{"id":63642,"date":"2025-12-29T20:20:05","date_gmt":"2025-12-29T19:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=63642"},"modified":"2025-12-29T20:20:49","modified_gmt":"2025-12-29T19:20:49","slug":"63642","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/12\/29\/63642","title":{"rendered":"Die Zukunft Gazas"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/12\/291225_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/12\/291225_2kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"gaza\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Israelische Sch\u00fcler, Blick auf Gaza-Stadt, aufgenommen <a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/31%C2%B032'10.9%22N+34%C2%B034'48.7%22E\/@31.5363611,34.5801944,1292m\/data=!3m2!1e3!4b1!4m4!3m3!8m2!3d31.5363611!4d34.5801944?hl=de&#038;entry=ttu&#038;g_ep=EgoyMDI1MTAyMi4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D\">in Sderot<\/a> [150m \u00fcber dem Meeresspiegel, 26.10.2025].<\/sup><\/p>\n<p><i>Ich habe mir einen <a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/israel-news\/defense-news\/article-881674\">Kommentar in der der Jerusalem Post<\/a> von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Yonah_Jeremy_Bob\">Yonah Jeremy Bob<\/a> \u00fcbersetzen lassen, der mir in Englisch interessant schien, und ihn in besseres Deutsch umgeschrieben.<\/i><\/p>\n<p><b>Zwischen der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde und der T\u00fcrkei: Gazas friedenssichernde Zukunft k\u00f6nnte Israels Grenzen neu definieren \u2013 eine Analyse<\/b><\/p>\n<p>Nach \u00fcber zwei Jahren Krieg und diplomatischen Verhandlungen scheinen sich Israels Optionen f\u00fcr die k\u00fcnftige Sicherheit im Gazastreifen \u2013 au\u00dfer der Herrschaft der Hamas \u2013 auf zwei M\u00f6glichkeiten reduziert zu haben: 1) auf eine Gruppe ausl\u00e4ndischer muslimischer und europ\u00e4ischer Staaten unter Einbeziehung der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde oder 2) die <a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/middle-east\/article-880438\">T\u00fcrkei<\/a>.<\/p>\n<p>Und falls die scheinbar unendliche Anzahl an Optionen f\u00fcr die F\u00fchrung einer k\u00fcnftigen(<a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/israel-news\/defense-news\/article-879811\">International Stabilization Force<\/a>, (ISF) im Gazastreifen auf diese beiden Optionen reduziert wurde: Warum gibt es dann keine \u00f6ffentliche Debatte dar\u00fcber, w\u00e4hrend Premierminister Benjamin Netanjahu nach Washington reist?<\/p>\n<p>Netanjahu &#8211; und auch und viele andere israelische Offizielle &#8211; blieben 2023 und w\u00e4hrend eines gro\u00dfen Teils des Jahres 2024 vage bei der Frage, wie ein Gaza nach dem Krieg aussehen sollte.<\/p>\n<p>\u00dcber weite Teile des Jahres 2024 herrschte Frustration, als der fr\u00fchere Verteidigungsminister Joav Gallant und der ehemalige Kriegsminister Benny Gantz gemeinsam mit der Regierung Biden Vorschl\u00e4ge zu dieser Frage unterbreiteten und Netanjahu sich weigerte, sich darauf einzulassen \u2013 abgesehen davon, dass er nahezu alle Vorschl\u00e4ge zur\u00fcckwies..<\/p>\n<p>Gleichwohl ist ihm zugutezuhalten, dass Netanjahu in den letzten Tagen deutlich gemacht hat, derzeit auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Saudi-Arabien verzichten zu wollen. Ein solcher Schritt k\u00f6nnte einen verbindlichen Zeitplan auf dem Weg zu einem pal\u00e4stinensischen Staat erfordern.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Teile des Verteidigungsestablishments widersprechen ihm in dieser Einsch\u00e4tzung. Es gibt jedoch weiterhin viele, die ihm zustimmen. Innerhalb der israelischen Bev\u00f6lkerung hat Netanjahu entweder eine Mehrheit f\u00fcr seine Position oder die Frage ist noch nicht entschieden.