{"id":60089,"date":"2025-04-29T20:10:08","date_gmt":"2025-04-29T18:10:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=60089"},"modified":"2025-04-29T20:10:08","modified_gmt":"2025-04-29T18:10:08","slug":"unter-hehlern-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/04\/29\/unter-hehlern-2","title":{"rendered":"Unter Hehlern"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/04\/290425_4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/04\/290425_4kl.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"Weimer Interview\"\/><\/a><br \/>\n<sup>&#8222;Kritische W\u00e4chter&#8220; &#8211; Interview mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfram_Weimer\">Wolfgang Weimer<\/a>, damals Chefredakteur von <i>Cicero<\/i>, in: <i>Berliner Journalisten<\/i> (heute <i><a href=\"https:\/\/nitromagazin.com\">Nitro<\/a><\/i>, 4\/2005)<\/sup><\/p>\n<p>Weimer wird also <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beauftragter_der_Bundesregierung_f%C3%BCr_Kultur_und_Medien\">Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien<\/a>. Vor zwei Jahrzehnten habe ich ihn nach der <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/cicero-durchsuchung-chronik-einer-affaere-a-468868.html\">Cicero-Aff\u00e4re interviewt<\/a> (vgl. oben).<\/p>\n<p>Ich mag den Ex-Religionslehrer Weimer und seine Thesen nicht &#8211; wie auch alle anderen Verehrer h\u00f6herer Wesen. Ich halte ihn jedoch f\u00fcr einen guten Journalisten, stramm b\u00fcrgerlich, aber jemand, der etwas den Tugendterror und die politische Korrektheit der Gr\u00fcninnen hat.<\/p>\n<p>Mein Leitartikel in derselben Ausgabe von <i>Berliner Journalisten<\/i> hie\u00df &#8222;Unter Hehlern&#8220;. Ich finde meine Thesen immer noch aktuell.<\/p>\n<p>&#8222;Gut, dass die Staatsanwaltschaft und die Polizei im September ein recht harmloes &#8222;Magazin f\u00fcr politische Kultur&#8220; durchsucht haben. Wenn es nicht <i>Cicero<\/i> getroffen h\u00e4tte, sondern ein linksradikales Bl\u00e4ttchen oder gar eine politisch braun gebrannte Zeitung wie die <i>Junge Freiheit<\/i>, dann regte sich kaum jemand auf. Die notwednige Debatte \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Presse w\u00e4re nicht angesto\u00dfen worden. Ob diese jemals stattfinden wird &#8211; mit einem Ergebnis, das dicker ist als hei\u00dfe Luft, steht in der Sternen.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber die Wortf\u00fchrer der Eliten und ihre politische Kultur nur wenige Krokodilstr\u00e4nen vergie\u00dfen: Anfang Juli wurden die Privatr\u00e4ume von Redakteuren des gewerkschaftsnahen Online-Magazins <i><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/\">Labournet<\/a><\/i> durchsucht und s\u00e4mtliche Computer und Teile des archivierten Schriftverkehrs beschlagnahmt. Anfang August traf es die Zeitschrift <i><a href=\"http:\/\/www.atom-aktuell.de\/\">Atom Aktuell<\/a><\/i>, die ehrenamtlich produziert wird &#8211; die Polizei nahm alle Rechner mit, das Blatt konnte zeitweilig nicht mehr erscheinen.<\/p>\n<p>Otto Schily hat die Aufgaben des Journalismus in einem Interview mit dem <i>Spiegel<\/i> exakt beschrieben; Man d\u00fcrfte einem Bestohlenen nicht vorwerfen, er h\u00e4tte sich nicht darum gek\u00fcmmert, dass ihm nichts entwendet werde, und deshalb d\u00fcrfte auch nicht beim Hehler durchsucht werden. Jawohl, Journalisten stehlen Geheimnisse und andere Informationen, die die M\u00e4chtigen f\u00fcr sich behalten m\u00f6chten. Journalisten, die das nicht versuchen, sondern nur talkshowen, arbeiten als Hofnarren. <span style=\"background-color:yellow;\">Die Medien sind Hehler: Sie beteiligen sich am Geheimnisverrat und verdienen daran.<\/span><\/p>\n<p>Skandal\u00f6s ist, dass diese schlichte These im br\u00e4sigen Diskurs der deutschen \u00d6ffentlichkeit nicht konsensf\u00e4hig ist. Unerbittlich ausgewogen diskutierte man \u00fcber den &#8222;Grad der Vertraulichkeit&#8220; der Dokumente, die <a hef=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bruno_Schirra\">Bruno Schirra<\/a> ver\u00f6ffentlicht hatte, und dar\u00fcber, ob der &#8222;Informationsgehalt&#8220; rechtfertige, sie publiziert zu haben. So what?<\/p>\n<p>Robert Leicht argumentiert in der <i>Zeit<\/i>, im <i>Cicero<\/i>-Artikel vom April, der Anlass von Ermittlungen war, gehe es nirgendwo darum, einen Skandal oder ein rechtswidriges Handeln deutscher Beh\u00f6rden aufzudecken. &#8222;Mithin scheiden eventuelle Rechtfertigungsgr\u00fcnde vornherein aus.&#8220; Vor wem sollte sich ein Journalist rechtfertigen m\u00fcssen, etwas Geheimes ausgeplaudert zu haben &#8211; vor dem Common Sense, vor dem Rundfunk- oder Jugendschutzwart oder vor einem rundum vollversorgten Redakteur &#8211; mit Pensionsanspruch und \u00f6ffentlich-rechtlichem Tunnelblick -, der in seiner Freizeit den Gewerkschaftsf\u00fchrer f\u00fcr journalistische Freiberufler mimt?<\/p>\n<p>Gut deutsch ist Journalismus offenbar, wenn er sich an moraltheologische Vorgaben und an den Zielen der p\u00e4dagogisch wertvollen Aufkl\u00e4rung orientiert. Wer etwas publiziert, das etwa den zahnlosen Papiertiger Presserat kurzzeitig aus dem Schlaf weckt und zu einem folgenlosen verschnarchten Verdikt animiert, der wird hierzulande scheel angesehen. Journalismus in angels\u00e4chsischer Tradition nimmt kompromisslos das \u00f6ffentliche Interesse, sei es politisch oder schlicht voyeuristisch, zum Ma\u00dfstab. <i>Cicero<\/i> hat also richtig gehandelt, das gar nicht so geheime Papier des BKA publiziert zu haben.<\/p>\n<p><i>Cicero<\/i>-Chefredakteur Wolfram Weiner spricht in einem Interview mit <i>Berliner Journalisten<\/i> von einem &#8222;\u00fcbergeordneten journalistischem Interesse&#8220; und von einer &#8222;moralischen un normativen Selbstkontrolle&#8220;, die bis heute funktioniere. Ob das aber dem deutschen Journalismus n\u00fctzt, darf getrost bezweifelt werden. Die Staatsraison und das Gro\u00dfe Ganze sind gut, aber f\u00fcr Journalisten irrelevant. Dem Kaiser die Kleider auszuziehen und allen Leuten seine unappetitliche Bl\u00f6\u00dfe zu zeigen, ist besser.&#8220;<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60089?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60089?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_60089 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_60089')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_60089').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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