{"id":63399,"date":"2025-12-18T20:19:34","date_gmt":"2025-12-18T19:19:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=63399"},"modified":"2025-12-18T20:19:34","modified_gmt":"2025-12-18T19:19:34","slug":"miszellen-zum-kommenden-kommunismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/12\/18\/miszellen-zum-kommenden-kommunismus","title":{"rendered":"Miszellen zum kommenden Kommunismus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/12\/181225_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/12\/181225_2kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"kommunismus\"\/><\/a><br \/>\n<sup>A kitschy, heroic propaganda poster in the style of the Chinese Cultural Revolution of the 1960s. Radiant women workers, women peasants, and women soldiers look determinedly toward the distant future, raising their fists with red flags featuring the hammer and sickle waving in the wind. All figures are female, portrayed as strong, confident, and idealized symbols of collective strength and equality. Warm, saturated colors dominate: bright red, golden yellow, and deep blue. The sun rises gloriously on the horizon, symbolizing an inevitable, utopian communist future. In the background, a futuristic city with towering skyscrapers and advanced architecture reflects the vision of a prosperous, technological society. Monumental perspective, idealized faces, exaggerated optimism. Graphic poster style, high contrast, clean lines, slightly grainy print texture. Heroic realism, exaggerated body poses, pathos, and hope. Chinese Cultural Revolution aesthetics, propagandistic imagery, nostalgic, deliberately kitschy, visionary, triumphant.<\/sup><\/p>\n<p><i>Er ist vern\u00fcnftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.<\/i><br \/>\n<i>Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.<\/i><br \/>\n<i>Er ist gut f\u00fcr dich, erkundige dich nach ihm.<\/i><br \/>\n<i>Die Dummk\u00f6pfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.<\/i><br \/>\n<i>Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.<\/i><br \/>\n<i>Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen.<\/i><br \/>\n<i>Aber wir wissen:<\/i><br \/>\n<i>Er ist das Ende der Verbrechen.<\/i><br \/>\n<i>Er ist keine Tollheit, sondern<\/i><br \/>\n<i>Das Ende der Tollheit.<\/i><br \/>\n<i>Er ist nicht das Chaos<\/i><br \/>\n<i>Sondern die Ordnung.<\/i><br \/>\n<i>Er ist das Einfache<\/i><br \/>\n<i>Das schwer zu machen ist. (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fd7AhF8wkFk&#038;list=RDfd7AhF8wkFk&#038;start_radio=1\">Bertolt Brecht<\/a>)<\/i><\/p>\n<p>Das Publikum dr\u00e4ngelte, ich solle etwas Positives schreiben, wom\u00f6glich die so genannte &#8222;Linke&#8220; zum Handeln anleiten, obwohl &#8211; wenn man die Mischpoke kennt &#8211; jeder wei\u00df, dass die erst zuh\u00f6rten, wenn man ihnen die Ohren abschnitt.<\/p>\n<p>Aber im Ernst und ganz unter uns: Es ist in der Tat einfach, nur die Details haben es in sich. <\/p>\n<p>Was ist unstrittig? Der Kapitalismus, die bisher revolution\u00e4rste Gesellschaftsform der menschlichen Geschichte, hat sich weltweit durchgesetzt, aber (noch) nicht \u00fcberall gleich intensiv. Belege? Was w\u00e4re zum Beispiel, wenn \u00fcberall auf der Welt die gleichen L\u00f6hne gezahlt w\u00fcrden, also \u00fcberall vergleichbare Kosten der Ware Arbeitskraft und auch f\u00fcr die Produktionsmittel entst\u00fcnden? Oder: Warum ist das nicht so, wenn der Kapitalismus \u00fcberall ist?<\/p>\n<h2>L\u00f6hne in der VR China im Vergleich zu Deutschland<\/h2>\n<p>Die H\u00f6he der gezahlten L\u00f6hne unterscheidet sich zwischen der Volksrepublik China und Deutschland deutlich. Dabei spielen sowohl das allgemeine Einkommensniveau als auch regionale Unterschiede und die Lebenshaltungskosten eine wichtige Rolle.\n<\/p>\n<h3>Durchschnittliche L\u00f6hne in China<\/h3>\n<p>\nIn China liegt das durchschnittliche monatliche Einkommen landesweit deutlich unter dem deutschen Niveau. Je nach Quelle und Berechnungsmethode bewegen sich die durchschnittlichen Bruttomonatsl\u00f6hne h\u00e4ufig im Bereich von etwa <strong>1.200 bis 1.500 Euro<\/strong>.