{"id":64146,"date":"2026-01-25T23:37:33","date_gmt":"2026-01-25T22:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=64146"},"modified":"2026-01-25T23:37:33","modified_gmt":"2026-01-25T22:37:33","slug":"unter-politoekonomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2026\/01\/25\/unter-politoekonomen","title":{"rendered":"Unter Polit\u00f6konomen"},"content":{"rendered":"<p>Ich war heute faul und habe die K\u00fcnstliche Intelligenz aufgefordert, einen Artikel \u00fcber die wirtschaftliche Situation der USA zu schreiben, aber: &#8222;Schreibe den Artikel so, als seiest du ein marxistischer \u00d6konom, und lasse alle Zitate von Regierungsvertretern weg.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/01\/250126_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/01\/250126_1kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"capitalism\"\/><\/a><br \/>\n<sup>An allegorical, realistic illustration of the contemporary U.S. economy.<br \/>\nIn the foreground, a deep chasm divides society. On the left side, exhausted working-class people in worn clothing push heavy burdens labeled \u201cDebt,\u201d \u201cRent,\u201d and \u201cHealthcare.\u201d Behind them are crumbling houses, closed factories, smoke stacks, and a gray, polluted sky. On the right side, a small group of wealthy figures sits calmly on an elevated plateau made of gold, steel, and glass, surrounded by stacks of money, abstract stock market graphs, and modern skyscrapers glowing in warm sunset light. Banknotes and upward-moving charts drift from the left side toward the right. Beneath the chasm, fire burns with signs reading \u201cInflation\u201d and \u201cCost Pressure.\u201d The style is serious, journalistic, and somber \u2014 not cartoonish, not satirical, no real politicians or identifiable individuals. Strong color contrast: cold, desaturated tones on the left; warm, rich tones on the right. High detail, symbolic realism, social-critical atmosphere.<\/sup><\/p>\n<h1>Die US-Wirtschaft 2025\/26: Wachstum f\u00fcr wen?<\/h1>\n<p><b>Eine Analyse der aktuellen Lage aus polit\u00f6konomischer Sicht<\/b><\/p>\n<p>Die US-Wirtschaft wird Anfang 2026 vielfach als \u201erobust\u201c oder \u201ewiderstandsf\u00e4hig\u201c beschrieben. Tats\u00e4chlich zeigen zentrale Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt weiterhin Wachstum. Doch eine marxistische Analyse fragt nicht ob die Wirtschaft w\u00e4chst, sondern f\u00fcr wen, auf wessen Kosten und unter welchen strukturellen Bedingungen dieses Wachstum entsteht.<\/p>\n<p><b>Wachstum ohne Wohlstand<\/b><\/p>\n<p>Das reale Wirtschaftswachstum der USA lag 2025 zeitweise deutlich \u00fcber dem Durchschnitt der Industrienationen. Haupttreiber war der private Konsum, der rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Dieses konsumgetriebene Wachstum ist jedoch weniger Ausdruck steigenden gesellschaftlichen Wohlstands als vielmehr Resultat zunehmender Verschuldung privater Haushalte und der Notwendigkeit, Reallohnverluste auszugleichen.<\/p>\n<p>Inflationsbereinigt stagnieren die Einkommen gro\u00dfer Teile der arbeitenden Bev\u00f6lkerung seit Jahren. W\u00e4hrend nominale Lohnerh\u00f6hungen die Preissteigerungen teilweise ausgleichen, bleibt die Kaufkraft vieler Haushalte unter Druck \u2013 insbesondere im Bereich Wohnen, Gesundheitsversorgung und Bildung. Konsum findet daher nicht aus \u00dcberschuss, sondern aus \u00f6konomischem Zwang statt.<\/p>\n<p><b>Arbeitsmarkt: Besch\u00e4ftigung ja, Sicherheit nein<\/b><\/p>\n<p>Die offizielle Arbeitslosenquote bleibt vergleichsweise niedrig. Doch diese Kennzahl verschleiert zentrale Entwicklungen:<br \/>\nDer US-Arbeitsmarkt ist zunehmend gepr\u00e4gt von prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsformen, Teilzeitarbeit, Solo-Selbstst\u00e4ndigkeit und Plattform\u00f6konomie. Produktivit\u00e4tsgewinne werden seit Jahrzehnten nicht mehr proportional an L\u00f6hne weitergegeben, sondern flie\u00dfen \u00fcberwiegend in Unternehmensgewinne und Kapitalertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Aus marxistischer Perspektive handelt es sich um eine klassische Phase intensivierter Ausbeutung: Mehr Arbeitsleistung, h\u00f6here Flexibilit\u00e4t und geringere soziale Absicherung bei stagnierenden Reall\u00f6hnen. Der relative Mehrwert steigt \u2013 nicht durch Innovation allein, sondern durch Druck auf die Arbeitskraft.<\/p>\n<p><b>Profite, Konzentration und Monopolisierung<\/b><\/p>\n<p>W\u00e4hrend breite Bev\u00f6lkerungsschichten mit steigenden Lebenshaltungskosten k\u00e4mpfen, verzeichnen gro\u00dfe Konzerne weiterhin hohe Margen. Besonders im Technologie-, Finanz- und Energiesektor ist eine starke Kapital\u00adkonzentration zu beobachten. Die Marktmacht weniger Unternehmen erlaubt es, Preise zu setzen, Kosten zu externalisieren und L\u00f6hne niedrig zu halten.