwendet, anstatt f\u00fcr den Kauf von Waren und Dienstleistungen ausgegeben zu werden. Die anhand des US-Verbraucherpreisindex gemessene Inflation sank in diesem Zeitraum auf nahezu null, w\u00e4hrend die Preise von Finanzanlagen in die H\u00f6he schnellten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_3.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><br \/>\n<small>M2 \u2212 M2adj bedeutet: Differenz zwischen der gew\u00f6hnlichen Geldmenge M2 und der bereinigten Geldmenge M2. Positive Werte deuten darauf hin, dass M2 st\u00e4rker w\u00e4chst als das tats\u00e4chlich f\u00fcr Waren und Dienstleistungen umlaufende Geld. Quelle: <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/\">FRED<\/a>, Michael Robert\u2019s Berechnungen<\/small><\/p>\n<p>Um die werttheoretische Inflationsrate zu ermitteln, messen wir die Differenz zwischen der Ver\u00e4nderung der bereinigten Geldmenge und der Ver\u00e4nderung der in den produktiven Sektoren einer Volkswirtschaft geleisteten Arbeitsstunden. Besteht keine Differenz, gibt es auch keine Inflation. <b>Inflation entsteht, wenn die prozentuale Ver\u00e4nderung des umlaufenden Geldes gr\u00f6\u00dfer ist als die Ver\u00e4nderung des geschaffenen Werts. Deflation entsteht, wenn die Ver\u00e4nderungsrate des Geldumlaufs unter die Wachstumsrate des Werts f\u00e4llt.<\/b>   Die Inflation steigt, wenn sich die Differenz zwischen der Ver\u00e4nderungsrate des umlaufenden Geldes und der Ver\u00e4nderungsrate der geleisteten Arbeitsstunden vergr\u00f6\u00dfert. Verkleinert sich diese Differenz, geht die Inflation zur\u00fcck \u2013 es kommt zur Disinflation.<\/p>\n<p>Wodurch werden diese beiden Faktoren bestimmt, und welcher von ihnen ist der bestimmende beziehungsweise der bestimmte Faktor? Beginnen wir mit den geleisteten produktiven Arbeitsstunden, unserem Ma\u00df f\u00fcr den geschaffenen Wert. \u00dcber den gesamten untersuchten Zeitraum von 1949 bis 2022 nahm die Zahl der in den produktiven Sektoren der US-Wirtschaft geleisteten Arbeitsstunden zu. Der Grund daf\u00fcr ist, dass der Anstieg der Zahl der Besch\u00e4ftigten mehr als ausreichte, um einen etwaigen R\u00fcckgang der pro Besch\u00e4ftigtem geleisteten Arbeitsstunden auszugleichen. Eine Ausnahme bildeten Rezessionen, in denen Arbeitskr\u00e4fte entlassen wurden \u2013 1957\u20131958, 1974\u20131975, 1980\u20131982, 1991, 2001, 2008\u20132009 und 2020. In diesen Zeitr\u00e4umen ging die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_5kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><br \/>\n<small>Quelle: <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/\">FRED<\/a>, Michael Robert\u2019s Berechnungen<\/small><\/p>\n<p>In der marxistischen Theorie f\u00fchrt das Wachstum der Investitionen zu einem Anstieg des Verh\u00e4ltnisses des konstanten Kapitals \u2013 der Produktionsmittel \u2013 zur eingesetzten Arbeit, das hei\u00dft zu einer Erh\u00f6hung der &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zusammensetzung_des_Kapitals\">organischen Zusammensetzung des Kapitals<\/a>&#8222;. Die Kehrseite einer steigenden organischen Zusammensetzung ist ein R\u00fcckgang des je investierter Kapitaleinheit geschaffenen Werts \u2013 mit anderen Worten: ein Sinken der Profitrate auf das investierte Kapital. \u00dcber den gesamten Zeitraum von 1949 bis 2022 besteht eine positive Korrelation zwischen dem R\u00fcckgang der Profitrate und der Verlangsamung des Wachstums der geleisteten Arbeitsstunden im Verh\u00e4ltnis zum investierten Kapital.