<\/p>\n<p>Netanjahu setzt alles daran, jegliche Beteiligung der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde (PA) in Gaza zu unterminieren. Zwar hat ihn das Verteidigungsestablishment daf\u00fcr scharf kritisiert, doch zumindest eines l\u00e4sst sich sagen: Netanjahu ist in Bezug auf seine Prinzipien transparent gewesen.<\/p>\n<p>Offen gesagt ist es nachvollziehbar, warum ein gro\u00dfer Teil des Landes keine Pal\u00e4stinenser \u2013 selbst nicht die PA \u2013 f\u00fcr das Massaker vom 7. Oktober &#8222;belohnen&#8220; will.<\/p>\n<p><b>Welche Optionen hat Israel f\u00fcr eine Frieden Frieden in Gaza?<\/b><\/p>\n<p>Die eigentliche Frage muss lauten: Was ist die Alternative?<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich bestand die Alternative zur Hamas oder der PA darin, eine Gruppe lokaler Stammes-Scheichs (&#8222;tribal sheikhs&#8220;) aus Gaza zu mobilisieren. Israel lie\u00df diesen Plan aber Anfang 2024 durchsickern. Die Hamas brachte daraufhin mehrere der betreffenden Scheichs um.<\/p>\n<p>Israel unternahm auch nichts, als es im Oktober die IDF aus dem von der Hamas kontrollierten Teil Gazas abzog, um potenzielle Aliierte in Gaza vor der Hamas zu sch\u00fctzen. Wie vorhersehbar wurden viele dieser Verb\u00fcndeten ebenso von der Hamas ermordet.<\/p>\n<p>Theoretisch k\u00f6nnte es eine Internationale Stabilisierungsmission f\u00fcr Gaza (International Stabilization Force, ISF) geben, die von \u00c4gypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indonesien, Pakistan, Italien und anderen Staaten gef\u00fchrt wird. Diese L\u00e4nder hatten ihr Interesse bekundet.<\/p>\n<p>Bislang hat sich jedoch keiner dieser Staaten verbindlich verpflichtet. Die meisten erkl\u00e4rten, sie w\u00fcrden sich nur beteiligen, wenn auch die PA eingebunden sei. Das w\u00fcrde ihnen Legitimit\u00e4t gegen\u00fcber der pal\u00e4stinensischen \u00d6ffentlichkeit verschaffen.<\/p>\n<p>Netanjahu hatte gehofft, dass fr\u00fcher oder sp\u00e4ter eines oder mehrere dieser L\u00e4nder auf die Einbindung der PA als Bedingung verzichten w\u00fcrden. Wie sich jedoch herausgestellt hat, \u00fcberwiegt bei den meisten \u2013 wenn nicht allen \u2013 dieser Staaten die Angst, dass ihre Soldaten von der Hamas get\u00f6tet werden, gegen\u00fcber ihrer Sorge um das Leid der Bev\u00f6lkerung Gazas.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise lehnen sie eine Beteiligung auch deshalb ab, weil sie die PA einbezogen sehen wollen, doch ein wesentlicher Teil der H\u00fcrde ist ihre Furcht vor der Hamas.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage lautet daher: W\u00fcrden diese L\u00e4nder tats\u00e4chlich Truppen entsenden, wenn Netanjahu der PA einen Fu\u00df in der T\u00fcr Gazas erlaubte? Oder w\u00fcrden sie selbst dann zur\u00fcckschrecken, weil sie bef\u00fcrchten, dass die Hamas ihre Friedenstruppen trotzdem angreifen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Wir werden was vermutlich nie erfahren, sofern nicht  der US-Pr\u00e4sident Donald Trump Netanjahu in dieser Frage unter Druck setzt.<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00e4re es f\u00fcr Israel sogar hinnehmbar, diese Frage offen zu lassen \u2013 wenn die Alternative nicht die T\u00fcrkei w\u00e4re!<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei hat wiederholt erkl\u00e4rt, sie sei bereit, Friedenstruppen auch ohne Beteiligung der PA zu entsenden.<\/p>\n<p>Das \u00fcberrascht nicht. Die T\u00fcrkei steht der Muslimbruderschaft ebenso nahe wie die Hamas \u2013 und sie ist ein zentraler Unterst\u00fctzer der Hamas.