\n<\/p>\n<p>\nIn wirtschaftlich starken Metropolen wie <em>Peking, Shanghai oder Shenzhen<\/em> liegen die L\u00f6hne teils deutlich h\u00f6her, w\u00e4hrend sie in l\u00e4ndlichen Regionen und im Landesinneren sp\u00fcrbar niedriger ausfallen. Die Einkommensunterschiede innerhalb Chinas sind daher sehr gro\u00df.\n<\/p>\n<h3>Durchschnittliche L\u00f6hne in Deutschland<\/h3>\n<p>\nIn Deutschland liegen die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste bei rund <strong>4.400 bis 4.600 Euro<\/strong>. Damit verdienen Besch\u00e4ftigte in Deutschland nominal ein Vielfaches dessen, was im chinesischen Durchschnitt gezahlt wird.\n<\/p>\n<p>\nZus\u00e4tzlich profitieren Arbeitnehmer in Deutschland von einem ausgebauten Sozialversicherungssystem, tariflichen Mindeststandards und vergleichsweise hoher Arbeitsplatzsicherheit.\n<\/p>\n<h3>\ud83d\udcca Direkter Vergleich<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Nominal:<\/strong> Die L\u00f6hne in Deutschland sind deutlich h\u00f6her als in China.<\/li>\n<li><strong>Regional:<\/strong> In chinesischen Gro\u00dfst\u00e4dten n\u00e4hern sich bestimmte Fach- und       Industriegeh\u00e4lter dem europ\u00e4ischen Niveau an, bleiben aber meist darunter.<\/li>\n<li><strong>Kaufkraft:<\/strong> Aufgrund niedrigerer Lebenshaltungskosten ist die reale Kaufkraft in China h\u00f6her, als es der reine Zahlenvergleich vermuten l\u00e4sst.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>\nZusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die L\u00f6hne in der VR China im Durchschnitt klar unter denen in Deutschland liegen. Der Abstand relativiert sich jedoch teilweise, wenn man regionale Unterschiede und die niedrigeren Lebenshaltungskosten in China ber\u00fccksichtigt. F\u00fcr internationale Vergleiche ist daher neben dem Nominallohn immer auch die Kaufkraft entscheidend.\n<\/p>\n<p>Die VR China h\u00e4tte also theoretisch nur dann einen Vorteil &#8211; bei gleichen Kosten der Ware Arbeitskraft -, wenn der Staat nicht alles dem Markt \u00fcberlie\u00dfe, sondern regulierend eingriffe, zum Beispiel subventionierte. <\/p>\n<p>Warum sind die L\u00f6hne hier h\u00f6her? Weil sich die Arbeiterklasse das erk\u00e4mpft hat. (Ich kann mich noch an einen Streit mit einem meiner Studenten erinnern, als ich ein Seminar \u00fcber &#8222;Wirtschaftsjournalismus&#8220; abhielt, der behauptete, es g\u00e4be absolute \u00f6konomische Faktoren, die die H\u00f6he des Lohns bestimmten. Welche, konnte er mir nicht sagen. Gibt es nicht. Warum waren die L\u00f6hne der Bergarbeiter die h\u00f6chsten, die in Deutschland gezahlt wurden? Weil diese zu 100 Prozent organisiert waren und solidarisch waren. Warum sind die L\u00f6hne in der Sicherheitsbranche so niedrig? Weil das genaue Gegenteil zutrifft.)<\/p>\n<p>Es gibt genausowenig &#8222;faire&#8220; und &#8222;vern\u00fcnftige&#8220; L\u00f6hne wie &#8222;fairen&#8220; und &#8222;vern\u00fcnftigen&#8220; Handel. Alles wird nach den eisernen Regeln des Kapitalismus bestimmt: Nur der Profit z\u00e4hlt, Moral ist irrelevant, und wieviel die Arbeiterklasse abkriegt, ist eine reine Machtfrage.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus ist nicht nur revolution\u00e4r, sondern im h\u00f6chsten Ma\u00dfe irrational und selbstzerst\u00f6rerisch. <\/p>\n<h2>Der tendenzielle Fall der Profitrate nach Karl Marx<\/h2>\n<p>\nDer \u201etendenzielle Fall der Profitrate\u201c ist eines der zentralen \u00f6konomischen Gesetze in der marxistischen Kritik der politischen \u00d6konomie. Karl Marx entwickelt dieses Konzept vor allem im dritten Band von <em>Das Kapital<\/em>, um langfristige Krisentendenzen des Kapitalismus zu erkl\u00e4ren.\n<\/p>\n<h3>Grundlagen: Profitrate und Kapitalzusammensetzung<\/h3>\n<p>\nNach Marx ergibt sich die Profitrate aus dem Verh\u00e4ltnis von <strong>Mehrwert<\/strong><br \/>\n(zus\u00e4tzlich angeeigneter Wert aus unbezahlter Arbeit) zum insgesamt eingesetzten Kapital. Vereinfacht lautet die Formel:\n<\/p>\n<p>\n<strong>Profitrate = Mehrwert \/ (konstantes Kapital + variables Kapital)<\/strong>\n<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Konstantes Kapital:<\/strong> Maschinen, Geb\u00e4ude, Rohstoffe \u2013 es \u00fcbertr\u00e4gt lediglich seinen Wert auf das Produkt.