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_6gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_6kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><br \/>\n<small>Quelle: <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/\">FRED<\/a>, Michael Robert\u2019s Berechnungen<\/small><\/p>\n<p>Die j\u00e4hrliche &#8222;werttheoretische Inflationsrate&#8220; entspricht der Differenz zwischen der j\u00e4hrlichen Ver\u00e4nderung der bereinigten Geldmenge und der j\u00e4hrlichen Ver\u00e4nderung der geleisteten produktiven Arbeitsstunden. Im gesamten Zeitraum von 1949 bis 2022 wuchs die bereinigte Geldmenge durchschnittlich um 6,6 Prozent pro Jahr, w\u00e4hrend die Zahl der in den produktiven Sektoren geleisteten Arbeitsstunden j\u00e4hrlich um durchschnittlich 1,4 Prozent zunahm. Somit betrug die werttheoretische Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 5,2 Prozent (6,6 Prozent minus 1,4 Prozent).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_7gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_7kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><br \/>\n<small>Quelle: <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/\">FRED<\/a>, Michael Robert\u2019s Berechnungen<\/small><\/p>\n<p>\u00dcber den gesamten Zeitraum ging die Wachstumsrate der Geldmenge zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden &#8211; wenn auch langsam &#8211; zunahm. Infolgedessen sank die werttheoretische Inflationsrate w\u00e4hrend des gesamten Zeitraums; faktisch kam es zu einer Disinflation, also zu einem R\u00fcckgang der Inflationsrate. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende der 2010er-Jahre war Disinflation der langfristige Trend.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_8gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_8kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><br \/>\n<small>Quelle: <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/\">FRED<\/a>, Michael Robert\u2019s Berechnungen<\/small><\/p>\n<p>Innerhalb des Zeitraums von 1949 bis 2022 lassen sich jedoch zwei Teilperioden unterscheiden. Die erste reicht von 1949 bis 1981, die zweite von 1982 bis 2019. In der ersten Periode stieg die j\u00e4hrliche werttheoretische Inflationsrate, sodass es sich um eine inflation\u00e4re Periode handelte. In der zweiten Periode sank sie, sodass eine disinflation\u00e4re Periode vorlag. In der ersten Periode beschleunigte sich die werttheoretische Inflationsrate, weil die bereinigte Geldmenge schneller wuchs als die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden (siehe Abbildung oben). Dies galt insbesondere f\u00fcr die 1970er-Jahre, als die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden stagnierte oder zur\u00fcckging (siehe die entsprechende Abbildung oben). Die werttheoretische Inflationsrate stieg in den 1970er-Jahren stark an, w\u00e4hrend die geleisteten Arbeitsstunden nur sehr langsam zunahmen und w\u00e4hrend der Rezessionen von 1974\u20131975 und 1980\u20131982 sogar deutlich zur\u00fcckgingen. Die Wirtschaft litt somit unter dem, was als &#8222;Stagflation&#8220; bezeichnet wird.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden reagierten auf das verlangsamte Wertwachstum mit einer Ausweitung der Geldmenge, um die wirtschaftliche Aktivit\u00e4t anzukurbeln. Dies f\u00fchrte zu einer Beschleunigung des Wachstums der umlaufenden Geldmenge, nicht jedoch zu einem schnelleren Wachstum der geleisteten Arbeitsstunden. Infolgedessen stieg die werttheoretische Inflationsrate Ende der 1970er-Jahre um mehr als 10 Prozent pro Jahr (siehe Abbildung oben). Daraufhin vollzogen die US-W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden unter dem damaligen Vorsitzenden der US-Notenbank, <a href0\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Volcker\">Paul Volcker<\/a>, einen drastischen Kurswechsel und strafften die Geldpolitik. Bis zum Ende der 1980er-Jahre wurde die Wachstumsrate der umlaufenden Geldmenge um mehr als die H\u00e4lfte reduziert. An die Stelle der Inflation \u2013 sich beschleunigender Preissteigerungen \u2013 trat die Disinflation \u2013 sich verlangsamende Preissteigerungen. Nach dem Ende der Gro\u00dfen Rezession verschwand die Inflation im Laufe der 2010er-Jahre sogar nahezu vollst\u00e4ndig (siehe Abbildung oben).