{"id":63094,"date":"2025-11-30T17:05:47","date_gmt":"2025-11-30T16:05:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=63094"},"modified":"2025-12-02T17:16:30","modified_gmt":"2025-12-02T16:16:30","slug":"die-hebraeer-oder-die-habiru-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/11\/30\/die-hebraeer-oder-die-habiru-ii","title":{"rendered":"Die Hebr\u00e4er oder: Die Habiru II"},"content":{"rendered":"<p><i>Ich habe mir ein Kapitel des (nur f\u00fcr mich) h\u00f6chst interessanten Buchs von <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1936780585\/\/\/ref=nosim?tag=burkhardschroder&#038;th=1\">Robert Wolfe<\/a>: &#8222;From Habiru to Hebrews and Other Essays&#8220; (2011) \u00fcbersetzen lassen (umformuliert, alle Links sind von mir, 2. Teil).<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/%CA%BFApiru#\/media\/File:AreasOfHabiruActivityInAmarnaLettersLBIIA.svg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/11\/301125_3.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"bibel 1. Buch Samuel\"\/><\/a><\/p>\n<p>[Teil 1: Parasoziale Elemente oder: Die Habiru I (<a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/11\/26\/parasoziale-elemente-oder-die-habiru-i\">26.11.2025<\/a>)]<\/p>\n<p>Was war die genaue Bedeutung des Ausdrucks <i>Habiru<\/i> in seinem urspr\u00fcnglichen Kontext? Und dar\u00fcber hinaus: Lautete der Begriff tats\u00e4chlich <i>Habiru<\/i> oder vielmehr <i>Apiru<\/i>? Diese Fragen m\u00fcssen beantwortet werden, um die gr\u00f6\u00dfere Problematik der Beziehung zwischen den Bezeichnungen <i>Habiru<\/i> und <i>Hebr\u00e4er<\/i> anzugehen.<\/p>\n<p>\u00dcber viele Jahrzehnte nach der Entdeckung der Tafeln von Tell el-Amarna und anderer Fundorte zweifelte niemand daran, dass sie sich auf Menschen bezogen, die <i>Habiru<\/i> genannt wurden. In der englischsprachigen \u00dcbersetzung der Tell-el-Amarna-Tafeln durch <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/assyriangrammarw00mercuoft\/page\/n3\/mode\/2up\">Samuel Mercer<\/a> aus dem Jahr 1939 wird der Begriff <i>Habiru<\/i> ohne jeden Hinweis auf die M\u00f6glichkeit einer abweichenden Lesung verwendet. Nebenbei bemerkt erkl\u00e4rte F. H. Hallock in einem &#8222;Exkurs&#8220; am Ende des Buches [das ich nicht gefunden habe, B.S.] auf Seite 843:<\/p>\n<p><i>&#8222;Aber wir m\u00fcssen eine gewisse Verbindung zwischen Hebr\u00e4ern und Habiru einr\u00e4umen; linguistische und historische \u00dcberlegungen machen dies unvermeidlich, auch wenn wir angesichts gegenw\u00e4rtigen Wissens nicht mit allzu gro\u00dfer Gewissheit \u00fcber diese Verbindung sprechen k\u00f6nnen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Doch beginnend in den 1950er-Jahren wurden Zweifel an der Richtigkeit von <i>Habiru<\/i> als Lesung des keilschriftlichen Textes laut, wobei <i>Apiru<\/i> zunehmend als m\u00f6gliche alternative Lesung vorgeschlagen wurde.<\/p>\n<p>Akkadische Keilschrift, das Schriftsystem, in dem die Tell-el-Amarna-Tafeln verfasst wurden, besteht aus keilf\u00f6rmigen Eindr\u00fccken im Ton. Nach Ansicht der Experten konnte der betreffende Anfangskonsonant des fraglichen Zeichens entweder als \u201eh\u201c oder als \u201ep\u201c gelesen werden. Die akkadische Schrift selbst machte offenbar keinen Unterschied zwischen beiden Lauten. Doch bis in die 1950er-Jahre hinein waren einige Verweise auf die Habiru in anderen Schriftsystemen bekannt geworden, und in diesen schien der Anfangskonsonant ein \u201ep\u201c zu sein. Gleichzeitig