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung ist kein Marktversagen, sondern Ausdruck der inneren Logik des Kapitalismus: Konkurrenz f\u00fchrt langfristig zur Monopolisierung. Kleine und mittlere Unternehmen geraten zunehmend unter Druck \u2013 nicht nur durch Zinsen und Kosten, sondern durch strukturelle Abh\u00e4ngigkeit von Gro\u00dfkonzernen, Plattformen und Finanzm\u00e4rkten.<\/p>\n<p><b>Staatsverschuldung und Klassenpolitik<\/b><\/p>\n<p>Die hohe Staatsverschuldung der USA wird h\u00e4ufig als gesamtgesellschaftliches Problem dargestellt. Tats\u00e4chlich ist sie Ausdruck einer Umverteilungspolitik zugunsten des Kapitals: Steuersenkungen f\u00fcr Unternehmen, Subventionen, R\u00fcstungsausgaben und Rettungspakete werden kreditfinanziert, w\u00e4hrend Sozialausgaben politisch umk\u00e4mpft bleiben.<\/p>\n<p>Die Last der Verschuldung wird langfristig nicht von Kapitalbesitzern getragen, sondern von der arbeitenden Bev\u00f6lkerung \u2013 durch Sparpolitik, K\u00fcrzungen \u00f6ffentlicher Leistungen oder indirekte Besteuerung. Der Staat fungiert hier weniger als neutraler Akteur, sondern als Instrument zur Stabilisierung der Kapitalverwertung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/01\/250126_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2026\/01\/250126_2kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"capitalism\"\/><\/a><\/p>\n<p><b>Ausblick: Abschw\u00e4chung mit sozialen Folgen<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr die nahe Zukunft deutet vieles auf eine Abk\u00fchlung der Wachstumsdynamik hin. Steigende Finanzierungskosten, geopolitische Spannungen und eine begrenzte Kaufkraft der Massen setzen dem konsumgetriebenen Modell Grenzen. Eine klassische \u00dcberproduktionskrise ist zwar kurzfristig nicht zwingend, doch die strukturellen Widerspr\u00fcche versch\u00e4rfen sich.<\/p>\n<p>Ohne grundlegende Ver\u00e4nderungen \u2013 etwa eine St\u00e4rkung kollektiver Rechte, Umverteilung von Verm\u00f6gen, Ausbau \u00f6ffentlicher Daseinsvorsorge \u2013 wird jede wirtschaftliche Abschw\u00e4chung vor allem sozial ungleich wirken: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die US-Wirtschaft steht Anfang 2026 nicht vor einem pl\u00f6tzlichen Zusammenbruch, aber vor einer Vertiefung ihrer inneren Widerspr\u00fcche. Wachstum existiert, doch es basiert auf Prekarisierung, Verschuldung und zunehmender Ungleichheit. Aus marxistischer Sicht ist dies kein Ausnahmezustand, sondern der Normalzustand eines Systems, das Profit \u00fcber Bed\u00fcrfnisse stellt.<\/p>\n<p>Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob die Wirtschaft weiter w\u00e4chst, sondern ob die gesellschaftlichen Kosten dieses Wachstums politisch noch tragf\u00e4hig sind.<\/p>\n<section class=\"sources\">\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ul>\n<li>\n      <a href=\"https:\/\/www.bea.gov\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><br \/>\n        Bureau of Economic Analysis (BEA)<br \/>\n      <\/a>\n    <\/li>\n<li>\n      <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><br \/>\n        Federal Reserve Economic Data (FRED)<br \/>\n      <\/a>\n    <\/li>\n<li>\n      <a href=\"https:\/\/www.epi.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><br \/>\n        Economic Policy Institute (EPI)<br \/>\n      <\/a>\n    <\/li>\n<li>\n      <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/economic-outlook\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><br \/>\n        OECD Economic Outlook<br \/>\n      <\/a>\n    <\/li>\n<li>\n      <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/us-news\/us-economy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><br \/>\n        The Guardian \u2013 US Economy &amp; Inequality<br \/>\n      <\/a>\n    <\/li>\n<li>\n      <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Publications\/WEO\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><br \/>\n        IMF World Economic Outlook<br \/>\n      <\/a>\n    <\/li>\n<\/ul>\n<\/section>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64146?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64146?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_64146 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_64146')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_64146').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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