<\/p>\n<p>Wertver\u00e4nderungen h\u00e4ngen von den objektiven Faktoren einer wachsenden Erwerbsbev\u00f6lkerung \u2013 mehr Arbeitsstunden &#8211; und einer sinkenden Profitrate &#8211; ein geringeres Wachstum der geleisteten Arbeitsstunden &#8211; ab. Ver\u00e4nderungen der umlaufenden Geldmenge hingegen h\u00e4ngen von der subjektiven Reaktion der W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden und des Finanzsektors auf diese objektiven Ver\u00e4nderungen in der Wirtschaft ab. Die US-Notenbank lockert ihre Geldpolitik, wenn sie zu der Einsch\u00e4tzung gelangt, dass sich die Wirtschaft abschw\u00e4cht, und strafft sie, wenn sie der Ansicht ist, dass sich die Inflation beschleunigt.<\/p>\n<p>Unserer Ansicht nach ist die Ver\u00e4nderung der Wertsch\u00f6pfung \u2013 der objektive Faktor der Preisentwicklung \u2013 ausschlaggebend f\u00fcr die subjektive Reaktion der W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden. Diese glauben, einer Verschlechterung der Wirtschaftslage durch eine Ausweitung der Geldmenge entgegenwirken zu k\u00f6nnen. Dabei unterliegen sie der irrigen Annahme, zus\u00e4tzliches Geld k\u00f6nne einen R\u00fcckgang der Investitionen und des BIP-Wachstums aufhalten. Daher erh\u00f6hen die Beh\u00f6rden die Geldmenge schneller als die Menge des geschaffenen Werts. <i>Durch eine aktive Geldpolitik wird Inflation somit zu einem dauerhaften Merkmal moderner Volkswirtschaften.<\/i> Die Rate der Preisinflation schwankt allerdings: erstens aufgrund von Ver\u00e4nderungen im Wachstum des neu geschaffenen Werts &#8211; der geleisteten Arbeitsstunden &#8211; und zweitens aufgrund des relativen Umfangs der Reaktion der W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden, die das Wachstum der umlaufenden Geldmenge ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Gibt es empirische Belege f\u00fcr die Auffassung, dass Wertver\u00e4nderungen \u2013 Ver\u00e4nderungen der geleisteten Arbeitsstunden \u2013 die wichtigste Triebkraft der werttheoretischen Inflationsrate sind? Erstens besteht eine relativ hohe Korrelation zwischen der Profitrate auf das Kapital und der Ver\u00e4nderung der geleisteten Arbeitsstunden (0,66). Zweitens besteht eine relativ hohe Korrelation zwischen der Ver\u00e4nderung der geleisteten Arbeitsstunden und den Ver\u00e4nderungen der umlaufenden Geldmenge (0,60). Eine Korrelation beweist keine Kausalit\u00e4t. Diese hohen Korrelationen weisen jedoch auf die &#8222;M\u00f6glichkeit&#8220; eines kausalen Zusammenhangs hin. Dar\u00fcber hinaus <i>gibt es gewichtige theoretische Gr\u00fcnde f\u00fcr die Annahme, dass Wertver\u00e4nderungen Ver\u00e4nderungen des Geldumlaufs verursachen und nicht umgekehrt.<\/i><\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend l\u00e4sst sich ein statistischer Kausalit\u00e4tstest heranziehen. Ein <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Granger_causality\">Granger-Kausalit\u00e4tstest<\/a> zur Richtung des kausalen Zusammenhangs zwischen Wertver\u00e4nderungen \u2013 den geleisteten Arbeitsstunden \u2013 und Ver\u00e4nderungen der umlaufenden Geldmenge ergibt, dass die &#8222;Nullhypothese&#8220; f\u00fcr den Einfluss von Wertver\u00e4nderungen auf Ver\u00e4nderungen des Geldumlaufs verworfen wird, was auf einen kausalen Zusammenhang hindeutet. F\u00fcr den umgekehrten Einfluss \u2013 Ver\u00e4nderungen des Geldumlaufs als Ursache von Wertver\u00e4nderungen \u2013 wird die Nullhypothese hingegen nicht verworfen, was gegen einen kausalen Zusammenhang spricht. Dies best\u00e4tigt tendenziell auf empirischer Ebene die These, dass das Wertwachstum die objektive Triebkraft der Inflation darstellt, w\u00e4hrend Geldzuf\u00fchrungen die subjektive Reaktion der Beh\u00f6rden sind.