<\/p>\n<p>Wogegen sich die T\u00fcrkei stellt, ist die vergleichsweise s\u00e4kulare PA. Dar\u00fcber hinaus strebt Ankara einen eigenen Einfluss in der Region an, um seine Macht gegen\u00fcber Israel geltend zu machen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, allein die M\u00f6glichkeit, am Ende t\u00fcrkische Friedenstruppen in Gaza akzeptieren zu m\u00fcssen, w\u00fcrde Netanjahu dazu bewegen, einer Beteiligung der PA zuzustimmen.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei ist eine regionale Gro\u00dfmacht. Ihr eine direkte Grenze zu Israel zu verschaffen, w\u00e4re in etwa so, als w\u00fcrde man dem Iran eine direkte Grenze zum j\u00fcdischen Staat geben.<\/p>\n<p>Bislang hat die T\u00fcrkei keinen Terror direkt gegen Jerusalem eingesetzt. Sie hat jedoch \u00fcber viele Jahre hinweg die Hamas beherbergt und aktiv zahlreiche Versuche unterst\u00fctzt, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen \u2013 was es der Hamas erheblich erleichtern w\u00fcrde, an t\u00f6dlichere Waffen zu gelangen.<\/p>\n<p>T\u00fcrkische &#8222;Friedenstruppen&#8220; k\u00f6nnten sich im Falle eines Feuergefechts offen auf die Seite der Hamas stellen.<\/p>\n<p>Sollte dies geschehen, k\u00f6nnte Israel dann \u00fcberhaupt auf t\u00fcrkische Friedenstruppen schie\u00dfen? Oder m\u00fcsste Israel bef\u00fcrchten, dass ein Angriff auf t\u00fcrkische Soldaten Ankara dazu veranlasst, mit der vollen Wucht seines betr\u00e4chtlichen Milit\u00e4rs zu reagieren?<\/p>\n<p>Es ist sogar denkbar, dass die T\u00fcrkei ihre Soldaten bewusst nach Gaza entsenden will, um ein solches Szenario wahrscheinlicher zu machen \u2013 als Vorwand f\u00fcr ein weitreichenderes Eingreifen in den Israel-Gaza-Konflikt.<\/p>\n<p>Dies w\u00e4re eine strategische Katastrophe, da Ankara Israels milit\u00e4rischer St\u00e4rke weitaus eher gewachsen ist als Teheran.<\/p>\n<p>Wenn Netanjahu also die PA ablehnt und damit nicht-t\u00fcrkische Optionen verwirft, warum wird dann kaum dar\u00fcber diskutiert, dass dies Israel letztlich dazu zwingen k\u00f6nnte, t\u00fcrkische Friedenstruppen zu akzeptieren \u2013 etwas, das Trump und israelische Regierungsvertreter zunehmend angedeutet haben?<\/p>\n<p>Es bleibt noch Zeit f\u00fcr Italien oder einen anderen Staat, Friedenstruppen auch ohne die PA zu entsenden. M\u00f6glicherweise hat die US-Regierung die t\u00fcrkische Option ins Spiel gebracht, um Netanjahu unter Druck zu setzen, der Einbindung der PA zuzustimmen.<\/p>\n<p>Theoretisch k\u00f6nnte Netanjahu Trump auch davon \u00fcberzeugen, sich zur\u00fcckzuhalten und Israel und Hamas auf unbestimmte Zeit gegeneinanderstehen zu lassen \u2013 mit entweder der IDF oder der Hamas als Verwaltungsmacht in Gaza oder mit einer langfristigen Teilung des Gebiets. Doch Trump wird diese Optionen mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen, da sie seinen klar formulierten Zielen und seiner Strategie widersprechen.<\/p>\n<p>Sollte die t\u00fcrkische Option also real sein, dann erscheint eine Debatte \u00fcber \u201eT\u00fcrkei versus PA\u201c von entscheidender Bedeutung \u2013 angesichts der m\u00f6glichen langfristigen Auswirkungen auf den j\u00fcdischen Staat.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63642?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63642?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_63642 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_63642')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_63642').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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