wurde &#8211; aus Gr\u00fcnden, die mir nicht v\u00f6llig klar sind &#8211; behauptet, das Wort m\u00fcsse ohne einen anf\u00e4nglichen \u201eh\u201c gelesen werden. Manche Bibelwissenschaftler lie\u00dfen sich von diesen Argumenten nicht \u00fcberzeugen und verwendeten weiterhin die Bezeichnung <i>Habiru<\/i>. Die Mehrheit wechselte jedoch allm\u00e4hlich zu <i>Apiru<\/i>, das allgemein als die korrektere Lesung gilt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Akkadian_language#\/media\/File:P1050578_Louvre_Ob%C3%A9lisque_de_Manishtusu_d%C3%A9tail_rwk.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/11\/301125_4.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"bibel 1. Buch Samuel\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Akkadische Inschrift auf dem <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Manishtushu#Manishtushu_Obelisk\">Obelisken von Manishtushu<\/a>, 2600\u2013500 vor Chr., Louvre<\/sup><\/p>\n<p>Ich selbst halte mich nicht f\u00fcr qualifiziert, ein endg\u00fcltiges Urteil dar\u00fcber zu f\u00e4llen, ob <i>Habiru<\/i> oder <i>Apiru<\/i> die richtige Lesung ist, und mir erscheint auch nicht, dass die Beweislage eindeutig zugunsten der einen oder anderen M\u00f6glichkeit ausf\u00e4llt. In <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/\/B0018HMJ8A\/\/\/ref=nosim?tag=burkhardschroder&#038;th=1\">Le probl\u00e8me des Habiru<\/a>, ver\u00f6ffentlicht 1954, untersuchte Jean Bott\u00e9ro die damals verf\u00fcgbaren Texte ausf\u00fchrlich und kam auf Seite 156 zu dem Ergebnis, dass er die Frage nicht l\u00f6sen k\u00f6nne. Er selbst verwendete weiterhin den Begriff <i>Habiru<\/i>. Obwohl mir scheint, dass jene, die die Identit\u00e4t von Hebr\u00e4ern und Habiru bejahen, mit wenigen Ausnahmen eher den Begriff <i>Habiru<\/i> bevorzugen, neigen diejenigen, die die Identit\u00e4t der beiden Gruppen bestreiten, eher zu <i>Apiru<\/i>.<\/p>\n<p><b>&#8222;Hebrew&#8220; ist nat\u00fcrlich nicht das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr &#8222;Hebr\u00e4er&#8220;.<\/b><\/p>\n<p>Auch ich bejahe die Identit\u00e4t der beiden Gruppen und verwende daher den Ausdruck <i>Habiru<\/i>, der st\u00e4rker an &#8222;Hebrew&#8220; erinnert. Letztlich spielt es jedoch keine gro\u00dfe Rolle, welche Bezeichnung dem Wort &#8222;Hebrew&#8220; \u00e4hnlicher klingt, denn &#8222;Hebrew&#8220; ist nat\u00fcrlich nicht das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr &#8222;Hebr\u00e4er&#8220;. Das hebr\u00e4ische Wort lautet <i>Ivri<\/i>, das weder dem einen noch dem anderen Begriff besonders \u00e4hnlich ist.<\/p>\n<p>Andererseits sind die Unterschiede auch nicht allzu gro\u00df. Im Hebr\u00e4ischen kann der Buchstabe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beth\">bet<\/a> je nach Stellung im Wort entweder als \u201eb\u201c- oder als \u201ev\u201c-Laut ausgesprochen werden. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hebr%C3%A4er\">Ivri<\/a> wird mit einem bet geschrieben, weshalb viele \u00dcbersetzungen dieses Wortes, wie etwa &#8222;Hebrew&#8220;, ein &#8222;b&#8220; statt eines &#8222;v&#8220; verwenden. Was die M\u00f6glichkeit betrifft, dass das akkadische Wort mit einem &#8222;p&#8220; statt eines &#8222;b&#8220; ausgesprochen wurde, behandelt Manfred Weippert diese Frage in &#8222;The Settlement of the Israelite Tribes in Palestine&#8220; [<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/\/B002C9GRUE\/\/\/ref=nosim?tag=burkhardschroder&#038;th=1\">auf Deutsch<\/a>: &#8222;Die Landnahme der israelitischen St\u00e4mme in der neueren wissenschaftlichen Diskussion&#8220;]. Weippert bezweifelt nicht, dass Hebr\u00e4er und Habiru identisch waren, und bevorzugt die Lesung <i>Apiru<\/i> gegen\u00fcber <i>Habiru<\/i>. Doch wie viele andere Bibelwissenschaftler sieht er eine sprachliche Verbindung zwischen den akkadischen und den hebr\u00e4ischen Begriffen. Er f\u00fchrt insbesondere nicht weniger als 14 Beispiele an, in denen ein &#8222;b&#8220;-Laut in verschiedenen semitischen Sprachen zu einem &#8222;p&#8220;-Laut (oder umgekehrt) wurde, und folgert auf Seite 82: &#8222;Mit anderen Worten: Die Gleichung <i>apiru<\/i> = Hebr\u00e4er kann durchaus mit linguistischen Belegen untermauert werden.&#8220; Meine eigene Einsch\u00e4tzung ist, dass die Sprachbeweise keineswegs die Identit\u00e4t der akkadischen und hebr\u00e4ischen Begriffe beweisen, ihnen jedoch Raum lassen. Der Hauptgrund, warum die meisten Bibelwissenschaftler eine Verbindung der beiden Termini annehmen, liegt darin, dass sie in sehr \u00e4hnlicher Weise verwendet wurden.<\/p>\n<p><b>Die Gleichung <i>apiru<\/i> = Hebr\u00e4er kann durchaus mit linguistischen Belegen untermauert werden.<\/b><\/p>\n<p>Bibelwissenschaftler sind sich im Allgemeinen dar\u00fcber einig, wer die Habiru waren, uneinig jedoch dar\u00fcber, wie sie wahrgenommen wurden. Bott\u00e9ro zufolge war &#8222;Fl\u00fcchtling&#8220; die treffendste Bezeichnung, w\u00e4hrend Weippert &#8222;Outlaw&#8220; (&#8222;Ge\u00e4chteter&#8220;) bevorzugte. Das eine gemeinsame Merkmal, das die Habiru als Gruppe definierte, besteht darin, dass sie buchst\u00e4blich &#8211; sie lagerten am Rand der besiedelten Gebiete &#8211; und im \u00fcbertragenen Sinne au\u00dferhalb der etablierten sozialen Ordnung standen. Dennoch gab es offenbar erhebliche Unterschiede von Ort zu Ort hinsichtlich der Beziehung der Habiru zu den jeweiligen Staaten. Dienten sie als S\u00f6ldner, k\u00f6nnten sie ein besonderes Verh\u00e4ltnis zu einem Staat gehabt haben, das ihnen eine gewisse formale Anerkennung verschaffte. Einige Bibelwissenschaftler glauben, die Habiru seien generell als &#8222;Fremde&#8220; wahrgenommen worden, andere betonen ihren Status als &#8222;Fl\u00fcchtige&#8220;. Es gibt keinen offensichtlichen Grund, den einen Begriff dem anderen vorzuziehen, da beide eine gewisse Grundlage haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/%CA%BFApiru\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/11\/301125_2.jpg\" border=\"1\" width=\"480\" alt=\"sa.gaz\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Keilschriftliches sumerisches sa.gaz und das entsprechende westsemitische \u1e2ba-bi-ru<\/sup><\/p>\n<p>Ein Hinweis darauf, wie der Begriff <i>Habiru<\/i> im 2. Jahrtausend v. Chr. allgemein verstanden wurde, findet sich jedoch in der Existenz \u00e4hnlicher Begriffe anderer altorientalischer Sprachen. Besonders relevant ist hier der sumerische Ausdruck &#8222;SA.GAZ&#8220;. Ich wei\u00df nicht genug \u00fcber sumerische Hieroglyphen, um zu verstehen, warum er auf diese Weise geschrieben wird, doch da die meisten Bibelwissenschaftler das tun, folge ich ihnen. Die Sumerer waren ein Volk, dessen ethnischer und sprachlicher Hintergrund noch nicht ersch\u00f6pfend erforscht worden ist. Sie waren im s\u00fcdlichen Mesopotamien ans\u00e4ssig, als sie um 3000 v. Chr. ein hieroglyphisches Schriftsystem entwickelten. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Akkadische_Sprache\">akkadische Schrift<\/a> wurde aus der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sumerogram\">sumerischen<\/a> abgeleitet, und sie \u00fcbernahm auch den sumerischen Ausdruck &#8222;SA.GAZ&#8220;, der in akkadischen Texten &#8211; einschlie\u00dflich der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amarna-Briefe#:~:text=Bei%20den%20sogenannten%20Amarna%2DBriefen,Tell%20el%20Amarna%20in%20%C3%84gypten.\">Tell-el-Amarna-Tafeln<\/a> &#8211; weit verbreitet war und als Synonym f\u00fcr <i>Habiru<\/i> diente. Bott\u00e9ro stellt auf Seite 82 fest, dass die beiden Begriffe in <a href=\"https:\/\/opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de\/frontdoor\/index\/index\/docId\/40203\">Texten aus Boghazk\u00f6y<\/a>, der Hauptstadt des hethitischen Reiches im Gebiet der heutigen T\u00fcrkei, nebeneinander verwendet wurden und dass Bibelwissenschaftler \u00fcbereinstimmend davon ausgehen, dass ihre Bedeutung mehr oder weniger identisch war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de\/opus4-wuerzburg\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/40203\/file\/Schwemer_Keilschrift_Boghazkoei_71_1_8.pdf\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/11\/301125_5.jpg\" border=\"1\" width=\"480\" alt=\"keilschrift\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Keilschrifttext aus Boghazk\u00f6y<\/sup><\/p>\n<p>Nach Bott\u00e9ro (S. 149) ist die Grundbedeutung von SA.GAZ in seinem urspr\u00fcnglichen sumerischen Kontext &#8222;pejorativ und bezeichnet einen gewaltt\u00e4tigen und kriminellen Akt der Aggression und zumeist den T\u00e4ter einer solchen Aggression&#8220; (meine \u00dcbersetzung). Bott\u00e9ro schlie\u00dft daraus, dass &#8222;SA.GAZ&#8220; als \u201eR\u00e4uber\u201c wiederzugeben sei, obwohl er meint, dass &#8222;Fl\u00fcchtling&#8220; die beste \u00dcbersetzung f\u00fcr <i>Habiru<\/i> sei. Dieser Widerspruch ist jedoch nur scheinbar, da die Habiru offenbar Fl\u00fcchtlinge (oder Gefl\u00fcchtete) waren, die zu R\u00e4ubern wurden.<\/p>\n<p>Genau diese Auffassung vertritt auch <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/544204?read-now=1\">Nadav Na\u2019aman<\/a> in seinem Kapitel &#8222;Habiru-like Bands in the Assyrian Empire and Bands in Biblical Historiography&#8220; in Band I seiner &#8222;Collected Essays&#8220;. In assyrischen Inschriften aus dem 7. und 8. Jahrhundert v. Chr. wird eine Gruppe namens &#8222;urbi&#8220; erw\u00e4hnt. Die Bedeutung dieses Begriffs wurde verschieden \u00fcbersetzt: als &#8222;Fl\u00fcchtlinge&#8220;, &#8222;Banditen&#8220;, &#8222;irregul\u00e4re Truppen&#8220;, &#8222;eine besondere Art Soldaten&#8220; oder &#8222;Elitekrieger&#8220;. Nach Na\u2019aman leitet sich der Begriff &#8222;urbi&#8220; ab von <i>merubu<\/i>, ein Verb, das &#8222;fliehen, davonlaufen, entkommen&#8220;\u201c bedeutet. Na\u2019aman f\u00e4hrt auf Seite 299 fort:<\/p>\n<p><i>&#8222;Der Begriff urbi bezeichnet Gruppen von Fl\u00fcchtlingen, die angesichts assyrischer Feldz\u00fcge, Zerst\u00f6rungen oder Annexionen aus ihrer Heimat flohen und Zuflucht in Randgebieten suchten. Diese Vertriebenen versuchten, sich neuen Umst\u00e4nden anzupassen, indem sie eine Bande bildeten, die unter der F\u00fchrung eines herausragenden Anf\u00fchrers stand. Die Banden waren unabh\u00e4ngige bewaffnete Einheiten, zahlenm\u00e4\u00dfig begrenzt und durch ihre r\u00e4uberische Natur und ihr milit\u00e4risches K\u00f6nnen charakterisiert. H\u00e4ufig wurden sie f\u00fcr sesshafte und pastorale Gesellschaften gef\u00e4hrlich. Aufgrund ihrer milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten dienten sie gelegentlich als S\u00f6ldner in den Armeen benachbarter Herrscher.