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass nur unser Inflationsmodell auf der Marxschen Werttheorie beruht. Wir bilden eine werttheoretische Inflationsrate, die als Differenz zwischen der prozentualen Ver\u00e4nderung der umlaufenden Geldmenge in der Gesamtwirtschaft und der prozentualen Ver\u00e4nderung des Werts gemessen wird, das hei\u00dft der f\u00fcr die Produktion von Waren aufgewendeten Arbeitsstunden. Wertver\u00e4nderungen ergeben sich aus dem Zusammenspiel zweier gegenl\u00e4ufiger Kr\u00e4fte: einer Zunahme der Arbeitsstunden infolge der erweiterten Reproduktion des Kapitals \u2013 durch mehr Arbeitskr\u00e4fte sowie l\u00e4ngere Arbeitstage oder Arbeitsjahre \u2013 und einer Verlangsamung des Wachstums der geleisteten Arbeitsstunden infolge der steigenden organischen Zusammensetzung des Kapitals und der sinkenden Profitrate.<\/p>\n<p>Die Werttheorie der Inflation ber\u00fccksichtigt somit sowohl die Bedeutung der Profitabilit\u00e4t und des Investitionswachstums, die von <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/citations?user=SSPl0WAAAAAJ&#038;hl=en\">Mavroudeas<\/a> et al. im zweiten Teil dieser Beitragsreihe hervorgehoben wurde, als auch die dort von Shaikh thematisierte Rolle des Geldes. Aus der Verbindung beider Aspekte ergibt sich unsere Theorie. In modernen Volkswirtschaften wird das Geld mit einem gewissen Ma\u00df an relativer Autonomie durch das Geldsystem \u2013 Zentralbanken und Gesch\u00e4ftsbanken \u2013 gesteuert. Die W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden beeinflussen die Geldmenge entsprechend ihrer Einsch\u00e4tzung der wirtschaftlichen Lage. Dies ist das subjektive Element, das gemeinsam mit dem objektiven Element \u2013 dem Wertwachstum \u2013 die Inflation bestimmt.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich eine interessante Schlussfolgerung: Sowohl der offizielle Verbraucherpreisindex als auch der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/BIP-Deflator\">BIP-Deflator<\/a> weisen eine hohe Korrelation mit unserer werttheoretischen Inflationsrate auf. Die durchschnittliche j\u00e4hrliche werttheoretische Inflationsrate lag zwischen 1949 und 2019 mit 5,2 Prozent jedoch deutlich \u00fcber der anhand des Verbraucherpreisindex gemessenen Rate von 3,4 Prozent und der anhand des BIP-Deflators gemessenen Rate von 3,1 Prozent.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_9gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/08\/210826_9kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"inflation\"\/><\/a><br \/>\n<small>Quelle: <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/\">FRED<\/a>, Michael Robert\u2019s Berechnungen<\/small><\/p>\n<p>Dies deutet darauf hin, dass die Reall\u00f6hne der Besch\u00e4ftigten, in Wertgr\u00f6\u00dfen gemessen \u2013 also anhand der Arbeitsstunden, die f\u00fcr den Erwerb von Waren aufgewendet werden m\u00fcssen \u2013, deutlich weniger gestiegen sind, als es eine Messung anhand der offiziellen Preisinflation nahelegt. Im vierten Teil werden wir diese Frage eingehender untersuchen. Dort werden wir uns au\u00dferdem damit befassen, warum die Inflation nach dem Ende des pandemiebedingten Einbruchs im Jahr 2020 sprunghaft anstieg und ob sie nach der Disinflationsperiode von 1982 bis 2019 nun dauerhaft erh\u00f6ht bleiben wird.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66316?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66316?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_66316 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_66316')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_66316').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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