<\/li>\n<li><strong>Variables Kapital:<\/strong> L\u00f6hne \u2013 nur lebendige Arbeit kann neuen Wert und damit Mehrwert schaffen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Warum die Profitrate tendenziell f\u00e4llt<\/h3>\n<p>\nIm Kapitalismus zwingt der Konkurrenzdruck die Kapitalisten dazu, die Produktivit\u00e4t st\u00e4ndig zu steigern. Dies geschieht vor allem durch den Einsatz immer modernerer Maschinen und Technologien. Dadurch w\u00e4chst das konstante Kapital schneller als das variable Kapital.\n<\/p>\n<p>\nDa aber nach Marx nur lebendige Arbeit Mehrwert erzeugt, f\u00fchrt der steigende Anteil des konstanten Kapitals dazu, dass \u2013 relativ gesehen \u2013 weniger Mehrwert im Verh\u00e4ltnis zum Gesamtkapital entsteht. Die Folge ist eine <strong>tendenziell sinkende Profitrate<\/strong>.\n<\/p>\n<h3>\u201eTendenziell\u201c \u2013 keine mechanische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit<\/h3>\n<p>\nMarx betont ausdr\u00fccklich, dass es sich nicht um einen automatischen, linearen Absturz der Profitrate handelt. Vielmehr wirkt dieses Gesetz <em>tendenziell<\/em>, weil ihm zahlreiche Gegenkr\u00e4fte entgegenstehen.\n<\/p>\n<h3>Wichtige Gegenkr\u00e4fte<\/h3>\n<ul>\n<li>Steigerung der Ausbeutungsrate (z. B. l\u00e4ngere Arbeitszeiten, intensivere Arbeit)<\/li>\n<li>Senkung der L\u00f6hne unter den Wert der Arbeitskraft<\/li>\n<li>Verbilligung von Maschinen und Rohstoffen<\/li>\n<li>Ausdehnung des Kapitals auf neue M\u00e4rkte<\/li>\n<li>Finanzialisierung und Kreditexpansion<\/li>\n<\/ul>\n<p>\nDiese Gegenkr\u00e4fte k\u00f6nnen den Fall der Profitrate zeitweise aufhalten oder umkehren, f\u00fchren jedoch nach Marx h\u00e4ufig zu neuen Widerspr\u00fcchen und Krisen.\n<\/p>\n<h3>Bedeutung f\u00fcr die Krisentheorie<\/h3>\n<p>\nDer tendenzielle Fall der Profitrate ist f\u00fcr Marx ein zentraler Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr wiederkehrende Wirtschaftskrisen. Sinkende Profiterwartungen f\u00fchren zu Investitionszur\u00fcckhaltung, \u00dcberproduktion, Entlassungen und schlie\u00dflich zu Krisen, in denen Kapital entwertet wird.\n<\/p>\n<p>\n<b>Diese Krisen sind nach Marx kein Zufall, sondern Ausdruck der inneren Widerspr\u00fcche des kapitalistischen Produktionssystems.<\/b>\n<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>\nDer tendenzielle Fall der Profitrate beschreibt nach Marx eine langfristige, strukturelle Spannung im Kapitalismus: <b>Der technische Fortschritt, der kurzfristig Profite steigert, untergr\u00e4bt langfristig die Grundlage der Profitproduktion selbst. Das Gesetz erkl\u00e4rt damit nicht nur \u00f6konomische Krisen, sondern auch die historische Begrenztheit des kapitalistischen Systems.<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/12\/181225_3gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/12\/181225_3kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"kommunismus\"\/><\/a><\/p>\n<p>&#8222;Historisch begrenzt&#8220; bedeutet: Danach muss und wird etwa anderes kommen, oder alles geht zugrunde. Letzteres ist zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der Feudalismus war auch historisch begrenzt, weil er selbst die Bedingungen schuf, dass der Kapitalismus entstehen konnte &#8211; ohne dass das jemand bewusst gesteuert h\u00e4tte. (Wie auch?) Ein Zur\u00fcck zum Feudalismus gibt es nur in postapokalyptischen dystopischen Fantasy-Filmen.<\/p>\n<p>Daher ist die Idee, man m\u00fcsse die Geschichte durch eine &#8222;Revolution&#8220; beschleunigen, vermutlich obsolet und aus dem Kindergarten stalinistischer Textbausteine. Man kann alles ertr\u00e4glicher gestalten, etwa wenn die herrschende Klasse meint, die kosteng\u00fcnstigste Variante ihrer Herrschaft sei eine Diktatur, aber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Voluntarismus\">voluntaristisch<\/a> das Neue erzwingen zu wollen, wenn die objektiven Voraussetzungen nicht existieren, ist zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63399?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63399?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_63399 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_63399')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_63399').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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