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Und Na\u2019aman schlie\u00dft:<br \/>\n<i>&#8222;Alle diese Merkmale sind typisch f\u00fcr die Banden der Habiru, die aus sp\u00e4t-drittem und mittel-zweitem Jahrtausend v. Chr. im Alten Orient wohlbekannt sind.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Der wichtigste Punkt, der sich aus alledem ergibt, ist, dass f\u00fcr die Menschen, die die Texte verfassten und lasen, in denen Begriffe wie &#8222;SA.GAZ&#8220;, <i>Habiru<\/i> oder &#8222;urbi&#8220; auftauchen, all diese Termini offenbar eine negative Konnotation besa\u00dfen. Mitunter wird diese Konnotation explizit, wie in einer der Tell-el-Amarna-Tafeln, die auf Seite 261 von Mercers \u00dcbersetzung erscheint, wo ein kanaan\u00e4ischer Beamter von einem anderen sagt, er sei zu einem &#8222;SA.GAZ-Hund&#8220;, einem &#8222;herumstreunenden Hund&#8220;, geworden. Die Habiru waren definitionsgem\u00e4\u00df Outlaws, da sie nicht Teil der etablierten sozialen Ordnung waren und sich selbst auch nicht als ihr Teil betrachteten. Dar\u00fcber hinaus verlieh die Tatsache, dass viele von ihnen entflohene Sklaven waren, ihrer Wahrnehmung ein zus\u00e4tzliches Element der Kriminalit\u00e4t, denn die Flucht aus der Sklaverei galt als schweres Verbrechen, oft mit dem Tod bestraft. Zweifellos haftete den Habiru auch das Bild an, eine ernsthafte milit\u00e4rische Gefahr darzustellen, doch mag sie dies f\u00fcr einige attraktiv gemacht haben; f\u00fcr die etablierte Gesellschaft jedoch war dies vermutlich nur ein weiterer Punkt der Anklage. Ob die Habiru selbst Stolz aus ihrem Outlaw-Status zogen, l\u00e4sst sich schwer sagen, doch deutet die Gesamtheit der Belege darauf hin, dass sie sich \u2013 ob mit oder ohne Stolz \u2013 bem\u00fchten, ihn loszuwerden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/bwb_KU-109-098\/page\/176\/mode\/2up?q=sa.gaz\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/11\/301125_6.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"keilschrift\"\/><\/a><br \/>\n<sup> James W. Jack: The Date of the Exodus, Edinburgh 1925<\/sup><\/p>\n<p>Der beste Weg herauszufinden, wie die Habiru dazu standen, <i>Habiru<\/i> genannt zu werden, besteht darin zu untersuchen, wie die Hebr\u00e4er empfanden, &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; genannt zu werden. Alle Texte, die die Habiru erw\u00e4hnen, wurden von anderen geschrieben und spiegeln daher nicht die Sicht der Habiru selbst wider; die Hebr\u00e4er hingegen hatten mehrfach Gelegenheit, ihren eigenen Standpunkt darzulegen. Und das Erste, was jedem Bibelleser auff\u00e4llt, ist, dass der Begriff &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; im Tanach kaum verwendet wird. Im gesamten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tanach\">Tanach<\/a> erscheint er lediglich 39 Mal. In der Tora werden die Hebr\u00e4er fast immer als &#8222;S\u00f6hne Israels&#8220; (<a href=\"https:\/\/jel.jewish-languages.org\/words\/2371\">b\u2019nei Israel<\/a> auf Hebr\u00e4isch, gew\u00f6hnlich mit &#8222;Kinder Israels&#8220; oder &#8222;Israeliten&#8220; \u00fcbersetzt) bezeichnet. In den sp\u00e4teren Teilen des Tanach erscheinen weitere Bezeichnungen, jedoch kaum je &#8222;Hebr\u00e4er&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn der Begriff &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; dennoch vorkommt, dann in spezifischen Bedeutungszusammenh\u00e4ngen. Nadav Na\u2019aman hat diese Frage ausf\u00fchrlich in seiner Studie &#8222;Habiru and Hebrews: The Transfer of a Social Term to the Literary Sphere&#8220; untersucht, die in Band 2 seiner Collected Essays erschien. Wie die meisten Bibelwissenschaftler bestreitet Na\u2019aman nicht, dass die Hebr\u00e4er Habiru waren, doch zweifelt er nicht daran, dass der Begriff <i>Hebrew<\/i> von <i>Habiru<\/i> abstammt. Er weist darauf hin, dass der Begriff im Tanach in der Regel verwendet wird, um &#8222;Israeliten in au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden&#8220; zu bezeichnen. Insbesondere dient er der Beschreibung von &#8222;Israeliten, die in ein fremdes Land migriert sind&#8220; oder &#8222;Israeliten in einer Lage der Knechtschaft&#8220;. Er erg\u00e4nzt, dass die Verwendung des Begriffs &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; besonders in den Erz\u00e4hlungen des Buches Exodus auff\u00e4llig ist, wo er auf Israeliten angewendet wird, die von den \u00c4gyptern zur schweren Fronarbeit versklavt und ausgebeutet wurden. Und zusammenfassend stellt er auf Seite 271 fest:<\/p>\n<p><b>&#8222;Es scheint, dass alle biblischen Bez\u00fcge zu den \u2018Hebr\u00e4ern\u2019 gewisse Z\u00fcge widerspiegeln, die den Habiru des zweiten Jahrtausends v. Chr. zugeschrieben werden.&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie der Begriff &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; im Tanach verwendet wird, findet sich in Kapitel 29 des Ersten Buches Samuel Nachdem David gezwungen ist, das Gebiet Israels zu verlassen, weil der amtierende K\u00f6nig Saul seine Verfolgung aufgenommen hat, sammelt der zuk\u00fcnftige K\u00f6nig eine Schar von Au\u00dfenseitern um sich und sucht Schutz bei den Philistern. Nun bereiten die Philister eine Schlacht gegen Saul vor, und David und seine M\u00e4nner sind bereit, sich ihnen anzuschlie\u00dfen. Doch die &#8222;F\u00fcrsten der Philister&#8220; rufen aus: &#8222;Was machen diese Hebr\u00e4er hier?&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/11\/301125_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/11\/301125_1kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"bibel 1. Buch Samuel\"\/><\/a><br \/>\n<sup><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/1sam29.html\">1. Buch Samuel<\/a> 27, Vers 3 in der Lutherbibel von 1525<\/sup><\/p>\n<p>Der Philisterf\u00fcrst, der \u00fcber David den Schutz der Philister aus\u00fcbt, sieht sich gezwungen, David und seine M\u00e4nner fortzuschicken, weil die anderen Philisterf\u00fchrer ihnen misstrauen und bef\u00fcrchten, sie k\u00f6nnten sich im bevorstehenden Kampf K\u00f6nig Saul anschlie\u00dfen, sobald die Schlacht unmittelbar bevorsteht. Die Verwendung des Ausdrucks &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; in diesem Zusammenhang kann nat\u00fcrlich als Bezugnahme auf die ethnische Gruppe verstanden werden, der David und seine M\u00e4nner angeh\u00f6rten; zugleich ergibt sie jedoch ebenso vollkommen Sinn als Synonym f\u00fcr <i>Habiru<\/i>, da eine Gruppe von S\u00f6ldnern \u2013 wie sie h\u00e4ufig beschrieben werden \u2013 von den meisten Philisterf\u00fchrern mit Geringsch\u00e4tzung betrachtet wurde. Es scheint, als h\u00e4tten die Autoren des Tanach gelegentlich nicht umhin gekonnt, den Begriff &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; zu verwenden, um ihrer Darstellung zus\u00e4tzliche Anschaulichkeit zu verleihen, zugleich jedoch jede explizite Identifizierung der Hebr\u00e4er als Habiru systematisch vermieden, weil dies mit der Legende der &#8222;S\u00f6hne Israels&#8220; kollidiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nach Na\u2019aman geschah Folgendes: Der Ausdruck &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; wurde durch die j\u00fcdischen Schriftsteller der Sp\u00e4tphase des Zweiten Tempels, die ihn zunehmend als Bezeichnung der Vorfahren der Juden verwendeten, davor gerettet, ganz zu verschwinden. Es scheint mir, dass zu dieser Zeit die Verbindung zwischen den Habiru und den Hebr\u00e4ern &#8211; die zur Zeit der Abfassung der B\u00fccher des Tanach eindeutig bekannt war &#8211; weitgehend in Vergessenheit geraten war und dass der Begriff &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; allm\u00e4hlich eine religi\u00f6se Bedeutung erlangte, die sich stark von seinen urspr\u00fcnglichen Konnotationen unterschied. Vielleicht wurde &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; unter dem Einfluss des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flavius_Josephus\">Josephus<\/a>, der den Begriff h\u00e4ufig verwendete, zu einem respektablen Ausdruck im christlichen (und letztlich auch j\u00fcdischen) Diskurs und diente als Alternative zum stets pejorativ gebrauchten Ausdruck &#8222;Jude&#8220;.<\/p>\n<p>Die hebr\u00e4ische Sprache bewahrt jedoch noch immer eine Spur der urspr\u00fcnglichen Bedeutung des Begriffes. Das hebr\u00e4ische Wort <i>Ivri<\/i> stammt von einer hebr\u00e4ischen Wurzel \u02bfbr (ayin, bet, resh), deren Grundbedeutung &#8222;hin\u00fcbergehen&#8220;, &#8222;\u00fcberqueren&#8220; oder &#8222;\u00fcberschreiten&#8220; ist. Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr &#8222;Vergangenheit&#8220; ist ebenfalls von dieser Wurzel abgeleitet. Es gibt au\u00dferdem eine Reihe weiterer W\u00f6rter im Hebr\u00e4ischen, die von dieser Wurzel abstammen und deren Bedeutung exakt der englischen Bedeutung von &#8222;transgress&#8220; entspricht &#8211; also das \u00dcberschreiten einer erlaubten Grenze. Dazu geh\u00f6ren <a href=\"https:\/\/www.pealim.com\/dict\/4663-avaryan\/\">avaryan<\/a> (&#8222;Gesetzesbrecher&#8220;) und <a href=\"https:\/\/www.pealim.com\/search\/?from-nav=1&#038;q=avera\">avera<\/a> (&#8222;Versto\u00df gegen die Regeln&#8220;). Einige Bibelwissenschaftler sind sogar so weit gegangen zu behaupten, das Wort <i>Habiru<\/i>, dessen Bedeutung im Akkadischen nicht v\u00f6llig klar ist, sei von derselben westsemitischen Wurzel wie <i>Ivri<\/i> abgeleitet und habe die Bedeutung &#8222;\u00fcberqueren&#8220;, sei es als Fl\u00fcchtlinge oder als Gesetzesbrecher. Wie dem auch sei, es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Begriffe &#8222;Hebr\u00e4er&#8220; und &#8222;Habiru&#8220; eng miteinander verbunden sind, und die naheliegendste Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Beziehung ist, dass die Hebr\u00e4er tats\u00e4chlich Habiru waren.<\/p>\n<p>Wird fortgesetzt.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63094?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63094?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_63094 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_63094')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_63094').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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